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Hund: Ohrenentzündungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Otitis

In diesem Artikel werden Entzündungen des äußeren Gehörgangs (Otitis externa, Ohrenzwang), des Mittelohres (Otitis media) und des Innenohres (Otitis interna) behandelt.

Das Ohr ist ein Sinnesorgan mit zwei verschiedenen Funktionen: Es ist gleichzeitig das Gehör- und das Gleichgewichtsorgan. Es wird entsprechend seinem Aufbau in äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr eingeteilt.

Der Gehörgang gehört bis zum Trommelfell zum äußeren Ohr und ist je nach Rasse zwischen fünf und zehn Zentimetern lang. Kurz hinter der Ohrmuschel macht der Gehörgang eine Biegung von etwa 90° und ist anschließend relativ schlecht zugänglich und wenig belüftet. Bei Rassen mit Schlappohren, starkem Haarwuchs oder Faltenbildung im Ohr ist die Belüftung noch schlechter. Dies ist einer der Gründe, warum Ohrenentzündungen bei vielen Hunden gehäuft auftreten. Auch bei der Anwendung von Medikamenten muss diese anatomische Besonderheit berücksichtigt werden.

Abb. FZAWOW89
Abb. FZAWOW89: Schematische Darstellung von äußerem Ohr, Mittelohr und Innenohr.

Ursachen

Entzündungen des äußeren Ohres kommen bei Hunden relativ häufig vor. Die folgende Aufzählung gibt eine Auswahl der vielfältigen Ursachen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen begünstigenden (prädisponierenden) Faktoren sowie primären und sekundären Ursachen.

Begünstigende Ursachen:

  • angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene (z.B. Tumoren) Verengungen des Gehörgangs
  • starke Ohrbehaarung
  • hängende Ohren
  • exzessives Reinigen
  • feucht-warmes Klima

Primäre Ursachen sind die eigentlichen Auslöser von Ohrenentzündungen. Diese Auslöser können sehr unauffällig sein, so dass die Ohrenentzündung unerkannt bleibt, bis zusätzlich sekundäre Ursachen hinzukommen.

Sekundäre Ursachen können sich an die bereits vorgeschädigte Haut anlagern und deutlich Entzündungserscheinungen hervorrufen :

Infektionen des Mittel- oder Innenohres entstehen häufig als Folge unbehandelter Entzündungen des äußeren Gehörganges. Aber auch so genannte aufsteigende Bakterien aus dem Maul- und Rachenraum können zu Infektionen des Innenohres führen.

Ansteckung

Bei einer parasitären Ursache können die Milben für andere Hunde ansteckend sein. Ohrmilben werden auch von der Katze auf den Hund übertragen!

Leitsymptom

  • Kopfschütteln

Symptome

Die typischen Symptome einer Ohrenentzündung sind: Rötung, Ohren- und Kopfschütteln, Kopfschiefhaltung, Reiben der Ohren an Gegenständen, Kratzen, unangenehmer Geruch aus den Ohren (eventuell mit Ausfluss) sowie Schmerzäußerung beim Berühren.

Bei Infektionen des Mittel- und des Innenohres kann das Gleichgewichtsorgan geschädigt sein, was sich durch ausgeprägte Kopfschiefhaltung oder auch Kreisbewegungen des Hundes äußern kann. Auch das Hören kann sich durch diese tiefen Infektionen verschlechtern.

Abb. FZAWRHGP
Abb. FZAWRHGP: Typisches Bild einer chronischen Ohrenentzündung.
Durch die andauernden Entzündungsvorgänge ist die Haut verdickt und der äußere Gehörgang kaum noch zugänglich.

Diagnose

Die Ohrmuschel und der gesamte Gehörgang werden gründlich mit einer speziellen Ohrlampe (Otoskop) untersucht. Auch das Trommelfell wird genau betrachtet, da es bei fortgeschrittener Erkrankung gerissen sein kann und dadurch die Behandlung erschwert ist. Einige Medikamente dürfen nämlich nicht ins Mittelohr gelangen.

Je nachdem ob ein oder beide Ohren betroffen sind, können einige Ursachen schnell ausgeschlossen werden. Bei einer Futtermittelallergie sind beispielsweise beide Ohren betroffen. Sollte ein Fremdkörper im Ohr sein, treten die Entzündungserscheinungen nur einseitig auf.

