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Hund: Angeborene Herzerkrankungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Kongenitale Herzfehler, Fehlbildungen des Herzens

Folgende angeborene Herzerkrankungen treten beim Hund auf: Aortenstenose, Subaortenstenose, Pulmonalstenose, Persistierender Ductus botalli (Persistierender Ductus arteriosus), Septumdefekte (Ventrikelseptumdefekt, Atriumseptumdefekt), Persistierender rechter Aortenbogen, Klappendysplasie, Insuffizienz der Atriumventrikularklappen (Mitralklappeninsuffizienz, Trikuspidalklappeninsuffizienz)

Zwischen 15 und 20% der Herzerkrankungen des Hundes sind angeboren. Durch Entwicklungsstörung im Mutterleib sind Herzmuskel, Herzklappen oder Gefäße des Herzens missgebildet. Viele der angeborenen Missbildungen haben keinen Einfluss auf die Funktion des Herzens und bleiben jahre- oder lebenslang unbemerkt. Bei schwereren Veränderungen sind folgende Symptome typisch:

  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • verzögertes Wachstum
  • Atemnot
  • Husten
  • plötzliche Todesfälle bei Welpen

Zum besseren Verständnis soll hier zunächst der Aufbau des Herzens und des Kreislaufsystems erklärt werden:

Das Herz ist ein muskulöses Hohlorgan, das sich in regelmäßigen Abständen zusammenzieht (kontrahiert). Das Herz ist von außen von einer festen Hülle überzogen, die man auch Herzbeutel oder Perikard nennt. Die Auskleidung der Innenräume des Herzens nennt man Endokard.

Das Herz ist längs in eine rechte und eine linke Hälfte geteilt, die durch die Herzscheidewand (Septum) voneinander getrennt sind. Blutgefäße, die Blut zum Herzen hin befördern, nennt man Venen, Blutgefäße, die Blut vom Herzen weg transportieren, nennt man Arterien. Beide Herzseiten bestehen aus einem Vorhof (Atrium) und einer Kammer (Ventrikel). Herzklappen zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern und zwischen den Arterien und den Kammern wirken als Ventile und sorgen dafür, dass das Blut bei der Kontraktion des Herzmuskels nicht wieder zurückfließt, sondern immer in die gleiche Richtung strömt.

Die Muskulatur der rechten Herzseite ist schwächer ausgebildet als die der linken. Die rechte Herzseite erhält über die Hohlvenen sauerstoffarmes Blut aus dem Körperkreislauf. Es fließt zunächst in den rechten Vorhof. Von dort strömt es durch die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer. Durch die Pulmonalklappe gelangt das Blut in die Lungenarterie und so in die Lunge. Dort wird Kohlendioxid – das Abfallprodukt der Zellatmung – von den roten Blutkörperchen abgegeben und Sauerstoff aufgenommen. Das sauerstoffreiche Blut fließt über die Lungenvene zurück zum Herzen und gelangt in den linken Vorhof. Über die Mitralklappe strömt es in die linke Kammer. Die kräftige Muskulatur der linken Kammer pumpt das Blut durch die Aortenklappe in die Körperschlagader (Aorta). Diese spaltet sich in viele Arterien auf und versorgt so den gesamten Körper mit sauerstoffreichem Blut.

Abb. H2HBTNMM
Abb. H2HBTNMM:
Während der Füllungsphase (A) füllt sich das Herz mit Blut, bei der Austreibungsphase (B) zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt das Blut in den Körper- und Lungenkreislauf

Die kleinsten Arterien am Ende des Blutgefäßsystems sind Haargefäße, so genannte Kapillaren. Hier wandert der Sauerstoff aus dem Blutgefäßsystem in die Organzellen. Umgekehrt kann im Haargefäßsystem Kohlendioxid aufgenommen werden. Dieses kohlendioxidreiche, aber sauerstoffarme Blut gelangt nun über Venen zurück zum Herz.

Abb. FZ5E20KW
Abb. FZ5E20KW: Schematische Darstellung des Herz- und des Lungenkreislaufs.

