petSpot
enpevetenpevita

Hund: Demodikose

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Haarbalgmilbenbefall

Haarbalgmilben des Hundes (Demodex canis) sind so genannte Ektoparasiten und gehören zu den Spinnentieren. Sie durchlaufen in ihrer Entwicklung verschiedene Stadien: aus dem Ei entwickelt sich über ein bis zwei Larven und zwei Nymphenstadien eine ausgewachsene Milbe von etwa 0,2mm Länge. Diese gesamte Entwicklung wird auf dem gleichen Wirt vollzogen, da Haarbalgmilben – im Gegensatz zu anderen Spinnentieren wie Zecken oder Herbstgrasmilben – in der Umgebung nur wenige Tage lebensfähig sind.

Neben Demodex canis wurden zwei weitere Haarbalgmilben beim Hund festgestellt, die etwas anders aussehen: Demodex injai hat einen längeren Körper und Demodex cornei ist viel kürzer. Eventuell handelt es sich nicht um eigenständige Formen, sondern nur um Spielarten von Demodex canis.

Ursachen

Demodikose wird durch eine übermäßige Vermehrung von Haarbalgmilben hervorgerufen. Diese Milben leben in den Haarwurzeln und Talgdrüsen und ernähren sich von Talg und Teilen der Haarwurzeln. Sie sind auch bei vielen klinisch gesunden Hunden – also ohne Symptome zu verursachen – in geringer Anzahl vorhanden. Kommt es zu einer Schwächung des Abwehrsystems des Hundes oder einer Hautschädigung durch andere Ursachen, vermehren sich die Demodex-Milben plötzlich stark und führen zu Krankheitserscheinungen. In bestimmten Fellregionen, beispielsweise am Kopf oder der Rückseite der Vorderbeine, kann es dann zu einer extremen Befalldichte mit bis zu 80.000 Milben pro Quadratzentimeter Haut kommen.

Man unterscheidet zwei Erscheinungsformen der Demodikose: Bei der lokalisierte Demodikose treten höchstens vier Stellen auf, die zusammen nicht größer als 2,5cm sind. Bei der generalisierten Form sind entweder mehr als vier Stellen betroffen oder der erkrankte Bereich ist größer. Klinisch bedeutsam ist vor allem die generalisierte Form.

Besonders häufig sind junge Hunde bis zum 2. Lebensjahr von generalisierter Demodikose betroffen. Diese Erkrankung wird auch juvenile generalisierte Demodikose genannt. Bei einigen Hunderassen tritt diese Erkrankung gehäuft auf, man vermutet eine Erbkrankheit. Bei der eher seltenen Erkrankung älterer Hunde („old dog demodicosis“) ist das Abwehrsystem häufig durch chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Morbus Cushing, Schilddrüsenunterfunktion oder durch eine Kortison-Behandlung geschwächt und so wird eine explosionsartige Vermehrung der Milben begünstigt.

Ansteckung

Demodex-Milben werden hauptsächlich von der Mutter auf die säugenden Welpen übertragen. Ob die Milben auch direkt von Hund zu Hund übertragen werden können, ist derzeit unter Wissenschaftlern umstritten.

Leitsymptom

  • Juckreiz
  • Haarausfall

Symptome

Bei der lokalisierten Form treten Fellverluste nur an wenigen, kleinen Stellen meistens am Kopf und später auch an den Gliedmaßen auf. Sie wird meistens bei jungen Hunden beobachtet und kann von selber wieder zurück gehen. Ganz klassisch ist bei einigen Hunden die sogenannte „ Brillenbildung“ durch Haarausfall um beide Augen. Auch die Pfoten können betroffen sein. Die kahlen Stellen zeigen eine leichte Rötung und Schuppenbildung. Bei der lokalisierten Form entzünden sich die haarlosen Stellen nur selten und führen erst dann zu Juckreiz. Die lokalisierte Form kann sich aber ausbreiten und in die generalisierte übergehen. Das ist meistens bei Hunden mit einer genetischen Veranlagung der Fall.

Abb. FZ5KJERS
Abb. FZ5KJERS: Demodikose bei einem Boxer.
„Brillenbildung“ bei einem Boxer.

Abb. GBW4WAYB
Abb. GBW4WAYB: Demodikose.
Dieser Hund leidet an großflächigen Entzündungen am gesamten Kopf.

Abb. FZ5KP1TS
Abb. FZ5KP1TS: Demodikose.
Veränderungen an einer Pfote durch Demodex-Milben.

