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Hund: Akrale Leckdermatitis

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: ALD

Als Akrale Leckdermatitis (ALD) bezeichnet man eine häufig vorkommende Verhaltensstörung, die vor allem bei großen Hunderassen auftritt. Betroffene Hunde belecken oder kratzen eine Körperstelle unablässig. Durch die raue, große Zunge oder die Krallen entstehen so innerhalb kürzester Zeit Hautveränderungen, die durch Juckreiz zu weiterem Lecken stimulieren. An diese vorgeschädigte Haut können sich leicht Bakterien oder Pilze anlagern und zu so genannten Sekundärinfektionen führen, die wiederum Juckreiz oder Schmerzen auslösen. Ein Teufelskreis aus Juckreiz, Lecken oder Kratzen, Entzündung und wiederum Juckreiz entsteht.

Ursachen

Eine Leckdermatitis kann durch Stress, Langeweile, Verlustängste, Bewegungsmangel, Konflikte mit anderen Haustieren oder den Tierhaltern ausgelöst werden. Auch viele andere psychisch belastende Umstände können in Frage kommen. Die genaue Ursache herauszufinden ist häufig schwierig, aber nur so kann langfristig das weitere Lecken der Hunde vermieden werden. Vermutlich dient das Lecken dem Hund dazu, sich zu beruhigen. Über das Pfotenlecken kann sich auch Nägelbeißen bei den Hunden entwickeln.

Bei einigen anderen Hauterkrankungen tritt Lecken ebenfalls als Symptom auf – allerdings nur vorübergehend – und führt dadurch zu einem so genannten Hot Spot. Auch Schmerzen im Pfotenbereich und einige Stoffwechselerkrankungen können verstärktes Pfotenlecken verursachen. In all diesen Fällen liegt keine psychische Ursache vor!

Leitsymptom

  • Lecken

Symptome

Akrale Leckdermatiden treten am häufigsten an den Vordergliedmaßen auf, besonders im Bereich von Gelenken. Durch das Lecken wird die Haut innerhalb kürzester Zeit haarlos. Die unter den Haaren liegende Haut verdickt sich durch den ständigen Reiz und fühlt sich hart und erhaben an. Häufig färbt sich der äußere Rand des Leckekzems dunkel, man nennt dies Hyperpigmentation.

Abb. H1G3MVCQ
Abb. H1G3MVCQ: Akrale Leckdermatitis.
Der äußere Rand der Hautveränderung ist deutlich dunkel gefärbt-
Abb. H1G3PPZT
Abb. H1G3PPZT: Akrale Leckdermatitis.

Diagnose

Die Diagnose "Hautverletzung durch starkes Lecken" ist bei einer klinischen Untersuchung und nach einem Gespräch mit dem Tierhalter einfach gestellt. Sehr schwierig ist es jedoch sicherzustellen, dass das Lecken des Hundes wirklich durch eine psychische Ursache hervorgerufen wird. Diese ist nur durch eine so genannte Ausschlussdiagnostik möglich. Dabei muss durch Hautgeschabsel, Pilzkultur und meist auch mit Hilfe einer Biopsie das Vorliegen einer Grunderkrankung wie Hautpilzinfektion, Ektoparasitenbefall oder Automimmunerkrankung u.v.a. ausgeschlossen werden.

Behandlung

Die Behandlung der akralen Leckdermatitis kann schwer und vor allem langwierig sein. Folgende Maßnahmen sind in Kombination häufig erfolgreich:

  1. Da das übermäßige Lecken psychisch bedingt ist, sind sorgfältige Gespräche zwischen Tierarzt und Tierhalter notwendig, um mögliche Ursachen herauszufinden. Gemeinsam wird ein Tierverhaltenstherapieplan entwickelt. In einigen Fällen ist es ausreichend, den Hund häufiger und regelmäßiger zu bewegen, in anderen Fällen muss das Verhältnis zwischen einem menschlichen oder tierischen Mitbewohner verbessert werden. Wenn ein möglicher Auslöser gefunden wurde, gilt es Geduld zu haben: Es wird einige Zeit dauern, bis die Veränderung auch im Hundegehirn angekommen ist. Diese Veränderungen müssen dann langfristig beibehalten oder geübt werden! In einigen Fällen werden auch Psychopharmaka aus der Humanmedizin oder Akupunktur erfolgreich eingesetzt.
  2. Ursprünglich ist das Lecken zwar psychisch bedingt, die Hautveränderungen beginnen aber schnell selbstständig zu jucken. Dieser Juckreiz kann durch verschiedene Medikamente wie beispielsweise Kortison unterbunden werden. Auch kann das Lecken durch das Tragen eines Halskragens oder einen Verband unterbunden werden.
  3. Durch das Lecken oder Kratzen kommt es schnell zu Hautentzündungen. Diese sollten mit Antibiotika, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern behandelt werden.

Prognose

Die Behandlung einer akralen Leckdermatitis kann langwierig und frustrierend sein, insbesondere wenn die auslösende Ursache nicht gefunden oder nicht abgestellt werden kann.

Vorbeugung

Grundsätzlich sollte man bei der Hundehaltung folgende Punkte berücksichtigen, um Verhaltensstörungen von vornherein zu vermeiden:

  • tägliche Routine
  • ausreichende Bewegung
  • stressfreie, psychische Beschäftigung
  • Rückzugsmöglichkeit für den Hund schaffen und ihm Ruhe gewähren (besonders wichtig bei kleinen Kindern im Haus)
  • einheitliche Regeln im Umgang für alle Familienmitglieder

Tipps

Einige Tierärzte haben sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert. Besonders bei ausgeprägten Verhaltensstörungen kann es sinnvoll sein, sich an so einen Spezialisten zu wenden.

Stand: 19.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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