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Hund: Lungenentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Pneumonie

Zum besseren Verständnis soll zunächst der Aufbau der Atemwege kurz erklärt werden: Die sauerstoffreiche Atemluft strömt durch Nasenlöcher, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich im Brustraum in zwei Hauptbronchien auf. Im weiteren Verlauf verzweigen sich die Hauptbronchien wie die Äste eines Baumes immer weiter. Zunächst spalten sich die Hauptbronchien in die kleinen Bronchien auf und diese dann in die noch kleineren Bronchiolen. Die Bronchiolen münden in den Lungenbläschen (Alveolen), in denen der Gasaustausch stattfindet: Das sauerstoffarme Blut gibt Kohlendioxid (CO2) in die Atemluft ab und nimmt wieder Sauerstoff auf. Zwischen den Lungenbläschen befindet sich Bindegewebe, das eine Art Gerüst für die Lungenbläschen darstellt und in dem die Blutgefäße verlaufen. Als Lungenentzündung (Pneumonie) bezeichnet man eine Entzündung der Lungenbläschen und/oder des Lungenbindegewebes. Häufig sind nicht nur das Lungengewebe, sondern auch die Bronchien von der Entzündung betroffen, so dass man von einer Bronchopneumonie spricht.

Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen verfügen über verschiedene Mechanismen, um mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper wieder zu beseitigen. Man nennt dies auch die Selbstreinigung oder Clearance der Atemwege:

  • Sie sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese trägt kleine, bewegliche Härchen, das so genannte Flimmerepithel, das Fremdstoffe mit einer Art synchronem Wellenschlag wieder nach draußen befördern soll.
  • Die Schleimhaut produziert flüssigen Schleim, auf dem die Fremdstoffe nach draußen „schwimmen“ sollen.
  • Die Atemwege sind von Muskulatur umgeben, die sich bei Reizung der Schleimhaut zusammenzieht. Dies löst Husten aus. Die Bronchiolen können sich so stark zusammenziehen, dass ihr Durchgang vollständig versperrt ist.
    Abb. FZ7CTW4V
    Abb. FZ7CTW4V: Schematische Darstellung der Atemwege.

Ursachen

Lungenentzündungen können durch Bakterien, Viren, Würmer oder Pilze hervorgerufen werden. Mischinfektionen mit verschiedenen Erregern sind sehr häufig. Die Krankheitskeime gelangen in den meisten Fällen durch die Atemluft in die Lungenbläschen, nur sehr selten entsteht eine Lungenentzündung durch Bakterien aus dem Blutkreislauf. Meist ist das Abwehrsystem der Lunge durch andere Erkrankungen, Stress, schlechte Haltungsbedingungen oder starken Wurmbefall geschwächt, und die Schutzmaßnahmen der Atemwege können nicht wirken. Lungenentzündungen können jedoch auch als Folge von Zwingerhusten oder schweren Allgemeinerkrankungen wie Staupe auftreten.

Grundsätzlich verursachen besonders Bakterien eine ausgedehnte und schwerwiegende Entzündung der Lunge. Durch Entzündungsprozesse wird weiteres Lungengewebe angegriffen und zerstört. Meistens entstehen dabei Schleim und Eiter. Der Gasaustausch ist in den erkrankten Bereichen gestört oder vollständig unmöglich. Nicht selten versucht der Körper, die Entzündungsbereiche mit einer Kapsel aus Bindebewebe abzugrenzen. Es entstehen Abszesse.

Eine besondere Form der Lungenentzündung ist eine so genannte Verschluckpneumonie (Aspirationspneumonie). Abgeschluckte Futterbestandteile gelangen in die Lunge und führen zu Entzündungen. Ursachen für eine Verschluckpneumonie können beispielsweise ein Megaösophagus oder eine Kehlkopflähmung sein. Verschluckpneumonien treten auch auf, wenn während einer Narkose erbrochen wird. Daher sollten Hunde vor einem geplanten Eingriff mindestens 12 Stunden keine Nahrung erhalten.

Ansteckung

Obwohl Lungenentzündungen in den meisten Fällen durch Krankheitskeime verursacht werden, ist im Allgemeinen die Gefahr einer Ansteckung von Hund zu Hund gering, da die individuelle Abwehrlage des Tieres eine große Rolle bei der Entwicklung einer Lungenentzündung spielt.