Bei der generalisierten Form ist der gesamte Körper des Hundes betroffen. Von dieser Form der Erkrankung sind meist sehr junge Hunde oder Tiere mit stark geschwächtem Abwehrsystem betroffen. Eine Vielzahl verschiedenster Bakterien siedelt sich an den haarlosen Stellen an und führt zu starken, eitrigen Entzündungen mit Krustenbildung auf der gesamten Hautoberfläche (Sekundärinfektionen).

Abb. FZ5KRAL0
Abb. FZ5KRAL0: Generalisierte Form der Demodikose.

Diagnose

Die Diagnose einer Demodikose wird mit Hilfe eines tiefen Hautgeschabsels gestellt. Dafür wird an mehreren haarlosen Stellen die Haut zwischen zwei Fingern stark gequetscht und mit einem Skalpell gekratzt. Das entnommene Material wird – teilweise unter Zugabe von Kalilauge – unter dem Mikroskop betrachtet. Unter dem Mikroskop sind die Milben meist gut sichtbar.

An den Pfoten und anderen schwer zugänglichen Stellen kann man auch ein Trichogramm durchführen oder eine Haut- Biopsie entnehmen. Für ein Trichogramm werden Haare ausgezupft und ihre Wurzeln unter dem Mikroskop begutachtet. Bei der Biopsie wird eine Gewebeprobe der Haut entnommen, die Probe wird in einem speziellen Labor aufgearbeitet und dann ebenfalls unter dem Mikroskop untersucht.

Da Demodex-Milben auch beim gesunden Hund in der Haut zu finden sind, ist bei der Diagnose entscheidend, dass eine Vielzahl von Milben in verschiedenen Entwicklungsstadien nachgewiesen werden können. Ein vereinzelter Fund von Demodex-Milben erlaubt nicht die Diagnose Demodikose.

Abb. FZ5KWQHB
Abb. FZ5KWQHB: Demodex-Milbe unter dem Mikroskop.

Behandlung

Die lokalisierte Form heilt meist von allein ohne Probleme ab. Bei Entzündungserscheinungen können die haarlosen Stellen mit entzündungshemmenden und desinfizierenden Lösungen oderShampoos behandelt werden. Diese Maßnahmen nehmen zwar keinen Einfluss auf die Parasiten, verhindern aber, dass sich zusätzlich Bakterien ansiedeln können. Alle zwei Wochen sollte ein Hautgeschabsel genommen werden. So wird die Entwicklung der Milben genau verfolgt und ein Übergang zur schwer heilbaren generalisierten Form kann rechtzeitig erkannt werden.

Für die generalisierte Form der Demodikose gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, die direkt gegen die Milben wirken. Die Behandlungsmaßnahmen können Injektionen, Waschungen, Lösungen oder Spot-on-Präparate umfassen. Leider ist derzeit kein Medikament in jedem Fall in der Lage, die Krankheit vollständig zu heilen. Meist ist es daher notwendig, mehrere Präparate auszuprobieren. Unbedingt erforderlich ist eine gleichzeitige Behandlung der bakteriellen Sekundärinfektion, die mit einem Antibiotikum oder mit desinfizierenden Shampoos erfolgen kann. Bei langhaarigen Hunde kann es sinnvoll sein, das Fell vor dem Baden zu scheren. Wenn die Haut des Hundes stark verkrustet ist, sollten die Krusten zunächst durch ein desinfizierendes Shampoo abgelöst werden, bevor man ein milbenwirksames Präparat aufträgt.

Die Demodikose gilt als geheilt, wenn alle Haare nachgewachsen sind und über einen Zeitraum von sechs Monaten keine lebenden Milben in Hautgeschabseln nachgewiesen werden können.

Prognose

Die lokalisierte Form der Demodikose heilt meist ohne Probleme von alleine ab. Schwierig bis unmöglich ist dagegen leider die vollständige Heilung der generalisierten Form.

Vorbeugung

Man geht inzwischen davon aus, dass die Neigung zur generalisierten Form der Demodikose erblich ist. Daher sollten Hunde, die an dieser schwer heilbaren Form erkrankt sind, sicherheitshalber von der Zucht ausgeschlossen werden. Auch Hündinnen, deren Welpen daran erkranken, sollte man nicht weiter zur Zucht einsetzen.

Tipps

Stärken Sie das Abwehrsystem Ihres Hundes! Dazu gehört regelmäßiges Entwurmen und Impfen, eine ausgewogene bedarfsgerechte Ernährung und regelmäßige, dem Bedürfnis des Tieres angemessene Bewegung.

Stand: 19.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.