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Katze: Ohrenentzündungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Otitis

Das Ohr wird entsprechend seinem Aufbau in äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr eingeteilt. Es ist ein Sinnesorgan mit zwei verschiedenen Funktionen: Es ist gleichzeitig das Gehör- und das Gleichgewichtsorgan. Das äußere Ohr dient hauptsächlich dazu, Schallwellen aufzufangen und an das Mittel- und Innenohr weiterzuleiten. Dort werden die Schallwellen zu elektrischen Reizen verarbeitet, die im Gehirn als Geräusche wahrgenommen werden. Das Gleichgewichtsorgan befindet sich im Innenohr und sorgt für die Orientierung im Raum.

Abb. FZ6S3YI7
Abb. FZ6S3YI7: Schematische Darstellung des Ohres.

Ursachen

Die meisten Entzündungen des äußeren Gehörgangs entstehen durch Ohrmilben (Otodectes cynotis). Die Krankheit wird auch als „Ohrräude“ bezeichnet. Die Ohrmilben stechen die Haut an und ernähren sich von der austretenden Gewebsflüssigkeit. Viele Katzen reagieren auf die Milben allergisch, so dass sich die Symptome noch verstärken. Die Ohrmilben der Katze können auch beim Hund auftreten.

Bakterien und Pilze lagern sich häufig als so genannte Sekundärerreger an die durch die Milben bereits geschädigte Haut an, nur sehr selten führen sie primär zu Entzündungen des Ohres. Begünstigt werden diese Entzündungen vor allem durch das Vorhandensein von gutartigen Wucherungen, so genannten Polypen, die eine ausreichende Belüftung des Ohres verhindern. Polypen entstehen wiederum häufig durch chronische Entzündungen.

Grundsätzlich kann eine Infektion des äußeren Ohres auf das Mittel- oder Innenohr übergreifen. Häufiger entstehen Mittelohr- und Innenohrentzündungen jedoch aus Entzündungen des Nasen-Rachen-Raums, der über die so genannte "Eustachische Röhre " mit dem Mittelohr verbunden ist. Keime können diese Verbindung hochwandern und finden dort optimale Vermehrungsvoraussetzungen.

Ansteckung

Viele Ohrenentzündungen werden durch Ohrmilben verursacht, die von Katze zu Katze – aber auch von Hund zu Katze – übertragen werden können. Häufig findet eine Übertragung bereits von der Mutter auf ihre Welpen statt. Erwachsene Katzen können Träger der Milben sein, ohne Erkrankungsanzeichen zu zeigen. Diese Tiere können die Milben aber jederzeit auf andere Tiere übertragen.

Leitsymptom

  • Kopfschütteln
  • Juckreiz an den Ohren

Symptome

Die typischen Symptome einer Ohrenentzündung sind:

  • Ohrenschütteln
  • Reiben der Ohren an Gegenständen
  • Kratzen
  • unangenehmer Geruch aus den Ohren (eventuell mit Ausfluss)
  • Schmerzäußerung beim Berühren

Von Ohrräude sind meistens beide Ohren betroffen. Es findet sich vermehrt typisch dunkelbraunes, krümeliges Sekret, das zu harten, borkigen Krusten eintrocknet. Die Milben können sich auf die umliegende Haut ausbreiten und dort zu schuppigen, borkigen Veränderungen führen.

Die Symptome bei bakteriellen Infektionen des Ohres oder vorliegenden Polypen sind ähnlich, häufig ist dann jedoch nur ein Ohr betroffen und das Sekret ist eher eitrig-gelb statt dunkelbraun. Mischinfektionen sind ebenfalls möglich.

Sind das Mittel- und das Innenohr betroffen, treten meist Kopfschiefhaltung, Horner-Syndrom oder Augenzittern auf. Auch das Hörvermögen kann sich durch diese tiefen Infektionen verschlechtern.

Diagnose

Mit Hilfe eines Otoskops, einer speziellen Lampe mit vorgeschalteter Lupe, können die Ohrmuschel und der gesamte Gehörgang gründlich untersucht werden. Auch das Trommelfell sollte genau betrachtet werden, da es bei fortgeschrittenen Erkrankungen gerissen sein kann. Dies ist häufig nur nach einer gründlichen Reinigung und Spülung möglich, für die manchmal eine Narkose notwendig ist.

Milben sind durch die Lupe als weiße, krabbelnde Punkte sichtbar. Unter dem Mikroskop lassen sich die Milben noch genauer erkennen, allerdings müssen nicht in jeder Probe (Ohrschmalz, Hautgeschabsel) Milben zu finden sein. Meist ist jedoch das krümelige Sekret, bestehend aus Abfallprodukten der Milben und Ohrenschmalz, ein ausreichender Beweis für das Vorliegen von Ohrräude.

Abb. GF10NKJH
Abb. GF10NKJH: Ohrmilbe unter dem Mikroskop.

Polypen im Bereich des äußeren Ohres können ebenfalls mit dem Otoskop gesehen werden. Eine Röntgenaufnahme oder eine Computertomographie (CT) können sinnvoll sein, um zu überprüfen, ob auch das Mittel- und das Innenohr von diesen gutartigen Wucherungen befallen sind und sie dort zu chronischen Entzündungen führen.