Das Herz hat einen eigenen Taktgeber, der für den Herzschlag verantwortlich ist. Man nennt ihn den Sinusknoten. Er sitzt am rechten Vorhof. Der Rhythmus des Sinusknotens wird vom autonomen oder vegetativen Nervensystem beeinflusst. Vom Sinusknoten aus verteilt sich der Impuls (Erregung) zum Herzschlag über Leitungsbahnen auf den gesamten Herzmuskel. Ein wichtiges Weiterleitungszentrum ist der AV-Knoten (Atrioventrikulärknoten) zwischen Vorhof und Kammer. Der AV-Knoten kann bei Ausfall des Sinusknoten auch als Schrittmacher einspringen, hat aber eine niedrigere Frequenz.

Ursachen

Folgende Herzfehler kommen bei Hunden am häufigsten vor:

Aortenstenose oder Subaortenstenose

Bei einer so genannten Aortenstenose liegt am Übergang zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader (Aorta) eine Verengung vor. Die linke Herzkammer pumpt daher gegen einen großen Widerstand an. Dies führt langfristig zu einer Überbelastung des linken Herzmuskels (Linksherzinsuffizienz), in seltenen Fällen auch zu plötzlichen Todesfällen. Die Aortenstenose ist eine häufige angeborene Herzerkrankung beim Hund.

Von Aortenstenosen sind besonders die Rassen Golden Retriever, Neufundländer, Boxer, Rottweiler und Deutsche Schäferhunde betroffen.

Therapeutisch kann versucht werden, die Verengung mit Hilfe eines minimalinvasiven Eingriffs zu erweitern. Dabei wird kurzfristig ein Ballon an der verengten Stelle aufgepumpt und weitet das Gewebe damit dauerhaft Dieser Eingriff ist allerdings nicht immer erfolgreich. Durch eine medikamentöse Behandlung muss zusätzlich die linke Herzhälfte entlastet werden. Betroffene Hunde sollten möglichst wenig belastet werden.

Pulmonalstenose

Eine Pulmonalstenose ist eine Verengung zwischen rechter Herzkammer und Lungenarterien. Der rechte Herzmuskel pumpt gegen einen mehr oder weniger großen Widerstand das Blut in die Lunge. Bei nur geringer Verengung haben die Hunde ein Herzgeräusch, können jedoch auch ohne Behandlung eine normale Lebenserwartung haben. Starke Verengungen führen zu einer Rechtsherzinsuffizienz mit verminderter Lebenserwartung.

Pulmonalstenosen treten besonders häufig bei Zwergschnauzern, West Highland White Terriern, Englischen Bulldoggen, Samoyeden und Chihuahua auf.

Therapeutisch kann auch in diesem Fall versucht werden, die Verengung mit Hilfe eines minimalinvasiven Eingriffs zu erweitern. Auch eine medikamentöse Behandlung kann die rechte Herzhälfte entlasten. Betroffene Hunde sollten möglichst wenig belastet werden.

Persistierender Ductus arteriosus (Botalli)

Der persistierende Ductus arteriosus ist eine der häufigsten angeborenen Herzerkrankungen.

Im Mutterleib werden die Welpen über die Nabelschnur mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Da die Welpen noch nicht atmen, findet in der Lunge kein Austausch der Atemgase statt. Die Lunge ist noch nicht entfaltet und muss insgesamt weniger durchblutet werden. Der Ductus arteriosus dient während dieser Zeit der Umleitung des Blutes. Er stellt eine Verbindung zwischen der Lungenarterie und der Aorta dar. Das Blut aus der rechten Vorkammer fließt zu 2/3 über den Ductus arteriosus in die Aorta zur Versorgung des Körpers und nur zu 1/3 in die Lunge. Mit dem ersten Atemzug nach der Geburt verschließt sich diese „Abkürzung“ normalerweise, da die Lunge ihre Funktion aufnimmt. Bleibt der Ductus arteriosus erhalten, fließt sauerstoffreiches Blut, das eigentlich für den Körper bestimmt ist, aus der Aorta über den Ductus arteriosus in die Lungenarterie und von dort zurück in die Lunge, weil der Druck in der Aorta höher ist als in der Lungenarterie. Die Lunge ist mit dieser zusätzlichen Blutmenge überfordert und das Blut staut sich in die linke Herzkammer und den linken Vorhof zurück. Es entsteht eine Linksherzinsuffizienz.