Das Ohrsekret gibt meist weitere Anhaltspunkte auf die Ursache der Entzündung:

  • braun-krümelig, trocken: Ohrmilben
  • gelblich, wie Wachs: vermehrter Ohrenschmalz
  • gelblich, cremig: Bakterien
  • feucht, schmierig, unangenehmer Geruch: Hautpilze, Malassezien

Vorhandenes Ohrsekret wird unter dem Mikroskop auf Parasiten untersucht und eine Tupferprobe kann genommen werden, um Bakterien oder Pilze genau zu bestimmen.

Abb. GF0RKAQC
Abb. GF0RKAQC: Ohrmilbe unter dem Mikroskop.
Zum Nachweis dieser Milben wurde der krümelige Ohrbelag unter dem Mikroskop betrachtet.

Behandlung

Die Behandlung einer Ohrenentzündung beginnt meist mit einer gründlichen Reinigung des Ohres. Dies kann besonders gut mit einer speziellen Spülapparatur in Narkose erfolgen. So können eventuell vorhandene Fremdkörper am besten entdeckt und entfernt werden. In diesem Fall verschwinden die Entzündungserscheinungen anschließend meist von selbst, und nur in Ausnahmefällen müssen zusätzlich Arzneimittel verabreicht werden.

Abb. FZAWU2TT
Abb. FZAWU2TT: Fremdkörper bei Ohrenentzündung.
Bei diesem Hund ragt der Fremdkörper noch aus dem Ohr heraus.

Bei Befall mit Pilzen, Bakterien oder Parasiten muss ein entsprechendes Medikament, am besten nach einer genauen Erregerbestimmung, in den Gehörgang eingebracht werden. Häufigkeit und Dauer der Anwendung sind je nach Präparat sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass das Medikament tief in den Gehörgang eindringen kann. Dazu wird die Ohrmuschel leicht hochgezogen. Mit der anderen Hand kann dann fast der gesamte Gehörgang gefühlt und das Medikament einmassiert werden. Der Hund schüttelt im Anschluss an diese Behandlung stark den Kopf und befördert so Beläge und Sekret aus dem tiefen Gehörgang nach draußen. Daher sollten die Behandlung nach Möglichkeit draußen, am besten vor einem Spaziergang durchgeführt werden!

Bei hochgradigen, fortgeschrittenen Erkrankungen sowie Entzündungen im Mittel- und Innenohr reicht die alleinige Behandlung der Gehörgange meist nicht mehr aus und eine zusätzliche Gabe von Antibiotika und Entzündungshemmern als Tabletten oder Injektionen, eine so genannte systemische Therapie, ist notwendig.

Es ist sehr wichtig, dass die Behandlung bis zum vollständigen Ausheilen durchgeführt wird. Regelmäßige Kontrollen durch den Tierarzt müssen erfolgen, da nur er mit einem Otoskop den Gehörgang in der Tiefe einsehen kann. Die Ohrmuschel kann sich durch chronische Entzündungen und ständiges Kratzen des Hundes so stark verändern, dass der tiefe Bereich des Gehörgangs kaum zu erreichen ist. Der Hund hat starke Schmerzen und duldet die Untersuchung und Behandlung des Ohres nicht mehr. Eine Operation des Ohres kann dann notwendig sein. Dabei wird der äußere Gehörgang zur besseren Belüftung und zum besseren Sekretabfluss freigelegt.

Prognose

Eine akute Ohrenentzündung ist einfach, schnell und erfolgversprechend zu behandeln. Bei verschleppten Ohrentzündungen oder abgebrochenen Behandlungen wird die Heilung immer schwieriger und länger. Meist haben diese Hunde dann ständig Ohrprobleme mit langfristigen Auswirkungen auf das Gehör und den Gleichgewichtssinn.

Vorbeugung

Eine regelmäßige Kontrolle der Ohren, insbesondere bei veranlagten Hunden, ist notwendig. In den Gehörgang einwachsende Haare müssen vorsichtig entfernt werden. Mit einem feuchten, weichen Tuch können Sie die Ohrmuschel und den Anfang des Gehörganges reinigen – allerdings nur so tief der Zeigefinger reicht. Bitte benutzen Sie niemals Wattestäbchen!

Tipps

Lassen Sie sich die Behandlung mit Spüllösungen genau zeigen und probieren Sie es selbst aus, während der Tierarzt anwesend ist. Bei sachgemäßer Anwendung der Medikamente ist eine Ohrenentzündung meist schnell ausgeheilt.

Stand: 28.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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