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Hund: Herzinsuffizienz

Allgemeines

In diesem Artikel werden verschiedene Erkrankungen erläutert, die zu einer Herzinsuffizienz führen können: Erkrankungen der Herzklappen (Klappeninsuffizienz, Klappenendokardiose, Endocarditis valvularis), Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien) und Erkrankungen des Herzbeutels.

Zum besseren Verständnis wird zunächst der Aufbau des Herzens erklärt:

Das Herz ist ein muskulöses Hohlorgan, das sich in regelmäßigen Abständen zusammenzieht (kontrahiert). Das Herz ist von außen von einer festen Hülle überzogen, die man auch Herzbeutel oder Perikard nennt. Die Auskleidung der Innenräume des Herzens nennt man Endokard.Das Herz ist längs in eine rechte und eine linke Hälfte geteilt, die durch die Herzscheidewand (Septum) voneinander getrennt sind. Blutgefäße, die Blut zum Herzen hin befördern, nennt man Venen, Blutgefäße, die Blut vom Herzen weg transportieren, nennt man Arterien.

Beide Herzseiten bestehen aus je einem Vorhof (Atrium) und einer Kammer (Ventrikel). Herzklappen zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern und zwischen den Arterien und den Kammern wirken als Ventile und sorgen dafür, dass das Blut bei der Kontraktion des Herzmuskels nicht wieder zurückfließt, sondern immer in die gleiche Richtung strömt.

Die Muskulatur der rechten Herzseite ist schwächer ausgebildet als die der linken. Die rechte Herzseite erhält über die Hohlvenen sauerstoffarmes Blut aus dem Körperkreislauf. Es fließt zunächst in den rechten Vorhof. Von dort strömt es durch die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer. Durch die Pulmonalklappe gelangt das Blut in die Lungenarterie und so in die Lunge. Dort wird Kohlendioxid – das Abfallprodukt der Zellatmung – von den roten Blutkörperchen abgegeben und Sauerstoff aufgenommen. Das sauerstoffreiche Blut fließt über die Lungenvene zurück zum Herzen und gelangt in den linken Vorhof. Über die Mitralklappe strömt es in die linke Kammer. Die kräftige Muskulatur der linken Kammer pumpt das Blut durch die Aortenklappe in die Körperschlagader (Aorta). Diese spaltet sich in viele Arterien auf und versorgt so den gesamten Körper mit sauerstoffreichem Blut. Die kleinsten Arterien am Ende des Blutgefäßsystems sind Haargefäße, so genannte Kapillaren. Hier wandert der Sauerstoff aus dem Blutgefäßsystem in die Organzellen. Umgekehrt kann im Haargefäßsystem Kohlendioxid aufgenommen werden. Dieses kohlendioxidreiche, aber sauerstoffarme Blut gelangt nun über Venen zurück zum Herz.

Abb. H2HCXONP
Abb. H2HCXONP: Schematische Darstellung des Herzens.
Während der Füllungsphase (A) füllt sich das Herz mit Blut, bei der Austreibungsphase (B) zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt das Blut in den Körper- und Lungenkreislauf

Abb. FZ6R0PLN
Abb. FZ6R0PLN: Schematische Darstellung des Herz- und Lungenkreislaufs.

Ursachen

Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht in der Lage ist, seinen Aufgaben ausreichend nachzukommen. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Fast alle Herzerkrankungen führen früher oder später zu einer Herzinsuffizienz, also einer unzureichenden Leistung des Herzens.

Zuerst versucht das Herz, die Schäden zu kompensieren. Die Herzmuskulatur wird kräftiger und vergrößert sich (Herzhypertrophie). Nach außen kann sich das Herz jedoch durch den festen Herzbeutel nicht unbegrenzt ausdehnen und die Muskelzunahme führt dadurch zu einem abnehmenden Füllungsvolumen der Herzkammern. Im fortgeschrittenen Stadium der Herzerkrankung kann der Herzmuskel die Belastung nicht mehr kompensieren. Der Muskel schafft es nicht mehr, das gesamte Blut aus der Kammer zu pumpen. Dadurch bleibt immer mehr Blut in der Kammer und weitet diese aus (Herzdilatation). Der Muskel wird sichtbar dünner und hat weniger Schlagkraft.

