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Hund: Übergewicht

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Adipositas, Fettleibigkeit

Etwa 20 – 30% aller Hunde, die in der tierärztlichen Praxis vorgestellt werden, leiden an Übergewicht. Häufig sind sich die Hundehalter dieses Übergewichts nicht bewusst, sondern es ist eher ein „ Zufallsbefund“ im Rahmen einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung oder Impfung.

Ursachen

Meist sind eine oder mehrere Ursachen an der Entstehung von Übergewicht beteiligt:

  • Falsche Futtermenge: Es gehört zum normalen Verhalten des Hundes, dass er möglichst viel frisst, wenn ihm Futter angeboten wird. Dies diente seinen Vorfahren dazu, in schlechten Zeiten eine Reserve zu haben. Das tägliche, regelmäßige Futterangebot heutzutage macht dieses “ Auf-Vorrat-Fressen“ jedoch unnötig. Die Verantwortung für die richtige Futtermenge liegt deswegen in den Händen der Hundebesitzer.
  • Falsches Futter: Achten Sie darauf, dass Sie ein Futtermittel auswählen, das speziell an das jeweilige Alter und die Beanspruchung Ihres Hundes angepasst ist.
  • Bewegungsmangel
  • Füttern von Tischabfällen: Häufig ist zwar die Futterration passend berechnet, das Übergewicht entsteht jedoch durch das Zufüttern von Leckerlis oder Tischabfällen. Diese zusätzlichen Kalorien müssen nämlich von der täglichen Futterration abgerechnet werden, damit der Hund nicht zu dick wird.
  • Alter: Im Alter nehmen Bewegung und Kalorienverbrauch ab. Die Futterration muss entsprechend angepasst werden. Auch zum Ende der Hauptwachstumsphase, also nach etwa 12 Monaten, muss das Gewicht besonders sorgfältig beobachtet werden.
  • Geschlecht: Grundsätzlich scheinen Hündinnen eher für die Entwicklung von Übergewicht anfällig zu sein. Bei beiden Geschlechtern ist die Kastration ein zusätzlicher Risikofaktor: Durch die hormonelle Umstellung nach einer Kastration werden weniger Kalorien gebraucht, um das Gewicht zu halten. Auch hier muss die Futtermenge angepasst werden.
  • Rasse: Einige Hunderassen sind besonders anfällig für die Entwicklung von Fettleibigkeit.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Phasen bei der Entstehung von Übergewicht: In der so genannten dynamischen Phase nimmt der Hund zu viel Energie auf, bekommt also zu viel Futter oder das Futter enthält zu viele Kalorien. Besonders im ersten Lebensjahr passiert das schnell. Diese Energieüberversorgung führt zur Bildung von Fettreserven. In der darauf folgenden statischen Phase frisst der Hund eigentlich eine normale oder sogar erniedrigte Futtermenge. Durch die Fettreserven ist die Hautisolation jedoch verbessert, die Hormone haben sich bereits umgestellt und durch verminderte Bewegungsfreude bleibt das Übergewicht bestehen. Dies erklärt, warum viele Hundehalter das Übergewicht ihres Hundes nicht erkennen oder nicht in den Griff bekommen – sie füttern nämlich wirklich nur wenig!

Übergewicht verringert die Lebenserwartung eines Hundes und schränkt seine Lebensqualität häufig deutlich ein. Außerdem begünstigt Übergewicht die Entstehung einiger schwerer Erkrankungen wie beispielsweise:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Zunehmendes Körpergewicht führt Bluthochdruck und zu einer überhöhten Belastung des Herzmuskels (siehe Herzinsuffizienz). Die Leistungsfähigkeit eines übergewichtigen Hundes nimmt deutlich ab.
  • Atembeschwerden: Körperfett lagert sich auch im Brustraum ein und verhindert, dass sich die Lungenflügel bei der Einatmung entfalten können.
  • Erkrankungen des Skelettsystems wie Arthrosen, Hüftgelenksdysplasie, Ellenbogengelenksdysplasie, Osteochondrosis dissecans u.a.
  • Hormonstörungen: Einige Studien sehen einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, die wiederum zu Diabetes mellitus führen kann.
  • Lebererkrankungen
  • Erkrankungen der Harnwege: Übergewicht ist ein Risikofaktor für Urolithiasis.
  • Schnelle Ermüdung und dadurch eingeschränkte Lebensfreude
  • Hitzeintoleranz
  • Erhöhtes Risiko bei Narkosen und Operationen
  • Anfälligkeit für Infektionskrankheiten
  • Hautentzündungen: Durch starkes Übergewicht entstehen Bewegungseinschränkungen, die eine ausreichende Fellpflege verhindern. Auch Malasseziabefall tritt bei dicken Hunden gehäuft auf.
  • Anfälligkeit für Krebserkrankungen: Der Zusammenhang zwischen krankhaftem Übergewicht und einigen häufigen Krebserkrankungen beim Menschen ist bewiesen und wird auch beim Hund angenommen.

