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Hund: Leishmaniose

Allgemeines

Leishmaniose ist eine der am häufigsten aus dem Urlaub eingeschleppten Erkrankungen des Hundes. Die Erreger werden durch Sandfliegen (eine Unterart der Schmetterlingsmücken) übertragen. Sandfliegen sind im gesamten Mittelmeerraum, in Asien und in Lateinamerika verbreitet, dort sind in manchen Gebieten bis zu 60% der Hunde mit Leishmanien infiziert. In einigen Gebieten Süddeutschlands ist inzwischen ebenfalls eine Infektion mit Leishmaniose möglich, da die Sandfliege auch dort einen Lebensraum gefunden hat. Bisher liegt das erhöhte Auftreten von Leishmaniose jedoch an der steigenden Tendenz, Hunde mit in den Urlaub zu nehmen oder Hunde aus den Mittelmeerländern zu importieren.

Ursachen

Leishmanien sind einzellige Parasiten, die hauptsächlich beim Stich einer Sandmücke übertragen werden. Direkt nach dem Stich entscheidet das Abwehrsystem des Hundes über den Verlauf der Erkrankung: Bei mehr als 50% der Hunde kann das Abwehrsystem so reagieren, dass keine Symptome auftreten, der Hund als nicht erkrankt. Man spricht dann von einer stummen Infektion. Bei den übrigen Hunden werden zwar sehr viele Antikörper gebildet, diese können den Hund jedoch nicht ausreichend schützen, sondern scheinen nach derzeitigem Wissensstand die Symptome noch zu verschlimmern: Die Antikörper "fangen" die Leishmanien ab, lagern sich gemeinsam mit diesen in der Niere, im Auge und in den Gelenken u.v.a. ab und lösen dort schwere Entzündungen aus.

Es scheint genetisch festgelegt zu sein, ob ein Hund eine stumme Infektion durchmacht oder erkrankt. Weiterhin scheinen Hunde zwischen 2 und 4 Jahren sowie nach dem 7. Lebensjahr besonders gefährdet zu sein. Auch das gleichzeitige Vorliegen anderer Infektionen wie Ehrlichiose, Hepatozoonose oder Demodikose ist scheinbar für den Verlauf einer Leishmaniose entscheidend. Genauere Untersuchungen dazu stehen noch aus.

Abb. GBWA5HI0
Abb. GBWA5HI0: Sandmücke Phlebotomus perniciosus.

Ansteckung

Nach derzeitigem Wissensstand können Leishmanien auf folgende Weisen übertragen werden:

  • Durch den Stich der Sandmücke.
  • Welpen können sich bereits im Mutterleib durch die Plazenta infizieren. Innerhalb eines Wurfes können die Welpen gesund oder infiziert sein.
  • Im Wundsekret von Hautwunden befinden sich massenhaft Leishmanien. Wenn dieses Wundsekret in eine andere Wunde gerät, kann es ebenfalls zu einer Infektion kommen. Diese so genannten Schmierinfektionen sind die häufigste Ansteckungsquelle für Menschen, die Zoonosegefahr ist sehr hoch. Besonders Kleinkinder und Erwachsene mit geschwächtem Abwehrsystem (HIV-Infektion, Chemotherapie, Diabetes) sind gefährdet. Hohe Hygienestandards sind daher bei Leishmaniose sehr wichtig.

Symptome

Die meisten der infizierten Hunde entwickeln wie unter Ursachen beschrieben keinerlei Symptome – sie sind jedoch Träger der Parasiten und bilden ein Reservoir für die Sandmücken! Bei Hunden ohne ausreichende Immunantwort entwickeln sich nach einer langen Inkubationszeit von Wochen bis Monaten sehr unterschiedliche Krankheitserscheinungen. Leishmaniose führt erst zu unklaren Symptomen wie Appetitlosigkeit, Durchfall, Trägheit und schleichendem Gewichtsverlust. Später unterscheidet man zwischen einer Hautform (Befall der Haut und der Schleimhäute) und einer Organform (Befall der inneren Organe) der Leishmaniose. Beide Formen können einzeln oder gemeinsam auftreten und auch ineinander übergehen. Am häufigsten sind die Haut, die Nieren und das Knochenmark von Leishmanien befallen.

Folgende Symptome treten besonders häufig auf:

  • Haut: Hautveränderungen in Form von fettig-weißen Schuppen beginnen meist an den Ohren und breiten sich dann über den gesamten Körper aus. Es besteht zunächst kein Juckreiz. Anschließend kommt es zur Bildung kleiner Hautwunden, die häufig nässen und schlecht heilen.

