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Katze: Zahnstein

Allgemeines

In diesem Artikel geht es neben Zahnstein auch um die Themen Zahnfleischentzündung (Gingivitis), Plaque und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates; früher auch Parodontose genannt).

Abb. HCJ8XVN4
Abb. HCJ8XVN4:

Ursachen

Die meisten Zahnsteinerkrankungen entwickeln sich aus so genannten Plaques. Plaques sind Ansammlungen von Futterresten, Schleimhautzellen und Bakterien, die bei Menschen durch regelmäßiges Zähneputzen entfernt werden. Bei Katzen werden diese Beläge jedoch nur teilweise durch härteres Futter, Zerkauen von Beutetieren oder Kauspielzeug beseitigt. Durch Mineralien aus dem Speichel können Plaques dann verkalken und zu Zahnstein werden.

Durch die Bakterien in den Plaques und das Scheuern des harten Zahnsteins entstehen Zahnfleischentzündungen (Gingivitiden). Das Zahnfleisch schwillt an und es bilden sich so genannte "Taschen" zwischen Zahn und Zahnfleisch. In diesen Zahnfleischtaschen sammeln sich weitere Bakterien und Futterreste und verschlimmern die Entzündung. Sie wandert immer weiter in die Tiefe und kann so auf den gesamten Zahnhaltapparat übergreifen (Parodontitis). Langfristig zieht sich das Zahnfleisch dadurch immer weiter zurück und legt die Zahnhälse und schließlich auch die Zahnwurzel frei. Die Zähne verlieren ihre Halterung im Knochen, werden locker und fallen aus oder müssen gezogen werden.

Das Auftreten von Zahnstein ist einerseits altersabhängig – bei Katzen ab acht Jahren ist Zahnbelag eher die Regel als die Ausnahme – zum anderen scheint Zahnstein auf einer erblichen Veranlagung zu beruhen. Bei einigen Katzenrassen, besonders bei Perserkatzen, zeigt sich Zahnstein schon im Alter von zwei bis drei Jahren. Auch die Fütterung spielt bei der Entstehung von Zahnstein eine Rolle: Trockenfutter führt zu stärkerem mechanischen Abrieb an den Zähnen und folglich zu weniger Zahnstein.

Leitsymptom

  • Mundgeruch
  • Zahnbelag

Symptome

Aus anfangs gelblichen, bakterienhaltigen Belägen bildet sich durch die Einlagerung von Mineralien graubrauner, harter Zahnstein, von dem der Zahn vollkommen bedeckt sein kann. Diese Entwicklung wird von unangenehmem Mundgeruch begleitet. Die Futteraufnahme ist nur in sehr schweren Fällen durch die entstehenden Zahnfleischentzündungen beeinträchtigt. Zahnfleischentzündungen erkennt man am geröteten und wulstig geschwollenen Zahnfleischrand.

Abb. FZ79LY71
Abb. FZ79LY71: Zahnstein an den Backenzähnen.
Häufig sind die Backenzähne – wie hier – fast vollständig von Zahnstein bedeckt, während die Eckzähne kaum Beläge aufweisen. Es sollte deswegen immer tief ins Maul geschaut werden.

Abb. FZD1KUEN
Abb. FZD1KUEN: Deutliche Zahnsteinbildung bereits am Eckzahn.
Etwas undeutlicher im Hintergrund: massiver Befall mit Zahnstein an den Backenzähnen.

Diagnose

Die Untersuchung der Maulhöhle reicht aus, um die Diagnosen Zahnstein und Zahnfleischentzündungen zu stellen. Durch spezielle Färbelösungen und Lampen können auch die unscheinbaren Plaques anschaulich dargestellt werden. Das ganze Ausmaß der Erkrankung lässt sich bei den meisten Tieren allerdings nur unter Narkose beurteilen, wenn die gesamte Maulhöhle eingehend inspiziert werden kann.

