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Katze: Kniescheibenluxation

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Patellaluxation, Luxatio patellae, herausgesprungene Kniescheibe

Zum besseren Verständnis der Entstehung und Therapie einer Kniescheibenluxation ist eine Kenntnis der anatomischen Gegebenheiten notwendig:

Am Kniegelenk sind drei Knochen beteiligt: Das untere Ende des Oberschenkelknochens (Femur), das obere Ende des Schienbeins (Tibia) sowie die Kniescheibe (Patella). Die Kniescheibe liegt zwischen den Rollkämmen des Oberschenkelknochens, in der so genannten Rollfurche (Sulcus trochlearis). Durch diese Furche läuft die Endsehne der Streckmuskulatur, in die die Kniescheibe eingelagert ist. Diese Sehne setzt am vorderen Rand des Schienbeins an. Beim gesunden Gelenk gleitet die Kniescheibe während der Bewegung in der Rinne des Oberschenkels, eingelagert in die Oberschenkelmuskulatur, die dann am Schienbein ansetzt.Bei einer Kniescheibenluxation verlässt die Kniescheibe die Führungsrinne und springt nach innen (mediale Patellaluxation) oder außen (laterale Patellaluxation). Durch dieses Herausspringen entstehen Gelenkentzündungen und Knorpelschäden, die zu unheilbaren und sehr schmerzhaften Arthrosen führen.

Abb. GDLKAPZV
Abb. GDLKAPZV: Schematische Darstellung einer Kniescheibenluxation.

Ursachen

Kniescheibenluxationen sind bei Katzen entweder angeboren oder werden traumatisch, also z.B. durch Stürze oder Unfälle ausgelöst. Häufig liegt dann gleichzeitig ein Kreuzbandriss und eine Gelenkkapselverletzung vor.

Bei der angeborenen Form ist die Kniescheibe meistens nach innen (medial) verlagert. Diese Erkrankung kann beide Hinterbeine gleichzeitig betreffen. Bei einigen Katzenrassen tritt die angeborene Patellaluxation gehäuft auf.

Grundsätzlich begünstigen Fehlstellungen der Gliedmaße, beispielsweise eine flache Rollfurche oder hochgradige O-Beine, das Auftreten von Patellaluxationen. Auch Übergewicht und ein schlechter Muskeltonus durch unzureichende Bewegung sind so genannte prädisponierende Faktoren.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Kniescheibenluxationen können zu einer ganz plötzlichen Lahmheit bzw. einer Veränderung des Gangbildes führen. Beobachtet werden auch Blockaden nach dem Strecken oder Beugen des Knies. Häufig dauert diese Lahmheit nur ein paar Schritte an und die Katze läuft dann wieder ganz unauffällig, weil die Kniescheibe wieder an ihren Platz gerutscht ist. Wenn das jedoch mehrmals passiert, entstehen Arthrosen im Kniegelenk. Rutscht die Kniescheibe nicht wieder von alleine in ihre Gelenkrinne zurück, spricht man von stationärer Kniescheibenluxation und die Katze ist dauerhaft lahm. Es gibt allerdings auch Katzen, denen eine Kniescheibenluxation keinerlei Probleme bereitet. Bei diesen Katzen wird die Erkrankung eher zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt.

Diagnose

Nur sehr selten kann eine Kniescheibenluxation in der tierärztlichen Praxis beobachtet werden, da in den meisten Fällen die Kniescheibe wieder von alleine zurückrutscht. Der Vorbericht gibt dann jedoch erste Hinweise auf die Diagnose Kniescheibenluxation.

Die Stabilität der Kniescheibe in ihrer Aufhängung kann manuell geprüft werden. Mit dem Daumen wird sanfter Druck auf die Kniescheibe ausgeübt und so getestet, ob und wie leicht sie nach innen oder außen luxiert werden kann.

Mit Hilfe von Röntgenbildern kann überprüft werden, ob sich bereits Arthrosen gebildet haben. Das kann Hinweise geben, ob es bereits öfter zu Luxationen kam.

Abb. FZDUXP5H
Abb. FZDUXP5H: Kniescheibenluxation im Röntgenbild.
Die Kniescheibe (A) rechts im Bild ist deutlich nach innen (medial) luxiert. Eher selten kann eine Luxation des Kniegelenks bei Katzen röntgenologisch dargestellt werden, meist rutscht die Kniescheibe vorher wieder zurück. B: Oberschenkelknochen, C: Schienbein, D: Wadenbein.

Behandlung

Wenn die Katze keine oder nur geringe Symptome zeigt, kann die Kniescheibenluxation versuchsweise belassen werden. Die Bewegungsmöglichkeit sollte aber eingeschränkt werden, wenn die Katze Lahmheit zeigt.

Wiederholte Kniescheibenluxationen müssen chirurgisch versorgt werden, um die Bildung von Arthrosen zu vermeiden. Inzwischen gibt es viele verschiedene Operationsmethoden, die je nach Befunden verwendet werden. Meist wird bei einer Operation die Gleitrinne der Kniescheibe vertieft und zusätzlich die Ansatzstelle der Sehne, in der die Kniescheibe eingebettet ist, am Unterschenkelknochen versetzt. Auch eine Straffung der Gelenkkapsel des Kniegelenks oder des umgebenden Bindegewebes ist möglich.

Bereits entstandene Arthrosen werden mit Schmerzmitteln oder Entzündungshemmern behandelt.

Abb. FZDV4J1P
Abb. FZDV4J1P: Chirurgisch versorgte Kniescheibenluxation.
Bei dieser Katze wurde die Ansatzstelle des Kniescheibenbands am Schienenbein versetzt und mit zwei Nägeln fixiert. Außerdem wurde die Gelenkkapsel gestrafft.

Prognose

Je früher Patellaluxationen chirurgisch behandelt werden, desto weniger irreparable und schmerzhafte Arthrosen sind meist entstanden und desto besser ist die Prognose für die langfristige Beweglichkeit der Katze. Bei einer frühen chirurgischen Intervention ist die Prognose in der Regel gut.

Vorbeugung

Da man eine erbliche Veranlagung zur Kniescheibenluxation vermutet, sollten Katzen mit dieser orthopädischen Erkrankung nicht zur Zucht verwendet werden.

Stand: 07.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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