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Hund: Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Pankreatitis, Bauchspeicheldrüsenentzündung

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt zwischen Magen und Darm und hat zwei Aufgabenbereiche. Im so genannten endokrinen (nach innen wirkenden) Teil werden die Hormone Insulin und Glucagon produziert, die für die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten notwendig sind. Störungen des endokrinen Pankreas führen beispielsweise zu Diabetes mellitus. Aus dem exokrinen (nach außen wirkenden) Teil der Drüse stammen die meisten Verdauungsenzyme, die in den Magen-Darm-Trakt eingeleitet werden und dort bei der Verdauung der Nahrung benötigt werden. Neben der hier beschriebenen Bauchspeicheldrüsenentzündung liegt auch bei einer Bauchspeicheldrüsenunterfunktion eine Störung des exokrinen Pankreas vor.

Bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kommt es zu einer Selbstverdauung des Organs. Die Verdauungsenzyme werden nicht erst im Darm aktiviert, sondern bereits vorzeitig im Drüsengewebe. So entsteht eine Entzündung. Dabei gelangen Verdauungsenzyme und Botenstoffe der Entzündung auch in den Blutkreislauf und können Entzündungen an anderen Organen, Schock und schließlich ein so genanntes Multiorganversagen hervorrufen.

Eine Pankreatitis kann akut oder chronisch verlaufen, grundsätzlich tritt die akute Form beim Hund deutlich häufiger auf, bzw. sie wird häufiger diagnostiziert.

Abb. GL9B95B1
Abb. GL9B95B1: Lage der Bauchspeicheldrüse im Magen-Darm-Trakt.

Ursachen

Die genaue Ursache für die Entzündung der Bauchspeicheldrüse bleibt meist ungeklärt, folgende Faktoren sind jedoch häufig an der Entstehung beteiligt:

Leitsymptom

  • Erbrechen
  • Durchfall

Symptome

Die Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind relativ unspezifisch, d.h. sie können auch durch andere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts hervorgerufen werden.

Milde Verläufe bleiben häufig ohne deutliche Symptome, die Tiere sind einfach nur schlapp und haben wenig Appetit. Diese Verläufe werden daher häufig nicht als Pankreatitis erkannt.

Bei schweren Verläufen zeigen die meisten Hunde Erbrechen, auch allgemeine Schwäche, Durchfall, Bauchschmerzen, Futterverweigerung und Fieber treten auf. Sehr schwere Erkrankungen verursachen Schocksymptome und können tödlich enden. Der Übergang zwischen diesen Formen ist fließend und nicht vorhersehbar. Chronische Entzündungen haben meist einen milderen Verlauf.

Diagnose

Die Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung kann schwierig sein, weil die Symptome in den meisten Fällen auf verschiedene Erkrankungen des Bauchraums hinweisen. Durch Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen können einige Erkrankungen ausgeschlossen werden, eine sicher Diagnose der Pankreatitis ist durch diese Untersuchungsmethode jedoch nicht möglich. Am zuverlässigsten scheint die Diagnose derzeit mit Hilfe eines relativ neuen Bluttests möglich zu sein. Bei diesem wird ein bestimmtes Enzym des Pankreas nachgewiesen, das bei Pankreatitis erhöht ist (cPLI).

Auch eine so genannte Probelaparatomie kann zur Diagnose eingesetzt werden. Dabei wird die Bauchhöhle des Hundes unter Vollnarkose eröffnet, um alle Bauchhöhlenorgane gründlich untersuchen zu können.

Ein weiteres Verfahren zum Nachweis einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Untersuchung einer oder mehrerer Gewebeproben (Biopsie). Dazu kann mit einer Hohlnadel in die Bauchspeicheldrüse gestochen werden und etwas Zellmaterial angesaugt werden. Die Zellen werden dann unter dem Mikroskop auf Entzündungszellen und weitere Veränderungen untersucht. Da meistens nur einige Bereiche der Bauchspeicheldrüse entzündet sind, kann es auch bei Entnahme mehrerer Biopsien passieren, dass nur gesundes Gewebe entnommen wird.

Behandlung

Wenn der Hund sich übergeben muss, sollte er umgehend Medikamente bekommen, um das Erbrechen zu stillen. Für die Zeit des Erbrechens muss der Hund durch Infusionen ernährt werden. Jede Gabe von Futter und auch Wasser sollte währenddessen vermieden werden. Wenn das Erbrechen zum Stillstand gekommen ist, sollten häufig kleine Mengen Wasser und Elektrolytlösungen gegeben werden. Später kann kommerzielles Diätfutter oder auch eine selbstgekochte Mahlzeit in in vielen kleinen Portionen gefüttert werden. Wichtig ist, das es sich um kohlenhydratreiches Futter ohne Fett und Eiweiß handelt. Das Anfüttern sollte nur nach genauer Anweisung des Tierarztes erfolgen! Man muss aber bedenken, dass ein Hund mit Pankreatits viel Energiezufuhr benötigt, da die Krankheit die Verdauung stört und sehr kräftezehrend ist.

Da eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse extrem schmerzhaft ist, muss der Hund unbedingt mit Schmerzmitteln versorgt werden. Das gilt auch dann, wenn die Schmerzen sich nicht so eindeutig zeigen. Medikamente gegen das Erbrechen können auch verabreicht werden, wenn der Hund aus Übelkeit keinen Appetit hat. Verschiedene weitere Medikamente oder Infusionen mit Blutplasma können im Einzelfall helfen, gelten aber nicht als Standardtherapie der Pankreatitis.

Neben der beschriebenen symptomatischen Therapie gilt es die Ursache für die Entzündung herauszufinden oder einige Risikofaktoren zu ermitteln und – nach Möglichkeit – zu beseitigen.

Prognose

Grundsätzlich kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung mild oder schwer verlaufen. Nur bei einer milden Verlaufsform ist die Prognose gut, schwere Verlaufsformen enden häufig tödlich.

Akute Entzündungen können durch erfolgreiche Behandlung komplett beseitigt werden, so dass die Bauchspeicheldrüse danach wieder vollständig gesund ist. Chronische Verläufe führen immer zu narbigen Veränderungen in der Drüse, die die Funktion des Organs dauerhaft einschränken. Mit klinischen Symptomen durch die Unterfunktion ist allerdings erst bei Ausfall von etwa 90% des Drüsengewebes zu rechnen.

Vorbeugung

Vermeiden Sie das Füttern von Tischabfällen: Bereits eine einzige fettreiche Mahlzeit kann eine Pankreatitis auslösen!

Stand: 29.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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