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Hund: Glaukom

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Grüner Star

Ein Glaukom, auch Grüner Star genannt, beschreibt das Krankheitsbild eines erhöhten Augeninnendrucks (IOD=intraokulärer Druck). Es handelt sich um eine Notfallsituation: Nur schnelles Erkennen und Handeln kann die Sehkraft des Auges retten!

Der Augeninnendruck wird durch das Kammerwasser bestimmt. Bei einem gesunden Auge wird ständig Kammerwasser vom Ziliarkörper gebildet. Es fließt zunächst in die hintere Augenkammer, die von der Vorderseite der Linse und der Hinterseite der Iris gebildet wird. Über die Pupille strömt das Augenwasser in die vordere Augenkammer. Diese liegt zwischen der Vorderseite der Iris und der Hinterseite der Hornhaut. Der Druck in der hinteren und in der vorderen Augenkammer ist normalerweise ausgeglichen. Der Bereich, an dem Iris und Hornhaut zusammentreffen, nennt man auch Kammerwinkel. Im Kammerwinkel sorgt eine netzartige Struktur dafür, dass das Kammerwasser abfließen kann. Es wird von dort in das Blutgefäßsystem aufgenommen.

Bei einem Glaukom kommt es meistens durch Störungen des Kammerwasserabflusses zu einem erhöhten Augeninnendruck. Der Ziliarkörper in der hinteren Augenkammer bildet unvermindert Kammerwasser, das jedoch aus verschiedenen Gründen nicht abfließen kann. Weitaus seltener entsteht ein Glaukom, wenn der Ziliarkörper zu viel Kammerwasser bildet, also eine grundsätzliche Überproduktion besteht, die gar nicht schnell genug ablaufen kann. Durch den erhöhten Druck im Auge werden weitere Strukturen wie die Netzhaut und der Sehnerv so geschädigt, dass der Hund erblindet.

Abb. FZ6NOIR3
Abb. FZ6NOIR3: Schematischer Aufbau des Auges mit Lage der Kammerwinkel sowie vorderer und hinterer Augenkammer.

Ursachen

Generell unterscheidet man zwischen einem primären und einem sekundären Glaukom.

Bei einem primären Glaukom ist der Kammerwinkel meist angeboren fehlgebildet. Betroffen hiervon sind häufig Golden Retriever, Terrier, Chow Chow, Entlebucher Sennenhund und Dackel. Die Symptome der Erkrankung treten bei diesen Hunden meist erst im höheren Alter auf, auch wenn die Veränderung bereits von Geburt an besteht.

Bei einem Sekundärglaukom ist die Erhöhung des Augeninnendrucks eine Folge einer anderen Augenerkrankung:

  • Linsenluxation: Eine Verlagerung der Linse, besonders in die vordere Augenkammer hinein, kann den Abfluss behindern oder sogar ganz blockieren.
  • Entzündungen: Entzündungen entstehen z.B. durch den Grauen Star (Katarakt), einige Infektionserkrankungen oder auch Augentumoren. Entzündungsprodukte lagern sich im Kammerwinkel ab und verstopfen ihn.
  • Blutungen: Blutungen im Auge entstehen z.B. durch einen Schlag oder eine Verletzung, aber auch durch Gerinnungsstörungen. Die Blutzellen verstopfen den Abfluss.
  • Tumoren: Tumoren können in die Pupille oder den Kammerwinkel hineinwuchern und damit den Abfluss behindern.

Leitsymptom

  • Schmerzen am Auge

Symptome

Die Symptome können sich beim akuten Glaukom innerhalb von wenigen Stunden entwickeln, beim chronischen Verlauf nimmt der Augeninnendruck nur langsam zu, so dass sich auch die Symptome allmählich einstellen.

Ein akutes Glaukom ist hochgradig schmerzhaft. Betroffene Hunde reiben das Auge häufig stark mit der Pfote oder auf dem Teppich. Einige Hunde werden auch aggressiv oder ziehen sich zurück.

Der erhöhte Augeninnendruck staut die Blutgefäße auf dem Augapfel und führt dadurch zu Rötungen. Die Pupille weitet sich, so dass das Auge dunkel aussieht (Mydriasis). Der Hund meidet Licht. In den meisten Fällen ist zu Beginn nur ein Auge betroffen. Bei fehlender Behandlung vergrößert sich das Auge zusehends und die Hornhaut wird milchig-weiß getrübt. Das Sehvermögen nimmt bis zur Erblindung ab, da die an der hinteren Augenwand befindliche Netzhaut durch den zunehmenden Druck irreversibel geschädigt wird.

Hunde mit chronischen Beschwerden sind meist lethargisch und appetitlos.

Diagnose

Bei Verdacht auf Glaukom wird der Augeninnendruck mit Hilfe eines so genannten Tonometers gemessen. Zusätzlich kann der Tierarzt mit einem speziellen Instrument (Gonioskopielinse) den Kammerwinkel genau untersuchen. Vorher werden meist betäubende Augentropfen verabreicht. Mittels Ultraschall oder Spaltlampe werden auch die inneren Strukturen des Auges untersucht, um Ursachen für ein Sekundärglaukom auszuschließen oder zu finden.

Behandlung

Ein Glaukom ist ein sehr schmerzhafter Notfall. Mit Hilfe verschiedener Medikamente muss daher in erster Linie dem Hund Erleichterung verschafft werden und der Druck im Auge gesenkt werden, um auch die drohende Erblindung durch Netzhautzerstörung usw. aufzuhalten. Dazu verwendet man je nach Ursache Medikamente, die den Kammerwasserabfluss verbessern und solche, die die Kammerwasserproduktion senken. Augentropfen, die die Pupille verengen, können z.B. den Abfluss des Kammerwassers verbessern und so den Augeninnendruck senken.

Ein primäres Glaukom lässt sich meist jedoch nicht dauerhaft mit Arzneimitteln regulieren. Solange das Auge noch Sehkraft besitzt, sollte daher eine Operation erfolgen. Dabei wird durch Laser oder Vereisung des Ziliarkörpers die Produktion von Kammerwasser dauerhaft gestoppt. Durch Einlegen eines feinen Schlauches in den Kammerwinkel kann der Abfluss erhöht werden. Bei einem Sekundärglaukom gilt es, die Grunderkrankung zu heilen und dadurch den Abfluss des Kammerwassers wieder zu ermöglichen.

Ein bereits erblindetes Auge sollte umgehend entfernt werden, um den Hund vor weiteren Schmerzen zu bewahren. Dazu kann man auch aus ästhetischen Gründen eine Art Silikonauge einsetzen und die äußere Hülle des Auges erhalten.

Prognose

Ein Glaukom ist ein Notfall! Nur schnelles Erkennen und Handeln kann eine Erblindung verhindern. Generell gilt, je höher der Augeninnendruck und je länger dieser bereits besteht, desto schlechter ist die Prognose.

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Stand: 15.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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