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Hund: Cauda-equina-Kompressions-Syndrom

Allgemeines

Cauda equina heißt übersetzt "Pferdeschweif" und beschreibt die Auffächerung des Rückenmarks am Ende der Wirbelsäule, also zwischen Lendenwirbeln und Kreuzbein. Das vorher kompakte Rückenmark teilt sich auf. Die einzelnen Nerven treten durch seitliche Öffnungen (Wirbellöcher) aus und ziehen zur Muskulatur der Hintergliedmaßen (Ischiasnerven), der Rute (Schwanznerven) sowie zu Blase und Enddarm.

Abb. FZFV569L
Abb. FZFV569L: Schematische Darstellung der Cauda equina.
Cauda-equina-Kompressions-Syndrom ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen an den letzten Lendenwirbeln und/oder am Übergang der letzten Lendenwirbel zum Kreuzbein. Dieser Bereich ist, verglichen mit dem Rest der Lendenwirbelsäule, sehr beweglich und durch Springen und Rennen sehr hohen Belastungen ausgesetzt. Kompression bedeutet Druck. Beim Cauda-equina-Kompressions-Syndrom wird also Druck auf den „Pferdeschweif“ ausgeübt. Dieser Druck auf die dort verlaufenden Nerven kann unterschiedliche Ursachen haben:

  • Zubildungen oder Verdickungen im Bereich des Wirbelkanals engen das Rückenmark ein.
  • Abnorme Beweglichkeit der Wirbel führt zu einen Verrutschen der Knochen gegeneinander und damit zu Druck auf das Rückenmark.
  • Zubildungen oder Verdickungen an den Wirbellöchern drücken auf die austretenden Nerven.

Ursachen

Die im Cauda-equina-Kompressions-Syndrom auftretenden Veränderungen an den letzten Lendenwirbeln oder am Übergang der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein führen zur Einengung des Wirbelkanals oder der Wirbellöcher und damit zur Beeinträchtigung der Nerven der Cauda equina.

Meistens handelt es sich um altersbedingte, so genannte degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, die auch unter dem Begriff degenerative lumbosakrale Stenose (DLS) zusammengefasst werden und die den Wirbelkanal einengen. Besonders einige größere Hunderassen neigen zu diesen Veränderungen. Häufig handelt es sich dabei um Bandscheibenvorfälle, aber auch altersbedingte Zubildungen an den Knochen (Arthrosen, Spondylosen), den Weichteilen oder den Haltbändern der Wirbelsäule kommen in Frage.

Neben den degenerativen Veränderungen können Unfälle, Entzündungen oder Tumoren Druck auf die Nerven ausüben und das Cauda-equina-Kompressions-Syndrom auslösen. Auch angeborene Missbildungen der Wirbelkörper (z.B. Übergangswirbel, besonders beim Deutschen Schäferhund) oder Entwicklungsstörungen der Gelenke (OCD beim Deutschen Schäferhund) kommen als Ursachen in Frage. All diese Veränderungen führen auf verschiedene Weise zu Druck auf das Rückenmark und dadurch zu Beschwerden für den Hund.

Abb. FZFV78S1
Abb. FZFV78S1: Schematische Darstellung möglicher Ursachen für das Cauda-equina-Kompressionssyndrom.
Mittlere bis große Hunderassen sind besonders häufig betroffen, am häufigsten der Deutsche Schäferhund. Die meisten Hunde zeigen ab dem 6. Lebensjahr Beschwerden. Bei angeborenen Missbildungen oder Entwicklungsstörungen treten klinische Symptome jedoch deutlich früher auf.