Diagnose

Es ist sehr schwierig, das Gewicht des eigenen Hundes richtig einzuschätzen. Für jede Hunderasse sind zwar bestimmte Rassestandards bekannt, das genaue Normalgewicht ist jedoch von der Größe und dem Typ des Einzeltieres abhängig. Grundsätzlich gilt, dass bei einem normalgewichtigen Hund alle Rippen und die Rippenränder beim Streicheln durch die Haut spürbar sein sollten. Bei Übergewicht hat sich dort nämlich eine Fettschicht gebildet, die die Rippen nur noch undeutlich spüren lässt. Seitlich oder von oben betrachtet kann folgendes Schema bei der Einschätzung des Normalgewichts helfen:

Abb. H13F1CQN
Abb. H13F1CQN: Erscheinungsbild eines normal-, unter- und übergewichtigen Hundes.

Gerade bei langhaarigen Hunden oder Hunden mit dichter Unterwolle ist die für die Beurteilung des Gewichts notwendige Silhouette jedoch nicht gut zu erkennen. Im Idealfall wird das Fell deswegen komplett durchnässt oder sogar geschoren. Da dies natürlich nicht in jedem Fall möglich ist, kann auch ein Handtuch o.ä. ganz straff über den Hunderücken nach unten gezogen werden. Zumindest die Taille kann so gut erkannt werden – sofern sie vorhanden ist!

Behandlung

Eine Gewichtsreduktion erfordert Konsequenz und Zeit. Die Kalorienmenge muss reduziert, die Fütterungstechnik (also wann und wie gefüttert wird) meist geändert und der Hund gleichzeitig zu aktiver Bewegung motiviert werden. Je nach Höhe des Übergewichts sollten mindestens 12 Wochen für eine Gewichtsreduktion eingeplant werden. Je langsamer und schonender der Hund abnimmt, desto weniger belastet die Diät den Organismus und desto langfristiger wird das reduzierte Gewicht meist gehalten. Der Erfolg der Behandlung sollte durch wöchentliches Wiegen kontrolliert werden. Je nach Größe des Hundes kann dieser alleine auf eine geeignete Personenwaage gesetzt oder auf dem Arm der Besitzer gewogen werden. Wer die Diät seines Hundes ganz genau und gewissenhaft durchführen möchte, kann Wiegungen in regelmäßigem Abstand auf einer speziellen Tierwaage beim Tierarzt durchführen lassen.

Diät

Grundsätzlich kann bei Übergewicht nicht einfach nur eine geringere Menge des normalen Futters gegeben werden, da dies zu Versorgungslücken mit Vitaminen und Mineralstoffen führen würde. Spezielle Futtermittel zur Gewichtsreduktion sind deswegen erhältlich. Bei leichtem Übergewicht können so genannte Light-Futtermittel, die im Zoofachhandel erhältlich sind, eingesetzt werden. Alternativ kann auch das normale Futtermittel leicht reduziert und mit geraspelten Möhren, Apfel, Sauerkraut, Weizenkleie oder Zellulose gestreckt werden, um das Sättigungsgefühl des Hundes zu erhöhen. Dies kann Betteln, dem Fressen von Unrat oder sogar Aggressionen vorbeugen.

Bei starkem Übergewicht würden Light-Futtermittel jedoch auch zu Mineralstoff- und Vitaminmangel führen. Starkes Übergewicht sollte daher mit Hilfe von so genannten Reduktionsdiäten behandelt werden, die über einen Tierarzt bezogen oder nach genauer Rezeptanweisung auch gekocht werden können. Häufig fressen die Hunde diese Futtermittel nicht gerne. Das scheint am Anfang zwar praktisch zu sein, da der Hund ja abnehmen soll, aber langfristig muss das Futter regelmäßig gefressen werden. Bei Futterverweigerung sollte daher erst das übliche Futter untergemischt und dann langsam reduziert werden. Auch Diätfutter darf nicht in unbegrenzter Menge gefüttert werden. Es muss genau – am besten in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt oder seiner dafür geschulten tiermedizinischen Fachangestellten – festgelegt werden, wie viele Kalorien aufgenommen werden dürfen, um das Zielgewicht zu erreichen. Etwa alle vier Wochen kann die Ration dem bereits veränderten Gewicht angepasst werden.

