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Hund: Magendrehungskomplex

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Magendrehung, Torsio ventriculi

Im üblichen Sprachgebrauch wird die hier beschriebene Erkrankung als Magendrehung bezeichnet. Eine Magendrehung geht aber immer gleichzeitig mit einer Aufgasung des Magens und einer daraus folgenden Magendehnung (Dilatation) einher. Daher lautet der richtige Name Magendrehungskomplex.

Der Magen liegt als wichtiges Verdauungsorgan im vorderen, noch von den Rippen umgebenen Bauchraum. Der Nahrungsbrei gelangt durch die Speiseröhre in den Magen und wird mit Hilfe der Magensäfte verdaut. Anschließend wird der angedaute Nahrungsbrei in den Dünndarm weitergeleitet.

Abb. GL9BIJS2
Abb. GL9BIJS2: Lage des Magens im Magen-Darm-Trakt.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Magendrehungkomplexes sind unbekannt. Vermutlich müssen mehrere Faktoren gemeinsam auftreten, um die Erkrankung auszulösen. Folgende Faktoren sind häufig am Auftreten der Erkrankung beteiligt:

  • genetische Prädisposition einiger Hunderassen
  • verdorbenes Futter, das zur Gasbildung neigt
  • starke Bewegung nach dem Füttern
  • schmaler und tiefer Brustkorb des Hundes
  • ältere Hunde
  • ängstliche Hunde
  • Stress
  • Verwandte von bereits am Magendrehungskomplex erkrankten Tieren
  • schnelle Fresser, die viel Luft schlucken
  • eingeweichtes Trockenfutter
  • lange Autofahrten oder Zwingeraufenthalte
  • viel Wasser während oder nach der Fütterung

Eine oder mehrere dieser Faktoren führen zunächst zu einer Aufgasung und Dehnung des Magens. Erst anschließend kommt es zu einer Drehung des Magens um die eigene Längsachse. Diese Drehung kann zwischen 90 und 360° liegen. Durch diese Drehung um die Längsachse wird sowohl der Zufluss als auch der Abfluss von Nahrung, Flüssigkeit und Gas unterbunden. Im Magen schreiten die Verdauungsprozesse jedoch weiter fort. Dadurch entstehen zusätzlich Gase, die den Magen weiter blähen und eine spontane Rückdrehung des Magens unmöglich machen. Als Komplikation kommt es häufig noch gleichzeitig zu einer Milzdrehung, da die Milz eng mit dem Magen verbunden ist.

Der geblähte und gedrehte Magen drückt auf die großen Blutgefäße, die Herz und Lunge versorgen. Dadurch kommt es zu massiven Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und Atemnot. Die Magenwand wird immer weiter gedehnt und kann deswegen nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Das Gewebe stirbt ab. Dabei werden Giftstoffe freigesetzt, die in das Blutgefäßsystem gelangen und den geschwächten Kreislauf noch zusätzlich belasten. Es besteht akute Schockgefahr. Sehr selten kommt es auch zu einem Riss der Magenwand.

Leitsymptom

  • Würgen
  • Bauch ist hart und gebläht

Symptome

Hunde, die an einem Magendrehungskomplex leiden, werden unruhig und versuchen vergeblich, sich zu erbrechen. Sie speicheln häufig stark. Der Bauchumfang nimmt durch die starke Gasentwicklung im Magen – besonders hinter dem linken Rippenbogen – sehr schnell und sehr stark zu. Bauchschmerzen und Atemnot sind weitere Anzeichen der Erkrankung. Sehr schnell kommt es zu deutlichen Schocksymptomen.

In einigen wenigen Fällen dreht sich der Magen spontan zurück. Die oben beschriebenen Symptome sind dann schnell verschwunden und es kann nachträglich nicht nachgewiesen werden, ob ein Magendrehungskomplex vorlag.

Diagnose

Der Vorbericht und die Symptome sind meist ausreichend für die Diagnose eines Magendrehungskomplex. Eine Röntgenaufnahme kann im Zweifel gemacht werden, führt aber zu einem verzögerten Behandlungsbeginn.

Abb. FZ7DIUM7
Abb. FZ7DIUM7: Röntgenaufnahme eines Magendrehungskomplex.
Der stark aufgegaste Magen ist als dunkle Masse deutlich zu erkennen.

