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Hund: Autoimmunerkrankungen der Haut

Allgemeines

Insgesamt sind Autoimmunerkrankungen der Haut beim Hund selten. Folgende Erkrankungsbilder wurden beim Hund beschrieben : Pemphigus vulgaris, Pemphigus foliaceus, Pemphigus erythematodes (Pemphigus erythematosus), Pemphigus vegetans, bullöses Pemphigoid, Lupus erythematodes, Uveodermatologisches Syndrom

Bei Autoimmunerkrankungen der Haut liegt eine Störung im Abwehrsystem des Hundes vor. Dieses erkennt das eigene Gewebe nicht, sondern stößt es als körperfremden Bestandteil ab. Dazu bildet es z.B. Antikörper gegen körpereigene Gewebe, die dann Autoantikörper heißen.

Diese Abstoßungsreaktion liegt allen Autoimmunerkrankungen der Haut zugrunde. Die unterschiedlichen Namen dieser Erkrankungen beruhen auf den verschiedenen Zellen der Haut und den Körperregionen, die von der Abstoßungsreaktion betroffen sein können.

Ursachen

Die genauen Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind bisher nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass sie u.a. als Reaktion auf Virusinfektionen, Medikamente, UV-Strahlen, Tumorerkrankungen und chemische Substanzen entstehen können. Auch genetische Ursachen sind möglich.

Je nach Art der Veränderung teilt man die Erkrankungen hauptsächlich in zwei große Gruppen ein: Die Autoimmunerkrankungen des Pemphigus-Komplexes und die Erkrankungen, die dem Lupus erythematodes zugeordnet werden.

Pemphigus-Komplex: Bei diesen Erkrankungen sorgen die Autoantikörper dafür, dass sich die Verbindung zwischen den obersten Hautschichten auflöst. So entstehen Blasen in der Haut. Für die weitere Einteilung der Pemphigus-Erkrankungen ist entscheidend, welche der einzelnen Zellschichten sich ablöst.

Die häufigste Autoimmunkrankheit der Haut ist der Pemphigus foliaceus. Er kann sich aus einer chronischen Hautentzündung entwickeln oder tritt nach Medikamentengabe auf. Einige Hunderassen weisen eine Prädisposition für diese Erkrankung auf.

Lupus erythematodes: Der Lupus betrifft nicht nur die Haut, sondern kann auch mit Antikörperbildung gegen Gelenke, Blutbestandteile und innere Organe einhergehen. Er ist eine so genannte Multiorganerkrankung. Die Antikörper zerstören das Gewebe oder führen zu Entzündungen in kleinen Blutgefäßen. Einige Hunderassen sind offenbar gehäuft von dieser Erkrankung betroffen.

Neben diesen beiden großen Gruppen existieren noch weitere Autoimmunerkrankungen der Haut, die aber noch seltener auftreten. Zu ihnen gehören Erkrankungen, die zu Blasenbildung in den tiefen Hautschichten führen und damit zu tiefen Geschwüren (z.B. das bullöse Pemphigoid). Außerdem wurde das uveodermatologische Syndrom beschrieben. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der Entfärbung und Krustenbildung an Nase, Ohren, Lefzen und Augenlidern gleichzeitig mit einer Entzündung im Inneren der Augen auftreten. Die Entzündung der inneren Strukturen im Auge führt unbehandelt zu Erblindung.

Ansteckung

Autoimmunerkrankungen sind nicht ansteckend.

Leitsymptom

  • Hautveränderungen
  • Blasenbildung
  • Krustenbildung

Symptome

Je nachdem gegen welche Zellen sich das Abwehrsystem richtet, kommt es zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen.

