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Hund: Bandscheibenvorfall

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Diskusprolaps

Unter dem Begriff Bandscheibenvorfall werden beim Hund auch Dackel- oder Teckellähme sowie Diskushernie oder ganz generell Diskopathien (Bandscheibenschäden) verstanden.

Die Wirbelsäule des Hundes besteht aus den verschiedenen Abschnitten Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Schwanzwirbeln. Jeder Wirbelsäulenbereich wird durch verschieden ausgebildete Wirbel gebildet, die jedoch grundsätzlich immer aus dem Wirbelkörper und den Wirbelfortsätzen bestehen. Vom Hals bis zum Becken wird so die knöcherne Hülle des Rückenmarks gebildet. Das Rückenmark entlässt seitlich zwischen den einzelnen Wirbeln Nervenäste zur Reizweiterleitung an Muskulatur und Organe. Um die reibungslose Bewegung der Wirbelsäule zu ermöglichen, liegen Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben, Disci intervertebrales) wie Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln. Jede Bandscheibe besteht aus einem weichen Kern (Gallertkern, Nucleus pulposus) der von einem außen liegenden Faserring (Anulus fibrosus) umhüllt ist und so in Form gehalten wird. Wirbelkörper, Bandscheiben und Rückenmark bilden sozusagen eine Einheit, die von außen durch Muskulatur, Bänder und Sehnen stabilisiert wird.

Abb. FZFVJV35
Abb. FZFVJV35: Längsschnitt durch die Wirbelsäule mit Lage der Bandscheiben.
Abb. FZCZ3KEW
Abb. FZCZ3KEW: Querschnitt durch eine Wirbelsäule mit Lage der Bandscheibe.
Bei einem Bandscheibenvorfall ist die Stabilität des Faserrings nicht mehr ausreichend. Durch einen instabilen oder sogar gerissenen Faserring kann sich der Nucleus pulposus in den Wirbelkanal vorwölben und auf das Rückenmark oder die abgehenden Nerven drücken. Zusätzlich kommt es durch Druck auf die umgebenden Bänder zu einer Reizung von Schmerzrezeptoren. Je nachdem welcher Bereich der Wirbelsäule betroffen ist, also welche Nerven geschädigt werden, kommt es zu Schmerzen, Lähmungen und Ausfallerscheinungen.

Es gibt verschiedene Ausprägungen von Bandscheibenvorfällen: man unterscheidet zwischen Vorwölbung (Protrusion), Vorfall (Prolaps) oder Massenvorfall (mehrere Bandscheiben sind betroffen).

Abb. FZCZ68BO
Abb. FZCZ68BO: Lokalisation von Bandscheibenvorfällen.
a Aufsicht auf einen seitlich (lateral) erfolgten Prolaps. Der eingerissene Faserring kann das Bandscheibengewebe nicht mehr zwischen den Wirbelkörpern halten. Das Bandscheibengewebe tritt aus und drückt auf den Inhalt des Rückenmarkskanals. b Mehr mittig (medial) gelegener Prolaps, der zu ähnlichen Beschwerden führt.

Ursachen

Die Hauptursache für Bandscheibenvorfälle ist der normale Alterungsprozess (Degeneration) der Bandscheibe. Zu Beginn eines Hundelebens werden die Bandscheiben noch über Blutgefäße mit Nährstoffen versorgt. Diese Blutgefäße bilden sich jedoch zurück, so dass nur noch eine wesentlich langsamere Diffusion (Konzentrationsausgleich) von Nährstoffen stattfindet. Der vorher weiche Kern der Bandscheibe wird durch den reduzierten Stoffwechsel langsam faseriger und härter. Der außen gelegene Faserring nutzt sich zusätzlich im Laufe des Lebens ab, wird dünner und brüchiger. Diese degenerativen Prozesse treten bei allen Hunderassen gleichermaßen auf. Klinische Symptome treten meist zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr in Erscheinung.

Einige Hunderassen wie Dackel, Pekinese, Spaniel und Pudel sind jedoch besonders häufig und bereits im frühen Lebensalter von Bandscheibenvorfällen betroffen. Man nennt diese Rassen chondrodystroph, es liegt eine angeborene Stoffwechselstörung im Knorpel vor. Bei diesen Patienten beginnen die Veränderungen der Bandscheibe bereits in den ersten Lebensjahren, da die Versorgung mit Nährstoffen von Anfang an zu gering ist.

Leitsymptom

  • Rückenschmerzen

Symptome

Das Hauptsymptom von Bandscheibenvorfällen sind Schmerzen, die meist sehr plötzlich auftreten. Daneben variieren die Symptome stark, je nach betroffener Region der Wirbelsäule.