    Abb. FZ7AD3L8
    Abb. FZ7AD3L8: Leishmaniose.
    Typische Veränderungen am Ohr eines an Leishmaniose erkrankten Hundes.

    Abb. FZ7AF4RZ
    Abb. FZ7AF4RZ: Leishmaniose.
    Diese Hautveränderungen an der Nase sind ebenfalls durch Leishmanien entstanden.

  • Krallen: Durch Entzündungen des Krallenbetts entsteht übermäßiges Wachstum der Krallen.

  • Lymphknoten: Lymphknotenschwellungen treten auf.

  • Leber, Milz, Niere, Knochenmark: Durch Entzündungsvorgänge kommt es zu Funktionsverlusten der Organe. Dadurch entstehen Symptome wie Appetitlosigkeit, Durchfall und Gewichtsverlust. Im fortgeschrittenen Stadium ist Nierenversagen die häufigste Todesursache einer Leishmaniose.

Diagnose

Die klinischen Symptome und ein vorausgegangener Mittelmeer-Urlaub erlauben meist eine Verdachtsdiagnose. Die vom Abwehrsystem des Hundes gebildeten Antikörper können im Blut nachgewiesen werden, allerdings erst einige Wochen nach der Infektion. Leishmanien können direkt durch Punktionen aus Knochenmark oder Lymphknoten und im Wundsekret nachgewiesen werden. Auch Tupferproben aus den Augen können in speziellen Labors für den Nachweis der Leishmanien herangezogen werden. Nicht alle Untersuchungsmethoden sind zuverlässig und müssen daher häufig wiederholt und kombiniert werden.

Behandlung

Die Behandlung der Leishmaniose ist bisher nur unbefriedigend möglich. Es stehen einige Präparate zur Auswahl, die häufig kombiniert eingesetzt werden. Die Therapiedauer ist sehr lang (bis zu 30 Wochen) und je nach Körpergewicht des Hundes sehr kostspielig. Keine dieser Therapien ist in der Lage, die Leishmanien dauerhaft zu bekämpfen. Es wird lediglich eine Milderung der Symptome erreicht, wodurch die Lebensqualität des Hundes über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Jeder infizierte Hund stellt ein lebenslanges Reservoir für Sandmücken dar!

Prognose

Eine unbehandelte Leishmaniose führt in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres zum Tod des Hundes durch Nierenversagen. Bei frühzeitiger Erkennung der Krankheit kann der Krankheitsverlauf höchstens verlangsamt werden. Häufig kommt es jedoch nach scheinbarer Heilung zu erneuten Krankheitsausbrüchen, es besteht eine hohe Rezidivgefahr. Eine dauerhafte Heilung ist bisher nicht möglich.

Vorbeugung

Seit 2012 ist in Deutschland und einigen anderen Ländern ein Impfstoff gegen Leishmaniose zugelassen. Hunde ab dem 6. Lebensmonat können geimpft werden, wenn sie nicht bereits mit Leishmaniose infiziert sind. Um dies zu überprüfen, ist vor der Impfung eine Blutuntersuchung notwendig. Um einen ausreichenden Impfschutz aufzubauen, müssen Hunde 3-mal im Abstand von 3 Wochen eine Grundimmunisierung erhalten. Erst 4 Wochen nach der letzten Impfung ist der Impfschutz voll ausgebildet, es muss also mindestens 10 Wochen vor einer geplanten Reise mit dem Impfen begonnen werden! Jedes Jahr muss anschließend eine Wiederholungsimpfung erfolgen.

Leider bietet der Impfstoff keinen 100%igen Schutz. Zusätzlich sollten Sie daher Ihren Hund durch Mückenabwehr schützen: So genannte Repellentien (wirken abschreckend auf Insekten) sind in vielen Halsbändern, Sprays, Shampoos oder Spot-on-Präparaten mit Insektiziden (töten die Insekten beim Stich) kombiniert. Beachten Sie dabei jedoch, dass die Wirkung von Halsbändern erst 1 – 2 Wochen nach dem Tragen einsetzt. Außerdem sollte man in der Morgen- und Abenddämmerung sowie in der Nacht auf Spaziergänge verzichten, da dann die Flugzeit der Mücken ist. Am besten lassen Sie Ihren Hund beim Mittelmeer-Urlaub aber einfach zuhause!

ACHTUNG

Leishmaniose ist eine Zoonose, d.h. es besteht eine Ansteckungsgefahr für den Menschen. Der Mensch infiziert sich zwar im Wesentlichen über Sandmücken, kann sich jedoch auch direkt an einer Hautwunde beim Hund anstecken.

Stand: 10.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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