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Hund: Epilepsie

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Fallsucht, Anfallsleiden

Epilepsien sind wiederholte Funktionsstörungen im Großhirn, die zu so genannten epileptischen Anfällen führen. Einen einmaligen epileptischen Anfall bezeichnet man noch nicht als Epilepsie, erst wenn wiederholt Anfälle auftreten, spricht man von dem Krankheitsbild der Epilepsie.

Diese Funktionsstörungen können entweder nur in einzelnen Bereichen des Gehirns auftreten oder beide Großhirnhälften gleichzeitig betreffen. In einzelnen Bereichen auftretende Anfälle werden auch als partielle oder fokale Anfälle bezeichnet. Bei 80% der Anfallsleiden des Hundes handelt es sich jedoch um eine Funktionsstörung beider Großhirnhälften. Diese Anfälle werden auch als generalisierte Anfälle bezeichnet. Ein partieller Anfall kann sich jederzeit zu einem generalisierten Anfall entwickeln.

Generalisierte Anfälle sind in den meisten Fällen selbstlimitierend, d.h. sie hören nach wenigen Minuten wieder von selber auf. Sie können aber auch in einen lebensgefährlichen Status epilepticus übergehen. Als Status epilepticus bezeichnet man einen Anfall, der länger als etwa 5 Minuten andauert. Während des Status epilepticus kommt es zu starken Schädigungen im Gehirn, von denen sich die Hunde häufig nicht wieder erholen. Es besteht dann ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort einer tierärztlichen Intensivtherapie bedarf.

Als Cluster bezeichnet man eine Folge von Anfällen innerhalb eines Tages. Im Gegensatz zum Status epilepticus wird dabei ein Anfall zunächst beendet, bevor der Hund einen neuen erleidet.

Abb. FZ5NO5EB
Abb. FZ5NO5EB: Schematische Darstellung des Zentralnervensystems.
Bei epileptischen Anfällen liegen Funktionsstörungen im Großhirn vor.

Ursachen

Epilepsien können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.

Als primäre Epilepsie bezeichnet man die Anfallsleiden, bei denen der Hund zwischen den epileptischen Anfällen keinerlei Krankheitsanzeichen zeigt. Man geht davon aus, dass die Neigung zu dieser Form von Krampfanfällen angeboren ist. Bei Golden Retrievern, Berner Sennenhund und einigen anderen Rassen kann das Auftreten von Anfällen erblich mitbedingt sein. Der genaue Grund für das Auftreten der Anfälle ist jedoch unbekannt, daher nennt man sie auch idiopathische Epilepsien. Idiopathisch bedeutet soviel wie "aus unbekannter Ursache". Diese Epilepsieform ist die häufigste beim Hund.

Als sekundäre Epilepsien bezeichnet man Anfallsleiden, bei denen bestimmte Veränderung oder Erkrankung für die Anfälle verantwortlich sind. Diese Ursachen können sowohl angeboren als auch im Laufe des Lebens erworben sein. Sie können im Gehirn selbst, aber auch außerhalb des Gehirns liegen:

  • Ursachen im Gehirn: Entzündungen des Gehirns (z.B. Infektionen wie Staupe, Toxoplasmose, Tollwut, Ehrlichiose), Unfälle, Hirntumoren, angeborener Wasserkopf oder andere Hirnerkrankungen
  • Ursachen außerhalb des Gehirns: z.B. Lebererkrankungen, Unterzuckerung (v.a. bei Welpen), Vergiftung (z.B. Blei), Stoffwechselerkrankungen

Symptome

Partielle oder fokale Anfälle werden bei Hunden häufig übersehen. Kopfschütteln, Muskelzuckungen, Fliegenschnappen, Kauen und Lecken sowie aggressives Verhalten können ein Hinweis auf diese Form der Epilepsie sein. Teilweise bleibt das Bewusstsein bei diesen Anfällen ungetrübt.

Generalisierte Anfälle durchlaufen verschiedenen Stadien, die unterschiedlich ausgeprägt sein können:

Durch das so genannte Prodromalstadium kündigt sich der Anfall an. Einige Hunde sind Tage bis Stunden vor dem Anfall unruhig oder durch eine Wesensänderung auffällig. Dieses Stadium wird häufig übersehen.

Minuten vor dem Anfall kommt es zum Stadium der Aura. Die Hunde sind ängstlich, suchen Schutz beim Besitzer oder bellen und jaulen.

