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Katze: Verstopfung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Konstipation, Obstipation

Zum besseren Verständnis wird zunächst der Aufbau und die Funktion des Verdauungsapparates der Katze erklärt:

Die Verdauung der Nahrung beginnt bereits in der Mundhöhle mit der Zerkleinerung durch die Zähne und der Durchmischung des Speisebreis mit Speichel. Nach dem Schlucken gelangt die Nahrung in den Magen. Dort befinden sich verschiedene Drüsen, die Schleim, Salzsäure und Verdauungsenzyme produzieren. Die Salzsäure tötet in der Nahrung vorhandene Keime ab und aktiviert gleichzeitig die Verdauungsenzyme. Der Schleim schützt die empfindliche Magenwand vor diesen Enzymen und der Salzsäure. Dem Magen schließt sich der Dünndarm an, der aus den Anteilen Zwölffingerdarm, Leerdarm und Hüftdarm besteht. Gleich zu Beginn des Zwölffingerdarms gelangen die Verdauungsenzyme der Galle und der Bauchspeicheldrüse in den Darm. Diese Enzyme können Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße der Nahrung in kleinere Bausteine zerlegen, damit diese dann über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden können. Dem Dünndarm schließt sich der Dickdarm mit seinen Anteilen Blinddarm, Grimmdarm und Mastdarm an. In diesem Darmabschnitt werden dem Nahrungsbrei weitere Nährstoffe, hauptsächlich jedoch Wasser entzogen. Der Kot wird dadurch eingedickt, zu Ballen geformt und schließlich über den After ausgeschieden.

In allen Darmabschnitten sorgen wellenförmige Muskelbewegungen der Darmwand für einen Weitertransport des Nahrungsbreis. Diese Darmbewegung nennt man auch Peristaltik.

Abb. HD2YH4VS
Abb. HD2YH4VS: Schema des Magen-Darm-Traktes.

Bei einer Verstopfung wird weniger, seltener und langsamer Kot abgesetzt. Verstopfung kann ein akutes oder auch chronisches Ausmaß annehmen.

Das Pressen auf Kot ähnelt stark dem Pressen auf Harn. Eine genaue Untersuchung der Katzenstreu kann Aufschluss geben, ob die Katze beim Harn- oder beim Kotabsatz Probleme hat. Im Zweifelsfall sollte möglichst schnell eine Tierarztpraxis aufgesucht werden, da ein Pressen auf Harn durch eine Harnröhrenobstruktion lebensbedrohlich sein kann.

Ursachen

Grundsätzlich entsteht eine Verstopfung durch eine Anhäufung von Futterbestandteilen im Dickdarm. Der Darm versucht durch vermehrte Muskelbewegung den Futterpropf weiterzuschieben. Dadurch wird aber nur weitere Flüssigkeit aus dem Material heraus gedrückt. Die Darmmuskulatur über der Verstopfung verkrampft zunächst, kann aber im weiteren Verlauf lähmungsartig erschlaffen.

Es gibt verschiedene Ursachen für Verstopfungen bei Katzen:

  • fütterungsbedingte Ursachen: z.B. zu wenig Ballaststoffe, zu viele Knochen, Wassermangel
  • Haarballen
  • psychische Ursachen: Umgebungswechsel, Besitzerwechsel, neues Haustier, unsaubere Katzentoilette
  • Beckenengpass nach Knochenbruch des Beckens
  • Bewegungsmangel, besonders bei Übergewicht
  • neurologische Störungen der Darmbewegung
  • Tumoren, Fremdkörper, Narbenbildung
  • nachlassende Konstitution bei älteren Katzen

Eine Katze, die einmal eine Verstopfung hatte, entwickelt relativ häufig erneut Obstipationen. Das liegt daran, dass der verstopfte Darmteil durch die angehäuften Futtermengen einen dauerhaften Schaden erleiden kann. Durch den Futterstau wird die Darmwand gedehnt. Nach Beseitigung der Verstopfung bleibt er erweitert und entwickelt nur eine schwache Darmbewegung. Man spricht dann von einem Megakolon. In diesem erweiterten Darmabschnitt können sich leicht erneut Futtermassen ansammeln. Ein Megakolon kann in seltenen Fällen auch angeboren sein, dann leiden bereits ganz junge Kätzchen unter Verstopfung.

