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Hund: Ellenbogendysplasie

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: ED, Ellenbogengelenkdysplasie

Unter Ellenbogengelenkdysplasie versteht man Fehlentwicklungen oder Fehlbildungen im Bereich des Ellenbogengelenks.

Das Ellenbogengelenk setzt sich aus drei Knochen zusammen: Oberarm (Humerus), Speiche (Radius) und Elle (Ulna). Die Enden dieser drei Knochen bilden das Ellenbogengelenk, welches von außen durch eine Gelenkkapsel geschützt ist. In der Gelenkkapsel laufen Bänder und Sehnen, von außen wirkt zusätzlich die Muskulatur stabilisierend auf das Gelenk ein.

Abb. FZ5MPSK0
Abb. FZ5MPSK0: Ellenbogengelenk eines Hundes.
Gesundes Ellenbogengelenk bestehend aus Oberarm (A), Speiche (B) und Elle (C). Der Gelenkspalt ist glatt und gleichmäßig. Speiche und Elle sind gleich lang, es besteht keine Stufenbildung im Gelenk.

Folgende Veränderungen werden u.a. unter dem Begriff Ellenbogengelenkdysplasien zusammengefasst. Sie können einzeln oder in Kombination auftreten:

  • fragmentierter/isolierter Processus anconaeus (FPA, IPA): Hierbei handelt es sich um den vollständigen oder teilweisen Lösung eines Knochenfortsatzes am Ellenbogenhöcker. Der Processus anconaeus ist zunächst nur durch eine Knorpelschicht mit dem Ellenbogenhöcker verbunden. Diese Verbindung verknöchert erst etwa mit 20 Wochen Lebensalter. Durch eine ungleiches Längenwachstum von Speiche und Elle oder durch eine Verletzung kann der Verknöcherungsprozess gestört sein und der Processus anconaeus bleibt isoliert. Durch einen Unfall kann er auch später noch abgerissen werden, aber ein IPA/FPA tritt vor allem bei heranwachsenden Hunden auf. Verschiedene Hunderassen sind gehäuft betroffen.
  • fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae (FPC): Der Processus coronoideus medialis ulnae ist ein Knochenfortsatz an der inneren Seite der Elle. Durch ungleiches Längenwachstum von Elle und Speiche oder andere Entwicklungsstörungen wird er vermehrt belastet, so dass er seine Form verändert oder abreißt. Besonders hochwertig ernährte, schnell wachsende und lebhafte Hunde sind betroffen.
  • fragmentierter Epicondylus humeri med. (FEH): Diese Absprengung am Oberarm tritt gehäuft bei Labrador und Retriever auf.
  • Osteochondrosis des Condylus humeri med.: Bei dieser Erkrankung ist die Knorpelbildung an der Gelenkfläche des Oberarms gestört. Es können sich Risse, Knorpelschuppen oder sogar freie Gelenkkörper bilden, die im Gelenk reiben. Detaillierte Informationen zu Osteochondrose finden Sie unter dem Beitrag OCD.
  • interkondyläre Osteochondrose des Humerus (IOH): Bei dieser Erkrankung liegt eine Störung der Verknöcherung am Oberarm vor.
  • Distractio cubiti (DC): Es liegt hier ein unterschiedliches Längenwachstum von Elle und Speiche vor. Das Längenwachstum der Knochen findet in den Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) statt. Jeder lange Knochen hat zwei Wachstumsfugen. Bei Störungen in einer Wachstumsfuge wächst der betroffene Knochen weniger. So kommt es als Folge zu einer Stufenbildung (Inkongruenz) im Gelenk. Man spricht auch vom "Short-Radius-Syndrom" oder "Short-Ulna-Syndrom". Die Ursachen für die Störung sind vielfältig, bei einigen Rassen liegt auch eine angeborene Veranlagung vor. Diese genetische Fehlbildung tritt vor allem bei so genannten chondrodystrophen Hunderassen wie Teckel, Pekinese und Basset auf. Bei diesen Rassen liegt eine Störung der Knorpel- und Knochenbildung vor.

Bei all diesen Krankheitsbildern kommt es zu Veränderungen innerhalb der Gelenkkapsel, die den reibungslosen Ablauf der Bewegung des Ellenbogengelenks stören. Es kommt zur Bildung von Arthrosen.

Ursachen

Ellenbogengelenkdysplasie ist eine so genannte multifaktorielle Erkrankung. Mehrere Faktoren tragen also zu der Entstehung der oben beschriebenen Veränderungen bei. Dazu gehören insbesondere:

