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Hund: Kniescheibenluxation

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Patellaluxation, Luxatio patellae, herausgesprungene Kniescheibe, Kniescheibenverrenkung

Zum besseren Verständnis der Entstehung und Therapie einer Kniescheibenluxation ist eine Kenntnis der anatomischen Gegebenheiten notwendig:

Am Kniegelenk sind drei Knochen beteiligt: Das untere Ende des Oberschenkelknochens (Femur), das obere Ende des Schienbeins (Tibia) sowie die Kniescheibe (Patella). Die Kniescheibe liegt zwischen den Rollkämmen des Oberschenkelknochens, in der so genannten Rollfurche (Sulcus trochlearis). Durch diese Furche läuft die Endsehne der Streckmuskulatur, in die die Kniescheibe eingelagert ist. Diese Sehne setzt am vorderen Rand des Schienbeins an. Beim gesunden Gelenk gleitet die Kniescheibe während der Bewegung in der Rinne des Oberschenkels, eingelagert in die Oberschenkelmuskulatur, die dann am Schienbein ansetzt.

Bei einer Kniescheibenluxation verlässt die Kniescheibe die Führungsrinne und springt nach innen (mediale Patellaluxation) oder außen (laterale Patellaluxation).

Abb. FZFF6ZQQ
Abb. FZFF6ZQQ: Schematische Darstellung der Kniescheibe in ihrer Aufhängung.

Ursachen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen erblich und traumatisch bedingten Kniescheibenluxationen:

Bei erblich bedingten Patellaluxationen sind die Symptome selten von Geburt an vorhanden, sondern entwickeln sich innerhalb des ersten Lebensjahres, während der Hauptwachstumsphase des Hundes. Bei diesen Tieren ist beispielsweise die Rollfurche erblich bedingt sehr flach ausgebildet oder die Ansatzband des Kniescheibenbands am Schienbein ist verschoben. Auch Kombinationen kommen vor. Während des Wachstums kommt es dann zu unterschiedlichen Zugverhältnissen auf den Knochen und seine Wachstumsfugen. Dadurch wird die eigentlich gerade Achse von Oberschenkel und Schienbein dauerhaft verschoben und die Kniescheibe kann nach innen (medial) oder außen (lateral) luxieren. Diese Veränderungen können ein- oder beidseitig auftreten. Mediale Patellaluxation kommen vor allem bei kleinen Hunderassen vor. Etwa 75% der Patellaluxationen sind mediale Luxationen. Diese Tiere haben häufig leichte O-Beine. Bei mittelgroßen und großen Hunderassen kommt es eher zu einer Luxation nach außen (laterale Luxation). Diese ist dann häufig mit X-Beinen vergesellschaftet.

Traumatische Ursachen für Patellaluxationen sind meist Unfälle, die zu einer plötzlichen, starken Belastung auf das Hinterbein führen. Zu den traumatisch bedingte Patellaluxationen gehören häufig auch Patellaluxationen älterer Hunde, bei den die Stabilität des Kniegelenks beispielsweise durch einen Kreuzbandriss gestört ist.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Bei einer Patellaluxation steht der Hund ganz plötzlich auf drei Beinen. Das betroffene Bein wird vollständig entlastet. Es wird entweder gerade nach hinten gestreckt oder durch eine Beugung des Hüftgelenks nach vorne gehalten, eine Beugung des Kniegelenks ist jedoch nicht möglich. Springt die Kniescheibe wieder in ihre normale Position zurück, wird das Bein sofort wieder normal belastet. Bei einigen Hunden springt die Kniescheibe nur sehr kurzfristig heraus, die Lahmheit besteht dann nur für wenige Schritte.

Durch wiederholtes Herausspringen der Kniescheibe entstehen Gelenkentzündungen und Knorpelschäden, die zu unheilbaren und sehr schmerzhaften Arthrosen führen. Betroffene Hunde sind meist dauerhaft lahm.