Leitsymptom

  • Rückenschmerzen

Symptome

Die klinischen Symptome des Cauda-equina-Kompressions-Syndroms entwickeln sich meist sehr langsam. Die ersten Anzeichen für den Besitzer sind meist Schmerzäußerungen beim Springen, Treppensteigen und Aufstehen. Die gesamte Kruppe des Hundes ist bei Druck schmerzempfindlich, vor allem das Hochbiegen der Rute tut sehr weh. Lahmheiten und Lähmungen in den Hinterbeinen und eine leblose Rute (Hammelschwanz) sind weitere Anzeichen für ein Cauda-equina-Kompressions-Syndrom. Jede Bewegung, bei denen die Verbindung der Beine zum Körperstamm belastet wird, wird zu vermeiden versucht. Der Gang kann trippelnd oder hüpfend sein. Die Hinterbeine wirken schwach und die Muskulatur bildet sich zurück. Durch fehlendes Anheben der Hinterbeine beim Laufen "schlurft" der Hund und die Krallen werden schräg abgeschliffen. Es kann auch zu Fehlempfindungen kommen. Der Hund empfindet dann beispielsweise seine eigene Rute als etwas fremdes und fängt an sie zu beißen und zu benagen. Wenn die Nerven der Harnblase und des Anus betroffen sind, können die Hunde Harn und Kot nicht mehr halten und werden inkontinent.

Diagnose

Die Diagnostik des Cauda-equina-Kompressions-Syndroms kann schwierig sein. Tumoren, Missbildungen oder Brüche in der Wirbelsäule sind meist leicht zu erkennen. Problematisch ist es dagegen, die Verengungen durch degenerative Prozesse zu erkennen und den klinischen Symptomen eindeutig zuzuordnen. Daher ist es häufig notwendig, mehrere Untersuchungsverfahren zu kombinieren.

Die erwähnten Symptome des Hundes bilden einen wichtigen Teil in der Diagnostik des Cauda-equina-Kompressions-Syndroms. Zusätzlich überprüft der Tierarzt den genauen Bewegungsablauf und bestimmte Reflexe des Hundes. Auch die Funktionsweise der Nerven kann mit speziellen Verfahren wie z.B. der Elektromyographie überprüft werden, die aber nur in Spezialkliniken durchgeführt wird.

Eine Absicherung der Verdachtsdiagnose erfolgt mit radiologischen Untersuchungsverfahren, die meist unter Narkose durchgeführt werden müssen. Röntgenaufnahmen reichen bei dieser Erkrankung häufig nicht für eine eindeutige Diagnose aus, liefern aber eine ersten, wichtigen Überblick.

Zusätzlich müssen meist weitere radiologische Untersuchungsverfahren wie Myelographie, Computertomographie und Magnetresonanztomographie zur Diagnostik herangezogen werden. Bei einer Myelographie wird mit Hilfe eines Kontrastmittels der genaue Verlauf des Rückenmarks dargestellt. So können Einengungen der Nerven sichtbar gemacht werden. Eine Computertomographie (CT) stellt besonders gut die knöchernen Strukturen, also die Wirbelkörper und mögliche Zubildungen, dar. In Kombination mit den oben erwähnten Kontrastmitteln kann so auch ein Cauda-equina-Kompressions-Syndrom diagnostiziert werden. Magnetresonanztomographie (MRT) eignet sich besonders für die Darstellung von weichen Geweben wie Bandscheibe und Rückenmark und kommt daher ebenfalls immer häufiger zum Einsatz. Da bei Computertomographie und Magnetresonanztomographie eine schichtweise Darstellung der Gewebe durchgeführt wird, ist durch diese Verfahren eine nahezu dreidimensionale Abbildung des erkrankten Gebietes möglich. So können nicht nur nahezu alle Veränderungen gefunden werden, sondern sie lassen sich auch besser auf ihren Schweregrad beurteilen. Auch im Hinblick auf einen chirurgischen Eingriff bieten die Methoden den besten Überblick.

Häufig sind bei radiologischen Untersuchungen hochgradige Veränderungen auffällig, die dem Hund jedoch keine Beschwerden bereiten. Eine sichere Diagnose besteht deswegen aus klinischen – also Beschwerden des Hundes – und radiologischen Befunden. Nur dann ist ein Eingriff gerechtfertigt.

