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Hund: Scheinträchtigkeit

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Pseudogravidität, Laktomanie, Lactatio falsa

Der gesamte Zyklus der Hündin dauert zwischen 6 und 8 Monaten und gliedert sich in vier Phasen. Die erste Phase wird als Proöstrus bezeichnet und dauert im Mittel etwa 10 Tage. Der Proöstrus ist durch eine geschwollene Vulva und blutigen Scheidenausfluss gekennzeichnet. Die Hündin ist für Rüden bereits sehr interessant, sie lässt sich jedoch noch nicht decken. Im sich anschließenden Östrus, der ebenfalls etwa 10 Tage dauert, wird der anfänglich blutige Ausfluss fleisch-wasserfarbig bis wässrig. Die Hündin ist nun deckbereit, d.h. interessierte Rüden werden nicht mehr weggebissen. In dieser Phase findet der Eisprung (Ovulation) statt, eine Trächtigkeit ist möglich. Proöstrus und Östrus werden zusammen im Allgemeinen als Läufigkeit bezeichnet.

An die bis zu 21 Tage dauernde Läufigkeit schließt sich der so genannte Diöstrus an. Die Hündin kann in dieser Zyklusphase nicht mehr tragend werden. Sie produziert in den nächsten 60 – 80 Tagen das Hormon Progesteron – unabhängig davon, ob sie erfolgreich gedeckt wurde oder nicht. Nach etwa 60 Tagen sinkt der Progesteron-Spiegel bei der nicht-tragenden Hündin und sie kommt in eine Phase der hormonellen Ruhe, dem so genannten Anöstrus.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Scheinträchtigkeit sind unklar. Inzwischen weiß man, dass bei betroffenen Hündinnen am Ende des Diöstrus zwar ganz normal die Progesteron-Konzentration im Blut sinkt, dafür jedoch die Konzentration eines anderen Hormons – das Prolaktin – steigt. Prolaktin ist eigentlich für die Milchbildung am Ende einer Trächtigkeit zuständig. Warum Prolaktin bei scheinträchtigen Hündinnen ansteigt, konnte bisher nicht heraus gefunden werden. Auffällig ist, das besonders kleine Hunderassen von Scheinträchtigkeit betroffen sind.

Bei den Vorfahren der Hunde, den Wölfen, sicherten Scheinträchtigkeiten den Fortbestand des Rudels. Damit die Welpen der Leitwölfin des Rudels gut versorgt werden konnten und die Überlebensrate ihrer Jungen hoch war, übernahmen die anderen Wölfinnen im Rudel ebenfalls Mutterfunktionen, wie beispielsweise das Säugen als Amme. Die noch heute auftretende Scheinträchtigkeit ist ein Überbleibsel, ein so genannter Atavismus, aus dieser Zeit.

Leitsymptom

  • geschwollene Milchleisten
  • Milchfluss

Symptome

Scheinträchtigkeit ist ein aus physischen und psychischen Veränderungen bestehendes Syndrom, das meist vier bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit auftritt. Auffälligste Symptome sind das Anschwellen der Milchleisten und Milchfluss. Auch psychische Veränderungen wie Nestbau, Herumtragen von Stofftieren als Ersatz-Babys, Aggressivität oder Teilnahmslosigkeit können auftreten.

Diagnose

Die Diagnose ist durch das typische Verhalten und eine klinische Untersuchung einfach zu stellen. Mit Hilfe von Ultraschall oder Röntgen kann in Zweifelsfällen eine Trächtigkeit ausgeschlossen werden.

Behandlung

Leichte Formen der Scheinträchtigkeit sind von Hündin und Besitzer meist gut zu ertragen und bedürfen keiner Behandlung. Häufigeres Spazierengehen reicht oft als Ablenkung aus. Wenn Scheinträchtigkeit jedoch mit Aggressivität, hochgradiger Teilnahmslosigkeit oder Gesäugeentzündungen einhergeht, kann medikamentös eingegriffen werden. Bei schwerwiegenden Verhaltensstörungen kann die Gabe von Medikamenten oder auch eine Kastration in Erwägung gezogen werden. Vermeiden sollte man lokale Behandlungen der Milchdrüse, wie Ausmelken oder das Auftragen von kühlenden Salben. Auch sollte man verhindern, dass die Hündin die Milchproduktion selbst durch Saugen oder Lecken anregt. Das Anlegen eines Halskragens kann dies zuverlässig verhindern.

Prognose

Die meisten Hündinnen zeigen zwei bis vier Wochen nach Beginn einer Scheinträchtigkeit wieder ihr normales Verhalten.

Vorbeugung

Durch eine Kastration kann der Scheinträchtigkeit vorgebeugt werden.

Stand: 15.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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26.08.2013: dietee
Mir fehlen noch Angaben zu den homöopathischen Behandlungsmethoden. Keine einzelnen Mittel, aber eine grundsätzliche Einschätzung der Wirksamkeit.

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