  • Wachstumsstörungen: Knochen wachsen in so genannten Wachstumsfugen, die sich jeweils am oberen und unteren Ende der Knochen befinden. Durch unterschiedliches Längenwachstum der an dem Gelenk beteiligten Knochen können so genannte Inkongruenzen entstehen, die zu Stufenbildungen im Gelenk führen. Zusätzlich herrschen ständig veränderte Zug- und Druckverhältnisse durch die an den Knochen ansetzenden Sehnen, Bändern und Muskeln. Bei Ellenbogengelenkdysplasien kann es so zur Ablösung verschiedener, winziger Knochenfortsätze kommen. Die Krankheitsbilder werden dann nach dem abgelösten Knochenfortsatz benannt, so beispielsweise isolierter Processus anconaeus (IPA), fragmentierter Processus coronoideus (FPC) oder fragmentierter Epicondylus humeri.
  • Genetische Veranlagung: Einige Hunderassen sind besonders häufig von Ellenbogengelenkdysplasien betroffen, dazu gehören u.a. Berner Sennenhund, DSH, Retriever, Rottweiler und deren Mischlinge. Auch Rassen mit angeborenen Störungen in der Knorpel- und Knochenbildung wie Teckel, Mops und Pekinese gehören zur Risikogruppe.
  • Unfall oder Traumata: Ellenbogengelenkdysplasien können bei allen Hunderassen auch als Folge eines Unfalls oder Traumas entstehen. Dabei kommt es zu Verletzungen oder Quetschungen an den Wachstumsfugen und damit zu einem vorzeitigen Fugenschluss. Das führt zu Fehlentwicklungen der Gelenke oder der gesamten Gliedmaße.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist auch eine Begünstigung von Ellenbogengelenkdysplasien durch übermäßige Bewegung und falsche Fütterung (siehe Vorbeugung).

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Die klinischen Anzeichen von Ellenbogengelenkdysplasien sind Lahmheiten. Sind beide Ellenbogen betroffen, äußert sich dies auch durch einen versteiften Gang mit sehr kurzen Schritten. Die Symptome können ganz plötzlich auftreten oder sich auch langsam entwickeln. Häufig treten die Symptome bereits zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat auf.

Diagnose

Die klinische Untersuchung der Gliedmaßen erlaubt eine Verdachtsdiagnose, die durch Röntgenaufnahmen in verschiedenen Ebenen bestätigt wird. Einige Veränderungen sind auf den Röntgenbildern allerdings nicht zu erkennen. Als weiterführende Untersuchungsverfahren sind dann insbesondere Computertomographie (CT) oder Arthroskopie von Bedeutung.

Die Befunde werden anhand einer international anerkannten Gradeinteilung der ED beurteilt:

  • Grad 0: es liegen keine Arthrosen, Stufenbildung oder sonstige Veränderungen vor (normales Gelenk)
  • Grad 1: die Zubildungen oder die Stufenbildung im Gelenk betragen weniger als 2mm (leichte Arthrose)
  • Grad 2: die Zubildungen im Gelenk liegen zwischen 2 – 5mm Größe (mittlere Arthrose)
  • Grad 3: die Zubildungen im Gelenk sind größer als 5mm (starke Arthrose) oder IPA, FCP oder OCD sind zweifelsfrei nachgewiesen

Abb. FZ5MT7MN
Abb. FZ5MT7MN: Short-Radius-Syndrom.
Bei diesem Gelenk ist die Speiche (B) zu kurz ausgebildet. Zwischen den Gelenkflächen von Speiche und Elle bildet sich dadurch eine Stufe, die den reibungslosen Ablauf des Gelenks stört. In der Fachsprache wird diese Erkrankung als Short-Radius-Syndrom bezeichnet.

Abb. G4NW728S
Abb. G4NW728S: Isolierter Processus anconaeus.
Dieses Röntgenbild zeigt einen so genannten isolierten Processus anconaeus (IPA). Der mit dem schwarzen Pfeil markierte Knochenfortsatz der Elle hat sich vom Ellenbogenhöcker getrennt. Der weiße Pfeil zeigt auf eine Arthrose.

Abb. FZ5N03O8
Abb. FZ5N03O8: Fragmentierter Processus coronoideus medialis.
Diese endoskopische Aufnahme zeigt einen fragmentierten Processus coronoideus medialis. Der Processus coronoideus ist ein kleiner Knochenfortsatz der Elle, der innerhalb der Gelenkflächen liegt. Durch eine Ablösung (Fragmentierung) wird die Bewegung im Gelenk gestört und es kommt zur Bildung von Arthrosen.

Abb. FZ5N3F3C
Abb. FZ5N3F3C: Fragmentierter Processus coronoideus medialis.
Diese computertomographische Aufnahme (CT) zeigt ebenfalls einen fragmentierten Processus coronoideus medialis (weißer Pfeil) sowie bereits vorliegende arthrotische Veränderungen (schwarzer Pfeil).

Behandlung

Leider sind beim Auftreten von klinischen Symptomen bereits arthrotische Veränderungen vorhanden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Ziel einer jeden Behandlung ist daher, das Fortschreiten der Arthrosen zu verhindern und dem Hund Schmerzen zu nehmen. Dies ist grundsätzlich durch eine konservative oder eine chirurgische Therapie möglich.