Abb. FZ5J3HKN
Abb. FZ5J3HKN: Cauda-equina-Kompressions-Syndrom beim Hund.
Der weiße Pfeil zeigt bei dieser MRT-Aufnahme auf eine Einengung des Rückenmarks im Bereich der Cauda equina. Die Bandscheibe wölbt sich in diesem Bereich deutlich vor.

Abb. FZ5J6IGW
Abb. FZ5J6IGW: Sklerotische Verhärtungen beim Cauda-equina-Kompressions-Syndrom beim Hund.
Die roten Pfeile markieren in dieser Röntgenaufnahme sklerotische Verhärtungen zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem ersten Schwanzwirbel.

Abb. FZ5J8O70
Abb. FZ5J8O70: Myelogramm des Cauda-equina-Kompressions-Syndroms beim Hund.
Hier wurde mit Hilfe eines Kontrastmittels ein Myelogramm erstellt. Das Kontrastmittel umhüllt das Rückenmark (weiße Pfeile) und weist im Bereich der Cauda equina auf Einengungen hin.

Behandlung

Die Behandlung des Cauda-equina-Kompressions-Syndroms kann konservativ oder chirurgisch erfolgen. Wichtig für die Wahl der Behandlungsmaßnahmen ist neben den Symptomen die voraussichtliche Nutzung, die der Hund erfüllen soll. Einige Hunde leiden nur bei starker Belastung (z.B. Agility, Schutzdienst) unter dem Cauda-equina-Kompressions-Syndrom. Eine Beschwerdefreiheit ist dann bereits durch eine „Pensionierung“ zu erzielen. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen gilt es hauptsächlich, dem Hund ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen, auch wenn dies nur im Zusammenhang mit einer eingeschränkten Nutzung des Hundes möglich ist.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie, also medikamentelle und ruhigstellende Maßnahmen (wie Leinenzwang), die durch physiotherapeutische Maßnahmen ergänzt werden können, eignet sich vor allem zu Beginn der Erkrankung bei nur leichten Symptomen. Als Medikamente werden Schmerzmittel und entzündungshemmende Präparate gegeben. Leider kommt es anschließend ohne Leinenzwang meist sehr schnell wieder zum Auftreten der Beschwerden. Besonders beim Springen wird der Übergang von der Lendenwirbelsäule auf das Kreuzbein stark beansprucht.

Chirurgische Therapie

Eine chirurgische Behandlung ist bei starken und wiederkehrenden Schmerzen und Lähmungserscheinungen angezeigt. Der Druck auf das Gewebe muss beseitigt werden, damit die Nerven wieder heilen können. Dazu stehen verschiedene Operationsmöglichkeiten zur Verfügung. Knochenzubildungen oder verengte Wirbellöcher können mit Fräsen entfernt bzw. erweitert werden, um den Nerven wieder ausreichend Platz zu verschaffen. Vorgefallene Bandscheiben können zu diesem Zweck ebenfalls entfernt werden. Verdicktes Weichteilgewebe, Bandstrukturen oder Tumorgewebe werden abgetragen. Auch die Stabilisierung oder Versteifung des Gelenks ist möglich. Der erfahrene Chirurg wird je nach genauer Ursache und Allgemeinzustand des Hundes die geeignete Methode wählen.

Nach einer Operation ist eine Ruhepause streng einzuhalten. Erst nach etwa sechs Wochen kann die Muskulatur durch langsame Belastung wieder aufgebaut werden. Mit Hilfe von Physiotherapie können gute Ergebnisse erzielt werden. Auch Schwimmen eignet sich hervorragend dazu, die Muskulatur wieder langsam aufzubauen, da der Körper im Wasser nur etwa ein Siebtel des eigentlichen Gewichts wiegt und daher Knochen und Gelenke geschont werden.