Leitsymptom

  • vergebliches Pressen auf Kot

Symptome

Katzen mit Verstopfung verziehen sich oft für längere Zeit auf die Katzentoilette, pressen aber z.T. ohne Erfolg. Insgesamt setzen sie seltener Kot ab. Dieser ist meistens hart und trocken. Bei Verstopfung schwindet auch der Appetit, die Katze ist teilnahmslos und verkriecht sich, von Bauchschmerzen geplagt. Auch Erbrechen kann auftreten.

Diagnose

Die Diagnose Verstopfung kann meist durch eine klinische Untersuchung gestellt werden. Häufig kann der Tierarzt die harten Kotballen bereits beim Abtasten fühlen. Auch die Anfertigung von Röntgenbildern und eine Ultraschalluntersuchung können sinnvoll sein.

Bei wiederholten Verstopfungen ist es zudem notwendig, die genaue Ursache für die Verstopfungen herauszufinden. Dazu können Blut- oder weitere Röntgenuntersuchungen, z.T. nach Kontrastmittelgabe notwendig sein.

Abb. HD2YDOAG
Abb. HD2YDOAG: Hochgradige Verstopfung.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Verstopfung. Sie umfasst verschiedene Ansätze:

  • Einläufe oder Klistiere: Hierbei wird Flüssigkeit in den Enddarm eingebracht und soll zum einen den harten Kot gleitfähig und weicher machen, zum anderen die Darmmotorik anregen. Diese Maßnahme kann von außen von massierenden Bewegungen begleitet werden. Um die Massage zu tolerieren, müssen einige Katzen in Narkose gelegt werden.
  • Diätetische Maßnahmen sollen insgesamt zu einem weicheren Kot führen. Dazu stehen Futterzusätze, Medikamente und Diätfutter zur Verfügung.
  • Darmanregende Medikamente verbessern die Peristaltik.
  • Infusionen sichern die Flüssigkeitsversorgung ausgetrockneter Patienten.
  • Operative Maßnahmen: Operative Maßnahme umfassen sowohl die Entfernung der harten Kotballen aus dem Darm als auch die komplette Entnahme eines stark veränderten Darmabschnitts.

Prognose

Leichte Fälle lassen sich meistens gut und erfolgreich behandeln. Durch beständige Vorsorgemaßnahmen lassen sich erneute Verstopfungen wirkungsvoll verhindern. Katzen, die wiederholt an schweren Verstopfungen leiden und sogar bereits ein Megakolon entwickelt haben, müssen besonders sorgfältig gefüttert und häufig lebenslang behandelt werden. Außerdem müssen sie gründlich beobachtet werden, weil sie jederzeit eine erneute Verstopfung entwickeln können.

Vorbeugung

Eine ballaststoffreiche Ernährung, eventuell mit Zusätzen von Weizenkleie, Flohsamen oder Milchzucker, kann bei anfälligen Katzen einer erneuten Verstopfung vorbeugen. Auch Kartoffelstärke kann gut eingesetzt werden und wird von vielen Katzen geschmacklich gut akzeptiert. Übergewichtige Tiere sollten langsam abnehmen und zur Bewegung animiert werden. Hinweise zur Behandlung und Vermeidung von Übergewicht finden Sie in dem entsprechenden Artikel.

Bei langhaarigen Katzen kann durch regelmäßiges Bürsten und Kämmen die Bildung von Haarballen vermindert werden. Angebotenes Katzengras hilft Wohnungskatzen, die Haare zu erbrechen – in diesem Fall ein erwünschter Vorgang.

Die Wasseraufnahme einer Katze kann durch Katzenbrunnen erhöht werden. Wasser sollte außerdem immer etwas entfernt vom Futterplatz und gerne auf einem erhöhten Platz (z.B. Fensterbank) angeboten werden, das erhöht die Akzeptanz.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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20.12.2013: Stubentiger....
Wir haben ein ca. 14 Wochen altes Kitten mit einem Megacolon.... :(

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