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Hund: Perianalfistel

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Analfistel, perianale Sinus, Furunkulose, anorektale Abszesse, pararektale Fisteln

Fisteln sind mit Eiter gefüllte Hohlräume in der Haut, die – im Gegensatz zu Abszessen – eine Öffnung zur Körperoberfläche besitzen. Bei Hunden mit Perianalfisteln ist häufig die gesamte Umgebung der Afteröffnung (perianal) hochgradig entzündet und von vielen, unterschiedlich großen Fisteln verändert. Eher selten liegen nur vereinzelte Fisteln vor.

Ursachen

Die Ursache für die Bildung der Fisteln ist bisher ungeklärt. Früher wurde vermutet, dass eine mangelnde Belüftung der Analregion für die Entstehung der Entzündungen verantwortlich ist. Aus diesem Grund wurde bei betroffenen Hunden häufig der Schwanz gekürzt. Auch wurde vermutet, dass bei erkrankten Tieren eine erhöhte Anzahl von Schweißdrüsen vorliegt. Nach heutigen Erkenntnissen scheint es sich jedoch um eine Autoimmunerkrankung zu handeln.

Während früher Deutsche Schäferhunde und Setter besonders häufig betroffen waren, erkranken inzwischen Hunde aller Rassen an perianalen Fisteln. Eine Erblichkeit konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Unkastrierte Rüden in einem Alter zwischen 4 – 7 Jahren erkranken gehäuft.

Leitsymptom

  • Lecken der Analregion

Symptome

Die Symptome von perianalen Fisteln unterscheiden sich je nach Krankheitsdauer und Schwere der Veränderungen. Anfangs lecken sich die Hunde vermehrt an der Analregion oder rutschen wie bei Analbeutelerkrankungen oder Wurmbefall mit dem After auf dem Boden. Später bereitet der Kotabsatz starke Schmerzen. Die Hunde setzen deswegen nur ungern Kot ab und es entwickelt sich häufig eine Verstopfung. Im weiteren Verlauf versucht der Hund, jede Art von Schwanzbewegung (z.B. wedeln) zu vermeiden, da dies sehr schmerzhaft ist. Häufig wird der Schwanz dauerhaft zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt.

Die lokalen Veränderungen um den Anus können das Allgemeinbefinden betroffener Hunde stark einschränken und auch zu Fieber führen. Viele Tiere fressen schlecht und magern ab. Auch eine Kotinkontinenz kann entstehen: Die Hunde verlieren unwillkürlich den Kot.

Abb. FZAY4SRT
Abb. FZAY4SRT: Perianalfisteln.
Deutliche Hautveränderungen um den Anus durch Perianalfisteln.

Diagnose

Die Diagnosestellung ist durch die typischen Veränderungen einfach. Je nach Krankheitsstadium ist die Haut um den Anus hochgradig entzündet und weist kleine Löcher, die Fistelöffnungen, auf. Aus diesen tritt Sekret, Blut oder Eiter aus. Diese Flüssigkeiten weisen eine hohe Anzahl von Bakterien auf. Die Bakterien können im Labor genau identifiziert werden, um anschließend mit Hilfe eines Antibiogramms ein geeignetes Antibiotikum zur Behandlung zu ermitteln. Mit Hilfe einer rektalen Untersuchung kann der Untersucher feststellen, wie tief das Entzündungsgeschehen reicht und ob eventuell auch die unter der Haut liegenden Muskeln in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zusätzlich zu den entzündlichen Veränderungen der Haut um den Anus ist häufig auch die Darmschleimhaut entzündet, man spricht dann von einer Kolitis. Diese Veränderungen ähneln der beim Menschen auftretenden Erkrankung Morbus Crohn. Um eventuelle Veränderungen der Darmschleimhaut nachzuweisen, kann eine Darmspiegelung durchgeführt und eine Gewebeprobe entnommen werden. Ähnliche Veränderungen der Darmschleimhaut können auch durch Parasiten wie Würmer oder Giardien hervorgerufen werden. Diese können durch Kotuntersuchungen ausgeschlossen werden.

Behandlung

Leider gibt es bisher kein Therapieschema, das bei allen Hunden ein zufriedenstellendes Ergebnis der Behandlung verspricht. Häufig müssen verschiedene Therapienansätze ausprobiert und kombiniert werden. Folgende Maßnahmen werden häufig angewendet:

  • Antibiotika: Nach Erstellung eines Antibiogramms werden Antibiotika verabreicht, um die beteiligten Bakterien zu bekämpfen.
  • Immunsuppression: Derzeit wird vermutet, dass eine Autoimmunerkrankung die Ursache für die Fistelbildung ist. Mit Hilfe so genannter Immunmodulatoren wird daher versucht, das Abwehrsystem so weit zu schwächen, dass die körpereigenen Zellen nicht mehr bekämpft werden. Auch Kortison kann zu diesem Zweck eingesetzt werden.
  • Chirurgische Entfernung der Fisteln: Bei einer chirurgischen Entfernung wird möglichst viel veränderte Haut und Gewebe entfernt, ohne den Schließmuskel des Anus zu beschädigen. Die entstehenden Narben verringern jedoch die Elastizität der Analregion und können zu Schmerzen beim Kotabsatz führen. Dadurch können wiederum Verstopfungen entstehen. Bei Beschädigung des Schließmuskels droht Kotinkontinenz.

Unterstützende Maßnahmen, die vom Hundebesitzer zuhause durchgeführt werden können, sind:

  • Die Analregion muss sauber und trocken gehalten werden. Dazu ist es in vielen Fällen hilfreich, die gesamte Analregion regelmäßig zu scheren.
  • Lokale Behandlung der Analregion mit antiseptischen, desinfizierenden Salben oder Shampoos. Nach einer Shampoo-Behandlung kann die gesamte Analregion trocken gefönt werden, viele Hunde finden das sehr angenehm.
  • Fütterung einer so genannten hypoallergenen Diät, um das Abwehrsystem des Hundes möglichst wenig zu belasten. Hypoallergene Futtermittel sind in tierärztlichen Praxen erhältlich.

Prognose

Leider ist keine der Behandlungen bisher in der Lage, Perianalfisteln sicher und langfristig zu heilen. Viel Geduld ist meist notwendig, bis die Symptome einigermaßen kontrolliert werden können. Zusätzlich ist die Rezidivgefahr sehr hoch, d.h. nach einiger Zeit treten die Fisteln erneut auf.

Stand: 11.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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