Behandlung

Geringer Zahnstein an nur wenigen Zähnen kann bei geduldigen Katzen auch ohne Narkose mit Zahnreinigern manuell abgekratzt werden, allerdings ist das Ergebnis meistens nicht optimal. Massiver Zahnstein muss mit Hilfe von speziellen Ultraschallgeräten unter Narkose entfernt werden. Die Narkose ist unbedingt notwendig, da die Entfernung mit Ultraschall für die Katze eine hohe Stressbelastung darstellt. Das Gerät erzeugt einerseits einen für Katzen sehr unangenehmen Lärm. Außerdem ist es schmerzhaft, wenn die Ultraschallsonde die Zähne berührt. Nur unter Narkose ist wirklich die gesamte Maulhöhle optimal zugänglich.

Nach der Entfernung des Zahnsteins werden die Zähne poliert, damit sich an der glatten Oberfläche nicht so schnell erneut Plaque bilden kann. Lockere Zähne werden gleichzeitig gezogen und alle Zahnfleischtaschen können gründlich geleert und gespült werden. Zahnfleischtaschen können auch operativ entfernt werden. Dadurch liegen sehr schnell weniger Bakterien im Maul vor und die Selbstreinigungsfähigkeit des Gebisses können annähernd wieder hergestellt werden.

Katzen werden häufig bereits vor einer Zahnsteinentfernung antibiotisch versorgt. Dies ist einerseits wichtig für das Tier, da es durch die Entfernung des Zahnsteins zu einer Ausschwemmung der Bakterien in den Körper (Bakteriämie) kommen kann. Entzündungen der Nieren, Leber und vor allem der Herzklappen können so vermieden werden. Andererseits ist dies auch wichtig für den Tierarzt und die tierärztliche Fachangestellte, die trotz Atemschutz während der Entfernung des Zahnsteins einer sehr hohen Keimbelastung ausgesetzt sind. Die Behandlung mit einem Antibiotikum wird nach dem Eingriff fortgesetzt.

Prognose

Einige Katzen neigen zu starkem Zahnsteinbefall und ein regelmäßiges Entfernen ist zeitlebens notwendig.

Vorbeugung

Zähneputzen ist bei fast allen Katzen unmöglich, es sei denn sie werden bereits als Welpen daran gewöhnt. Daher ist es wichtig, die Zähne einer Katze regelmäßig auf Zahnstein zu untersuchen. Meist sind zuerst die Backenzähne von Zahnstein betroffen, es muss also wirklich tief ins Maul geschaut werden! Ist die Katze das regelmäßige Öffnen des Fanges gewöhnt, stellt dies im Allgemeinen kein Problem dar. Zusätzlich wird das Gebiss bei der jährlichen Kontrolluntersuchung vom Tierarzt untersucht.

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Stand: 30.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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19.12.2016: Heike
"Trockenfutter führt zu stärkerem mechanischen Abrieb an den Zähnen und folglich zu weniger Zahnstein."

Das ist leider völlig falsch! Trockenfutter ist, durch den hohen Gehalt an Kohlehydraten, eine der Hauptursachen für Zahnstein.

Mechanischer Abrieb findet durch das Zerteilen größerer roher Fleischbrocken und benagen von rohen Knochen statt.
06.09.2012: enpevet
Bei einer Narkose sind Bewußtsein und Schmerzempfinden vollständig ausgeschaltet. Eine Sedierung ist eigentlich eine Beruhigung, bei der Schmerzempfinden und Bewußtsein herabgesetzt sind. Der Zustand bei einer tiefen Sedierung entspricht beinahe dem einer Narkose, zudem werden die beiden Begriffe umgangssprachlich nicht sauber getrennt!
06.09.2012: Marcus
Unsere Katze bekam beim Tierarzt immer eine Narkose, wenn der Zahnstein entfernt wurde. Jetzt haben wir den Tierarzt mal gewechselt. Bei der neuen Tierärztin hat unserer Katze keine Narkose, sondern eine "Sedierung" bekommen. Kann mir da jemand den Unterschied erklären? Ist das besser für das Tier oder ist das egal?

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