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Hund: Hernien

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Eingeweidebruch

Als Hernie bezeichnet man den Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle. Eine Hernie ist immer durch die folgenden drei Merkmale gekennzeichnet:

  1. Bruchpforte: Als Bruchpforte bezeichnet man die Öffnung der Bauchmuskulatur, durch die sich der Bauchinhalt nach außen verlagern kann. Diese Öffnung kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.

  2. Bruchsack: Der Bruchsack besteht aus dem Bauchfell, das die gesamte Bauchhöhle von innen auskleidet. Es stülpt sich wie eine Hülle mit dem Bruchinhalt nach außen.

  3. Bruchinhalt: Als Bruchinhalt bezeichnet man die Organe oder Organteile, die sich durch den Bruchsack nach außen verlagern. Meist handelt es sich dabei um Fettgewebe o.ä. Nur bei sehr großen Bruchpforten können sich Darmschlingen, Gebärmutter oder Harnblase nach außen verlagern.

Grundsätzlich wird zwischen inneren und äußeren Brüchen unterschieden. Bei inneren Brüchen lagern sich die Eingeweide beispielsweise in die Brusthöhle vor. Innere Brüche sind von außen nicht sichtbar und können nur durch Röntgenaufnahmen o.ä. diagnostiziert werden. Äußere Brüche sind tast- oder sichtbar, da sich die Eingeweide beispielsweise durch die Bauchmuskulatur in Richtung Haut vorlagern.

Folgende Eingeweidebrüche werden bei Hunden relativ häufig beobachtet:

Nabelbruch

Der Nabel ist eine natürliche Körperöffnung, durch die der ungeborene Welpe über Blutgefäße mit seiner Mutter verbunden ist und so seine Versorgung mit Nährstoffen sichert. Bei der Geburt verschließt sich der Nabel normalerweise. Bei einem Nabelbruch verschließt sich der Nabel nicht oder nur unvollständig. Je nach Größe des Nabelbruchs können Bauchfett oder sogar Darmschlingen durch die Öffnung vorfallen. Nabelbrüche kommen beim Welpen relativ häufig vor und sind durch eine Umfangsvermehrung im Bereich des Bauchnabels tastbar. Frische Brüche sind meist reponibel, d.h. durch sanften Druck kann der Bauchinhalt in die Bauchhöhle zurückgeschoben werden. Nach der 8. Lebenswoche verschwinden Nabelbrüche häufig spontan.

Ursache: Nabelbrüche sind vermutlich erblich.

Leistenbruch

Bei einem Leistenbruch verlagern sich Bauchfett, Darmschlingen oder sogar Teile der Harnblase oder der Gebärmutter durch den Leistenring. Im Bereich der Leiste liegt dann eine sicht- und tastbare Umfangsvermehrung vor.

Ursache: Leistenbrüche können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben werden. Beide Formen des Leistenbruchs scheinen eine genetische Prädisposition zu besitzen. Insbesondere bei älteren Hundinnen treten vermehrt Leistenbrüche auf. Übergewicht oder Trächtigkeit sind ebenfalls prädisponierende Faktoren.

Perinealhernie

Bitte lesen Sie hierzu unseren Artikel Perinealhernie.

Hiatushernie

Die Speiseröhre (Ösophagus) verbindet die Maulhöhle mit dem Magen. Um diese Verbindung zu gewährleisten muss die Speiseröhre an einer bestimmten Stelle durch das Zwerchfell treten, diese Stelle wird Hiatus oesophagicus genannt. Liegt am Hiatus oesophagicus eine Hernie vor, schiebt sich der Magen in den Brustkorb vor.

Ursache: Hiatushernien sind zu 90% angeboren, sie entstehen nur sehr selten durch Unfälle oder Verletzungen.

Zwerchfellhernie

Das Zwerchfell ist ein Muskel, der den Brustkorb von der Bauchhöhle trennt. Bei einer "echten" Zwerchfellhernie besteht eine angeborene Öffnung im Zwerchfell, durch die sich Eingeweide aus dem Bauch in die Brusthöhle vorlagern können. Zwerchfellhernien bleiben häufig lange unbemerkt und werden zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen bemerkt.

Ursache: Zwerchfellhernien können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben werden. Erworbene Zwerchfellhernien entstehen häufig bei Unfällen, Stürzen oder Tritten, man spricht dann auch vom Zwerchfellriss (Zwerchfellruptur).

Symptome

Die klinischen Symptome hängen stark von der Art und dem Ausmaß der Hernie ab.