Konservative Behandlung

Die konservative Therapie von Ellenbogengelenkdysplasien besteht aus:

  • Medikamentöse Therapie mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern: Verschiedene Wirkstoffe sind erhältlich, die bei jedem Hund eine unterschiedliche Wirkung zeigen und vor allem unterschiedlich gut vertragen werden. Es müssen daher meist mehrere Präparate ausprobiert werden. Es gelten die Grundlagen der Behandlung von Arthrosen.
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Physiotherapie: Da sich die Muskulatur um das erkrankte Gelenk häufig stark verkrampft, können physiotherapeutische Maßnahmen oft zu einer Linderung der Schmerzen beitragen.
  • Fütterung von Chondroprotektiva: Diese Nahrungsergänzungsmittel sollen knorpelschützende und knorpelaufbauende Stoffe enthalten. Sie werden aus Muscheln und Tierknochen gewonnen.
  • Akupunktur

Chirurgische Behandlung

Bei einer chirurgischen Behandlung werden frei liegende Knorpelstücke oder abgesprengte Knochenfortsätze aus dem Gelenk entfernt. Auch die Verlängerung oder Kürzung einzelner Knochen wird durchgeführt, um eine Stufenbildung aufzuheben. Der Chirurg wird je nach vorliegender Veränderung die entsprechende Operationsmethode wählen.

Grundsätzlich kann bei einer Operation das Gelenk vollständig eröffnet werden oder es erfolgt eine so genannte Arthroskopie, bei der eine kleine Kamera und entsprechende Instrumente in das Gelenk eingeführt werden. Die Gelenkkapsel muss bei diesem Vorgehen nur geringgradig geöffnet werden.

Abb. FZ5N85M0
Abb. FZ5N85M0: Isolierter Processus anconaeus.

Bei allen Eingriffen am Gelenk ist die Nachbehandlung von großer Bedeutung. Es besteht für etwa 4 Wochen Leinenzwang und auch im Anschluss daran ist nur eingeschränkte Bewegung erlaubt. Erst nach 6 Monaten ist eine volle Belastung des Gelenks möglich!

Prognose

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist häufig das Ergebnis, da sich erst weniger Arthrosen gebildet haben. In Einzelfällen kommt es jedoch auch trotz eines frühzeitigen, chirurgischen Eingriffs zur Bildung starker arthrotischer Veränderungen. Auch die Nachsorge durch den Besitzer hat einen entscheidenden Einfluss auf die Prognose.

Vorbeugung

Ellenbogendysplasien sind für den Hund, besonders bei bereits vorliegenden Arthrosen, sehr schmerzhaft und für den Besitzer behandlungs- und kostenintensiv. In erster Linie sollte daher das Auftreten von Ellenbogengelenkdysplasien vermieden werden.

  1. Hunde, die an Ellenbogendysplasien erkranken oder deren Nachkommen gehäuft betroffen sind, sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.
  2. Eine übermäßige Belastung von jungen Hunden sollte vermieden werden. Der eigene Bewegungsdrang des Hundes kann natürlich ausgelebt werden, eine zusätzliche Motivierung sollte jedoch ausbleiben. Während der Hauptwachstumsphase, also bis zum 12. Lebensmonat, sollten die einzelnen Spaziergänge 30 Minuten möglichst nicht überschreiten. Hunde sollten im ersten Lebensjahr weder zum Joggen noch zum Fahrradfahren mitgenommen werden.
  3. Die Fütterung des Hundes sollte in Maßen erfolgen, um das Wachstum nicht unnötig zu beschleunigen und die Gelenke durch zu viel Gewicht nicht zusätzlich zu belasten. Es gilt der Grundsatz: Hunde sollen möglichst langsam und mager groß werden. Während die Welpen noch zusammen bei der Mutter sind, müssen alle sehr schnell fressen um ihren Anteil am Futter zu erhalten. Hat der Hund dann später seinen eigenen Napf, behält er das Herunterschlingen des Futters bei. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Hund noch Hunger hat und mehr Futter braucht! Bei einem normalgewichtigen Hund sind die Rippen nicht sichtbar, aber gut tastbar. Im Zweifelsfall bitten Sie Ihren Tierarzt um Rat. Normale Fertigfutter guter Qualität besitzen ein ausgewogenes Verhältnis von Vitaminen und Mineralstoffen. Zusätzliche Gaben von Kalzium und anderen Futterzusatzmitteln sollten nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen.

Tipps

Sollte Ihr junger Hund lahm sein und die Lahmheit auch nach 1 – 2 Tagen Leinenzwang nicht vollständig verschwunden sein, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt aufsuchen. Auch kleine Defekte im Gelenk können schnell zu Arthrosen führen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können und dem Hund zeitlebens Schmerzen bereiten.

ACHTUNG

Nach erfolgter Operation des Ellenbogengelenks ist es unerlässlich, das Gelenk vor eindringenden Keimen zu schützen und so die Entstehung einer Arthritis zu verhindern. Normalerweise übernimmt diese Funktion die Gelenkkapsel, die aber bei der Operation eröffnet wurde. Solange die Gelenkkapsel nicht wieder vollständig zusammengewachsen ist, besteht daher eine erhöhte Infektionsgefahr. Die Wunde kann durch Verbände geschützt werden, die aber häufig schlecht halten, schnell verrutschen oder nass werden. Das Tragen eines Halskragens ist daher immer notwendig, um den Hund am Lecken zu hindern.

Stand: 29.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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