Fütterungstechnik

Folgende Fütterungstechniken haben sich bewährt:

  • Wann und auf wie viele Portionen die tägliche Ration verteilt wird, kann für jeden Hund unterschiedlich entschieden werden. Wichtig ist jedoch, dass die Fütterung verlässlich immer zur gleichen Zeit erfolgt.
  • Futter, auch Trockenfutter, darf nicht zur freien Verfügung stehen. Etwa 10 Minuten nach der Fütterung wird der Napf entfernt, auch wenn nicht aufgefressen wurde.
  • Füttern Sie den Hund alleine und nicht mit anderen Haustieren gemeinsam. Auch beim Kochen oder beim Essen der Familie sollte der Hund nicht im Zimmer sein.
  • Belohnungen oder Leckerlis dürfen weiterhin gefüttert werden, die dadurch gefütterten Kalorien müssen jedoch von der Gesamtkalorienmenge abgezogen werden. Maximal 10% der täglichen Kalorien sollten über Leckerlis aufgenommen werden. Ideal ist es, wenn das Trockenfutter auch als Leckerli akzeptiert wird.
  • Es kann auch hilfreich sein, eine Umstellung von Trockenfutter auf Feuchtfutter vorzunehmen. Die Futtermenge bei Feuchtfutter ist höher und der Magensättigungseffekt hält länger an. Trockenfutter kann dann wiederum gut als Leckerlis benutzt werden.
  • Damit Sie nicht den ganzen Tag rechnen müssen und die Zusammenarbeit mit allen Familienmitgliedern klappt: Stellen Sie morgens die Gesamtfuttermenge einschließlich Leckerli zusammen und füttern Sie alle nur aus diesem Vorrat.

Bewegung

Je mehr ein Hund sich bewegt, desto mehr Kalorien verbraucht er. Übergewichtige Hunde sind jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit bereits eingeschränkt und eine plötzliche Umstellung auf starke Bewegung kann zu orthopädischen Problemen oder Herz-Kreislauf-Störungen führen. Daher sollten Sie Ihren Hund langsam an mehr Bewegung gewöhnen. Sind Sie bislang mit Ihrem Hund beispielsweise 3-mal täglich 20 Minuten in ruhigem Schritttempo spazieren gegangen, beginnen Sie nun, 10 Minuten davon flotter zu gehen – ohne Schnüffelpausen. Nach einer Woche steigern Sie von 20 auf 30 Minuten, davon 15 Minuten flotter. Nach drei Wochen beginnen Sie, den Hund zwischendurch 10 Minuten locker am Fahrrad mittraben zu lassen. Beobachten Sie Ihren Hund genau und steigern Sie die Bewegung entsprechend des Gewichtsverlusts.

Prognose

Mit entsprechender Konsequenz und Geduld sowie dem Mitwirken aller Familienmitglieder kann Übergewicht bei Hunden meist erfolgreich reduziert werden. Wichtig für den langfristigen Erfolg ist jedoch, dass nach Erreichen des Normalgewichts nicht wieder in frühere Verhaltensmuster verfallen wird. Es lohnt sich beispielsweise, die Nährstoffgehalte der verschiedenen Futtermittel zu vergleichen und ein Futter mit geringem Kalorien- und Fettgehalt zu wählen. Die Futtermenge richtet sich nicht nach der empfohlenen Menge auf der Packung, sondern allein nach dem Gewicht des Hundes. Daher ist es insbesondere am Anfang wichtig, den Hund weiterhin regelmäßig zu wiegen. Sobald das Gewicht wieder steigt, muss die Futtermenge verringert werden. Das Bewegungspensum aber muss unverändert hoch bleiben!

Vorbeugung

„ Hunde sollten langsam und mager groß werden.“ Dieser alte Grundsatz hilft, viele Krankheiten zu verhindern und ein langes Leben mit dem Hund zu teilen. Achten Sie bereits bei Ihrem Welpen auf das Gewicht und wiegen Sie auch Ihr erwachsenes Tier regelmäßig, damit Gewichtszunahmen rechtzeitig erkannt und behoben werden können.

ACHTUNG

Übergewicht kann auch durch einige schwere Allgemeinerkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion verursacht werden. Dies kann durch eine gründliche tierärztliche Untersuchung vor dem Beginn der Diät ausgeschlossen werden.

Stand: 27.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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08.10.2012: Tierfreund
Last die Finger weg von Dieatfuttermiettel immer dieses scheiß Industriefutter das macht die Tiere nur Kranker....Leute fangt entlich an eure Hunde Artgerecht zu füttern.

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