Bei Verdacht auf bakterielle Infektionen sollte eine Tupferprobe genommen werden, um im Labor mit Hilfe eines Antibiogramms zu bestimmen, welches Antibiotikum wirksam ist.

Behandlung

Die Behandlung von Ohrenentzündungen beginnt meist mit einer gründlichen Reinigung des Ohres – deren Ausmaß durch die Kooperationsbereitschaft der Katze bestimmt wird. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, die Katze kurz zu sedieren, um die Reinigung gründlich und vollständig durchführen zu können.

Alle weiteren Maßnahmen richten sich nach dem Grundleiden:

  • Bei vorliegender Ohrräude stehen verschiedene Medikamente als Ohrentropfen oder Spot-on-Präparate zur Verfügung. Alle im Haushalt lebenden Tiere müssen mitbehandelt werden, um wiederholte Ansteckungen zu vermeiden.

Abb. FZ6T2G13
Abb. FZ6T2G13: Anwendung eines Spot-on-Präparats.
Zur Anwendung eines Spot-on-Präparats wird das Fell zwischen den Schulterblättern gescheitelt und die Flüssigkeit aufgetropft. Die Katze sollte dort für einen Tag nicht gestreichelt werden.

  • Infektionen mit Bakterien oder auch Pilzen können nach Ermittlung eines geeigneten Antibiotikums oder Pilzmittels auch lokal mit Tropfen behandelt werden.
  • Polypen sind eigentlich harmlos und sollten nur entfernt werden, wenn sie die Belüftung des Ohres nachhaltig stören und dadurch wiederholt Entzündungen auftreten. Unter Umständen muss der äußere Gehörgang für eine chirurgische Entfernung erweitert werden, um den Zugang zu diesen Wucherungen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass ein kleiner Teil der Außenwand des Gehörgangs entfernt wird. Günstiger Nebeneffekt dieser Operation ist eine bessere Belüftung des Ohres und leichterer Abfluss von Ohrenschmalz, so dass die Entzündung schneller abheilt. Daher wird die chirurgische Erweiterung des äußeren Gehörgangs als letzte Konsequenz auch bei chronischen Ohrenentzündungen angewandt. Leider besteht bei Polypen eine hohe Rezidivgefahr, d.h. sie wachsen erneut an der gleichen Stelle.
  • Entzündungen von Mittel- und Innenohr können nicht mit Ohrentropfen geheilt werden, das Trommelfell lässt Wirkstoffe nicht ausreichend passieren. Es bedarf daher einer systemischen Antibiose, die über mindestens zwei Wochen durchgeführt werden sollte.

Prognose

Eine akute Entzündung des äußeren Ohres ist einfach, schnell und erfolgversprechend zu behandeln. Bei verschleppten Ohrentzündungen oder abgebrochenen Behandlungen wird die Heilung immer schwieriger und langwieriger. Meist haben diese Katzen dann ständig Ohrprobleme mit langfristigen Auswirkungen auf das Gehör und den Gleichgewichtssinn.

Infektionen des Innenohres haben oft eine ungünstige Prognose.

Vorbeugung

Eine regelmäßige Kontrolle der Ohren kann schwerwiegenden Infektionen mit Parasiten, Bakterien oder Pilzen vorbeugen. Mit einem feuchten, weichen Tuch können Sie die Ohrmuschel reinigen – allerdings nur so tief der Zeigefinger reicht. Bitte benutzen Sie niemals Wattestäbchen! Sie können damit zum einen Verschmutzungen tiefer und dann unerreichbar in das Innere des Ohres vorschieben, zum anderen reizen Sie damit die empfindliche Ohrinnenhaut und zerstören die dort zur Selbstreinigung befindlichen Härchen und begünstigen deutlich das Fortschreiten einer Entzündung.

Tipps

Lassen Sie sich die Anwendung von Ohrentropfen und das Reinigen der Ohren genau zeigen und probieren Sie es selbst aus, während ein Tierarzt anwesend ist. Die Medikamente müssen tief in den Gehörgang eingebracht werden, um wirksam zu sein. Bei sachgemäßer Anwendung ist eine Ohrenentzündung dann meist schnell ausgeheilt.

ACHTUNG

Otodectes cynotis geht – anders als andere Milbenarten – nicht auf den Menschen über und ist damit kein Zoonoseerreger.

Stand: 31.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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10.11.2014: sali
...unglaublich, der identische Satz steht unter www.eltern.de dort geht es um Mittelohrentzündung bei Kindern und das Wort "Katzen" wurde dort mit dem Wort "Kinder" ausgetauscht. Der Beitrag wurde sogar am gleichen Tag verfasst.
So etwas nenne ich absolute hinterhältige Werbung und Irreführung, dann noch so offensichtlich.
Pfui, Sie sollten sich schämen mit dem Leid anderer zu spielen!
26.06.2014: Rosi
Ich gebe bei meinen Katzen immer ein paar Tropfen flüssiges Vicolac immun Colostrum ins Ohr und siehe da, am nächsten Tag ist die Ohrenentzündung weg. Eigentlich nehme ich das selber wegen meiner Neurodermitis aber ich hatte im Internet gelesen, dass es lokal bei Entzündungen sehr gut wirkt und dann wurde ich erfinderisch ;-)

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