Diagnose

Die Diagnose einer Kniescheibenluxation wird durch einen klinischen Untersuchungsgang gestellt, bei dem die Hintergliedmaßen des Hundes während der Bewegung, im Stand und im Liegen beurteilt werden. Je nach Befunden erfolgt dann eine Einteilung in die Schweregrade 1 – 4 (s. auch unter Vorbeugung).

Die Anfertigung von Röntgenaufnahmen ist für die Diagnose nicht notwendig, wird aber empfohlen, um bereits gebildete Arthrosen zu entdecken. Das kann Hinweise geben, ob es bereits öfter zu Luxationen kam. Ausserdem leiden betroffene Hunde häufig auch noch an andern Fellstellungn (O-Beine, X-Beine u.v.a.), die ebenfalls auf einem Röntgenbild sichtbar sein können.

Abb. FZFGAZ5E
Abb. FZFGAZ5E: Kniescheibenluxationen im Röntgenbild.
Bei diesem Hund sind beide Kniescheiben (Pfeile) nach innen luxiert. A: Oberschenkelknochen, B: Schienbein, C: Wadenbein

Behandlung

Die Behandlung hängt im Einzelnen von Alter, Rasse und Ausmaß der Veränderungen ab.

Leichte Fälle von Kniescheibenluxation können mit Schmerzmitteln und Leinenzwang behandelt werden. In den meisten Fällen ist jedoch eine chirurgische Behandlung notwendig, um langfristig die Entstehung von Arthrosen zu vermeiden. Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs stehen dem Operateur verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die einzeln oder auch in Kombination Verwendung finden. Alle Maßnahmen haben das Ziel, die Kniescheibe in der Rollfurche zu halten. Dazu gehören u.a.:

  • Vertiefung der Führungsrinne der Kniescheibe
  • Straffung der Gelenkkapsel seitlich der Kniescheibe
  • Verlegung der Ansatzstelle der Endsehne des Oberschenkelstreckers

Bereits entstandene Arthrosen müssen meist lebenslang mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Abb. FZAY15AP
Abb. FZAY15AP: Patellaluxation nach der Operation.
Links im Bild ist die Kniescheibe (weißer Pfeil) bereits chirurgisch in ihre normale Position gebracht worden, die rechte Kniescheibe ist weiterhin nach innen verlagert.

Prognose

Je früher Patellaluxationen chirurgisch behandelt werden, desto weniger irreparable und schmerzhafte Arthrosen sind meist entstanden. Bereits Hunde im Alter von 6 Wochen sollten bei vorliegender Luxation operiert werden.

Vorbeugung

Die Veranlagung zur Patellaluxation wird vererbt. Daher ist eine einheitliche Zuchtselektion der wichtigste Baustein zur Vorbeugung. Einige Zuchtverbände schreiben deswegen vor einer Zulassung zur Zucht eine zuchthygienische Untersuchung auf Patellaluxationen vor, die von speziell geschulten Tierärzten durchgeführt werden muss. Diese Untersuchung kann durchschnittlich ab dem 10. Lebensmonat durchgeführt werden. Es erfolgt dabei eine Einteilung in die Grade 1 – 4. Bei Grad 1 ist der Hund klinisch unauffällig, die Kniescheibe kann jedoch durch leichten Druck mit dem Daumen luxiert werden. Eine Behandlung ist bei diesen Hunden nicht notwendig, sie sollten jedoch nicht zur Zucht verwendet werden. Bei den Graden 2 – 4 luxiert die Kniescheibe auch ohne manuelle Hilfe und rutscht teilweise – je nach Grad – auch nicht von alleine zurück. Diese Tiere müssen chirurgisch behandelt werden, um langfristig beweglich zu bleiben. Diese Hunde werden ebenfalls nicht zur Zucht zugelassen.

Tipps

Bereits im Alter von fünf Wochen kann eine abnorme Beweglichkeit der Kniescheibe diagnostiziert werden. Sollten bei Ihrem Welpen bereits Lahmheiten auftreten, sollte die Untersuchung nicht aufgeschoben werden. Durch schnellen Therapiebeginn kann so eine langwierige und schwierige Behandlung des erwachsenen Hundes vermieden werden.

Stand: 15.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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