Bandscheibenvorfälle im Halswirbelbereich führen in erster Linie zu starken Schmerzen. Die Hunde versuchen, sich möglichst wenig zu bewegen, sie zeigen einen steifen Hals und dulden kaum eine Berührung. Teilweise treten Bewegungsstörungen, Lahmheit und Lähmungen auch an den Vorderbeinen auf. Erst massiv ausgeprägte Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule führen zu Ausfällen an den Hinterbeinen.

Bandscheibenvorfälle in der Brust- und Lendenwirbelsäule führen ebenfalls zu starken Schmerzen, meistens verbunden mit Bewegungsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes: Der Rücken wird stark aufgekrümmt, die Hinterbeine werden ungleichmäßig belastet und der Gang des Hundes kann schwankend sein. Bei sehr ausgeprägten Vorfällen wird das Rückenmark so geschädigt, dass es zu Lähmungen beider Hinterbeine kommen kann.

Da auch Blase und Darm von den Nerven aus dem Wirbelkanal versorgt werden, treten auch an diesen Organen Störungen, wie beispielsweise Inkontinenz, auf. Umgekehrt kann auch die Entleerung gestört sein, der Hund ist also unfähig, Harn abzusetzen.

Lähmungen äußern sich zum einen in der Unfähigkeit, sich zu bewegen (Motorik). Zum anderen kann auch das Gefühl, also die Sensibilität gestört sein. Dies äußert sich in Taubheit in einem Gebiet. Eine gestörte Sensibilität weist meistens auf einen schweren Bandscheibenvorfall hin. Bei längerem Bestehen eines Bandscheibenvorfalls bilden sich die Muskeln in der betroffenen Region zurück.

Abb. FZ5ERH2G
Abb. FZ5ERH2G: Bandscheibenvorfall.
Bei diesem Hund führt ein Bandscheibenvorfall zu Lähmungen an beiden Hinterbeinen.

Diagnose

Beim Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall werden verschieden Untersuchungsverfahren eingesetzt, um den genauen Ort und Schweregrad zu ermitteln:

Klinische Untersuchung: Bei einer klinischen Untersuchung des Hundes werden Schmerzhaftigkeit, Bewegungsstörungen, Lähmungen und andere neurologische Erscheinungen wie z.B. Reflexe überprüft.

Röntgenuntersuchung: Als erste weiterführende Untersuchung wird meist eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Auf dem Röntgenbild erkennt man knöcherne Veränderungen an den Wirbeln und den Wirbelgelenken (z.B. Spondylosen), außerdem Hinweise auf einen Bandscheibenvorfall wie Verengung oder Verkeilung des Zwischenwirbelspaltes, in dem die Bandscheibe liegt. Auch können bestimmte Alterungsprozesse in der Bandscheibe, wie z.B. Verkalkungen sichtbar gemacht werden. Diese Untersuchung eignet sich besonders dafür, eine Überblick zu erhalten und den erkrankten Bereich näher einzugrenzen. Die Untersuchungszeit für weiterführende bildgebende Verfahren (s.u.) wird dadurch verkürzt. Bei chondrodystrophischen Rassen finden sich auf dem Röntgenbild allerdings häufig sehr viele Veränderungen, die nicht alle für die augenblicklich schmerzhafte Situation des Hundes verantwortlich sein müssen. Um die Diagnose zu sichern, sollten daher weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

Myelographie: Bei der Myelographie wird ein Kontrastmittel in den Rückenmarkkanal gespritzt. Auf dem Röntgenbild ist ein Bandscheibenvorfall dannn als Einengung des Kanals sichtbar.

Computertomographie (CT) stellt besonders gut die knöchernen Strukturen, also die Wirbelkörper, dar. Im Gegensatz zum einfachen Röntgen erhält man ein dreidimensionales Bild des erkrankten Bereichs. In Kombination mit den oben erwähnten Kontrastmitteln können Bandscheibenvorfälle so sehr gut diagnostiziert werden (so genannte Myelo-CT).

Magnetresonanztomographie (MRT) eignet sich besonders gut für die Darstellung von weichen Geweben wie Bandscheibe und Rückenmark und kommt daher bei Bandscheibenvorfällen zunehmend zum Einsatz.

Bei vielen dieser Untersuchungsmethoden ist eine kurze Narkose des Patienten notwendig, damit der Hund gerade und ruhig liegen bleibt.

Abb. FZ5EWPXQ
Abb. FZ5EWPXQ: Untersuchung bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall.
Dieser Patient wird gerade in den CT geschoben.

Anhand der radiologischen Befunde werden Bandscheibenvorfälle in zwei Grade eingeteilt:

  • Bei Grad 1 ist der außen gelegene Faserring noch intakt und nur vorgewölbt. In diesem Fall treten Schmerzen auf, Lähmungserscheinungen sind deutlich seltener.
  • Bei Grad 2 ist der Faserring gerissen, der Kern der Bandscheibe ist in den Rückenmarkskanal vorgefallen und übt starken Druck auf das Nervengewebe aus. In diesen Fällen kommt es zu Lähmungserscheinungen. Der Hund kann seine Hinterbeine meist nicht mehr kontrolliert bewegen.

