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Hund: Harnträufeln

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Inkontinenz, Incontinentia urinae, Sphinkterinkontinenz, Harninkontinenz, USMI, Urethral Sphincter Mechanism Incompetence, USI

Harn wird in den Nieren gebildet und über die Harnleiter (Ureteren) in die Blase geführt. Die Blase speichert den Harn. Ein Schließmuskel (Sphinkter) am Harnblasenausgang reguliert die Abgabe an die Harnröhre (Urethra).

Als Harnträufeln oder Harninkontinenz versteht man das unwillkürliche, also nicht bewusst gesteuerte Absetzen von Harn. Der Hund ist dann nicht in der Lage, den Harn zurückzuhalten.

Abb. FZ6OOEBJ
Abb. FZ6OOEBJ: Schematische Darstellung der Harn- und Geschlechtsorgane der Hündin.

Ursachen

Harnträufeln (Inkontinenz) entsteht meistens als unerwünschte Nebenwirkung der Kastration der Hündin. Der Zusammenhang zwischen Kastration und Inkontinenz ist noch nicht genau geklärt. Man vermutet, dass ein Mangel an Geschlechtshormonen über verschiedene Mechanismen dazu führt, dass Blasenwand und Sphinktermuskel nicht mehr richtig funktionieren.

Inkontinenz kann sofort oder erst Jahre nach einer Kastration auftreten. Hündinnen mit einem Körpergewicht von über 20kg sind gehäuft betroffen. Man geht davon aus, dass ca. 30% der kastrierten Hündinnen mit einem Gewicht von über 20kg im Laufe ihres Lebens an Inkontinenz leiden werden. Auch einige Rassen scheinen häufiger betroffen zu sein.

Bei Rüden wird Inkontinenz nach Kastration nur selten beobachtet und wird auf eine kastrationsbedingte Schrumpfung der Prostata zurückgeführt.

Neben dem kastrationsbedingten Harnträufeln gibt es noch andere Ursachen für Harnabsatzstörungen, die aber wesentlich seltener sind. Dazu gehören die Dranginkontinenz bei Harnwegsinfektionen, Harnsteinen,Tumoren oder bei anderweitig veränderter Blasenwand, Inkontinenz durch Nervenschäden im Rückenmark z.B. bei Bandscheibenvorfall oder Cauda-equina-Kompressions-Syndrom und angeborene Fehlbildungen des Harnapparates. Von Inkontinenz sind darüberhinaus Verhaltensstörungen abzugrenzen, die zu Unsauberkeit und unerwünschtem Markierverhalten in der Wohnung führen können.

Leitsymptom

  • Harnverlust

Symptome

Der Hund verliert unwillkürlich Harn, besonders im Schlaf und beim Hinlegen. Dies passiert auch bei gerade geleerter Blase, also direkt nach einem Spaziergang.

Diagnose

Die Diagnose Inkontinenz wird durch den Vorbericht des Besitzers und eine eingehende klinische Untersuchung gestellt. Durch einen Schnelltest mit so genannten Harnsticks kann eine Urinprobe untersucht werden, ob eventuell eine Harnwegsinfektion für das Auftreten des Harnverlusts verantwortlich ist. Mit Hilfe von Röntgen oder Ultraschall können gegebenenfalls andere Ursachen, wie Harnsteine oder Fremdkörper, für die Störung der Harnabgabe ausgeschlossen werden. Weiterführende Untersuchungen zur Funktion des Sphinkters, der Harnröhre oder der Harnblase können in spezialisierten Kliniken durchgeführt werden, diese Untersuchungen sind aber nur in unklaren Einzelfällen nötig.

Behandlung

Das Ziel einer Behandlung bei Inkontinenz besteht in der Stärkung des Schließmuskels. Diese Stärkung kann konservativ oder chirurgisch erfolgen.

Bei einer konservativen Behandlung wird der Schließmuskel mit Hilfe von Medikamenten beeinflusst. Verschiedene Wirkstoffgruppen stehen dafür zur Auswahl. Die genaue Dosierung ist sehr unterschiedlich und muss meist durch Ausprobieren bestimmt werden.

In seltenen Fällen ist die konservative Behandlung nicht erfolgreich. Durch einen chirurgischen Eingriff kann dann der Schließmuskel verstärkt werden. Verschiedene Methoden stehen hierzu zur Verfügung.

Prognose

Meist reicht eine konservative Behandlung aus, um das Harnträufeln zu beheben. Zumindest eine Besserung wird durch die Gabe der Medikamente fast immer erzielt.

Vorbeugung

Neueren Untersuchungen zufolge wird durch eine so genannte Frühkastration, eine Kastration der Hündin vor dem Auftreten der ersten Läufigkeit, das Risiko für kastrationsbedingtes Harnträufeln halbiert. Anderen Untersuchungen zufolge tritt das Harnträufeln nach einer Frühkastation zwar seltener, aber wesentlich stärker auf.

ACHTUNG

Einige Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Morbus Cushing führen zu einer verstärkten Wasseraufnahme. Diese Hunde müssen auch häufiger Harn absetzen, was besonders nachts zu Unsauberkeit führen kann. Diese Hunde sind aber nicht inkontinent.

Stand: 16.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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13.10.2013: Frieda4ever
Harnträufeln kann auch als Ursache eine Schilddrüsenunterfunktion haben. Nachdem meine Hündin eine SD-Unterfunktion bescheinigt und SD-Hormone bekam konnte ich das vorige Medikament (Incurin) absetzen.

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