Prognose

Der Erfolg einer Operation hängt stark davon ab, wie schwer die Symptome waren und wie lange sie bereits bestanden. Vor allem bei frühzeitigen Eingriffen, wenn zwar bereits Druckschmerzen, aber erst wenig Veränderungen vorhanden sind, können viele Hunde nach erfolgter Operation auch im Sport wieder vollständig einsatzfähig sein. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist und je mehr Veränderungen und Lähmungserscheinungen vorliegen, desto unsicherer sind die Erfolgsaussichten. Besonders Harn- oder Kotinkontinenz bleiben häufig auch nach einer Operation bestehen.

Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung ist bisher schwer möglich, da die genauen Entstehungsursachen für das Cauda-equina-Kompressions-Syndrom nicht vollständig geklärt sind. Übergewicht führt jedoch zu einer zusätzlichen Belastung des Lendenwirbel-Kreuzbein-Übergangs und sollte vermieden werden. Ihr Tierarzt wird Ihnen bei der Einschätzung des Gewichts Ihres Hundes gerne helfen und Sie gegebenenfalls bei einer Futterumstellung beraten.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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12.06.2017: IST
Hallo!
Einen guten TA kenne ich in Ihrer Region nicht.
Aber ich würde (als TA) erstmal röntgen und einen neurologischen Untersuchungsgang durchführen.
Wenn dann von den Röntgenbildern und der neurologischen Untersuchung nichts dagen spricht, dann würde ich Osteopathie als Behandlung wählen.
Wie weit ist 53359 Schleiden von Ihnen weg? Da ist eine gute TÄ.
LG
21.02.2014: dittamax
Unser 7-jähriger Tierheim 'Parson-Russell-Hund', kastr. Rüde, seit November 2013 bei uns wohnend, hat Harnträufeln, besonders nachdem Aufstehen (tagsüber) von seinem Ruheplatz; des Nachts schläft er ca. 10Stunden, ohne die Blase komplett zu entleeren, dann ebenso wie tagsüber leichtes Harnträufeln im Schlaf. Propalinsirup (seit 3 Monaten verabreicht) hat quasi keine Verbesserung gebracht, eingehende ärztliche Untersuchungen stehen (noch) aus.
Der Hund wurde misshandelt von seinem ehem. Besitzer (alkoholabhängiger Jäger), hatte einen Unfall (Schrauben in Vorderlauf), hat ein paar Jahre 'ziemlich frei' gelebt, nur-seiner-Nase-nach, quer-Wald-ein gelaufen stundenlang (wenn nicht im Zwinger oder angekettet), dabei anscheinend sehr viel und sehr weit gelaufen, sehr viele Hindernisse übersprungen (2M hoher Draht), Leitern emporgeklettert...wurde als Fundhund auf der Autobahn gefunden.
War ganz mit Öl beschmiert, hatte Fieber, Blut im Urin, Schmerzen im Körper (hat gebissen beim Hochheben, ebenso den Tierarzt wo ihn nicht untersuchtsondern 'nur' geimpft -zwecks Adoptionsfreigabe-)), ist bei uns/seine jetzige Familie, Anfangs sehr 'Handscheu' gewesen (Zähne gefletscht, gegrummelt bei Anfassen), mittlerweile duldet er sanftes Streicheln, sucht und geniesst den Körperkontakt und Schmuseeinheiten.
Tagsüber gehe ich jede 1-2 Stunden mit ihm zum 'Pipi'lassen, denn wenn ich länger (bis 3 Stunden) warte, fängt das Tropfen an....
Nach dem Lesen des Erscheinungsbilds vom 'Cauda-equina-Kompressions-Syndrom' glaube ich fast hier die Ursache des Hanträufelns herausgelesen zu haben.
Wer gibt mir einen guten Rat, oder eine gute Adresse von Tierärzten (Saarland/Rheinland-Pfalz), wo ich für unseren Hund Hilfe finden kann ?
Dittamax

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