Bei erkrankten Hunden sollte der Ductus arteriosus chirurgisch verschlossen werden, möglichst bevor irreversible Schäden an der Herzmuskulatur oder dem Lungengewebe entstanden sind. Dieser Eingriff ist minimalinvasiv möglich. Eine medikamentöse Unterstützung der linken Herzhälfte kann ebenfalls erfolgen.

Septumdefekte

Bei Septumdefekten ist die Scheidewand zwischen rechter und linker Herzhälfte nicht vollständig ausgebildet. Der Defekt liegt meist zwischen den Herzkammern (Ventrikelseptumdefekt), kann jedoch auch zwischen den Vorhöfen (Atriumseptumdefekt) vorkommen. Häufig sind die Defekte klein und haben kaum klinische Auswirkungen. Wenn sie allerdings größer sind, beeinflussen sie die Strömungsverhältnisse ganz erheblich.

Bei Ventrikelseptumdefekten fließt meist Blut von der linken Kammer in die rechte Kammer, da das linke Herz die größere Pumpkraft besitzt. Die Blutmenge in der rechten Kammer wird zu groß und es kommt zu einer Überlastung der Lunge mit der Folge einer Linksherzinsuffizienz. Englische Springer Spaniel und West Highland White Terrier sind von Ventrikelseptumdefekten gehäuft betroffen.

Bei Vorhofseptumdefekten kommt es ebenfalls zu einem Blutstrom von links nach rechts, der zu einer Überlastung der rechten Herzseite führt. An dieser, wesentlich selteneren Form des Septumdefekts, erkranken besonders Boxer, Samoyeden und Neufundländer.

Kleinere Defekte der Scheidewand können mit Hilfe minimalinvasiver Chirurgie verschlossen werden. Größere Fehlbildungen könnten nur durch eine Operation am offenen Herzen geschlossen werden. Da solche Eingriffe beim Hund noch nicht routinemäßig erfolgen, versucht man derzeit beim Vorliegen größerer Öffnungen mittels minimalinvasiver Chirurgie zumindest eine Verkleinerung des Defekts zu erreichen. Außerdem sollte das Herz durch Medikamente entlastet werden.

Fehlbildungen der Atrioventrikularklappen (Klappendysplasie)

Artrioventrikularklappen trennen die Vorhöfe von den Kammern. Die linke Herzhälfte ist durch die so genannte Mitralklappe (Bikuspidalklappe) in Vorhof und Kammer unterteilt, die Trennung der rechten Herzhälfte erfolgt durch die Trikuspidalklappe. Angeborene Veränderungen der Atrioventrikularklappen führen dazu, dass während einer Kontraktion der Kammern das Blut nicht nur in die Aorta oder Lungenarterie gepumpt wird, sondern auch in die Vorhöfe zurückfließen kann. Die betroffene Herzhälfte wird nie richtig leer. Es entwickelt sich das typische Bild einer Herzinsuffizienz.

Angeborene Klappeninsuffizienzen treten vorwiegend bei großen Hunderassen auf. Therapeutisch kommen Medikamente zum Einsatz, die zu einer Entlastung der entsprechenden Herzhälfte führen.

Persistierender rechter Aortenbogen

Bei dieser angeborenen Fehlbildung wird die Speiseröhre durch ein zusätzliches Gefäß der Aorta eingeengt. Die Aorta bildet sozusagen einen Ring um die Speiseröhre und verhindert, dass Nahrung problemlos in den Magen gelangt. Je nach Ausprägung der Erkrankung würgen die Welpen mit Beginn der Aufnahme von fester Nahrung. Wenn dabei Nahrung in die Lunge gelangt, entsteht häufig eine Verschluckpneumonie. Die aufgenommene Nahrung staut sich direkt vor der Verengung und weitet die Speiseröhre in diesem Bereich. Das kann zu irreversiblen Schäden an der Speiseröhre führen, daher sollte möglichst frühzeitig eine Operation die Verengung beheben.

