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Katze: Idiopathische Blasenentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Blasenentzündung mit unbekannter Ursache, Idiopathische Zystitis

Bei Katzen gibt es eine Reihe von Harnwegserkrankungen, die unter dem Begriff FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Diseases, "Untere Harnwegserkrankungen der Katze") zusammengefasst werden. Die unter FLUTD zusammengefassten Krankheiten weisen alle sehr ähnliche Symptome auf, werden jedoch durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht. Eine Ursache für FLUTD kann eine idiopathische Zystitis sein, eine Entzündung der Harnblase aus unbekannter Ursache.

Folgende Erkrankungen gehören ebenfalls zu FLUTD:

Ursachen

Idiopathisch bedeutet "ohne erkennbare Ursache". Demnach ist die Ursache für diese Form der Blasenentzündung bisher unbekannt. Als gesichert gilt inzwischen, dass Stress eine große Rolle spielt. Betroffene Katzen haben zwar objektiv nicht mehr Stress als andere, sie empfinden ihn aber anders. Vermutlich liegt eine genetische Störung vor, die zu sehr komplizierten Veränderungen am Nervensystem und im Hormonhaushalt führen.

Folgende Faktoren scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen:

  • Übergewicht
  • Alter: junge bis mittelalte Katzen sind deutlich häufiger betroffen
  • Fütterung mit Trockenfutter
  • Wohnungshaltung
  • Mehrkatzenhaushalt
  • Antipathie mit einem Mitbewohner – Mensch, Katze oder auch Hund

Abb. H4I450Q0
Abb. H4I450Q0: Harn- und Geschlechtsorgane der männlichen Katze.

Abb. FZBE2PH3
Abb. FZBE2PH3: Harn- und Geschlechtsorgane der weiblichen Katze.

Symptome

Eine idiopathische Zystitis führt zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung:

  • Es kann kein Harn abgesetzt werden (Dysurie).
  • Die Katze versucht häufig, kleine Mengen Harn abzusetzen (Pollakisurie).
  • Die Katze hat einen starken Harndrang, aber Schmerzen beim Absetzen von Urin (Strangurie).
  • Der Urinabsatz erfolgt an unerwünschten Stellen (Periurie).
  • Der Urin ist blutig (Hämaturie).
  • Manisches Lecken der Genitalregion. Die raue Zunge der Katzen kann, insbesondere am Penis, zu massiven Schäden an der Schleimhaut führen.

Diagnose

Die Diagnose einer idiopathischen Blasenentzündung erfolgt durch ein so genanntes Ausschlussverfahren: Keine andere Erkrankung kann diagnostiziert werden. Die Blase ist meist klein und weich, es liegen keine Stauungserscheinungen vor, die auf eine Harnwegsobstruktion hinweisen könnten. Lediglich bei einigen Katern liegt auch ein Krampf in der Harnröhre vor, die den Urin am Ablaufen hindert. Bei diesen Tieren ist die Blase prall gefüllt.

Durch so genannte Harnsticks, die mit Urin benetzt werden, können Entzündungszellen, Keime und Blut nachgewiesen und je nach Befund Harnkulturen angelegt werden. Diese Untersuchungen sind jedoch bei einer idiopathischen Blasenentzündung unauffällig.

Bei ungefüllter Blase und unauffälligem Harnbefund kann bei einer Ersterkrankung jüngerer Katzen eine weiterführende Diagnostik ausbleiben und eine Behandlung eingeleitet werden. Zur weiterführenden Diagnostik können sonst Röntgen-, Ultraschall- und Blutuntersuchungen eingesetzt werden.

Abb. FZD1ARDC
Abb. FZD1ARDC: Untersuchung von Urin mit Harnsticks.

Behandlung

Die vollständige Heilung einer idiopathischen Zystitis ist unwahrscheinlich. Durch eine symptomatische Behandlung kann versucht werden, die akuten Symptome zu lindern. Dazu kommen hauptsächlich Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zum Einsatz. Einmal erkrankte Katzen erkranken meist wiederholt. Durch verschiedene Maßnahmen kann versucht werden, die Schwere der Symptome zu verringern und den Abstand zwischen den Krankheitsschüben zu vergrößern. Folgende Maßnahmen sind nach heutigem Wissensstand erfolgversprechend:

