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Katze: Psychogen bedingte Haarlosigkeit

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Leckbauch, Psychogene Alopezie

Psychogen bedingte Haarlosigkeit kommt nach heutigem Kenntnisstand wesentlich seltener vor als früher angenommen. Sie wird durch einen übersteigerten Putztrieb ausgelöst, der entweder nur psychische Ursachen hat oder dem zusätzlich auch eine organische Ursache zugrunde liegt oder lag.

Körperpflege ist für Katzen ein wichtiges Instrument zur Steigerung des Wohlbefindens. Jede Katze zeigt über den Tag verteilt immer wieder Phasen des Putzens. Sie beginnt meistens mit dem Belecken der Vorderpfoten. Mit dem angefeuchteten Fell der Vorderpfoten werden Gesicht und Ohren gereinigt. Anschließend beleckt die Katze die leicht zugänglichen Körperstellen wie Bauch, Innenschenkel, aber auch Brust, Außenschenkel und die After- und Genitalregion. Neben dem Aspekt der Fellreinigung verschafft sich die Katze auch Entspannung und Wohlbehagen durch die putzende Tätigkeit.

Ursachen

Stress und Angst können bei Katzen zu einem übersteigerten Putzverhalten führen. Die Katzen versuchen, sich durch diese Tätigkeit zu entspannen. Einigen Tieren gelingt es, ihre inneren Spannungen abzubauen, bevor das Fell und die Haut durch das übermäßige Putzen geschädigt werden. Andere Tiere putzen unvermindert weiter, ohne zu psychischem Wohlbefinden zu gelangen. Bei ihnen gewinnt der Putztrieb eine Eigendynamik, die nicht mehr so leicht zu stoppen ist. Sie lecken sich besonders an Bauch und Innenschenkel die Haare weg und können auch die Haut mit ihrer rauen Zunge irritieren.

Ausschließlich psychische Ursachen für Haarlosigkeit sind selten. Es gibt Mischformen, in denen zusätzlich organische Ursachen vorliegen – oder zumindest ursprünglich vorlagen. Dazu zählt in erster Linie Juckreiz, der z.B. durch Flohbefall, Flohspeichelallergie, Futtermittelallergie oder Atopie hervorgerufen wurde. Auch Schmerzen können intensives Lecken auslösen. Juckreiz und Schmerz können ebenfalls als Stressoren wirken, die zusätzlich zum zielorientierten Lecken (Beseitigung des Juckreiz oder Schmerz) ganz grundsätzlich den Putztrieb verstärken.

Hat der Putztrieb erst mal eine Eigendynamik gewonnen, dann putzen sich die Katzen auch dann weiterhin intensiv, wenn der ursprüngliche Auslöser gar nicht mehr besteht.

Leitsymptom

  • Haarlosigkeit, besonders am Bauch

Symptome

Katzen mit psychogenem Haarausfall haben meistens am Bauch, manchmal auch an den Innenschenkeln und an anderen Körperregionen kahle Stellen. Ein so genannter Leckbauch ist ein kahl geleckter Bauch. In extremen Fällen werden alle einfach zu erreichenden Körperregionen mit einbezogen. Die Haut kann durch das ständige Lecken ebenfalls gereizt sein und mit Verdickung oder oberflächlicher Entzündung reagieren. Auf der gereizten Haut können sich Bakterien und andere Erreger gut vermehren und zu Sekundärinfektionen führen.

Nicht immer kann das übermäßige Putzen durch den Besitzer beobachtet werden. Viele Tiere ziehen sich dazu zurück und entziehen sich so der Beobachtung.

Abb. HDEGMIJQ
Abb. HDEGMIJQ: Typisches Bild eines "Leckbauchs".

Weitere Folgen der Lecksucht können häufiges Erbrechen von Haaren, vermehrter Durst durch den Flüssigkeitsverlust beim Lecken und die Vernachlässigung der Pflege anderer Körperstellen sein. Nicht selten ist das Fell auf dem Rücken daher schuppig und schlecht gepflegt.

Diagnose

Psychogene Ursachen als Auslöser von kahlen Stellen zu ermitteln ist nicht einfach. Zunächst müssen alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden.

Zunächst sollte man sich überlegen, ob sich im Umfeld der Katze Veränderungen ereignet haben, die bei ihr möglicherweise zu Stress oder Angst geführt haben. Das können z.B. ein Umzug, ein neues Haustier oder Baby, Umstellen der Möbel, Veränderungen im Freigang und vieles mehr sein. Bei Verdacht wird bei der Untersuchung der Katze ein Hauptaugenmerk auf ihre psychische Verfassung und auf ihr Verhalten gelegt. Nach Möglichkeit sollte auch ihr Putzverhalten analysiert werden.

Weiterführende Untersuchungen beinhalten:

  • Verteilungsmuster des Haarausfalls
  • Form und Struktur der Haare, die durch das Belecken gekräuselt sein können
  • Hautgeschabsel oder Biopsie zum Ausschluss von Ektoparasiten, Hautpilz oder anderen Hauterkrankungen
  • Eliminationsdiät zum Ausschluss von Futtermittelunverträglichkeiten
  • Flohbehandlung
  • diagnostische Behandlung mit juckreizstillendem Kortison, um Juckreiz als Hauptursache auszuschließen (Achtung: häufig spielt Juckreiz als Stressor eine Rolle, daher ist die Unterscheidung hier nicht so leicht; außerdem wirkt Kortison manchmal stimmungsaufhellend und kann daher auch bei psychogenen Ursachen wirksam sein)

Behandlung

Die Wahl der Behandlung hängt sehr stark von der Schwere der Erscheinungen ab. Leichte Fälle, die das Wohlbefinden der Katze nur wenig beeinträchtigen, können so belassen werden, solange sie sich nicht verschlimmern.

Begleitend sollten aber immer die Haltungsbedingungen der Katze optimiert werden. Das beinhaltet u.a.:

  • die Bereitstellung eines sicheren und sichtgeschützten Rückzugortes
  • ein täglich gereinigtes sauberes Katzenklo in ruhiger Umgebung
  • verändertes Management bei in einem Mehrkatzenhaushalt, beispielsweise getrennt Futterplätze, verschiedene Eingänge u.v.a.

Darüberhinaus gibt es therapeutische Ansätze mit so genannte Pheromonen (natürliche Duftstoffe) und mit Nahrungsergänzungsstoffen, die das Wohlbefinden der Katzen steigern sollen. Diese sind auch in speziellen Futtermittelzubereitungen für ängstliche Tiere enthalten. Schmerzen und Juckreiz erfordern stets eine umfassende Behandlung.

In schweren Fällen können Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka verabreicht werden, die eine antidepressive Wirkung besitzen.

Prognose

Die Prognose ist sehr unterschiedlich und hängt von der Schwere der Verhaltensstörung und von den Ursachen ab. Sollte es sich tatsächlich um eine reine Verhaltensstörung handeln, kann man Rat bei einem auf Verhaltenstherapie spezialisierten Tierarzt suchen.

Vorbeugung

Wenn Veränderungen im Haushalt anstehen, z.B die Anschaffung eines neuen Haustiers, Geburt eines Babys oder Umzug kann man bei sensiblen Katzen vorbeugend Nahrungsergänzungsmittel oder Pheromone anwenden, um ihr Wohlbefinden zu erhöhen.

Stand: 21.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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