Behandlung

Die Behandlung des Magendrehungskomplexes kann nur erfolgreich sein, wenn sie sofort eingeleitet wird. Der Hund muss sofort in eine Tierklinik oder Praxis gebracht werden, die für die erforderliche Operation ausgerüstet ist.

Im Rahmen der Behandlung gilt es zuerst, den Kreislauf des Hundes mit Infusionen und Medikamenten zu stabilisieren. Gas und Mageninhalt werden durch eine Magenschlundsonde oder durch eine Punktion der Bauchwand entleert. Sobald der Hund vom Allgemeinzustand stabil ist und eine Narkose verkraften kann, wird der Bauchraum eröffnet. Der Magen wird zurückgedreht und entleert. Bereits geschädigte Bereiche der Magenwand müssen entfernt werden. Um eine wiederholte Drehung des Magens zu verhindern, wir der Magen dauerhaft mit der Bauchwand vernäht, man spricht von einer so genannten Gastropexie. Es gibt verschiedene Methoden, diese Gastropexie durchzuführen, entscheidend ist der Allgemeinzustand des Hundes: Bei kritischem Allgemeinzustand wird der Operateur die schnellste Methode wählen.

Im Anschluss an eine erfolgreiche Operation ist eine aufwändige Nachsorge notwendig, die nur stationär erfolgen kann. Weitere Infusionen, die Gabe von Schmerzmitteln und Antibiotika sowie die Anfertigung von EKGs sind notwendig.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig vom Behandlungsbeginn. Nur Hunde, die sofort in tierärztliche Betreuung kommen, haben eine Chance einen Magendrehungskomplex zu überleben. Auch nach einer erfolgreichen Operation treten jedoch häufig tödliche Komplikationen auf. Erst Hunde, die 3 – 4 Tage nach der Operation überstanden haben, haben eine gute Prognose.

Vorbeugung

Frische Futterzubereitung, kein eingeweichtes Trockenfutter füttern, lieber mehrmals täglich kleine Portionen geben, Bewegung nach dem Füttern vermeiden sind nur einige Tipps, die zur Vermeidung des Magendrehungskomplexes im Umlauf sind. Richtig sind alle diese Maßnahmen. Da die genauen Ursachen eines Magendrehungskomplexes jedoch ungeklärt sind, können Sie Ihren Hund nicht sicher vor dieser Erkrankung schützen.

In einigen Ländern werden so genannte „Risikogruppen“ verbeugend operiert. Der Magen wird also bei großen Rassen bereits im jungen Alter an der Bauchwand befestigt. Das Narkose- und Operationsrisiko ist hierbei sicherlich im Einzelfall gegen das Risiko eines Magendrehungskomplexes abzuwägen. Ob eine Fixierung des Magens im Rahmen einer Kastration oder eines anderen chirurgischen Eingriffs erfolgen sollte, muss ebenfalls im Einzelfall entschieden werden.

Tipps

Nach der Operation ist es unbedingt notwendig, dass bis zum vollständigen Abheilen der Wunde (also bis zum Ziehen der Fäden nach etwa 10 Tagen) ein Halskragen getragen wird, um den Hund am Lecken der Narbe zu hindern. Die Maulhöhle ist nämlich sehr stark mit Bakterien besiedelt. Wenn das Tier an der Naht leckt, wird das Zusammenwachsen des Gewebes verhindert und die Bakterien aus der Maulhöhle können leicht in den Organismus eindringen. Dadurch verzögert sich die Heilung oder es wird sogar eine Nachoperation notwendig. Besonders stark ist der Drang zu lecken einige Tage nach der Operation, wenn der Heilungsprozess einsetzt und die Wunde zu jucken beginnt. Halskragen finden die Hunde meist nur eine kurze Zeit lästig und gewöhnen sich – im Gegensatz zum Besitzer – recht schnell daran. Beim Fressen kann der Halskragen zur Not kurz entfernt werden, aber nur unter Beobachtung! Auch so genannte Bauchanzüge kommen seit einiger Zeit erfolgreich zur Anwendung.

Abb. GGW986MD
Abb. GGW986MD: Halskragen.

ACHTUNG

Eine Magendrehung ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Ohne sofortige Behandlung führt ein Magendrehungskomplex innerhalb weniger Stunden zum Tod. Nicht jede Tierarztpraxis kann die erforderliche Operation durchführen. Rufen Sie daher bei Verdacht auf einen Magendrehungskomplex in der Praxis oder Klinik an, um sicherzustellen, dass der Hund dort operiert werden kann.

Stand: 16.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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