Spätestens in diesem Stadium werden Anzeichen einer Herzerkrankung deutlich. Die Symptome unterscheiden sich, je nachdem welche Herzhälfte betroffen ist. Man spricht von einer Linksherzinsuffizienz oder einer Rechtsherzinsuffizienz.

Herzinsuffizienzen treten meist bei älteren Hunden als Folge verschiedener Herz- oder Allgemeinerkrankungen auf. Bei jüngeren Hunden entstehen Herzinsuffizienzen meist durch angeborene Herzerkrankungen.

Erkrankungen der Herzklappen (Klappeninsuffizienz, Klappenendokardiose, Endocarditis valvularis)

Bei einer Klappenendokardiose handelt es sich um eine fortschreitende, irreversible Verschleißerscheinung der Herzklappen. Endokardiosen sind die häufigsten Herzerkrankungen des Hundes. Bei einer Endokardiose verlieren die Herzklappen an Elastizität, werden dicker und verkalken. Diese Vorgänge führen zu einer zunehmenden Schrumpfung der Herzklappen und verhindern den vollständigen Verschluss zwischen Kammer und Vorhof. Bei der Kontraktion der Kammer fließt dann nicht nur Blut in die Lungenarterie oder die Aorta, sondern auch zurück in die Vorhöfe. Je nachdem welche Herzklappen betroffen sind, entsteht eine Rechts- oder Linksherzinsuffizienz. Eine Sonderform der Endokardiose ist eine akute Entzündung der Herzklappen (Endocarditis valvularis). Diese entsteht durch im Blut zirkulierende Bakterien (Bakteriämie). Man vermutet, dass auch Zahnfleischentzündungen zu dieser Form der Endokardiose führen können.

Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien)

Herzmuskelerkrankungen können entweder ohne ein Grundleiden (primäre Kardiomyopathie) oder durch eine andere Herzerkrankung hervorgerufen werden (sekundäre Kardiomyopathie). Primäre Kardiomyopathien werden besonders häufig bei älteren, großwüchsigen Rüden beobachtet. Dobermänner sind gehäuft betroffen. Sekundäre Kardiomyopathien können durch virale, bakterielle oder parasitäre Entzündungen des Muskels ausgelöst werden. Auch Nährstoffmangel, Vergiftungen oder einige Hormonstörungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) können zu einer Herzmuskelerkrankung führen.

Erkrankungen des Herzbeutels

Der Herzbeutel (Perikard) bildet die äußere, feste Hülle des Herzens und liegt der Muskulatur eng an. Zwischen Muskulatur und Herzbeutel kann es beispielsweise durch Infektionen, Tumoren, Verletzungen oder Fremdkörper zu Flüssigkeitsansammlungen kommen. Da der Herzbeutel sich nicht ausdehnen kann, kommt es dann zu einer Einengung des Herzmuskels, der dadurch nicht mehr richtig arbeiten kann.

Erkrankungen durch Herzwürmer

Herzwürmer leben in den Lungenarterien und führen dort zu Veränderungen an den Blutgefäßen. Es entstehen Gefäßverengungen, so genannte Stenosen. Dadurch muss die rechte Kammer immer gegen einen gewissen Widerstand pumpen. Es entwickelt sich langfristig eine Rechtsherzinsuffizienz, die in diesem speziellen Fall auch Cor pulmonale (Lungenherz) genannt wird.

Leitsymptom

  • Husten
  • Leistungsschwäche

Symptome

Symptome von Herzinsuffizienz sind vor allem nächtlicher Husten („Herzhusten“), Atemnot, Müdigkeit, Appetitlosigkeit sowie Ohnmachtsanfälle, die durch zu geringe Durchblutung des Gehirns entstehen.

Zusätzlich kommt es bei fortschreitender Erkrankung zu Wassereinlagerungen in verschiedene Organe und Gewebe. Diese Wassereinlagerungen entstehen durch den Rückstau von Blut. Bei einer Linksherzinsuffizienz staut sich Blut in der Lunge. Dadurch entsteht zu Beginn der Erkrankung der so genannte Herzhusten, langfristig kommt es jedoch zu massiven Flüssigkeitsansammlungen (Lungenödemen), die die Atmung behindern. Bei einer Rechtsherzinsuffizienz staut sich Blut zurück in den Körperkreislauf. Dies führt zu Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, zu Leberschwellung und zu Wassereinlagerungen (Ödemen) an Gliedmaßen und Unterbauch.

