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Hund: Arthrose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: degenerative Gelenkerkrankung, Osteoarthrose

Arthrosen sind chronische, so genannte degenerative Gelenkveränderungen, die zu Schmerzen und zunehmender Bewegungseinschränkung des Gelenk führen. Sie sind ein häufiger Befund gerade älterer Tiere. Im Gegensatz zur Arthritis (Gelenkentzündung) ist bei der Arthrose das Gelenk nicht entzündet. Eine Arthrose kann aber aus einer Arthritis hervorgehen. Ebenso ist es möglich, dass die Gelenkveränderungen bei der Arthrose eine Entzündung verursachen. In diesem Fall liegen dann beide Krankheitsbilder gleichzeitig im gleichen Gelenk vor. Diese Überschneidungen haben dazu geführt, dass die Begriffe nicht immer sauber getrennt verwendet werden.

Um die Vorgänge, die sich bei diesen Gelenkveränderungen abspielen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen.

Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:
  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern

Abb. G61ZLPZ7
Abb. G61ZLPZ7: Schematischer Aufbau eines Gelenks

Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie die meisten andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Gelenkflüssigkeit ist also extrem wichtig für das Funktionieren eines Gelenks. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Dies wird unter anderem durch Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Die Gelenkflüssigkeit wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran gebildet.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Ursachen

Arthrose können aus ganz verschiedenen Ursachen entstehen. Sie können sich an allen Gelenken entwickeln, also nicht nur an den Gliedmaßen, sondern auch an der Wirbelsäule. Folgende Faktoren sind häufig an der Entstehung von Arthrosen beteiligt:

Eine Arthrose ist zunächst immer eine Erkrankung des Gelenkknorpels. Alle oben genannten Ursachen führen über kurz oder lang zu einer Beeinträchtigung des Gelenkknorpels. Er wird entweder direkt verletzt, angegriffen oder allmählich abgenutzt. Es entstehen Defekte und Risse im Knorpel, auf die der darunterliegende Knochen mit Umbauvorgängen reagiert. Der geschädigte Knorpel wird weiter abgebaut und der Knochen bildet stattdessen Knochenmaterial, das in den Gelenkspalt hineinragt. Dieses Knochenmaterial scheuert im Gelenk, weil die Oberfläche des Knochens viel rauer ist als die des Knorpels. Weiterer Knorpel wird durch die Reibung verletzt und so unterhält sich die Erkrankung in einer Art Teufelskreis selbst. Die Gelenkkapsel wird durch die dauernde Reizung dicker und derb. Die Produktion der Gelenkflüssigkeit kann dadurch beeinträchtigt sein, so dass die Synoviamenge vermindert ist. Dadurch verringert sich ihre Schmierwirkung, was zusätzlich die Reibung im Gelenk erhöht.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Bewegungsunlust

Symptome

Arthrosen führen zu chronischen Schmerzen bei den Tieren. Meistens entwickeln sich die Schmerzen allmählich und der Hund "gewöhnt" sich gewissermaßen daran. Daher ist es eher selten, dass die Hunde vor Schmerzen jaulen oder winseln. Häufig zeigt sich eine Arthrose zunächst eher in versteckten Anzeichen: Der Hund mag sich nicht so gerne bewegen, ist etwas steif nach dem Aufstehen und sein Gang ist insgesamt schwunglos. Ganz typisch ist auch, dass der Hund "sich einläuft", d.h. nach dem Aufstehen ist die Steifheit oder Lahmheit erst deutlich, nach einigen Minuten fällt dem Hund die Bewegung jedoch wesentlich leichter. Wenn mehrere Gliedmaßen oder der Rücken betroffen sind, ist es besonders schwierig, eine Lahmheit auszumachen, weil der Hund dann versucht, alle betroffenen Regionen zu entlasten. Er liegt dann mehr und nimmt daher vielleicht auch an Gewicht zu.

Wenn nur eine Gliedmaße betroffen ist, zeigen die Hunde eine zunehmende Lahmheit. Mitunter lässt sich auch eine Verdickung des betroffenen Gelenks ertasten.

Diagnose

Durch den Vorbericht hat der Tierarzt, besonders bei älteren Tieren, meist schnell den Verdacht auf Arthrose. Der Hund wird dann genau beobachtet: Beim Aufstehen, Gehen, Laufen und beim Hinsetzen. Verhärtet sich der Verdacht, kann die Diagnose mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen gesichert werden. Bereits kleinste, knöcherne Gelenkveränderungen sind auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar. Der Zustand des Knorpels ist allerdings auf dem Röntgenbild nur sehr eingeschränkt zu beurteilen.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Untersuchungsverfahren, die zur genaueren Diagnostik und zur Ursachenforschung angewendet werden können:

Abb. FZ43QU1J
Abb. FZ43QU1J: Gesundes Ellenbogengelenk beim Hund.
Diese Röntgenaufnahme zeigt ein gesundes, gebeugtes Ellenbogengelenk, bestehend aus Oberarm (A), Speiche (B) und Elle (C).

Abb. FZ43TSN3
Abb. FZ43TSN3: Arthrotisches Ellenbogengelenk beim Hund.
Dieses Röntgenbild zeigt ein Ellenbogengelenk mit arthrotischen Veränderungen, die sich als raue, unruhige Kontur der Gelenkflächen zeigen. Als Behandlungsmaßnahme wurden Goldimplantate eingebracht (helle Flecken).

Behandlung

Bereits bestehende arthrotische Veränderungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Es kann lediglich versucht werden, den Prozess aufzuhalten, also die Bildung weiterer arthrotischer Veränderungen zu verhindern. Dazu wird, wenn möglich, die Ursache für die Gelenkveränderungen beseitigt. Brüche und Fehlstellungen (z.B. X-Beine) müssen meist operativ versorgt werden.

