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Hund: Niereninsuffizienz

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Nierenunterfunktion

Niereninsuffizienz bedeutet, dass die Leistungsfähigkeit der Nieren stark eingeschränkt ist. Wenn erste Ausfallerscheinungen klinisch in Erscheinung treten, funktionieren in der Regel nur noch 30% des Nierengewebes richtig.

Eine akute Niereninsuffizienz (auch akutes Nierenversagen genannt) entsteht zum Beispiel durch starken Blutverlust oder bei Vergiftungen. Der Funktionsverlust der Niere findet dann innerhalb kurzer Zeit statt und ist schnell tödlich. Wesentlich häufiger und eigentliches Thema dieses Artikel ist die chronische Niereninsuffizienz, eines der häufigsten Probleme älterer Hunde. Diese Erkrankung ist nicht heilbar.

Zum besseren Verständnis soll hier zunächst die Funktion der Nieren erklärt werden:

Die Nieren sind paarig angelegt und liegen beidseits neben der Wirbelsäule, kurz hinter dem Zwerchfell. Sie haben zwei Hauptfunktionen:

  1. Ausscheidung von Giftstoffen: Überflüssige Endprodukte des Stoffwechsels und andere Giftstoffe müssen mit dem Harn ausgeschieden werden. Die Nieren filtern diese harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut heraus, bilden den konzentrierten Harn und scheiden ihn über die Harnwege (Harnleiter, Blase und Harnröhre) aus.
  2. Rückgewinnung von Wasser und Salzen: Harnpflichtige Stoffe sind vor der Filtration durch die Nieren in Wasser gelöst. Dieses Wasser (und zugleich Salze) werden jedoch vom Organismus benötigt. Die Nieren filtern daher Wasser und Salze zurück, bis nur stark konzentrierter Harn vorliegt.

Durch den Funktionsverlust des Nierengewebes verliert der Hund also Wasser und Salze. Diesen Verlust versucht der Hund durch vermehrtes Trinken auszugleichen. Gleichzeitig reichern sich harnpflichtige Substanzen im Blut an und führen auf Dauer zu einer Harnvergiftung (Urämie).

Abb. H3COYWKP
Abb. H3COYWKP: Schematische Darstellung des männlichen Harnapparats.

Abb. FZAWAF29
Abb. FZAWAF29: Schematische Darstellung des Harnapparats bei einer Hündin.

Abb. FZAWC04X
Abb. FZAWC04X: Schematischer Aufbau einer Niere.

Ursachen

Chronische Niereninsuffizienz tritt vor allem bei Hunden ab dem 7. Lebensjahr auf. Alterung ist also eine wichtige Ursache für die Erkrankung. Stoffwechselstörungen, Allgemeinerkrankungen oder unbemerkte Entzündungen der Nieren können ebenfalls an einer Niereninsuffizienz beteiligt sein und bereits in jüngeren Jahren zu Erkrankungen führen.

Leitsymptom

  • vermehrter Durst und vermehrter Urinabsatz
  • Erbrechen

Symptome

Vermehrter Durst ist eines der deutlichsten Kennzeichen einer Niereninsuffizienz. Die Urinmenge ist erhöht, wobei der Urin hell und geruchsarm ist. Häufig merken die Tierbesitzer dies noch nicht. Der Hund trinkt jedoch irgendwann so viel, dass er nachts nicht mehr in der Lage ist, den Urin zu halten. Häufig werden die Hunde erst dann dem Tierarzt wegen vermeintlicher Inkontinenz vorgestellt.

Folgen der Harnvergiftung sind verminderter Appetit, der längerfristig eine Gewichtsabnahme zur Folge hat. Die sich im Blut anreichernden Giftstoffe werden über die Schleimhäute der Mundhöhle und des Magens abgegeben. Dies führt zu Erbrechen, Magenschleimhautentzündungen, Stomatitiden und Mundgeruch.

Die hohe Konzentration der Giftstoffe im Blut führt im Endstadium einer Harnvergiftung zur Bewusstlosigkeit (Koma) und zum Tod.

Diagnose

Der Vorbericht der Besitzer und die klinische Untersuchung des Tieres deuten sehr schnell auf eine chronische Niereninsuffizienz hin. Untersuchungen von Blut und Harn geben weitere Hinweise. Ultraschalluntersuchungen können häufig das Ausmaß der Nierenschädigung sichtbar machen.

