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Hund: Arthritis

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Gelenkentzündung, entzündliche Gelenkerkrankung

Gelenkentzündungen können theoretisch an jedem Gelenk des Körpers auftreten. Besonders häufig sind jedoch die Gliedmaßengelenke betroffen. Um die Vorgänge, die sich bei einer Gelenkentzündung abspielen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen.

Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:

  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern

Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Gelenkflüssigkeit ist also extrem wichtig für das Funktionieren eines Gelenks. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Die Gelenkflüssigkeit wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran gebildet.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Abb. G61XM3C3
Abb. G61XM3C3: Schematischer Aufbau eines Gelenks

Ursachen

Arthritiden sind akute, entzündliche Gelenkerkrankungen. Sie können entweder infektiös (septisch) oder nicht-infektiöse (aseptisch) bedingt sein.

Infektiöse Gelenkentzündungen entstehen, wenn Bakterien in das Gelenk eindringen. Die Bakterien können auf verschiedenen Wegen in das Innere des Gelenks gelangen:

  • Sie können von „ außen“ durch Bisse, Verletzungen oder auch tierärztliche Eingriffe durch die Gelenkkapsel hindurch in das Gelenk eindringen.
  • Gelenkentzündungen entstehen aber auch „von innen“ im Zusammenhang mit schweren Allgemeinerkrankungen wie Borreliose, Parvovirose oder Leishmaniose.

Die Bakterien verursachen in erster Linie Schäden an der Synovialmembran. Es entsteht eine schwere Entzündung, die durch starke Schwellung und Schmerzhaftigkeit des Gelenks gekennzeichnet ist. Durch den Zerfall von Gewebe und Bakterien bildet sich Eiter. Im Eiter befinden sich massenhaft Substanzen, die den Gelenkknorpel aufweichen und sehr schwer schädigen.

Abb. G61YHSD7
Abb. G61YHSD7: Veränderungen im Gelenk bei einer infektiösen Gelenkentzündung.

Nicht-infektiöse Gelenkentzündungen entstehen meist entweder durch einen Unfall (traumatische Arthritis) oder durch eine Reaktion des körpereigenen Abwehrsytems (immunbedingte Arthritis). Sehr selten tritt eine so genannte "kristall-bedingte" Arthritisform auf.

  • Traumatische, nicht-infektiöse Gelenkentzündungen entstehen durch ein so genanntes stumpfes Trauma. Das bedeutet, dass die Gelenkkapsel intakt bleibt und keine Bakterien in das Gelenk eindringen können. Ein stumpfes Trauma ist beispielsweise eine Zerrung oder Quetschung. Durch falsches Auftreten, Ausgleiten, Hängenbleiben u.v.m. wird die empfindliche Synovialmembran der Gelenkkapsel und manchmal auch der Knorpel direkt geschädigt. Auch die Bänder können gezerrt werden. Auf die Gewebeschädigung reagiert der Körper mit einer Entzündungsreaktion. Die Entzündung führt zu einer Vermehrung der Gelenkflüssigkeit, es entsteht ein so genannter Gelenkerguss. Außerdem verändert sich die Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit: Der Gehalt an Hyaluronsäure nimmt deutlich ab. Damit sinkt die Viskosität der Synovia und sie kann das Gelenk nicht mehr effektiv schmieren. Zudem treten durch die Entzündungsvorgänge Enzyme auf, die den Knorpel angreifen und schädigen können.
  • Immunbedingte Arthritis: Unter diesem Sammelbegriff werden verschiedene Arthritisformen zusammengefasst, bei denen die Ursache häufig unbekannt ist, die aber folgende Gemeinsamkeiten aufweisen:
    • meist sind mehrere Gelenke betroffen (Polyarthritis)
    • häufig zeigen die Tiere weitere Symptome bzw. eine zusätzliche Erkrankung
    • eine Behandlung mit Medikamenten, die die Arbeit des Immunsystems unterdrücken, bringt eine Besserung (so genannte Immunsuppressiva)
  • Zu den immunbedingten Arthritiden zählen die idiopathische Polyarthritis (IPA), die rheumatoide Arthritis und verschiedene andere Formen, die z.T. gehäuft bei bestimmten Hunderassen auftreten.
  • „Kristall-bedingte “ Arthritis: Diese Form ist vergleichbar mit der menschlichen Gicht, die durch Ablagerung von Salzkristallen im Gelenk entsteht. Beim Hund ist dieses Krankheitsbild extrem selten.

Alle Arthritisformen gehen bei längerem Bestehen in eine chronische Entzündung über. Chronische Arthritiden gehen oft mit knorpel- und knochenartigen Zubildungen im Gelenk einher, die den Bewegungsablauf des Gelenks dauerhaft stören. Man spricht dann von einer chronisch degenerativen Arthritis. Wenn die Entzündung abklingt, bleiben die Zubildungen dennoch bestehen und verursachen häufig anhaltende Schmerzen. Dieses Krankheitsbild nennt man Arthrose.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Hunde mit infektiöser Arthritis sind hochgradig lahm und leiden unter Fieber und Teilnahmslosigkeit. Das betroffene Gelenk ist sehr schmerzhaft, warm und geschwollen.

