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Hund: Canine Herpesvirusinfektion

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Welpensterben

Infektionen mit Herpesviren sind besonders in großen Hundebeständen ein Problem, man nimmt an, dass 50 – 100% all dieser Hunde Antikörper gegen Herpesviren besitzen, also bereits irgendwann in ihrem Leben Kontakt mit dem Virus hatten. Bei Hunden in Einzelhaltung treten Herpesviren deutlich seltener auf, einigen Untersuchungen zufolge sind deutlich weniger als 10% dieser Hunde infiziert.

Herpesviren sind streng wirtsspezifisch, d.h. für Menschen oder andere Tierarten geht vom caninen Herpesvirus keine Gefahr aus!

Ursachen

Die Herpesvirusinfektion beim Hund wird durch das canine Herpesvirus Typ 1 (CHV-1) ausgelöst. Grundsätzlich bleibt beim Hund – wie auch beim Menschen – eine Infektion mit Herpesviren lebenslang bestehen, man spricht von einer so genannten latenten Infektion. Das Virus versteckt sich im Körper und wird bei Schwächung des Abwehrsystems (z.B. durch Stress, durch eine andere Erkrankung oder auch im Rahmen einer Geburt) wieder aktiviert.

Das Virus vermehrt sich besonders gut bei Temperaturen unter 37°C, daher sind Welpen, die ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig konstant halten können und leicht Untertemperatur entwickeln, besonders gefährdet.

Ansteckung

Das Virus wird von erwachsenen, meist symptomlos erkrankten Tieren über alle Körperflüssigkeiten ausgeschieden und durch Lecken oder Schnuppern über die Atemwege aufgenommen. Auch beim Deckakt ist eine Übertragung des Virus möglich. Welpen können sich bereits im Mutterleib, während der Geburt oder nach der Geburt auch untereinander anstecken.

Auf der anderen Seite gibt eine bereits seit längerem infizierte oder geimpfte Hündin während der Trächtigkeit und über die Milch Antikörper gegen die Herpesviren an ihre Welpen ab. Diese sind dann in ihren ersten Lebenswochen, zumindest in einem gewissen Maße, gegen die Herpesviren geschützt.

Problematisch sind folgende Szenarien:

  • Eine Hündin hatte bisher keinen Kontakt mit Herpesviren und besitzt deshalb keine Antikörper. Sie wird beim Deckakt vom Rüden infiziert oder hat im Verlauf der Trächtigkeit Kontakt mit einem – meist symptomlos – infizierten Hund. Die Viren vermehren sich in ihrem Körper und sie infiziert ihre Welpen entweder noch in der Gebärmutter oder spätestens bei der Geburt.
  • Eine Hündin hatte bisher keinen Kontakt mit Herpesviren, besitzt keine Antikörper und kann diese deswegen auch nicht an ihre Welpen weitergeben. Die ungeschützten Welpen werden in den ersten drei Lebenswochen von einem anderen Hund infiziert.

Leitsymptom

  • plötzliche Todesfälle bei Welpen
  • Durchfall bei Welpen
  • Totgeburt
  • Husten
  • Schnupfen

Symptome

Die Symptome einer Herpesvirusinfektion hängen sehr vom Alter des Tieres ab:

Welpen bis zur 3. Lebenswoche: Diese Tiere erkranken am häufigsten und am schwersten. Wenige Tage nach der Infektion kommt es zu Saugunlust und Durchfall. Auch Würgen, Erbrechen, Wimmern oder Schreien werden beobachtet. Die Welpen haben KEIN Fieber. Die meisten Welpen sterben nach 1 – 2 Tagen. Auch plötzliche Todesfälle ohne vorheriges Auftreten von Symptomen sind möglich.

Welpen 3. – 5. Lebenswoche: Bei dieser Altersgruppe kommt es häufig zu einer Erkrankung der Atemwege mit Schnupfen, Husten und Augenausfluss. Im Anschluss an diese Phase treten vereinzelt zentralnervöse Symptome, Taubheit und Blindheit auf.

Welpen ab der 5. Lebenswoche: siehe erwachsene Tiere.

Erwachsene Hunde: Viele Hunde zeigen keine Symptome einer Infektion, einige eine leichte Infektion der Atemwege mit Husten, Schnupfen oder Augenausfluss.

Trächtige Hündinnen: Wenn trächtige Hündinnen zum ersten Mal mit dem Virus in Kontakt kommen, treten häufig Aborte oder Totgeburten auf.

Diagnose

Aufgrund des typischen Alters und der typischen Symptome kann meist eine Verdachtsdiagnose gestellt werden, eine endgültige Diagnose ist nur durch einen Sektion von bereits verendeten Tieren möglich. Bei einer Blutuntersuchung können zwar Antikörper nachgewiesen werden, dies ist aber klinisch nicht wirklich von Bedeutung, weil sehr viele erwachsene Tiere Antikörper besitzen und bei sehr jungen Tieren noch keine Bildung von Antikörpern stattgefunden hat.

Behandlung

Für Welpen bis zur 3. Lebenswoche ist eine Infektion mit Herpesviren fast immer tödlich, es kann lediglich versucht werden, mit Infusionen den Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall auszugleichen und die Welpen mit Wärmflaschen oder Wärmelampen warm zu halten. Auch eine Bluttransfusion kann in Erwägung gezogen werden. Dazu muss Blut einer anderen Hündin, die sicher mit Herpesviren infiziert ist und bereits Antikörper gebildet hat, übertragen werden.

Bei älteren Tieren mit milderen Symptomen ist keine Behandlung notwendig.

Prognose

Die Prognose ist für Welpen sehr schlecht. Erwachsene Tiere haben dagegen eine gute Prognose, allerdings muss jederzeit mit einer Reaktivierung des Virus bei Stress o.ä. gerechnet werden. In diesen Phasen können die Hunde dann auch wieder andere anstecken.

Vorbeugung

Welpen sollten zumindest in den ersten 3 Lebenswochen von anderen Hunden getrennt werden, da diese immer symptomlos mit Herpesviren infiziert sein können. In größeren Hundebeständen ist einwandfreie Sauberkeit entscheidend, so dass die Viren nicht über Futternäpfe u.ä. zu Welpen gelangen können.

Eine Impfung von Zuchthündinnen ist möglich. Diese werden in der Läufigkeit oder 7 – 10 Tage nach dem Deckakt erstmals geimpft, so dass sie Antikörper bilden können, die dann auch die Welpen im Mutterleib ausreichend schützen. Etwa 2 Wochen vor der Geburt sollte eine Wiederholungsimpfung erfolgen, damit nach der Geburt noch zusätzlich Antikörper über die Muttermilch abgegeben werden. Bei jedem weiteren Wurf sollten diese Impfungen erneut durchgeführt werden!

Stand: 11.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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