Die bereits bestehenden Arthrosen bleiben für den Hund schmerzhaft. Durch eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen können diese Schmerzen jedoch meist deutlich verringert werden:

  • Gewichtsreduktion (s. auch Übergewicht)
  • Gezielte Bewegung zum Aufbau von Muskulatur, beispielsweise durch Physiotherapie. Eine kräftige Muskulatur kann die Gelenke deutlich entlasten. Außerdem wird die Beweglichkeit der Gelenke verbessert.
  • Medikamente: Mit Hilfe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Arzneimitteln können Schmerzen deutlich vermindert werden. Je nach Ausmaß der Erkrankung, Alter des Tieres und Schmerzempfindlichkeit wird der Tierarzt genau abwägen, welches Medikament oder welche Kombination von Medikamenten langfristig die besten Erfolge erzielt. Insbesondere müssen mögliche Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden, da die Arzneimittel meist lebenslang eingenommen werden müssen. Häufig müssen auch verschiedene Medikamente ausprobiert werden, da die Hunde unterschiedlich auf die Wirkstoffe ansprechen.
  • Futterergänzungsmittel wie Omega-Fettsäuren, Glukosamine und Chondritoinsulfat.

Zusätzlich können Akupunktur, Chiropraktik, Bestrahlung mit Röntgenstrahlen, Goldimplantate, Stoßwellentherapie und viel andere Maßnahmen schmerzlindernd wirken.

In schweren Fällen stehen auch verschiedene chirurgische Maßnahmen zur Verfügung:

  • künstliche Versteifung des Gelenks (Arthrodese)
  • Entfernung des Gelenkkopfes (z.B. bei Hüftgelenkarthrose)
  • Einbringen eines künstlichen Gelenks (Hüft-, Knie- oder Ellenbogengelenk)

Prognose

Arthrose ist eine chronische Erkrankung, die mit den bisher verfügbaren Therapien nicht geheilt werden kann. Das Fortschreiten der Knorpel- und Gelenkveränderungen nimmt mit der Dauer der Erkrankung zu. Durch eine möglichst frühzeitige Behandlung und ggf. eine Operation kann jedoch über viele Jahre eine Beschwerdefreiheit oder eine Linderung der Schmerzen erreicht werden.

Die Prognose von Arthrosen unterscheidet sich daher je nach Ausmaß der Veränderungen, Alter und Allgemeinzustand des Hundes sowie Behandlungsbeginn. Wenn frühzeitig eingegriffen wird, können die Schmerzsymptome meist langfristig gut kontrolliert werden.

Bei hochgradigen Veränderungen im Gelenk und starken, die Lebensqualität beeinflussenden Schmerzen kann das Gelenk operativ versteift (Arthrodese) werden. Durch die veränderte Belastung der gesamten Gliedmaße kommt es dann jedoch häufig zu arthrotischen Veränderungen in anderen Gelenken. Besonders bei älteren Hunden ist eine Arthrodese jedoch eine gute Möglichkeit, dem Patienten einige schmerzfreie Jahre zu ermöglichen.

Je früher Arthrose erkannt wird, desto höher ist die Chance auf ein beschwerdefreies Leben.

Abb. FZ43Z92V
Abb. FZ43Z92V: Versteifung des Vorderfußwurzelgelenks beim Hund.
Bei diesem Vorderfußwurzelgelenk (Karpalgelenk) wurde aufgrund massiver, schmerzhafter Arthrosen eine Arthrodese (Versteifung) durchgeführt.

Abb. FZ442HA7
Abb. FZ442HA7: Versteiftes Schultergelenk beim Hund.
Dieses Röntgenbild zeigt ein versteiftes Schultergelenk (Schulterarthrodese).

Vorbeugung

Als Besitzer können Sie viel zur Vermeidung von Arthrosen beitragen. Besonders wichtig ist es, Übergewicht Ihres Hundes zu verhindern. Übergewicht führt zu einer übermäßigen Belastung der Gelenke und verfrühten Verschleißerscheinungen.

Sollte Ihr Hund, insbesondere im Welpenalter, an einer Lahmheit leiden und diese nicht durch 1 – 2 Tage Leinenzwang deutlich besser werden oder wiederholt auftreten, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Jede unbehandelte Fehlstellung oder Verletzung kann schnell zur Bildung von Arthrosen führen und die Beweglichkeit Ihres Hundes lebenslang einschränken.

Tipps

Wenn Ihr Hund bereits arthrotische Veränderungen in den Gelenken hat, hilft es ihm, wenn sein Lieblingsplatz besonders weich gepolstert und warm ist. Feucht-kaltes Wetter verschlechtert meist die Symptome und erhöht damit die Schmerzen. Auch kann es hilfreich sein, dass Futternapf hochzustellen, damit beim Fressen die Vorderbeine nicht zu stark belastet werden. Rutschige Böden sollten mit Teppichen ausgelegt werden.

Um eine optimale Behandlung Ihres Hundes zu ermöglichen können Sie ein Arthroseprotokoll oder ein Schmerztagebuch führen. Darin halten Sie besondere Ereignisse fest: Tage, an denen es dem Hund besonders gut ging und er gerne und viel gelaufen ist genauso wie Tage, an denen er sich gar nicht bewegen wollte oder sogar lahmte. Sie können Besonderheiten zum Wetter, Futter und vielen anderen Dingen vermerken. Anhand eines solchen Protokolls kann Ihr Tierarzt ersehen, ob Ihr Hund optimal mit Medikamenten versorgt ist oder ob an dem Therapieplan etwas verändert werden sollte.

Stand: 26.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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