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Katze: Niereninsuffizienz

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Nierenunterfunktion

Niereninsuffizienz bedeutet, dass die Leistungsfähigkeit der Nieren stark eingeschränkt ist. Wenn erste Ausfallerscheinungen klinisch in Erscheinung treten, funktionieren in der Regel nur noch 30% des Nierengewebes richtig.

Eine akute Niereninsuffizienz (auch akutes Nierenversagen genannt) entsteht durch eine zu geringe Durchblutung der Nieren (z.B. durch starken Blutverlust oder Herzerkrankungen), oder durch nierenschädigende Substanzen (z.B. Vergiftungen oder bestimmte Medikamente). Der Funktionsverlust der Nieren findet dann innerhalb kurzer Zeit statt und kann ohne Behandlung schnell tödlich enden.

Wesentlich häufiger und eigentliches Thema dieses Artikels ist die chronische Niereninsuffizienz, eines der häufigsten Probleme älterer Katzen. Bei dieser Erkrankung verschlechtert sich die Nierenfunktion langsam, aber stetig. Diese Erkrankung ist nicht heilbar und führt langsam zum Tod.

Die Nieren sind paarig angelegt und liegen beidseits neben der Wirbelsäule, kurz hinter dem Zwerchfell. Sie haben zwei Hauptfunktionen:

  • Ausscheidung von Giftstoffen: Überflüssige Endprodukte des Stoffwechsels und andere Giftstoffe müssen mit dem Harn ausgeschieden werden. Die Nieren filtern diese harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut heraus, bilden einen konzentrierten Harn und scheiden ihn über die Harnwege (Harnleiter, Blase und Harnröhre) aus.
  • Rückgewinnung von Wasser und Salzen (Elektrolyte): Harnpflichtige Stoffe sind vor der Filtration durch die Nieren in Wasser gelöst. Dieses Wasser (und zugleich Salze) werden jedoch vom Organismus benötigt. Die Nieren gewinnen daher Wasser und Salze aus dem zunächst sehr "verdünnten" Harn zurück, bis nur noch stark konzentrierter Harn vorliegt.

Durch Funktionsverlust des Nierengewebes kann die Katze den Harn nicht mehr konzentrieren. Sie verliert also zunächst Wasser und Salze. Auch Eiweiß geht über den Harn verloren. Diesen Verlust versucht die Katze durch vermehrtes Trinken auszugleichen. Gleichzeitig reichern sich harnpflichtige Substanzen im Blut an und führen auf Dauer zu einer Harnvergiftung (Urämie). Im weiteren Verlauf verringert sich die produzierte Harnmenge durch Ausfall weiteren Nierengewebes.

Abb. FZ5UVH2B
Abb. FZ5UVH2B: Lage der Harnorgane.
Die Nieren liegen paarig beidseits der Wirbelsäule. Sie bilden den Harn und leiten diesen über die beiden Harnleiter in die Blase.

Abb. FZ5USIIK
Abb. FZ5USIIK: Schematischer Aufbau der Niere.
Nieren bestehen aus einer Mark- und einer Rindenschicht. Insbesondere die Rindenschicht ist sehr stark durchblutet. Im Nierenbecken sammelt sich der in Rinden- und Markschicht filtrierte und konzentrierte Harn und wird über den Harnleiter abgeleitet.

Ursachen

Chronische Niereninsuffizienz tritt vor allem bei Katzen ab dem 8. Lebensjahr auf. Alterung ist also eine wichtige Ursache für die Erkrankung. Akute Niereninsuffizienzen, Stoffwechselstörungen, Allgemeinerkrankungen wie FIP, Nierensteine oder unbemerkte Entzündungen können ebenfalls an einer chronischen Niereninsuffizienz beteiligt sein und bereits in jüngeren Jahren zu Erkrankungen führen.

Leitsymptom

  • Appetitlosigkeit
  • Maulgeruch

Symptome

Die meisten Katzen mit Niereninsuffizienz werden in der Praxis vorgestellt, weil sie nicht mehr fressen. Auch vermehrter Durst ist eines der deutlichsten Kennzeichen einer Niereninsuffizienz, da Katzen normalerweise kaum trinken. Das liegt daran, dass die Katzen mehr Harn absetzen, weil die geschädigten Nieren das Wasser nicht mehr zurückgewinnen können. Dadurch erhöht sich die Urinmenge, wobei der Urin hell und geruchsarm ist. Mit der Zeit können die Katzen den Flüssigkeitsverlust kaum mehr ausgleichen (oder tun es nicht wegen der Magenbeschwerden und schwindender Lebenslust) und trocknen deutlich aus. Es liegt eine so genannte Exsikkose vor.

Folgen einer Harnvergiftung sind verminderter Appetit mit langfristiger Gewichtsabnahme. Der Organismus gibt einen Teil der sich im Blut anreichernden Giftstoffe über die Schleimhäute der Mundhöhle und des Magens ab. Dies führt zu Erbrechen, Magenschleimhautentzündungen, Stomatitiden und Maulgeruch. Dieser Maulgeruch ist sehr typisch und ähnelt dem Geruch von Nagellackentferner. In diesem Krankheitsstadium liegt bereits ein stark verminderter Harnabsatz vor.

Viele weitere Symptome können sich im Laufe einer chronischen Niereninsuffizienz einstellen. Dazu gehören Anämie, Bluthochdruck, Augenveränderungen, Weichteilverkalkungen und Muskelschwäche.

