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Hund: Myasthenia gravis

Allgemeines

Myasthenia gravis heißt übersetzt „ schwere Muskelschwäche“. Es handelt sich hierbei um eine neuromuskuläre Erkrankung, bei der eine Störung der Kommunikation zwischen Nerven und der so genannten Skelettmuskulatur vorliegt. Als Skelettmuskulatur bezeichnet man alle Muskeln, die man willkürlich, also aktiv beeinflussen kann. Im Gegensatz dazu steht die glatte Muskulatur der inneren Organe, die ohne aktive Beeinflussung ihre Arbeit verrichtet. Die glatte Muskulatur ist bei einer Myasthenia gravis nicht betroffen.

Normalerweise transportieren Nervenzellen ein Signal vom Rückenmark zum Muskel, der dadurch entweder angespannt wird oder sich entspannt. Die Nervenzellen schütten dazu einen besonderen Botenstoff oder Neurotransmitter aus, der Acetylcholin (ACh) genannt wird, und von ganz speziellen Rezeptoren im Körper aufgenommen und genutzt wird. Ohne ACh können Nerven keine Impulse weiterleiten und keine Muskeln bewegen. Es kommt zu Schwäche und Lähmungen.

Ursachen

Man unterscheidet zwischen einer angeborenen und einer im Laufe des Lebens erworbenen Myasthenia gravis:

Bei der angeborenen Myasthenia gravis fehlen die Rezeptoren für Acetylcholin. Einige Hunderassen sind von dieser angeboren Form gehäuft betroffen. Bei einer erworbenen Myasthenia gravis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Abwehrsystem des Hundes bildet Antikörper gegen die Acetylcholinrezeptoren und zerstört diese. Bei einigen Hunden liegt gleichzeitig eine tumoröse Erkrankung des Thymus vor.

Leitsymptom

  • Muskelschwäche

Symptome

Myasthenia gravis ist gekennzeichnet durch eine belastungsabhängige Muskelschwäche, d.h. unter Belastung tritt Muskelschwäche auf, in Ruhe erholt sich der Hund jedoch wieder. Zeichen für beginnende Muskelschwäche sind beispielsweise Trippeln oder staksiger Gang. Da auch die Speiseröhre des Hundes aus Skelettmuskulatur besteht, kann diese beim Fressen den Nahrungsbrei nicht mehr aktiv in den Magen befördern. Der Nahrungsbrei bleibt entweder in der Speiseröhre liegen und weitet diese dauerhaft zu einem so genannten Megaösophagus oder wird wieder hochgewürgt und gelangt dabei versehentlich in die Luftröhre und verursacht eine Verschluck- oder Aspirationspneumonie. Weitere Symptome sind eine veränderte Gesichtsmimik und fehlendes Blinzeln. Bei läufigen Hündinnen sind die Symptome häufig ausgeprägter, vermutlich durch den Einfluss der Geschlechtshormone.

Bei angeborener Myasthenia gravis tauchen die ersten Symptome bereits ab dem 2. Lebensmonat auf.

Diagnose

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, Myasthenia gravis zu diagnostizieren:

  1. In einer Blutprobe können die Antikörper, die die Rezeptoren für Acetylcholin zerstören, nachgewiesen werden.
  2. Stimulationstest: Dem bereits ermüdeten Hund wird ein Medikament injiziert. Wenn sich der Hund nach der Injektion beschwerdefrei bewegen kann, ist eine Myasthenia gravis wahrscheinlich.

Röntgenuntersuchungen sollten ebenfalls erfolgen, um einen vergrößerten Thymus oder eine erweiterte Speiseröhre sichtbar zu machen.

Behandlung

Die Behandlung von Myasthenia gravis erfolgt mit Medikamenten, die den Abbau des Acetylcholins hemmen und dadurch für eine erhöhte Menge von ACh im Körper sorgen. Die noch gesunden Rezeptoren haben dadurch länger die Möglichkeit, das ACh zu verwerten. Gleichzeitig kann bei der erworbenen Form versucht werden, das Abwehrsystem zu unterdrücken. Dazu stehen Kortisone und andere Medikamente zur Verfügung. Diese Medikamente können oral gegeben werden, so lange der Schluckvorgang des Hundes noch gut funktioniert. Ist dies nicht der Fall, müssen die Medikamente gespritzt werden.

Liegt bereits eine Lungenentzündung durch das Einatmen von Nahrungsbrei vor, so muss diese antibiotisch behandelt werden. Eventuelle Tumoren des Thymus müssen chirurgisch entfernt werden.

Prognose

Der Verlauf einer Myasthenia gravis ist unterschiedlich und nicht voraussehbar. In einigen Fällen ist eine vollständige Heilung möglich, in anderen Fällen schreitet die Erkrankung immer weiter fort.

Vorbeugung

Sowohl die angeborene als auch die erworbene Form der Myasthenia gravis ist erblich. Erkrankte Hunde dürfen deswegen nicht zur Zucht verwendet werden!

ACHTUNG

Zu Beginn der Behandlung muss der Hund besonders vorsichtig gefüttert werden, um zu vermeiden, dass Nahrung in die Lunge gelangt. Im Beitrag zum Megaösophagus haben wir einige Tipps zusammengestellt, die Ihrem Hund das Fressen erleichtern können!

Stand: 15.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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27.06.2014: Odin
Unser Pudel ist 6 Jahre alt, mit 3,5 Jahren wurde eine Kaumuskelentzündung diagnostiziert, die mit Cortison behandelt wurde. Nun hat er grosse Mühe beim Fressen und Schlucken. Mit Mestinon geht es unserem Odin wesentlich besser, kombiniert mit Cortison. Er hat am Kopf praktisch keine Muskeln mehr. Die Krankheit ist nicht heilbar, wir hoffen, dass wir so den Gesundheitszustand von Odin stabilisieren können.
10.03.2013: achimgroth@aol.com
Erschreckend an dieser Krankheit
ist die über 15 Jahre alte - und
offensichtlich einzige Möglichkeit -
mit Mestinon zu behandeln. Obwohl ich auf tiermedizinischem
Gebiet absoluter Laie bin, kann ich
mir nicht vorstellen, daß es nur
diese Möglichkeit gibt, die Anti-
körper im Serum zu zerstören. Tat-
sächlich werden momentan nur
Symptome behandelt. Die Krankheit ist nicht heilbar.?

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