Der eigentliche Anfall wird als Iktus bezeichnet. Die meisten Hunde verlieren vollständig das Bewusstsein. Die Muskulatur des gesamten Körpers spannt sich hochgradig an, die Hunde fallen hin. Der Kiefer schließt sich krampfhaft, häufig speicheln die Hunde stark. Auch heftige Muskelzuckungen und Laufbewegungen in der Luft können auftreten. Einige Hunde verlieren Kot und Urin. Der Anfall kann einige Minuten andauern und ist dann schlagartig vorbei.

Nach dem Anfall sind die Hunde in der so genannten Erholungsphase zuerst orientierungslos, sehr erschöpft und ruhelos. Einige Hunde haben großen Durst oder Hunger und nehmen sogar Fremdkörper auf, um ihren Hunger zu stillen.

ACHTUNG: Viele epileptische Anfälle treten nachts auf. Dann ist nur ein zerwühlter Schlafplatz, eventuell mit Kot oder Urin verschmutzt, ein Hinweis auf die Erkrankung.

Abb. FZ5NT9KI
Abb. FZ5NT9KI: Epilepsie bei einem Hund.
Dieser Hund befindet sich in der Erholungsphase nach einem epileptischen Anfall.

Diagnose

Die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie ist nur durch eine so genannte Ausschlussdiagnostik einer sekundären Epilepsie möglich: Alle Erkrankungen, die ebenfalls zu Anfällen führen können, beispielsweise Unterzuckerung, Vergiftungen, Niereninsuffizienz, Hirnhautentzündungen oder kreislaufbedingte Ohnmacht, müssen ausgeschlossen werden. Auch die Krankengeschichte des Hundes und seiner Verwandten ist bei epileptischen Anfällen von großer Bedeutung. Mit Hilfe von verschiedenen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen und weiteren radiologischen Untersuchungsverfahren wie Computertomographie (CT) und vor allem der Magnetresonanztomographie (MRT) kann die Erkrankungsursache näher eingegrenzt werden. Bei Verdacht auf eine Infektion des Gehirns kann eine Entnahme von Gehirn-/Rückenmarkflüssigkeit angeraten sein, eine so genannte Liquorentnahme. Auch eine Ultraschalluntersuchung beispielsweise der Leber kann sinnvoll sein.

Eine Videoaufnahme des Anfalls oder die Aufzeichnungen in einem so genannten Anfalltagebuch können dem Tierarzt wertvolle Hinweise geben!

Behandlung

Die Behandlung einer Epilepsie richtet sich nach der Ursache. Bei einer sekundären Epilepsie ist es unter Umständen möglich, die Grunderkrankung erfolgreich zu behandeln, so dass die Anfälle aufhören. Anders sehen die Behandlungsgrundsätze bei einer primären, idiopathischen Epilepsie aus:

Idiopathische Epilepsien sind nicht heilbar. Mit einer Behandlung sollen jedoch die Stärke und die Häufigkeit der epileptischen Anfälle gesenkt werden. Da jeder Anfall das Gehirn dauerhaft schädigt, sollten alle Hunde, die häufig oder besonders schwere Anfälle erleiden, lebenslang behandelt werden; eine Behandlung sollte also erfolgen bei:

  • zwei oder mehr Anfälle in 6 Monaten
  • Status epilepticus
  • Cluster-Anfällen
  • zunehmender Anfallshäufigkeit oder -schwere
  • schwerwiegenden Verhaltensänderungen nach einem Anfall

Verschiedene Medikamente, die aus der Humanmedizin kommen, stehen zur Behandlung von Epilepsien zur Verfügung. Man nennt sie auch Antiepileptika. Zur Behandlung des Hundes ist bislang ein Medikament zugelassen, das den Wirkstoff Phenobarbital enthält. Dieses Medikament kann als alleinige Behandlung verwendet werden. Spricht der Hund nicht darauf an, kann eine Dosisanpassung bzw. eine Kombination mit einem weiteren Medikament versucht werden. Neuere Medikamente aus der Humanmedizin werden beim Hund noch auf ihre Wirksamkeit und Nebenwirkungen getestet.

Ursprünglich wurden die Medikamente als Beruhigungs- und Betäubungsmittel entwickelt. Häufigste Nebenwirkungen einer Epilepsie-Therapie sind daher immer auch Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit. Auch Taumeln und vermehrtes Fressen und Trinken werden häufig beobachtet. Bei jeder Therapie von Epilepsie gilt es deshalb, ein Gleichgewicht zwischen Anfallsfreiheit und Teilnahmslosigkeit zu schaffen. Glücklicherweise verlieren sich diese Nebenwirkungen mit der Zeit, nach etwa 2 – 8 Wochen haben sich die meisten Hunde daran gewöhnt.