Diagnose

Fast jede Herzerkrankung führt ab einem gewissen Stadium zu einem charakteristischen Herzgeräusch, das mit einem Stethoskop gehört werden kann. Weiterführende Untersuchungsmethoden sind Röntgen, Elektrokardiogramm (EKG) und Ultraschall. Auch Blutuntersuchungen können wichtige Hinweise geben.

Durch Röntgenaufnahmen werden hauptsächlich Lage, Form und Größe des Herzens beurteilt. Auch Stauungserscheinungen in der Lunge können sichtbar sein.

Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeigt die Herzfrequenz und den Herzrhythmus.

Ultraschall wird eingesetzt, um einzelne Herzstrukturen sichtbar zu machen. Die Untersuchung ermöglicht die Beobachtung der Herzaktivität und der Kammerfüllung und lässt die Beurteilung der Vorhofgröße zu. Insbesondere der so genannte Doppler-Ultraschall wird bei Herzuntersuchungen eingesetzt. Dabei werden die Fließgeschwindigkeit und auch die Flussrichtung des Blutes farbig dargestellt.

Abb. FZ6RGCYF
Abb. FZ6RGCYF: Durchführung eines Herz-Ultraschalls.

Behandlung

Eine Herzinsuffizienz kann nicht geheilt werden. Es kann lediglich versucht werden, die Veränderungen aufzuhalten und das Herz zu entlasten. Dazu werden in erster Linie Medikamente eingesetzt, meist eine Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe. Diese Kombination muss für jeden Hund speziell ermittelt werden.

Zur Entwässerung, also Verminderung der Stauung in Lunge, Bauchhöhle und anderen Geweben, kommen hauptsächlich so genannte Diuretika zum Einsatz. Insgesamt nimmt das Blutvolumen dadurch ab und der Blutdruck sinkt. ACE-Hemmer senken ebenfalls den Blutdruck und entlasten das Herz durch eine Umverteilung des Blutvolumens. Dies wird auch bei der Behandlung von Lungenödemen genutzt. Zur Unterstützung der Schlagkraft des Herzens und Erhöhung der Pumpleistung dienen Herzglykoside, Betablocker und so genannte Inodilatoren. Antiarrythmika helfen dem Herz, „im Takt“ zu bleiben.

Zur Behandlung einer Herzinsuffizienz gehört auch eine Ernährungsumstellung des Hundes. Übergewichtige Tiere müssen auf ein Normalgewicht gebracht werden, um das Herz nicht zusätzlich zu belasten. Herzinsuffizienz führt jedoch besonders im fortgeschrittenen Stadium häufig zu Appetitlosigkeit. Diesen Tieren kann beispielsweise Honig oder gekochtes Fleisch unter das Futter gemischt werden, um eine Abmagerung zu verhindern. Kochsalzreiche Nahrung sollte bei Herzinsuffizienz vermieden werden, da Salz zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt.

Prognose

Die Prognose einer Herzinsuffizienz hängt stark vom Alter und Allgemeinzustand des Hundes, Ausmaß der Herzerkrankung und Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Ein gut mit Medikamenten eingestelltes Tier kann durchaus eine gute Lebensqualität und auch gute Lebenserwartung haben. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Medikamente regelmäßig eingegeben werden und tierärztliche Kontrollen stattfinden.

Vorbeugung

Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung schützt Ihren Hund vor Übergewicht und verhindert dadurch eine übermäßige Belastung des Herzens. Regelmäßige, dem Bedürfnis des Tieres angemessene Bewegung trainiert das Herzkreislaufsystem.

Durch regelmäßige Impfungen können Sie schweren Allgemeinerkrankungen wie Parvovirose, die zu Herzmuskelerkrankungen führen können, vorbeugen. Bei Auslandaufenthalten sollten Sie unbedingt vorbeugend gegen Herzwürmer aktiv werden.

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Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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10.02.2013: camie
endlich einmal ein gut verständliche Information auch für nicht medizinisch geschulte Personen. Vielen Dank

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