Abb. FZ5EZAZB
Abb. FZ5EZAZB: MRT-Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls beim Hund.
Der rote Pfeil zeigt bei dieser MRT-Aufnahme auf einen deutlichen Vorfall der Bandscheibe (C). Die Bandscheibe drückt dadurch auf das Rückenmark (B), das von den Wirbelkörpern (A) umgeben wird.

Behandlung

Grundsätzlich wird zwischen einer konservativen und einer chirurgischen Behandlung unterschieden. Beide Behandlungsverfahren sind um so erfolgreicher, je früher sie eingeleitet werden. Ein abwartendes Verhalten kann zu irreparablen Schädigungen des Nervengewebes führen. Daher kann es sinnvoll sein, sich bei Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls direkt an eine spezialisierte Klinik zu wenden, um nicht unnötig Zeit zu verlieren.

Konservative Behandlung

Eine konservative Behandlung ist meist nur bei geringgradigen Symptomen sinnvoll. Die Hunde müssen mindestens eine Woche, häufig auch bis zu vier Wochen strikt im Käfig ruhig gestellt werden, um eine Verschlimmerung des Vorfalls zu vermeiden. Abschwellende und schmerzlindernde Medikamente können verabreicht werden, allerdings können Schmerzmittel dazu führen, dass der Hund sich wieder mehr bewegt. Auch Kortisone kommen bei einigen Bandscheibenvorfällen zum Einsatz. Anschließend sind weitere Bewegungseinschränkungen (Leinenzwang, kein Springen oder Treppenlaufen) und ein gezieltes Muskeltraining z.B. durch Physiotherapie und Schwimmen notwendig.

Chirurgische Behandlung

Bandscheibenvorfälle größerer Schwere oder wiederholt auftretende milde Vorfälle bedürfen einer chirurgischen Behandlung. Ziel einer jeden Bandscheibenoperation ist es, das vorgefallene Bandscheibenmaterial zu entfernen und damit den Druck auf das Rückenmark oder die Nerven zu beseitigen. Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach betroffener Wirbelregion und Ausmaß des Vorfalls vom Operateur individuell gewählt werden.

Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist insbesondere die Nachsorge. Physiotherapie und Schwimmen sind wichtige Maßnahmen zum Muskeltraining und zur Vermeidung von Gelenkversteifungen. Alternative Heilmethoden wie Akupunktur können ebenfalls unterstützend wirken. Hunde, die zunächst noch nicht wieder gehen können, müssen ein weiches Lager bekommen, damit sie keine Druckstellen entwickeln. Auch auf den Harn- und Kotabsatz muss geachtet werden. Dieser kann medikamentell erleichtert werden, in Einzelfällen ist aber auch eine manuelle Unterstützung notwendig.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig vom Schweregrad der Ausfallerscheinungen und den ergriffenen Behandlungsmaßnahmen. Wird der Hund umgehend behandelt und ggf. operiert, hat er eine günstige Prognose. Je ausgeprägter die Ausfallerscheinungen sind, um schlechter wird die Prognose. Bei Hunden, die bereits einige Tage Lähmungserscheinungen bei gleichzeitiger Taubheit der Gliedmaßen aufweisen, ist die Prognose eher schlecht und eine Einschläferung sollte in Erwägung gezogen werden. Nur wenige dieser Hunde werden wieder laufen können. Eine intensive Pflege wird notwendig sein, um Wundliegen zu vermeiden und Blasen- und Darmentleerungen durchzuführen.

Größere Hunde weisen häufig eine etwas schlechtere Prognose auf. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Besitzer den Hund aufgrund seines höheren Gewichts weniger gut entlasten (z.B. tragen) und trainieren können.

Vorbeugung

Besitzer der so genannten chondrodystrophischen Rassen sollten Sie Ihren Hund grundsätzlich lieber die Treppen hoch- und vor allem heruntertragen, da hierbei die Bandscheiben extrem belastet werden.

Bei Hunden aller anderen Rassen gilt: Jedes Gramm Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich! Oft ist es schwierig, das Gewicht des eigenen Hundes zu beurteilen. Ihr Tierarzt kann Ihnen bei der Einschätzung jedoch helfen und bei Übergewicht auch Tipps zur Gewichtsreduktion geben.

Stand: 06.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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20.02.2014: tarachan
es ist eine Unwahrheit wenn Tierärzte und die Menschen sagen, einschläfern das Tier oder ist eingeschlafen oder er sie es wird eingeschläfert!!!!!!

NEIN DAS TIER ODER DER MENSCH SCHLÄFT MIT SICHERHEIT NICHT; ER IST ERMORDET WORDEN; ERLÖST UND ERLÖSUNG WIRD AUCH GESAGT

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