Ein persistierender rechter Aortenbogen tritt häufig bei Deutschen Schäferhunden und Settern auf.

Fallotsche Tetralogie

Unter diesem Begriff wird das gleichzeitige Auftreten von vier Missbildungen verstanden:

  1. Ventrikelseptumdefekt
  2. Pulmonalstenose
  3. Wandverdickung der rechten Herzkammer
  4. Fehlstellung der Aorta (so genannte "überreitende Aorta")

Man unterscheidet einen "Blue Fallot" von einem "Pink Fallot":

Beim "Blue Fallot" ist die Pulmonalstenose so stark, das viel sauerstoffarmes Blut aus der rechten Kammer über den Septumdefekt in die überreitende Aorta fließt (Rechts-Links-Shunt). Dort mischt es sich mit sauerstoffreichem Blut. Insgesamt ist aber der Sauerstoffgehalt zu niedrig, um den Körper ausreichend zu versorgen. Daher färben sich die Schleimhäute blau als Zeichen der Mangelversorgung. So erklärt sich der Name "Blue Fallot". Die betroffenen Tiere sind schwach und kümmern. Außerdem bilden sie vermehrt rote Blutkörperchen, um den Sauerstoffmange auszugleichen. Dies kann zu einer Eindickung des Blutes und der damit verbundenen Gefahr von Schlaganfall und Thrombose führen.

Beim "Pink Fallot" ist die Pulmonalstenose weniger stark ausgeprägt, so dass mehr Blut aus der rechten Kammer in die Lunge fließt. Durch die höheren Druckverhältnisse im linken Herzen strömt Blut von der linken Seite durch den Septumdefekt in die rechte (Links-Rechts-Shunt). Die klinischen Auswirkungen sind wesentlich geringer, die Schleimhäute werden höchstens bei großer Anstrengung blau, ansonsten bleiben sie rosa ("pink").

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der einzelnen Missbildungen und entspricht den bei den einzelnen Punkten beschriebenen Maßnahmen. Die Fallot-Tetralogie soll vermehrt beim Keeshound auftreten.

Angeborene Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Herzrythmusstörungen sind Herzaktionen außerhalb des normalen Herzrhythmus. Das Herz kommt sozusagen "aus dem Takt". Dadurch kann es sich nicht mehr richtig mit Blut füllen. Dementsprechend sinkt auch seine Auswurfleistung und der Körper wird nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Herzrhythmusstörungen können sehr viele verschiedene Ursachen haben, die sowohl vom Herzen als auch von anderen Organsystemen ausgehen können.

Bei den angeborenen Arrhythmien sind keine erkennbaren Ursachen zu finden. Sie treten gehäuft bei bestimmten Rassen auf. Beispiele sind die ventrikulären Extrasystolen beim Deutschen Schäferhund und die Boxer-Kardiomyopathie (ARVC).

Folgen angeborener Herzerkrankungen

Leichte Missbildungen bleiben häufig lange unentdeckt, da das Herz die Fehlbildungen kompensiert. Längerfristig entsteht jedoch fast immer eine Herzinsuffizienz. Dabei versucht das Herz, die Schäden zu kompensieren. Die Herzmuskulatur wird erst kräftiger und vergrößert sich (Herzhypertrophie). Nach außen kann sich das Herz jedoch durch den festen Herzbeutel nicht unbegrenzt ausdehnen, und die Muskelzunahme nach innen führt dann zu einer abnehmenden Füllungsmöglichkeit der Kammern. Im fortgeschrittenen Stadium der Herzerkrankung kann der Herzmuskel die Belastung nicht mehr kompensieren. Der Muskel schafft es nicht mehr, das gesamte Blut aus der Kammer zu pumpen. Dadurch bleibt immer mehr Blut in der Kammer und weitet diese aus (Herzdilation). Der Muskel wird sichtbar dünner und die Kammer größer. Spätestens in diesem Stadium werden Symptome beobachtet. Die Symptome unterscheiden sich, je nachdem welche Herzhälfte betroffen ist. Man spricht dann von einer Linksherzinsuffizienz oder einer Rechtsherzinsuffizienz.