Die hohe Konzentration von Giftstoffen im Blut führt im Endstadium einer Harnvergiftung zur Bewusstlosigkeit (Koma) und zum Tod.

Diagnose

Der Vorbericht der Besitzer und die klinische Untersuchung der Katze deuten sehr schnell auf eine chronische Niereninsuffizienz hin. Die Nieren sind beim Betasten häufig deutlich verhärtet und die Untersuchung ist für die Katze schmerzhaft. Das genaue Ausmaß der Nierenschädigung wird mit Hilfe von Blut- und Harnuntersuchungen bestimmt. Spezielle Blutwerte zeigen das Krankheitsstadium deutlich an und können auch im Therapieverlauf wiederholt bestimmt werden, um den Behandlungserfolg zu kontrollieren.

Weiterführende Untersuchungen wie Ultraschall und Computertomographie der Nieren, Röntgenaufnahmen oder Blutdruckmessungen können ebenfalls wichtige, prognostische Hinweise liefern.

Behandlung

Viel Ruhe, uneingeschränkter Zugang zu Trinkwasser, spezielles Nierendiätfutter und medikamentöse Versorgung durch den Tierarzt sind die Grundlagen der Behandlung bei Niereninsuffizienz. Zusätzlich stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, um eine Niereninsuffizienz symptomatisch zu behandeln. Durch eine symptomatische Therapie wird nicht das Grundleiden an sich behandelt, sondern die entstehenden Symptome wie Erbrechen oder Magenschleimhautentzündung. Die neben den typischen Vergiftungserscheinungen auftretenden vielfältigen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Eisenmangel oder Austrocknung können die Gabe von weiteren Medikamenten notwendig machen.

Bei einer Niereninsuffizienz kommt es durch verschiedene Änderungen im Stoffwechsel zu einer Anreicherung von Phosphat im Blut. Dieses Phosphat lagert sich in Weichteilgeweben wie z.B. Nieren und Blutgefäßen an und führt dort zu Verkalkungen. Diese Verkalkungen schränken die Nierenfunktion weiter ein. Um die Anreicherung von Phosphat im Körper möglichst lange niedrig zu halten, sollte deswegen möglichst wenig Phosphat mit der Nahrung zugeführt werden. Phosphat ist in der Nahrung jedoch mit Eiweiß verbunden, das insbesondere für reine Fleischfresser lebensnotwendig ist. Mit so genannten Phosphatbindern kann die Aufnahme von Phosphat trotzdem verringert werden. Diese werden mit dem normalen Futter der Katze vermischt, binden das Phosphat und verhindern so die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt. Das Phosphat wird mit dem Kot wieder ausgeschieden, die wertvollen Eiweiße können trotzdem aufgenommen werden. Bis vor kurzem wurde meist bereits bei leicht eingeschränkter Nierenfunktion auch das Eiweiß in der Nahrung reduziert. Neueren Untersuchungen zufolge wird dies erst im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit empfohlen. Die Phosphatbinder können dann zusammen mit dem Diätfutter verabreicht werden.

In schweren Fällen können Infusionen als Ersatz einer Blutwäsche (Dialyse) dienen. Sie helfen, die Konzentration der giftigen Stoffe im Blut so weit zu senken, dass die Katze wieder Appetit bekommt und zur Aufnahme von Diätfutter bewogen werden kann.

Aber auch eine Dialyse ist bei Katzen möglich. In den USA gehören Dialysen bei Tieren bereits zur Routine und es ist zu erwarten, dass sie trotz hoher Kosten auch in Deutschland vermehrt angeboten werden. Bei Katzen werden in USA auch Nieren transplantiert, auch hier ist eine Weiterentwicklung in Deutschland sicher nicht ausgeschlossen. Problematisch ist die Spendertierfrage. In den USA wird dies beispielsweise so gehandhabt, dass herrenlosen Katzen eine Niere entnommen wird (was keine gesundheitlichen Einschränkungen für sie zur Folge hat) und die Besitzer des Empfängertieres sich verpflichten, das Spendertier zu „adoptieren“.

Prognose

Die Veränderungen in den Nieren können nicht rückgängig gemacht werden und schreiten meist weiter fort. Eine lebenslange Therapie ist notwendig.

Tipps

Wasser muss nierenkranken Katzen immer in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Um die Katze zum Trinken zu bewegen, kann dem Wasser Thunfischsoße, Fleischbrühe o.ä. zugesetzt werden. Einige Katzen trinken auch gerne aus Zimmerbrunnen!

Leider schmeckt das Diätfutter den meisten Katzen am Anfang nicht, vor allem wenn sie durch eine Harnvergiftung bereits keinen Appetit mehr haben. Mischen Sie am Anfang ruhig ein besonderes Lieblingsessen Ihrer Katze unter das Diätfutter. Es ist wichtig, dass die Katze überhaupt wieder anfängt zu fressen. Später kann der leckere Zusatz langsam reduziert werden. Viele Katzen sind trotz diverser Tricks nicht zum Fressen von Diätnahrung zu bewegen. In diesem Fall füttern Sie weiterhin das normale Futter und mischen es mit einem Phosphatbinder.

ACHTUNG

Als Tierbesitzer spielen Sie eine wichtige Rolle bei der Behandlung einer Niereninsuffizienz. Disziplin bei der Fütterung und Medikamentengabe kann die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Katze deutlich verbessern.

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Stand: 31.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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