Die oral eingegebenen Medikamente werden im Körper verstoffwechselt und ins Blut abgegeben. Die genaue Konzentration im Blut ist dann entscheidend für die Wirkung. Da der Stoffwechsel jedes Hundes verschieden arbeitet und daher bei jedem Tier die gleiche Dosis zu einer unterschiedlicher Wirkstoffkonzentration im Blut führt, müssen regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt werden, bis der Hund mit der richtigen Dosierung eingestellt ist. Für diesen Vorgang ist einige Geduld notwendig.

Auch nach erfolgreicher Einstellung des Hundes sollte durch regelmäßige Blutuntersuchungen im Abstand von maximal sechs Monaten die Wirkstoffkonzentration überprüft werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Leberwerte zu überprüfen, da die Leber eine große Rolle im Stoffwechsel der Antiepileptika spielt und Schaden nehmen kann.

Bei einer Anfallsfreiheit von über sechs Monaten kann unter tierärztlicher Aufsicht versucht werden, die Dosis wieder zu verringern.

Im Falle eines akuten, schweren Krampfanfalls oder Status epilepticus kann es nötig sein, dem Hund zu Hause ein Notfallmedikament zu verabreichen, um den Anfall zu beenden. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Tierarzt nicht schnell genug zu Rate gezogen werden kann. Zur Notfallbehandlung gibt es Zäpfchen oder kleine Tuben mit einer Flüssigkeit, die in den Enddarm eingebracht werden. Diese Zäpfchen oder Rektalampullen erhalten Sie im Bedarfsfall von Ihrem Tierarzt, der Ihnen auch die korrekte Anwendung erklärt. Es ist nämlich z.B. wichtig, die ausgedrückte Tube beim Herausziehen zusammengedrückt zu halten, weil sie sonst die Flüssigkeit wieder aufsaugt.

Prognose

Etwa 40% der kranken Tiere sind mit einer Dauertherapie anfallsfrei. Auch die Lebenserwartung sinkt bei diesen Tieren nicht. Bei vielen weiteren Hunden kann die Häufigkeit und die Schwere der Anfälle durch die Gabe von Antiepileptika deutlich verringert werden. Nur in etwa 20% der Fälle zeigt keine Therapie eine Wirkung. Wiederholt auftretende Anfälle sind zwar nicht lebensbedrohend, führen jedoch zu einem wiederholten Verlust von Nervenzellen und dadurch zu Folgeschäden. Eine Einschläferung kann bei diesen Hunde in Erwägung gezogen werden.

Tipps

Während des Anfalls ist es wichtig, möglichst Ruhe zu bewahren. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Tier und räumen Sie Verletzungsmöglichkeiten aus dem Weg. Ihr Hund ist nicht bei Bewusstsein und hat keine Kontrolle über seinen Körper. Daher sollten Sie nicht versuchen, Medikamente ins Maul zu geben oder Erbrochenes zu entfernen. Durch unkontrolliertes Beißen könnte Ihnen Ihr Hund sonst schwerwiegende Verletzungen zufügen. Um Erbrochenes zu entfernen, können Sie Ihren Hund an den Hinterbeinen hochheben. Die Anwendung von Beruhigungszäpfchen sollten Sie zuerst mit Ihrem Tierarzt besprechen.

ACHTUNG

Eine Epilepsie-Behandlung kann nur erfolgreich sein, wenn die Medikamente konsequent zum richtigen Zeitpunkt in der errechneten Dosierung gegeben werden. Niemals darf die Dosis ohne Rücksprache mit dem Tierarzt verändert werden. Jede Änderung der Dosierung oder gar des Medikaments kann zu so genannten Entzugsanfällen führen oder einen Status epilepticus auslösen! Das gilt sogar dann, wenn man nur einen anderes Medikament mit dem selben Wirkstoff wie bisher verwendet.

Stand: 31.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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21.12.2013: josef
Für mich war diese seite sehr hilfreich, denn mein achtzehn jahre alter malteser hatte heute um drei uhr früh einen anfall der hier beschrieben ist und das deutet auf epilepsie hin. Krämpfe orietierungslos und anschliessend sehr müde

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