Äußere Brüche (externe Hernien) sind durch eine weiche Schwellung gekennzeichnet. Nabelbrüche kommen beim Welpen relativ häufig vor und sind durch eine Umfangsvermehrung im Bereich des Bauchnabels tastbar. Frische Brüche sind meist reponibel, d.h. durch sanften Druck kann der Bauchinhalt in die Bauchhöhle zurückgeschoben werden. Bei Leistenbrüchen liegt die Schwellung im Bereich der Leiste, auch diese können manchmal wieder in die Bauchhöhle zurückgleiten. Externe Hernien können lange symptomlos und unbemerkt bleiben. Fällt jedoch eine Darmschlinge oder ein anderes inneres Organ in den Bruchsack vor und wird gedrückt oder gedreht, ist dies für den Hund extrem schmerzhaft. Die Hunde erbrechen häufig und zeigen Schocksymptome. Es handelt sich um einen lebensbedrolichen Notfall, der sofort tierärztlich versorgt werden muss.

Abb. H28TKBEY
Abb. H28TKBEY: Nabelbruch.
Innere Brüche (interne Hernien) sind äußerlich nicht sichtbar. Bei Zwerchfellhernien kann es zu Atemnot, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Herzrasen kommen. Hiatushernien führen zu Würgen, Erbrechen, starkem Speicheln und Atemnot. Als Folge einer Hiatushernie kann hochgewürgte Nahrung beim Einatmen in die Lunge gelangen und zu einer so genannten Verschluck- oder Aspirationspneumonie führen.

Diagnose

Externe Hernien können anhand der Symptome und dem Tastbefund diagnostiziert werden. In Zweifelsfällen können zusätzlich Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen erfolgen.

Die Diagnose interner Hernien erfolgt hauptsächlich durch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen. Besonders bei Hiatushernien kann die Diagnose schwierig sein, manchmal ist es daher hilfreich, dem Hund vor der Röntgenuntersuchung ein Kontrastmittel zu füttern. Auch endoskopische Untersuchungen können notwendig sein.

Abb. H28UNXFA
Abb. H28UNXFA: Hernie im Bereich des Bauchnabels.
Auf diesem Röntgenbild liegt eine Hernie im Bereich des Bauchnabels vor, in die sich Darmschlingen vorgelagert haben.

Behandlung

Die meisten Hernien müssen chirurgisch versorgt werden. Grundsätzlich gilt es den Bruchsack zu öffnen, die vorgefallenen Organe an ihren Ursprungsort zurück zu verlagern und anschließend die Bruchpforte dauerhaft zu verschließen.

Kleine, symptomlose Nabelbrüche können im Rahmen einer Kastration beseitigt werden, einige verwachsen auch von alleine oder können belassen werden.

Leistenbrüche sollten zum Zeitpunkt der Diagnose umgehend chirurgisch versorgt werden.

Symptomlose Zwerchfellhernien werden häufig zufällig bei Röntgenaufnahmen entdeckt. Diese können ebenfalls belassen werden. Häufig entstehen Zwerchfellhernien jedoch bei Unfällen u.a. und benötigen dann dringend eine chirurgische Versorgung.

Erworbene Hiatushernien können häufig mit Medikamten kontrolliert werden, angeborene Hiatushernien müssen fast ausnahmslos operiert werden.

Abb. H28UYIK7
Abb. H28UYIK7: Herzbeutel-Zwerchfellshernie.
A. Hier liegt eine angeborene Herzbeutel-Zwerchfellhernie (PPHD = Peritoneo-Perikardiale Hernia diaphragmatica) vor. Es fehlt eine Trennung zwischen Brust- und Bauchhöhle. Organe aus der Bauchhöhle (B), beispielsweise Darmschlingen, können sich dadurch in den Herzbeutel (A) verlagern. B. Der gleiche Patient mit PPHD nach einem chirurgischen Eingriff: Brust- und Bauchhöhle sind nun vollständig getrennt.

Prognose

Die meisten Eingeweidebrüche können erfolgreich behandelt werden. Zwerchfellhernien entstehen oft als Folge von Autounfällen, so dass weitere Verletzungen sich negativ auf den Heilungsprozess auswirken können. Hiatushernien können zu einer Aspirationspneumonie führen, die schwer zu behandeln sein kann.

Vorbeugung

Hunde mit angeborenen Eingeweidebrüchen sollten nicht zur Zucht verwendet werden, da eine Erblichkeit wahrscheinlich ist.

Tipps

Sollte Ihr Hund eine äußere Hernie besitzen, die plötzlich gerötet oder schmerzhaft ist, so handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall. Fahren Sie sofort zum Tierarzt!

Stand: 11.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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