Leitsymptom

  • Husten

Symptome

Lungenentzündungen machen sich meist durch Husten bemerkbar. Daneben kommt es zu Nasenausfluss, der allerdings meist sehr schnell weggeschleckt wird. Auch Fieber, Teilnahmslosikgeit und Appetitlosigkeit können beobachtet werden. Bei schweren Lungenentzündungen kann der Sauerstoffaustausch in den Alveolen so eingeschränkt sein, dass Atemnot entsteht.

Diagnose

Durch verschiedene Methoden kann eine Lungenentzündung diagnostiziert und ihr Ausmaß bestimmt werden:

  • Auskultation: Durch Abhören der Lunge können die Atemgeräusche beurteilt werden. Flüssigkeit in der Lunge führt zu rasselnden, pfeifenden oder giemenden Atemgeräuschen. Der Tierarzt kann die Qualität der Geräusche bestimmten Krankheitsprozessen zuordnen.
  • Röntgen: Normalerweise stellt sich das gesunde, luftgefüllte Lungengewebe auf dem Röntgenbild dunkel dar. Entzündete Bereiche bilden sich als helle Areale ab, die man auch Verschattungen nennt.
  • Ultraschall : Mittels Ultraschall lässt sich besonders gut Flüssigkeit darstellen, aber auch andere Veränderungen wie z.B. Lungentumoren oder entzündete Bereiche können gefunden werden.
  • Endoskopie der Atemwege: Bei der Endoskopie lässt sich das Ausmaß der Bronchitis bestimmen. Bis ganz in die kleinen Bronchiolen kann man mit dem Endoskop allerdings nicht schauen. Bei einer Endoskopie lässt sich aber eine Probe des Bronchialschleims entnehmen, der in einem Labor auf Bakterien untersucht werden kann (Tracheobronchialsekret [TBS] oder brochoalveoläre Lavage [BAL]). Der Nachweis der verursachenden Bakterien und ein Antibiogramm sind wichtig für die Wahl der Behandlung.
  • Blutuntersuchung: Bestimmte Veränderungen im Blut zeigen eine Entzündung an.

Behandlung

Bei jeder Lungenentzündung kommen Antibiotika zum Einsatz. Bereits wenige Tage nach Therapiebeginn sollten die Symptome deutlich abklingen. Nach Verschwinden aller klinischen Symptome muss die Therapie jedoch noch mindestens eine Woche fortgeführt werden. In einigen Fällen müssen über bis zu 12 Wochen Antibiotika verabreicht werden.

Auch durch Würmer oder Viren verursachte Entzündungen des Lungengewebes werden mit Antibiotika behandelt, um eine weitere Besiedlung mit Bakterien, eine so genannte Sekundärinfektion, zu vermeiden. Zusätzlich muss das Grundleiden behandelt werden: Bei parasitären Infektionen beispielsweise mit Hilfe von Entwurmungsmitteln.

Schleimlöser, Hustenstiller und Inhalationen können die Therapie unterstützen.

Bei schweren Lungenentzündungen, die mit Atemnot einhergehen, muss der Hund mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden. Dazu werden die Patienten in eine so genannte Sauerstoff-Box gebracht. In diese Box wird reiner Sauerstoff geleitet, um einen ausreichenden Gasaustausch in den Alveolen zu ermöglichen.

Prognose

Bakterielle Pneumonien sprechen im Allgemeinen gut auf Antibiotika an. Zusätzliche Allgemeinerkrankungen wie Megaösophagus oder Staupe verschlechtern die Diagnose deutlich. Lungenentzündungen, die zu spät oder inkonsequent behandelt werden, können zum Platzen der Alveolen führen. Es entsteht ein so genanntes Emphysem, das zum Tode führen kann.

Vorbeugung

Entwurmen Sie Ihren Hund regelmäßig! Wandernde Larven zerstören Lungengewebe und ermöglichen so eine Ansiedlung von Bakterien (Sekundärinfektion). Generell stärken Sie das Abwehrsystem Ihres Hundes durch regelmäßiges Entwurmen und Impfen, eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung und regelmäßige, dem Bedürfnis des Tieres angemessene Bewegung.

Tipps

Sollte Ihr Hund stark – und vor allem nachts – husten, können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Tierarzt die Luft mit heißem Kamillentee oder Salzwasser befeuchten. Achten Sie jedoch darauf, dass sich Ihr Hund nicht verbrühen kann!

Stand: 03.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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