  • Pemphigus foliaceus: Diese Form tritt beim Hund am häufigsten auf. Rassen wie der Akita, Spitz, Chow-Chow, Dobermann und Dackel sind besonders häufig betroffen. Zu Beginn zeigen sich Pusteln, die schnell aufbrechen und Krusten bilden. Es kommt zu hochgradigen Hautveränderungen meist an Pfoten, Krallen, Gesicht und Ohren. Aber auch eine großflächige Hautabstoßung am ganzen Körper ist möglich. Die Tiere entwickeln häufig Fieber und wollen nicht mehr fressen.
  • Pemphigus erythematosus (auch Pemphigus erythematodes): Die Hautveränderungen beschränken sich auf Augen, Nase und Ohren und sind milder als beim Pemphigus foliaceus.
  • Pemphigus vulgaris: Diese Form tritt bei Hunden sehr selten auf. Hauptsächlich kommt es zu Abstoßungsreaktionen an den Schleimhäuten. Fieber und Appetitlosigkeit begleiten häufig die Erkrankung.
  • Systemischer Lupus erythematodes: Die Symptome dieser Erkrankung richten sich danach, welche Organe betroffen sind. Wiederholte Fieberschübe, Lahmheit und Veränderungen im Blutbild sind häufig anzutreffen. In etwa 50% der Fälle ist die Haut mitbetroffen. Symptome der Haut reichen von Schuppenbildung über Rötung, Haarausfall bis hin zu großflächigen Hautgeschwüren und Krustenbildung. Meistens sind die Veränderungen an den Schleimhäute besonders stark ausgeprägt. Wenn nur die Haut betroffen ist, spricht man auch von einem kutanen Lupus erythematodes.
  • Diskoider Lupus erythematodes: Diese Form ist auf die Haut beschränkt. Hauptsächlich betroffen ist die Nase. Die Erkrankung kann mit Entfärbung der Haut beginnen, später kommen offene Stellen und Krusten hinzu.
Abb. FZ5EI3K7
Abb. FZ5EI3K7: Leicht ausgeprägter Pemphigus foliaceus am Nasenspiegel.

Diagnose

Eine klinische Verdachtsdiagnose wird meist bereits durch das Aussehen und das Verteilungsmuster der Hautveränderungen gestellt.

Anfangs liegen charakteristische Bläschen vor. Sehr schnell siedeln sich jedoch zusätzlich Bakterien auf der vorgeschädigten Haut an und führen zu so genannten Sekundärinfektionen, die das typische Aussehen verdrängen und eitrige Pusteln und Krusten entstehen lassen. Das klinische Bild ähnelt dann einer Pyodermie.

Die endgültige Diagnose einer Autoimmunerkrankung der Haut wird mit Hilfe einer Biopsie gestellt. Meist erfolgt die Biopsieentnahme unter Vollnarkose. In speziellen Labors werden die Hautveränderungen und die beteiligten Zellen unter dem Mikroskop beurteilt. In einigen Fällen kann die Abstoßungsreaktion der körpereigenen Zellen mit Hilfe einer so genannten immunhistologischen Untersuchung in der Probe sichtbar gemacht werden.

Beim systemischen Lupus erythematodes treten auch Veränderungen im Blutbild auf, die auf diese Erkrankung hindeuten. Zusätzlich gibt es spezielle Tests, die Autoantikörper in einer Blutprobe nachweisen können (z.B. ANA-Test).

Behandlung

Um Autoimmunerkrankungen zu behandeln, muss das Abwehrsystem des Hundes so weit geschwächt werden, dass es die eigenen Zellen nicht mehr als körperfremd erkennt. Dazu werden so genannte Immunsuppressiva eingesetzt. Das bekannteste immunsuppressive Medikament ist Kortison. Besonders am Anfang der Behandlung sind sehr hohe Dosierungen von Kortison notwendig, um ein Abklingen der Symptome zu erreichen. Langfristig kann dann versucht werden, die Dosis zu verringern, um die starken Nebenwirkungen von Kortison zu vermeiden. Ziel ist es, die Dosis herauszufinden, bei der das Abwehrsystem gerade noch die eigenen Hautzellen toleriert. Bei nur begrenzten Hautveränderungen, beispielsweise auf der Nase, kann dies auch durch das Auftragen von Salben erreicht und so die Gabe von Tabletten oder Injektionen vermieden werden.

Wenn die Gabe von Kortison keine ausreichende Wirkung zeigt, kann sie mit Zytostatika aus der Tumortherapie kombiniert werden.

Die meist bestehende Sekundärinfektion mit Bakterien bedarf in der Regel einer Behandlung mit Antibiotika.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass UV-Licht einen Einfluss auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen hat, sollten betroffene Hunde möglichst wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Man kann auch Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Prognose

Die Heilung einer Autoimmunerkrankung ist nicht möglich, eine lebenslange Therapie ist notwendig. Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie können Leberschäden, Knochenmarkschäden, allgemeine Anfälligkeit für Infektionserkrankungen und Magengeschwüre sein.

Die Prognose richtet sich auch nach der Art der Autoimmunerkrankung. Pemphigus erythematosus, diskoider Lupus erythematodes und bullöses Pemphigoid haben eine etwas bessere Prognose während Pemphigus vulgaris und systemischer Lupus erythematodes eine schlechte Prognose haben.

ACHTUNG

Während der Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten sollten in regelmäßigen Abständen die Blutwerte überprüft werden, um mögliche Nebenwirkungen wie Schäden der Leber oder des Knochenmarks frühzeitig zu erkennen.

Stand: 27.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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