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Hund: Borreliose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Lyme-Krankheit, Lyme disease, Lyme-Borreliose

Bei einer Borreliose handelt es sich um eine durch Zecken übertragene Infektion mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi und verwandten Arten. Als Überträgerzecke dient meistens die Zeckenart Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock).

Abb. GBW408SE
Abb. GBW408SE: Ixodes ricinus, der Gemeine Holzbock.
Dieser Holzbock befindet sich in Lauerstellung, mit weit ausgebreiteten Vorderbeinen. Diese besitzen Sinneszellen für Geruch, Temperatur und Erschütterung und helfen beim Aufspüren von Wirten.

Borrelia burgdorferi besitzt zwei Untergruppen: Borrelia burgdorferi sensu stricto und Borrelia burgdorferi sensu latu. Daneben sind Borrelia burgdorferi afzelli und Borrelia garinii beschrieben. Die Kenntnis über diese Untergruppen ist wichtig, um die Problematik des Impfens zu verstehen (siehe auch Vorbeugung).

Ob noch weitere Gruppen als Erreger von Borreliose in Frage kommen, wird derzeit untersucht. In Deutschland sind je nach Region zwischen 5 und 90% aller Zecken mit einer dieser Bakterienarten infiziert. Zecken infizieren sich bei Wildtieren, wie beispielsweise Igeln und Mäusen. Man weiß, dass Wildtiere gegen Borreliose immun sind, also keine Krankheit entwickeln. Daher steht ein nahezu unbegrenztes Reservoir von Borrelien zur Verfügung.

Abb. GBXHLQOB
Abb. GBXHLQOB: Borrelia-Bakterien, mikroskopische Aufnahme.

Ursachen

Borrelien können beim Stich einer Zecke übertragen werden. Eine einmal infizierte Zecke trägt die Bakterien lebenslang im Darm. Saugt sich die Zecke am Hund fest und nimmt Blut auf, vermehren sich zunächst die Borrelien durch die steigende Körpertemperatur im Darm der Zecke. Sie entwickeln ebenfalls die Fähigkeit, die Darmwand zu durchdringen und in die Speicheldrüsen der Zecke zu wandern. Mit dem Speichel werden die Borrelien dann auf den Hund übertragen. Man nimmt an, dass die Wanderung in der Zecke zwischen 12 und 48 Stunden dauert, also dass erst nach dieser Zeit eine Infektion des Hundes erfolgen kann. Nur Zecken, die bereits lange saugen, führen demnach zu einer Infektion mit Borrelien.

Sobald die Bakterien übertragen werden, beginnt das Abwehrsystem des Hundes Antikörper gegen die Borrelien zu bilden. Diese Antikörper „fangen“ die Bakterien ein und bilden so genannte Antigen-(Bakterium)-Antikörper-Komplexe. Mit diesem Mechanismus des Abwehrsystems werden Infektionen normalerweise erfolgreich bekämpft. Leider kann es jedoch in einigen Fällen durch Ablagerung der Komplexe im Gewebe zu Entzündungsreaktionen kommen. Außerdem besitzen Borrelien einige spezielle Fähigkeiten, dem Abwehrsystem zu entkommen:

  • Borrelien können in Zellen eindringen und sich dort vor den Antikörpern verstecken. Sie können diese Zellen jederzeit wieder verlassen und – durch die Ablagerung neuer Komplexe – einen neuen Krankheitsschub auslösen.
  • Borrelien können sich ständig leicht verändern und entkommen so den Antikörpern.

Ansteckung

Mit Borrelien infizierte Zecken übertragen die Bakterien frühestens 12 Stunden nach Beginn ihrer Blutmahlzeit. Die Symptome der Infektion treten dann erst Wochen bis Monate nach dem Stich auf.

