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Hund: Kastration des Rüden

Allgemeines

Bei der Kastration eines Rüden werden beide Hoden chirurgisch entfernt und damit eine dauerhafte Zeugungsunfähigkeit erreicht.

Meist ist dies jedoch nicht der Hauptgrund für eine Kastration: Das geschlechtspezifische Verhalten von Rüden, insbesondere Aggressivität gegenüber anderen Rüden, Markieren, Herumstreunen sowie das Besteigen von Objekten, Hunden und Menschen ist von vielen Hundebesitzern unerwünscht. Für diese Verhaltensweisen ist das in den Hoden produzierte männliche Geschlechtshormon Testosteron verantwortlich. Durch das Entfernen der Hoden und damit des Testosterons aus dem Organismus kommt es zu Verhaltensänderungen beim Hund. Diese Verhaltensweisen werden erfahrungsgemäß mehr beeinflusst, je früher die Kastration erfolgt. Je länger der Rüde bereits sein Imponiergehabe praktiziert hat, desto geringer ist meist die Verhaltensänderung.

Die meisten Besitzer entschließen sich erst nach dem Auftreten der geschlechtstypischen Verhaltensweisen, also mit Beginn der Pubertät, zu einer Kastration. Die Geschlechtsreife tritt je nach Rasse zwischen sieben und 14 Monaten ein.

Aus medizinischen Gründen wird eine Kastration des Rüden bei Kryptorchismus, Präputialkatarrh, Hodentumoren, Prostatahypertrophie, Perinealtumoren und Perinealhernien empfohlen.

Abb. FZ6VDZZJ
Abb. FZ6VDZZJ: Schematische Darstellung des männlichen Geschlechtapparats.
Bei einer Kastration werden Hoden und Nebenhoden sowie Teile des Samenstrangs entfernt.

Mögliche Vorteile einer Kastration:

  • Abnahme von Aggressivität gegenüber anderen Hunden
  • Stopp des Markierens
  • Streunen nach läufigen Hunden nimmt ab. Jedoch behalten ca. 30% der Rüden ein starkes Interesse an läufigen Hündinnen.
  • Präputialkatarrhe treten bereits nach wenigen Tagen nicht mehr auf.

Mögliche Nachteile einer Kastration:

  • Operations- und Narkoserisiko
  • Wundheilungsstörungen
  • Gewichtszunahme bei unveränderter Fütterung
  • Veränderung des Haarkleids
  • Entwicklung von Harninkontinenz
  • Ausbildung eines phlegmatischen Charakters

Operation

Bei einer Kastration werden dem Rüden unter Narkose beide Hoden entfernt. Wie bei jeder Narkose sollte der Patient „nüchtern“ sein, d.h. mindestens 12 Stunden vor der Operation keine Nahrung erhalten haben. Trinken ist erlaubt!

Für die Entfernung der Hoden stehen dem Tierarzt mehrere Operationsmethoden zur Verfügung, die er je nach Hund und Wunsch des Besitzers wählen kann. Ein ausführliches Gespräch zwischen Tierarzt und Hundebesitzer sollte erfolgen, insbesondere im Hinblick auf das Verbleiben des leeren Hodensacks.

Nach dem Entfernen der Hoden bleibt der Hodensack (Skrotum) leer und bildet sich nach der Operation teilweise langsam zurück. Die Rückbildung variiert bei jedem Hund und wird auch durch das Alter des Hundes bei der Kastration beeinflusst. Je jünger der Hund, desto elastischer und regenerationsfähiger ist das Gewebe und desto höher die Wahrscheinlichkeit einer kompletten Rückbildung des Hodensacks. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, den Hodensack bereits während der Kastration zu verkleinern. Meist wird dafür der pigmentierte, also dunkle Teil des Hodensacks entfernt. Auch das Einbringen von Implantaten wird teilweise durchgeführt. Hierbei handelt es sich jedoch um rein ästhetische Maßnahmen für das Auge des Hundebesitzers.

Sobald der Hund ausreichend wach ist, kann er im Normalfall nach Hause entlassen werden. Vorsorglich wird meistens eine antibiotische Versorgung und Schmerzlinderung durchgeführt.

Abb. FZ6VUU87
Abb. FZ6VUU87: Rüde vor der Kastration.