Leitsymptom

  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • verzögertes Wachstum
  • Atemnot
  • Husten
  • plötzliche Todesfälle

Symptome

Hunde mit angeborenen Herzerkrankungen zeigen je nach Veränderungen Schwäche, kümmerliches Wachstum, schnelles Ermüden, Atemnot, bläulich verfärbte Schleimhäute (Zyanose) als Zeichen einer Sauerstoffmangelversorgung, Ödeme an den Beinen oder am Unterbauch bei Rückstau in den Körperkreislauf (Rechtsherzinsuffizienz) und Lungenödem bei Stauung in die Lunge (Linksherzinsuffizienz). Todesfälle können ganz plötzlich auftreten oder auch nach länger bestehenden Krankheitssymptomen.

Diagnose

Leichte angeborene Herzerkrankungen werden vom Tierarzt häufig bei einer routinemäßigen Allgemeinuntersuchung vor Impfungen entdeckt. Die genaue Diagnostik erfordert allerdings häufig den Einsatz weiterer Untersuchungsmethoden.

  • Allgemeinuntersuchung: Bereits beim Betrachten und Abtasten des Hundes finden sich Hinweise auf eine Herzerkrankung: Farbe der Schleimhäute, Füllung der Blutgefäße und die Ausbildung von Ödemen werden beurteilt. Beim Abhören mit dem Stethoskop (Phonendoskop) deuten abweichende Herzgeräusche auf Veränderungen hin.
  • Röntgenuntersuchung: Durch Röntgenaufnahmen werden hauptsächlich Lage, Form und Größe des Herzens beurteilt. Auch Stauungserscheinungen in der Lunge können sichtbar sein.
  • EKG: Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeigt die Herzfrequenz und den Herzrhythmus.
  • Herzultraschall: Ultraschall (Echokardiographie) wird sehr erfolgreich eingesetzt, um einzelne Herzstrukturen sichtbar zu machen. Herzultraschall ist aus der modernen Herzdiagnostik nicht mehr wegzudenken. Die Untersuchung ermöglicht die Beobachtung der Herzaktivität, der Vorhof- und Kammerfüllung und lässt die Beurteilung der Vorhof- und Kammergröße zu. Auch die Wanddicke kann gemessen werden. Insbesondere der so genannte Doppler-Ultraschall ist für Herzuntersuchungen wertvoll. Dabei werden Fließgeschwindigkeit und -richtung des Blutes sichtbar gemacht und Verengungen (Stenosen), Scheidewanddefekte (Septumdefekte) sowie der Schluss der Herzklappen können beurteilt werden.
  • Angiographie: Missbildungen der Blutgefäße können durch eine Angiographie dargestellt werden. Dazu wird dem Hund ein Kontrastmittel in das Blutgefäßsystem injiziert. Auf Röntgen- oder computertomographische Aufnahmen stellt sich das Kontrastmittel in den Blutgefäßen hell dar und zeigt so den Verlauf der Gefäße an.

Abb. H2H9EKRY
Abb. H2H9EKRY: Durchführung eines Herz-Ultraschalls

Behandlung

Nicht alle angeborenen Herzerkrankungen müssen sofort therapiert werden. In einigen Fällen „wächst es sich zurecht“. Grundsätzlich kann bei Herzerkrankungen jedoch nicht einfach abgewartet werden, da bleibende Schäden am Herzen entstehen können.