Bei einer traumatischen Arthritis geht der Hund meist plötzlich lahm, z.B. nach dem Spielen oder Toben. Das Gelenk schwillt ebenfalls an und ist vermehrt warm, der Hund hat jedoch kein Fieber. Im weiteren Verlauf kann das Bein um das betroffene Gelenk ebenfalls anschwellen, man nennt dies ein Begleit ödem.

Immunbedingte Arthritiden können sehr unterschiedlich aussehen:

  • steifer Gang
  • Mühe beim Aufstehen und Bewegungsunlust
  • Lahmheit, die Stärke und die Gliedmaße wechseln kann
  • Fieber, Schlappheit, Appetitlosigkeit
  • weitere Symptome wie Hautentzündung, Hirnhautentzündung, Nierenentzündung u.v.a.

Diagnose

Häufig gibt das klinische Bild bereits deutliche Hinweise auf eine Gelenkentzündung. Je nach Schwere und Eindeutigkeit der Befunde können folgende weiterführende Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen:

  • Gelenk punktion: Meist unter Vollnarkose wird Gelenkflüssigkeit gewonnen und in einem Labor näher untersucht. Bakterien, Entzündungszellen und weitere Bestandteile der Gelenkflüssigkeit können so entdeckt und näher bestimmt werden. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, eine kleine Gewebeprobe der Synovialmembran zu nehmen und genauer zu untersuchen.
  • Röntgen : Auf einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen im Gelenk zu erkennen. So kann man Vorkommen und Grad der Veränderungen beurteilen. Außerdem kann es nötig sein, durch ein Röntgenbild andere Lahmheitsursachen wie Knochenbrüche auszuschließen.
  • Blut- und Urinuntersuchung: Besonders immunbedingte Arthritisformen führen auch zu Veränderungen im Blutbild und in der Urinzusammensetzung.
  • Ultraschall : Durch Ultraschall lassen sich Veränderungen an inneren Organen nachweisen, die bei immunbedingten Arthritiden auftreten können.

Behandlung

Bei der Behandlung gibt es zwischen den Arthritisformen grundsätzliche Unterschiede:

  • Infektiöse Arthritis: Die Behandlung einer infektiösen Arthritis muss unverzüglich begonnen werden, da unbehandelte Erkrankungen tödlich enden können. Das Gelenk wird punktiert und mehrfach gespült, um Bakterien und abgebaute Knorpelreste gründlich zu entfernen. Anschließend wird ein Verband angelegt, der mehrmals täglich unter hygienisch einwandfreien Bedingungen gewechselt werden muss. Der Hund muss einen Halskragen tragen, damit durch Lecken des Verbands auf keinen Fall erneut Keime in das Gelenk gelangen. Zusätzlich muss der Hund über mindestens drei Wochen hochdosiert antibiotisch versorgt werden. Dazu wird am Anfang meist ein Breitsprektrum-Antibiotikum gegeben. Aus einer Probe der Gelenkflüssigkeit können jedoch im Labor die verursachenden Bakterien isoliert werden. Mit Hilfe eines Antibiogramms kann dann das wirkungsvollste Antibiotikum ermittelt und das Medikament gewechselt werden. Meist werden begleitend Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente gegeben. Im Anschluss an die Behandlung kann eine physiotherapeutische Behandlung die Beweglichkeit des Gelenks häufig deutlich verbessern. Bei schlechtem Ansprechen auf die Behandlung kann eine Versteifung des Gelenks (Arthrodese) oder eine Amputation der Gliedmaße notwendig werden.

Abb. G63G5REX
Abb. G63G5REX: Arthrodese.
Dieses Gelenk wurde versteift, um chronische Schmerzen zu vermeiden.

  • Bei einer traumatisch bedingten Arthritis wird der Hund möglichst ruhig gestellt, um das Gelenk zu schonen. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Medikamente systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert.
  • Immunbedingte Arthritiden: Wenn eine weitere Erkrankung vorliegt, die die Arthritis ausgelöst hat, so wird diese entsprechend behandelt. Bei allen anderen Formen werden immunsuppressive Medikamente eingesetzt, die zum Teil monatelang gegeben werden müssen. Diese Behandlung erfordert ein hohes Maß an Disziplin von Seiten des Besitzers, da häufige Kontrollen und ein genaues Einhalten des Therapieplans nötig sind. Bei rheumatoiden Gelenkentzündungen werden auch Goldpräparate mit z.T. sehr guten Erfolgen eingesetzt. Physiotherapie, Schwimmen oder Massage können helfen, die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten.

Prognose

Die Prognose von Gelenkentzündungen ist sehr unterschiedlich. Je schneller und je umfassender die Behandlung eingeleitet wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Spätfolgen von infektiösen Arthritiden sind häufig Arthrosen, die irreparabel sind und lebenslang Schmerzen verursachen. Immunbedingte Arthritiden kommen leider in einigen Fällen wieder und erfordern z.T. lebenslange Behandlung.

Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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