Behandlung

Viel Ruhe, uneingeschränkter Zugang zu Trinkwasser, Diätfutter und medikamentöse Versorgung durch den Tierarzt sind die Grundlagen der Behandlung bei Niereninsuffizienz. Zusätzlich stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, um eine Niereninsuffizienz symptomatisch zu behandeln. Durch eine symptomatische Therapie wird nicht das Grundleiden an sich behandelt, sondern die entstehenden Symptome wie Erbrechen oder Magenschleimhautentzündung. Neben den typischen Vergiftungserscheinungen treten vielfältige Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Eisenmangel, Austrocknung u.v.a. auf. Die Gabe von weiteren Medikamenten kann notwendig sein.

Eine Diät mit vermindertem Eiweiß- und Phosphorgehalt hilft bei leicht eingeschränkter Nierenfunktion ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Der verringerte Eiweißanteil in der Nahrung gewährleistet, dass gerade so viel Eiweiß wie unbedingt nötig zugeführt wird und damit ein Minimum an belastenden Abbauprodukten im Stoffwechsel anfällt. Die Diät kann der Besitzer nach Rezepten selbst zubereiten oder auf spezielle Fertigfuttermittel zurückgreifen. Für die Verwendung von Fertigprodukten spricht die garantiert gleichbleibende, ausgewogene Zusammensetzung des Futters.

In schweren Fällen können Infusionen als Ersatz einer Blutwäsche (Dialyse) dienen. Sie helfen, die Konzentration der giftigen Stoffe im Blut so weit zu senken, dass der Hund wieder Appetit bekommt und zur Aufnahme von Diätfutter bewogen werden kann.

Aber auch eine Dialyse ist bei Hunden möglich. In den USA gehören Dialysen bei Tieren bereits zur Routine und es ist zu erwarten, dass sie trotz hoher Kosten auch in Deutschland vermehrt angeboten werden. Bei Katzen werden in den USA sogar Nieren transplantiert, auch hier ist eine Weiterentwicklung in Deutschland sicher nicht ausgeschlossen.

Prognose

Die Veränderungen in den Nieren können nicht rückgängig gemacht werden und schreiten meist weiter fort. Eine lebenslange Therapie ist notwendig. Wenn eine Niereninsuffizienz frühzeitig entdeckt und konsequent behandelt wird, kann der Hund jedoch über einen längeren Zeitraum eine gute Lebensqualität behalten.

Tipps

Als Tierbesitzer spielen Sie eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Niereninsuffizienz. Disziplin bei der Fütterung und der Medikamentengabe können das Leben und die Lebenserwartung des Hundes verbessern.

Wasser muss nierenkranken Hunden immer in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden.

Leider schmeckt das Diätfutter den meisten Hunden nicht, vor allem wenn sie durch die Harnvergiftung bereits keinen Appetit mehr haben. Mischen Sie am Anfang ruhig ein besonderes Lieblingsessen Ihres Hundes unter das Diätfutter. Es ist wichtig, dass der Hund überhaupt wieder anfängt zu fressen und den Teufelskreis durchbricht. Später kann der leckere Zusatz langsam wieder reduziert werden.

Stand: 28.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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23.11.2015: Tunicca
Hallo. Auch ich bin auf der Suche nach Informationen über Nierenerkrankung. Unser TA, den wir sehr schätzen, hat uns reinen Wein eingeschenkt und uns uns nicht allzu große Hoffnungen gemacht.

Leider sind wir über das Stadium des Alleinfressens schon hinaus. Seit ca. einer Woche müssen wir unsere Collie zwangsernähren und er bekommt tgl. Infusionen. Mit den Medikamenten vom Tierarzt haben das Erbrechen und der Durchfall aufgehört. Er zeigt wieder etwas mehr Interesse an seiner Umgebung. Aber wir wissen, die Zeit mit ihm ist begrenzt. Wir freuen uns über jeden Tag mit ihm, aber gleichzeitig bereiten wir uns auf den Abschied vor.
22.05.2015: Pauls Frauchen
Ich danke für einen sehr guten, ausführlichen und verständlichen Artikel. Er enthält einen für mich essentiellen Hinweis auf die Prognose. Genau diese Information, so klar und ungeschönt wie es hier dargestellt wird, habe ich weder in Gesprächen mit Fachleuten erhalten, noch in den vielen Foren, in denen ich gesucht habe. Ich habe den Eindruck, dass TA-Praxen bei Ihrer Beratung eine Instrumentenamortisation verstärkt ins Kalkül zeihen, statt dem Besitzer die Fakten auf den Tisch zu legen. Das bedaure ich sehr. Als Hundebesitzerin möchte ich nicht nur wissen, wie viele Behandlungsmöglichkeiten es gibt, ich möchte eigenverantwortlich, auf Basis ALLER Fakten entscheiden, was ich meinem Hund zumute und was nicht. Immerhin können Haustiere diesen Vorteil für sich geltend machen, der uns Menschen verwehrt bleibt.

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