Angeborene Herzerkrankungen können medikamentös oder chirurgisch behandelt werden. Die Therapie ist abhängig von Art und Ausmaß der Fehlbildung, Alter und Allgemeinzustand des Tieres und auch den finanziellen Möglichkeiten der Hundebesitzer. Für jeden Hund muss eine individuelle Lösung gefunden werden.

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die unterschiedliche Ansatzpunkte nutzen.

  • Entwässerung (Diurese): Zur Entwässerung, also Verminderung der Stauung in Lunge, Bauchhöhle und anderen Geweben, kommen hauptsächlich Diuretika zum Einsatz. Sie führen zu einem vermehrten Harnabsatz. Insgesamt nimmt das Blutvolumen dadurch ab und der Blutdruck sinkt.
  • ACE-Hemmer: ACE-Hemmer wirken auf Blutgefäße und senken so den Blutdruck. Das Herz wird durch eine Umverteilung des Blutvolumens entlastet. Dieser Effekt wird auch bei der Behandlung von Lungenödemen genutzt.
  • Herzglykoside (Digitalispräparate): Herzglykoside erhöhen die Schlagkraft und die Pumpleistung des Herzens.
  • Betablocker: Betablocker wirken sowohl auf das Herz als auch auf die Blutgefäße. Sie senken den Blutdruck und schützen den Herzmuskel vor Überlastung. Außerdem können sie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen regulierend wirken.
  • Inodilatoren: Diese Wirkstoffgruppe senkt ebenfalls den Blutdruck und stärkt die Schlagkraft des Herzens.
  • Antiarrythmika: Diese Medikamente werden bei Rhythmusstörungen eingesetzt und helfen dem Herz „im Takt“ zu bleiben.

Chirurgische Behandlung

Eine chirurgische Behandlung kann entweder am offenen Herzen, also mit Eröffnung des Brustkorbs, oder durch die so genannte minimalinvasive Chirurgie erfolgen.

  • Operation am offenen Herzen: Die Eröffnung des Herzens beinhaltet den Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine, die für den Zeitraum der Operation die Funktion des Herzens übernimmt. Derzeit wird dieser Eingriff im deutschsprachigen Raum nicht vorgenommen.
  • Minimalinvasiver Eingriff: Bei minimalinvasiver Chirurgie werden Instrumente durch ein großes Blutgefäß (z.B. Halsschlagader) bis in das Herz geschoben (so genannter Herzkatheter). Die Lage der Instrumente wird mit Hilfe von Kontrastmittel im Röntgenbild sichtbar gemacht. So können verschiedene Eingriffe im Herz vorgenommen werden, ohne dass der Brustkorb eröffnet werden muss. Viele Operationen am Herzen sind heutzutage mit minimalinvasiven Methoden möglich.

Prognose

Die Prognose bei angeborenen Herzerkrankungen ist sehr unterschiedlich. Sie richtet sich sowohl nach der Art der Erkrankung als auch nach deren Schwere. Während einige Herzfehler unbemerkt bleiben, führen andere zum Tode. Auch die therapeutischen Möglichkeiten sind sehr unterschiedlich.

Relativ gute Prognosen haben leichte Formen der Aorten- und Pulmonalstenosen. Auch kleine Septumdefekte sind prognostisch meistens günstig. Durch einen operativen Eingriff lässt sich ein großer Septumdefekt in der Regel zumindest verkleinern. Ein persistierender Ductus arteriosus kann operativ gut behoben werden und hat danach ebenfalls eine günstige Prognose.

Bei allen anderen Formen hängt die Prognose im Wesentlichen davon ab, wie gut operative und medikamentelle Behandlungen anschlagen und ob sich eine Herzinsuffizienz ausbildet.

Vorbeugung

Herzfehler entstehen während der Entwicklung des Welpen im Mutterleib. Die Anlage dazu kann vererbt sein, der Herzfehler kann sich aber auch aus irgendeinem anderen Grund entwickeln. Da man aber eine Vererbung nicht immer sicher ausschließen kann, sollte mit Hunden, die eine angeborene Herzerkrankung haben, nicht gezüchtet werden.

Stand: 05.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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