Eine Infektion mit Borreliose erfolgt nur über Zecken. Borrelien können nicht direkt von Hund zu Hund oder vom Hund auf den Menschen übertragen werden.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Grundsätzlich scheinen Hunde eine geringe Empfänglichkeit gegenüber Borreliose-Erregern zu besitzen. Es wird vermutet, dass nur etwa 1% aller infizierten Hunde jemals Symptome zeigen, obwohl in einigen Regionen bis zu 100% der Hunde mit Borrelien infiziert sind. Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Muskelschmerzen sind die beim Menschen am Anfang einer Borreliose beschriebenen Symptome. Man vermutet, dass diese Beschwerden auch bei Hunden auftreten, aber nur selten bemerkt werden.

Deutliche Symptome können beim Hund aber durch die Bildung der Antigen-Antikörper-Komplexe entstehen. Wenn diese sich in verschiedenen Organen ablagern, führen sie dort zu Entzündungen. Am häufigsten werden Lahmheiten beobachtet, die durch Gelenkentzündungen hervorgerufen werden. Ein oder mehrere Gelenke sind geschwollen und schmerzhaft. Die Gelenkentzündung kann auch "wandern" und wechselseitig auftreten. Häufig verschwinden die Symptome nach ein paar Tagen, können aber schubweise erneut auftreten. Bei einigen Hunden entwickelt sich ein Nierenschaden im Rahmen einer Borreliose. Davon sollen Berner Sennenhunde und Retriever häufiger betroffen sein.

Die beim Menschen beschriebenen Hautveränderungen an der Stichstelle der Zecke (Erythema migrans) treten beim Hund nicht auf. Manchmal kann die Haut um die Stichstelle gerötet und geschwollen sein, zu einer ringförmigen Ausbreitung der Rötung kommt es aber nicht.

Diagnose

Die Diagnose Borreliose ist schwierig und selten eindeutig zu stellen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um sicher von einer Erkrankung durch Borrelien auszugehen:

  1. Die oben beschriebenen Symptome treten auf.
  2. Den Krankheitserscheinungen ist ein Befall mit Zecken vorausgegangen (wird nicht in jedem Fall bemerkt).
  3. Es liegt ein positiver Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien vor.
  4. Direkter Nachweis der Borrelien gilt als beweisend, gelingt aber nicht immer. Als Methoden stehen der Nachweis von Borrelien-Erbgut durch eine so genannte PCR zur Verfügung oder der kulturelle Nachweis lebender Borrelien durch Anzüchtung.
  5. Ausschluss einer anderen Erkrankung.
  6. Behandlung führt zu einer deutlichen Besserung der Symptome.

Der Nachweis der Antikörper oder der Borrelien im Blut ist jedoch sehr schwierig. Obwohl sehr aufwändige Verfahren entwickelt wurden, ist das Ergebnis nie 100% zuverlässig. Hinzu kommt, dass ein positives Ergebnis zwar eine Infektion mit dem Erreger nachweist, aber nicht, ob der Hund sich gerade jetzt damit auseinandersetzt oder die Infektion bereits vor längerer Zeit bekämpft hat. Es kann sinnvoll sein, verschiedene Untersuchungsverfahren zu kombinieren, um die Aussagekraft zu verbessern.

Viele Fachleute vermuten, dass die Krankheit Borreliose häufig falsch diagnostiziert wird und bezeichnen sie als „Mode-Krankheit“. Verschiedenen Untersuchungen zufolge erkranken nur die wenigsten mit Borrelien infizierten Hunde tatsächlich.

Wenn ein Hund eine Gelenkentzündung zeigt, kann sein Gelenk punktiert werden. Dabei wird Gelenkflüssigkeit entnommen und auf Entzündungszellen und Bakterien untersucht. Der Nachweis von Borrelien ist aber auch in der Gelenkflüssigkeit schwierig und gelingt nicht in jedem Fall.

