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Katze: Leber- und Gallengangsentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Cholangitis-Cholangiohepatitis-Komplex

Die Gallenblase ist ein Blindsack, der vollständig in die Leber eingebettet ist. Sie speichert die in der Leber gebildete Galle. Galle enthält z.B. Gallensäuren, die der Fettverdauung dienen, aber auch Stoffwechselendprodukte wie den Gallenfarbstoff Billirubin. Billirubin ist ein Abbauprodukt aus den roten Blutkörperchen. Zuviel Bilirubin im Blut führt zu Gelbsucht. Die Galle wird über ein verästeltes System aus kleinen Gallengängen aus der Leber in den so genannten Ductus choledochus geleitet. Der Ductus choledochus ist der Verbindungsgang der Galle in den Dünndarm. Bevor dieser große Gallengang den Darm erreicht, verbindet er sich mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse. Diese enge Nachbarschaft erklärt, warum die Bauchspeicheldrüse häufig gemeinsam mit der Leber erkrankt. Aber auch Darmentzündungen können über den Ductus choledochus auf Gallengänge und Leber übergreifen.

Bei einer Leber- und Gallengangsentzündung (Cholangitis-Cholangiohepatitis-Komplex) besteht in den meisten Fällen zuerst eine Entzündung der Gallengänge. Die Gallengänge sind aber z.T. so eng in das Lebergewebe eingebettet, dass sich umgebendes Lebergewebe ebenfalls entzündet. Eine reine Entzündung der Leber wird Hepatitis genannt und in dem entsprechenden Artikel behandelt.

Abb. FZ6R2Y9Z
Abb. FZ6R2Y9Z: Lage von Leber und Gallenblase im Magen-Darm-Trakt.

Ursachen

Man unterscheidet zur Zeit zwei Formen der Leber- und Gallengangentzündung:

Eitrige Leber- und Gallengangentzündungen entstehen häufig durch so genannte aufsteigende Infektionen. Bakterien aus dem Dünndarm wandern den Ductus choledochus hoch, erreichen die Gallenblase und besiedeln schließlich auch die kleinen Gallengänge. Sie vermehren sich dort und breiten sich auch auf das Lebergewebe aus. Durch die Entzündung verengen sich die Gallengänge, so dass die Galle nicht mehr ausreichend abgegeben werden kann. Sie staut sich zurück in das Lebergewebe. Aus der gestauten Leber können dann Bakterien und Gallenfarbstoffe in das Blut übergehen und den Körper überschwemmen. Es entsteht Gelbsucht und eine Bakteriämie (Überschwemmung des Körpers mit Bakterien). Daraus kann sich ein septischer Schock (Blutvergiftung) entwickeln.

Nicht-eitrige Leber- und Gallengangentzündung: Bei dieser Form werden keine Bakterien als Auslöser der Entzündung gefunden. Ihre Ursache ist weitgehend unklar. Man vermutet, dass sie aus der eitrigen Form als Spätfolge hervorgehen kann. Nicht-eitrige Leber- und Gallengangentzündungen haben häufig einen eher chronischen und intermittierenden Verlauf. Das bedeutet, dass die unten beschriebenen Symptome für einige Zeit vollständig verschwinden können und dann ganz plötzlich wieder auftauchen.

Leitsymptom

  • Schwäche
  • Gelbsucht

Symptome

  • Eitrige Leber- und Gallengangentzündung: Die Erkrankung verläuft häufig akut, d.h. die Katzen werden innerhalb von wenigen Tagen sehr krank. Sie zeigen Mattigkeit, Appetitlosigkeit, haben häufig Fieber und Gelbsucht. Einige Tiere erbrechen auch und haben Durchfall. Bei schweren Verläufen sterben die Katzen an Blutvergiftung.
  • Nicht-eitrige Leber- und Gallengangentzündung: Diese Form verläuft chronisch. Symptomfreie Phasen wechseln sich mit Krankheitsepisoden ab. Auch diese Tiere zeigen während der Krankheitsphasen Mattigkeit, fressen schlecht und können erbrechen bzw. Durchfall entwickeln.

Abb. HDFVUD57
Abb. HDFVUD57: Gelbsucht (Ikterus).

Diagnose

Teilweise kann eine schmerzhafte Vergrößerung der Leber bereits ertastet werden. Blutproben sind besonders im akuten Verlauf aussagekräftig: Bei eitriger Leber- und Gallengangentzündungen sind die Entzündungszellen und Leberwerte im Blut deutlich erhöht. Außerdem wird vermehrt Bilirubin mit dem Harn ausgeschieden. Bei der nicht-eitrigen Form sind die Veränderungen milder ausgeprägt und können in den symptomlosen Phasen sogar fehlen. Ultraschalluntersuchungen der Gallenwege und der Leber können wichtige diagnostische Hinweise geben. Eine endgültige Diagnose kann häufig jedoch nur mit Hilfe einer Biopsie gestellt werden. Dabei wird z.B. mit einer feinen Nadel die Gallenblase unter Ultraschallkontrolle punktiert und das gewonnene Gewebe untersucht.

Behandlung

Leber- und Gallengangentzündung werden mit Antibiotika und Leberschutzmedikamenten über einen sehr langen Zeitraum behandelt. Es kann nötig sein, die Medikamente bis zu 6 Monate lang zu verabreichen. Beim chronischen Verlauf haben zusätzlich Kortisone gute entzündungshemmende Wirkung gezeigt.

Tritt im akuten Fall ein kompletter Verschluss des Galleabflusses auf, kann sogar ein chirurgischer Eingriff nötig werden, um den Druck in der Leber durch den Gallerückstau zu verringern.

Prognose

Leichte Erkrankungen haben eine gute Prognose, schwere Entzündungen enden häufig tödlich.

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Stand: 25.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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