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Hund: Darmverschluss

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Ileus

Als Darmverschluss oder Ileus bezeichnet man eine Behinderung der Darmpassage. Der Futterbrei kann an dieser Stelle also nicht weiter durch den Darm befördert werden und staut sich vor der Blockade auf. Ein Ileus ist eine lebensbedrohliche Situation!

Zum besseren Verständnis soll zunächst der Aufbau und die Funktion des Verdauungsapparates erklärt werden:

Der Verdauungstrakt des Hundes beginnt in der Maulhöhle, in der das Futter zerkleinert und eingespeichelt wird. Über den Schlund gelangen die Futterbissen in die Speiseröhre. Eine wellenförmige Muskelbewegung der Speiseröhrenwand transportiert die Bissen in den Magen. Im Magen sorgt Salzsäure dafür, dass mit dem Futter aufgenommene Bakterien abgetötet werden. Außerdem werden die ersten Verdauungs- Enzyme in den Futterbrei gemischt, so dass die eigentliche Verdauung des Futters beginnen kann. Der Magen geht in den Dünndarm über. In den Dünndarm werden Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse und Gallensaft abgegeben. Die verdaulichen Nahrungsbestandteile werden durch diese Enzyme in winzige Teile zersetzt. Diese kleinen Nährstoffteilchen werden über die Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen. Der Futterbrei wird durch wellenförmige Muskelbewegungen der Darmwand weitergeschoben. Diesen Vorgang nennt man auch Peristaltik. Peristaltik findet in allen Darmabschnitten statt. An den Dünndarm schließt sich der Dickdarm an, in dem ebenfalls noch Nährstoffe und Wasser aufgenommen werden. Im letzten Darmabschnitt werden schließlich aus den eingedickten Futterresten Kotballen geformt und ausgeschieden.

Abb. H2X0OBNY
Abb. H2X0OBNY:

Ursachen

Folgende Ursachen liegen einem Darmverschluss häufig zugrunde:

  • Mechanische Behinderungen (Fremdkörper wie Spielzeug, Haarballen, Holz, Obstkerne, Steine, Knochen u.v.a.)
  • Hochgradiger Parasitenbefall
  • Verstopfung
  • Darmdrehungen
  • Darminvagination (Einstülpung des Darms), insbesondere bei jungen Hunden nach Durchfallerkrankungen
  • Darmlähmungen (paralytischer Ileus)
  • Tumoren

Leitsymptom

  • Erbrechen

Symptome

Die Krankheitsanzeichen eines Ileus sind Bauchschmerzen, Futterverweigerung, Erbrechen und fehlender Kotabsatz. Auch Fieber kann beobachtet werden. Bei unvollständigem Darmverschluss können die Symptome anfangs etwas unauffälliger sein. Manchmal sind dann sogar Durchfall und Abmagerung sowie Schwäche die einzigen Symptome, die sich über mehrere Tage bis Wochen hinziehen.

In sehr schweren Fällen treten Schocksymptome auf und die Tiere können unbehandelt innerhalb weniger Stunden verenden.

Diagnose

Die Diagnose kann häufig bereits durch eine klinische Untersuchung des Hundes gestellt werden und wird durch ein Röntgenbild, eventuell mit Kontrastmittelgabe, bestätigt. Eine Ultraschalluntersuchung hilft besonders bei Fremdkörpern, Darminvaginationen und Darmtumoren weiter. Auch eine Blutuntersuchung liefert Hinweise auf einen Ileus und seinen Schweregrad.

Abb. H2X0ZW7A
Abb. H2X0ZW7A: Darmverschluss.
Vor dieser Röntgenaufnahme wurde dem Hund ein Kontrastmittel eingegeben, das sich als weiße Masse im Darm darstellt. Dadurch ist der mit einem Pfeil markierte Fremdkörper im Dünndarm deutlich sichtbar, weil das Kontrastmittel den Darm nicht weiter passieren kann und sich davor anstaut.

Behandlung

In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Darmverschluss um einen Notfall, der schnellstmöglich operiert werden muss. Dabei werden Fremdkörper o.ä. entfernt. Wenn ein Darmabschnitt bereits nachhaltig geschädigt ist, muss er entfernt werden. Anschließend werden die gesunden Darmabschnitte wieder zusammen genäht. Der Hund wird im Anschluss an diese Operation einige Tage in der Tierklinik verbleiben müssen und mit Infusionen, Schmerzmitteln und Antibiotika versorgt werden.

Eher selten werden kleine Fremdkörper diagnostiziert, die mit Hilfe von Öl, Gleitmitteln o.ä. "auf normalem Wege" den Verdauungstrakt durchwandern können. Der Tierarzt wird den Hund in diesen Fällen unter strenger Beobachtung halten.

Prognose

Wenn der Darmverschluss frühzeitig bemerkt und rasch gehandelt wird, ist die Prognose meist gut. Viele Darmverschlüsse sind jedoch nur unvollständig und die Symptome deswegen nicht eindeutig. Durch einen verzögerten Behandlungsbeginn verschlechtert sich die Diagnose deutlich.

Vorbeugung

Achten Sie beim Kauf von Bällen und anderem Spielzeug auf die richtige Größe: Es sollte so groß sein, dass es nicht mehr komplett ins Maul passt, also nicht mehr geschluckt werden kann!

Tipps

Nach einer Operation ist es unbedingt notwendig, dass bis zum vollständigen Abheilen der Wunde (also bis zum Ziehen der Fäden nach etwa 10 Tagen) ein Halskragen getragen wird, um den Hund am Lecken (und auch Kratzen) zu hindern. Die Maulhöhle ist nämlich sehr stark mit Bakterien besiedelt. Wenn das Tier an der Naht leckt, wird das Zusammenwachsen des Gewebes verhindert und die Bakterien aus der Maulhöhle können leicht in den Organismus eindringen. Dadurch verzögert sich die Heilung oder es wird sogar eine Nachoperation notwendig. Besonders stark ist der Drang zu lecken einige Tage nach der Operation, wenn der Heilungsprozess einsetzt und die Wunde zu jucken beginnt. Halskragen finden die Hunde meist nur eine kurze Zeit lästig und gewöhnen sich – im Gegensatz zum Besitzer – recht schnell daran. Beim Fressen kann der Halskragen zur Not kurz entfernt werden, aber nur unter Beobachtung! Auch so genannte Bauchanzüge kommen seit einiger Zeit erfolgreich zur Anwendung.

Abb. H3H68VOY
Abb. H3H68VOY: Halskrause

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Stand: 18.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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