Behandlung

Die Behandlung einer Borreliose erfolgt mit Antibiotika und muss über mindestens 30 Tage durchgeführt werden. Die Therapie führt zu einer Besserung der Symptome, kann aber nicht in jedem Fall alle Erreger erfolgreich beseitigen, da Borrelien sich in verschiedenen Zellen – bevorzugt in der Gelenkkapsel oder in Hautzellen um die Stichstelle der Zecke – verstecken können. Diese Orte sind auch mit einem hoch dosierten Antibiotikum nur schwer zu erreichen. Daher muss die Behandlung auch über den genannten langen Zeitraum durchgeführt werden, um möglichst viele Erreger zu beseitigen. Meistens werden zusätzlich entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente verabreicht.

Während der akuten Lahmheitsphase sollte die Bewegung des Hundes eingeschränkt werden, um die entzündeten Gelenke zu schonen. Im Anschluss kann ein Trainingsprogramm z.B. durch Physiotherapie sinnvoll sein.

Prognose

Die vollständige Heilung einer Borreliose ist schwierig. Die in den Zellen überlebenden Bakterien können jederzeit die Zellen verlassen und einen neuen Krankheitsschub auslösen. Außerdem kann sich der Hund jederzeit wieder über einen erneuten Zeckenstich mit Borrelien infizieren.

Vorbeugung

Zeckenbefall kann mit Hilfe von Spot-on-Präparaten oder auch insektizidhaltigen Halsbändern relativ sicher vermieden werden. Diese Schutzmaßnahmen sollten ergriffen werden, sobald die Außentemperatur über 7°C liegt, da dann die Zecken aktiv werden. Die Wirkungsdauer der genannten Maßnahmen beträgt etwa 3 – 4 Wochen. Das Absammeln von Zecken nach einem Spaziergang ist kein sicherer Schutz, da häufig auch bei gründlicher Suche Zecken übersehen werden!

Derzeit sind in Deutschland zwei verschiedene Impfstoffe gegen die Borreliose des Hundes erhältlich. Die Wirksamkeit dieser Impfungen ist unter Experten jedoch umstritten. Einer der Impfstoffe wurde in den USA entwickelt und ist gegen die dort hauptsächlich vorhandenen Bakterien Borrelia burgdorferi sensu stricto wirksam. Der Impfschutz bietet daher in Europa nur einen eingeschränkten Schutz. Seit Ende November 2009 ist ein Impfstoff gegen die in Europa häufig vorkommenden Borrelien-Spezies Borrelia afzelii und Borrelia garinii erhältlich (s. Allgemeines), über dessen praktische Anwendung noch wenig Erfahrungen vorliegen. Ein Wechsel der Impfstoffe scheint möglich zu sein, es wird jedoch eine neue Grundimmunisierung notwendig. Jeder Tierhalter sollte in Absprache mit seinem Tierarzt entscheiden, ob eine Borreliose-Impfung für seinen Hund notwendig ist.

Grundsätzlich wird empfohlen, vor einer Impfung sicherzustellen, dass der Hund sich nicht bereits mit Borrelien auseinandersetzt, also bereits Bakterien aufgenommen hat und Antikörper gegen diese bildet. In diesem Fall sollte nicht geimpft werden, da mit starken Nebenwirkungen zu rechnen ist. Da der Nachweis von Borrelien relativ schwierig ist, ist eine Infektion allerdings nie sicher auszuschließen. Bei Vorliegen einer aktuellen Infektion, auch ohne dass klinische Symptome vorliegen, empfehlen einige Wissenschaftler eine 4-wöchige Antibiotika-Therapie an dessen Ende die Impfung stattfinden sollte.

Tipps

Bei Hunden mit sehr trockener Haut wirken die beim Tierarzt erhältlichen Spot-on-Präparate eventuell kürzer als auf der Packungsbeilage angegeben. Wiederholen Sie die Behandlung früher, falls Sie merken, dass der Zeckenschutz abnimmt!

Stand: 10.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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