Abb. FZ6VWANB
Abb. FZ6VWANB: Rüde nach der Kastration.
Größenvergleich der Kastrationsnarbe mit einer 1 Euro-Münze.

Prognose

Die Kastration des Rüden ist meist ein komplikationsloser Routineeingriff, Narkosezwischenfälle treten eher selten auf. Manchmal kann es durch Unverträglichkeitsreaktionen mit dem Nahtmaterial oder Belecken der Wunde durch den Hund zu Wundheilungsstörungen kommen.

Die erwünschten Verhaltensänderungen werden eher erzielt, wenn der Eingriff vor Eintritt der Geschlechtsreife durchgeführt wird. Eine Kastration ersetzt jedoch nicht eine konsequente Erziehung des Hundes! Aggressivität bei Angst oder Futterverteidigung lässt sich nicht durch eine Kastration beeinflussen. Auch das Herumstreunen nach läufigen Hündinnen wird nicht immer unterbunden. Die Kastration eines Rüden ist aus verhaltenstherapeutischer Sicht kein Allheilmittel.

Nachsorge

Nach der Operation ist es unbedingt notwendig, dass bis zum vollständigen Abheilen der Wunde (also bis zum Ziehen der Fäden nach etwa zehn Tagen) ein Halskragen getragen wird. Dies finden die Hunde meist nur eine kurze Zeit lästig und gewöhnen sich – im Gegensatz zum Besitzer – recht schnell daran. Ohne Schutz können sie in sehr kurzer Zeit mit ihrer rauen Zunge die gesamte Wunde erneut öffnen. Außerdem dringen Bakterien aus der Maulhöhle in die Wunde ein: die Wundheilung wird verzögert oder es kann sogar eine Nachoperation notwendig werden. Besonders stark ist der Drang zu lecken einige Tage nach der Operation, wenn der Heilungsprozess einsetzt und die Wunde zu jucken beginnt. Der Halskragen darf also wirklich erst nach dem vollständigen Abheilen entfernt werden. Beim Fressen kann der Halskragen zur Not kurz entfernt werden, aber nur unter Beobachtung!

Abb. GGW8X72X
Abb. GGW8X72X: Halskragen.

Chemische Kastration

Seit einiger Zeit ist in Deutschland ein Präparat zur medikamentellen, reversiblen Kastration zugelassen. Der Wirkstoff befindet sich in einem so genannten Implantat, das dem Rüden unter die Haut gespritzt wird. Das Implantat setzt den Wirkstoff kontinuierlich über etwa sechs Monate frei und verhindert in diesem Zeitraum die Ausschüttung der Geschlechtshormone. Lässt die Wirkung des Implantats nach, setzt die Hormonproduktion wieder ein und der Rüde kann erneut zur Zucht eingesetzt werden.

Achtung

Nach §6 des Tierschutzgesetzes handelt es sich bei einer Kastration um eine Amputation, für die es einer medizinischen Indikation bedarf. Die Durchführung darf ausschließlich dem Wohle des Hundes dienen. Der reine Wunsch nach einer Wesensänderung ist demnach nicht ausreichend, um eine Kastration durchzuführen.

Stand: 11.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
18.08.2016: Keskio
Lieber Franz,
das kann passieren - es war bei unserem Opa auch so in seinen letzten Jahren ;) Wir hatten ihn trotzdem lieb, er wurde 93.

// mit einem Augenzwinkern und in Richtung alternde Lebewesen zeigend
27.05.2016: Heike
Da steht aber nicht, dass es einer Indikation bedarf!

"Das Verbot gilt nicht, wenn ... soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegen stehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird."
16.08.2014: Wechselwarm
Es ist laut §6 TierSchG Nummer 5 erlaubt, also hören Sie auf hier Unsinn zu verbreiten!
21.09.2013: Franz
Mein Rüde wurde mit 11 Jahren kastriert. Die Tierärztin hatte es empfohlen, weil sich die Hoden verändert hatten.
Wir hatten vorher gefragt, ob der Hund dadurch inkontinent werden kann.
Die Tierärztin verneinte das.

Doch leider ist das nicht so.


Wenn er schläft macht er Pipi. Tagsüber verliert er immer mal Tropfen.

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