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Hund: Morbus Cushing

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Cushing-Syndrom

Beim Morbus Cushing handelt es sich um eine Überfunktion der Nebennierenrinde, wodurch zuviel körpereigenes Kortisol gebildet wird. Diesen Zustand nennt man auch Hyperadrenokortizismus oder Hypercortisolismus.

Die Nebennieren sind kleine Organe, die beidseits neben den Nieren liegen. Sie produzieren verschiedene Hormone, unter anderem auch Kortisol. Kortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das viele Stoffwechselvorgänge reguliert. Die Bildung von Kortisol wird durch das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) gesteuert, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird. Die Hirnanhangsdrüse wiederum wird vom übergeordneten Hypothalamus, einer speziellen Hirnregion, gesteuert. Je weniger Kortisol im Blut vorhanden ist, desto mehr ACTH wird abgegeben, um die Produktion in den Nebennieren zu fördern.

Ursachen

Es gibt drei mögliche Ursachen für Morbus Cushing beim Hund:

  1. In über 80% der Fälle wird Morbus Cushing durch einen Tumor der Hirnanhangsdrüse ausgelöst. Diese produziert zu große Mengen ACTH und regt dadurch die Nebennieren zu ständiger Bildung von Kortisol an. Dies führt zu einer starken Vergrößerung beider Nebennieren.
  2. Etwa 15 – 20% der betroffenen Hunde leiden an einem Tumor der Nebenschilddrüse, der übermäßig viel Kortisol produziert und ausschüttet. Meist ist dann nur eine Nebenniere vergrößert.
  3. Morbus Cushing kann auch durch von außen zugeführtes Kortison als Injektion, Salbe oder Tabletten ausgelöst werden. Einmaliges oder über wenige Tage gegebenes Kortison führt in der Regel nicht zu Problemen, bei Kortison-Gaben über längere Zeiträume kann aber ein so genanntes iatrogenes Cushing-Syndrom ausgelöst werden. Dabei können auch geringe Kortison-Mengen in Ohrentropfen oder Cremes von Bedeutung sein.

Das Cushing-Syndrom tritt bei Hunden meist in der zweiten Lebenshälfte auf. Einige Hunderassen sind vermehrt betroffen.

Leitsymptom

  • Fellveränderungen
  • starker Durst und vermehrter Urinabsatz

Symptome

Das in der Nebenniere gebildete Kortisol hat eine Wirkung in fast allen Organen, die Symptome einer Überproduktion sind dementsprechend vielfältig. Dem Hundebesitzer fallen meist zuerst Veränderungen an Fell und Haut auf. Durch die übermäßige Wirkung von Kortisol verlangsamt sich das Haarwachstum und es kommt zu Fellverlusten. Diese treten meist symmetrisch auf beiden Körperhälften auf und betreffen vor allem den Rumpf. Die vorhandenen Haare verändern teilweise ihre Farbe. Die Haut verdünnt sich und wird faltig. Es kommt vermehrt zu Infektionen. Auffällig ist auch übermäßiges Trinken (Polydipsie) und häufiger Harndrang (Polyurie) der Hunde. Der Appetit ist groß, und da Kortisol gleichzeitig Muskelabbau und Fettaufbau bewirkt, entwickeln die Hunde eine so genannte Stammfettsucht. Der Bauch wirkt dadurch wie aufgeblasen. Weitere Symptome können Atemnot, Hecheln, Rückbildung der Hoden und ausbleibende Läufigkeiten sowie die Entwicklung eines Diabetes mellitus sein.

Abb. FZ7E42R3
Abb. FZ7E42R3: Morbus Cushing.
Typische Haut- und Fellveränderungen bei einem Cushing-Syndrom.

Diagnose

Die Diagnose eines Cushing-Syndroms wird hauptsächlich durch die klinischen Symptome sowie verschiedene Blut- und Harnuntersuchungen gestellt. Die Blutuntersuchungen erfolgen als so genannte Funktions- oder Stimulationstests. Dem Hund wird dafür eine Blutprobe entnommen und anschließend ein synthetisch hergestelltes Kortison oder ACTH injiziert. Einige Zeit später wird erneut eine Blutprobe genommen. Anhand verschiedener Messwerte kann so zwischen den verschiedenen Formen des Cushing-Syndroms unterschieden werden. Auch Ultraschall hilft bei der Differenzierung, da mit dieser Methode Vergrößerungen der Nebennieren entdeckt werden können. Weitere bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie können sowohl Veränderungen der Hirnanhangsdrüse als auch Metastasen sichtbar machen.

Behandlung

Die Behandlung eines Cushing-Syndroms hängt von der Ursache der übermäßigen Kortisol-Produktion ab. Daneben müssen aber auch Alter des Patienten, sein Allgemeinzustand sowie die finanziellen Möglichkeiten der Tierhalter berücksichtigt werden.

  1. Bei einer erhöhten Sekretion von ACTH aus der Hypophyse steht eine medikamentöse Therapie im Vordergrund. Hauptsächlich werden heutzutage Medikamente eigesetzt, die die Produktion von Kortisol in den Nebennieren blockieren. Diese Medikamente werden 1 – 2-mal täglich mit dem Futter verabreicht. In den ersten Monaten sind wiederholte Blutuntersuchungen notwendig, um die geeignete Dosierung für das Medikament zu ermitteln, anschließend sind meist halbjährliche Untersuchungen ausreichend. In Ausnahmefällen kann es im Verlauf der Therapie zu einer vollständigen Zerstörung der Nebennierenrinde kommen. Dann muss das lebenswichtige Kortison zeitlebens durch regelmäßige Tablettengabe ersetzt werden, es liegt ein Morbus Addison vor. In einigen spezialisierten Kliniken können Tumoren der Hypophyse auch chirurgisch entfernt werden. Es ist anzunehmen, dass sich dieses Verfahren weiter durchsetzen wird,
  2. Liegt die Ursache der Erkrankung an einer tumorösen Veränderung der Nebenniere selbst, kann der Tumor manchmal durch eine Operation entfernt werden. Sollte dies – beispielsweise wegen bereits erfolgter Metastasierung – nicht möglich sein, kommen ebenfalls die oben genannten Medikamente zum Einsatz.
  3. Wurde das Cushing-Syndrom durch von außen zugeführtes, lang wirkendes Kortison ausgelöst, ist vor allem eine „ ausschleichende“ Therapie wichtig. Man hofft, dass dadurch die Nebennierenrinde langsam die körpereigene Produktion wieder aufnimmt und die Produktion von Kortisol selbst reguliert.

Prognose

Die Prognose bei einem Tumor der Hirnanhangsdrüse kann bei fehlender Metastasierung gut sein. Meist ist jedoch eine lebenslange Therapie notwendig. Bei Tumoren der Nebenniere selbst entscheiden die Bösartigkeit und die Tendenz zur Metastasierung des Tumors über die Prognose.

ACHTUNG

Das Gegenteil eines Cushing-Syndroms ist Morbus Addison, der durch einen Mangel an Kortison gekennzeichnet ist. Durch die therapeutische Zerstörung der Nebennierenrinde kann sich dieses Krankheitsbild entwickeln.

Stand: 16.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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