  • Medikamentöse Therapie: Wie oben bereits erwähnt kommen beim Vorliegen von akuten Symptomen hauptsächlich Schmerzmittel zum Einsatz. Auch krampflösende Medikamente können besonders bei Katern sinnvoll sein, damit der Harn ablaufen kann. Langfristig scheint auch eine Behandlung mit Antidepressiva Erfolge zu zeigen.
  • Stressminderung: In einem Katzenleben gibt es 5 wichtige Dinge: Futternapf, Trinknapf, Toiletten drinnen und draußen, Ruheplätze sowie Ein- und Ausgänge zum Lebensraum. Wenn diese Ressourcen nicht in ausreichender Menge vorhanden oder die Besitzverhältnisse nicht eindeutig geklärt sind, bedeutet dies für eine Katze hochgradigen Stress, der zu einer idiopathischen Blasenentzündung führen kann.
    • Futternapf: Die meisten Katzen fressen am liebsten allein und ungestört und dies mehrmals täglich. Die meisten Katzenhalter füttern jedoch mehrere Tiere zur gleichen Zeit am gleichen Ort, meist zweimal täglich. Viele Katzen tolerieren dies gut, beim Auftreten von Problemen sollte jedoch versucht werden, verschiedene Futterplätze anzubieten, die zu jeder Tageszeit Futter anbieten. So kann sich jede Katze nach Belieben ernähren.
    • Trinknapf: Idealerweise sind Wasser- und Futternapf an getrennten Orten aufgestellt, da dies von den meisten Katzen bevorzugt wird. Weiter Informationen unter Tipps!
    • Katzentoiletten: Für die Anzahl der Katzentoiletten gilt der Grundsatz: Anzahl Toiletten=Anzahl Katzen+1. Diese sollten an verschiedenen ruhigen Orten aufgestellt werden, die leicht zugänglich sind. Das Aufstellen von zwei Katzentoiletten nebeneinander ist nicht empfehlenswert. Viele Katzenhalter schätzen abgedeckte Katzentoiletten. Häufig wird den Katzen jedoch beim Verlassen aufgelauert. Auch das Katzenstreu kann ein Stressfaktor sein: Es sollte nicht parfümiert sein und nicht unter den Pfoten piksen. Streuen Sie es ausreichend hoch ein, so dass Ihre Katze auch wirklich scharren kann. Katzentoiletten müssen täglich von Kot und Urin befreit werden, jede Woche sollte die gesamte Einstreu gewechselt werden.
    • Ruheplätze: Bieten Sie Ihren Katzen viele verschiedene gut einsehbare, erhöhte Ruheplätze an. So kann vor allem eine von anderen bedrängte Katze frühzeitig sehen, wenn sich ihr ein anderes Tier nähert. Lebt eine sehr aggressive Katze in Ihrem Haushalt, kann diese ein Glöckchen tragen, um die anderen Tiere frühzeitig zu warnen.
    • Ein- und Ausgänge: Falls nur ein Ausgang oder nur eine Katzenklappe zum Freigelände vorhanden ist, wird dieser Ausgang manchen Tieren häufig verweigert oder sie gelangen nur unter großem Stress rein und raus. Dann kann es sinnvoll sein weitere Ausgänge zu schaffen.
  • Ernährungsumstellung: Während man früher versuchte, den pH-Wert des Harns durch das Futter zu verändern, scheint sich nach heutigem Wissenstand vor allem ein erhöhter Wasserumsatz positiv auf Blasenentzündungen auszuwirken. Katzen mit wiederholten idiopathischen Blasenentzündungen sollten daher nach Möglichkeit auf Nassfutter umgestellt werden. Wird das Nassfutter nicht akzeptiert, stehen auch einige Trockenfutter zur Verfügung, die die Wasseraufnahme erhöhen sollen. Weitere Möglichkeiten Ihre Katze zu vermehrtem Trinken anzuregen, haben wir unter Tipps für Sie zusammengestellt!

Einige dieser Maßnahmen scheinen auf den ersten Blick übertrieben oder aufwändig zu sein. Wenn Sie diese Maßnahmen und vor allem die Kosten jedoch mit der intensiven Betreuung durch einen Tierarzt vergleichen, die im schlimmsten Fall mehrmals jährlich auf Sie zukommen, relativiert sich der Aufwand doch sehr schnell. Von den Qualen Ihrer Katze ganz zu schweigen.

Prognose

Die Prognose einer idiopathischen Zystitis ist gut, unter Schmerzlinderung kommt es meist zu einer Selbstheilung. Leider kommt es häufig zu Rezidiven, also zu einem erneuten Auftreten der Erkrankung. Vorbeugende Maßnahmen sind daher besonders wichtig.

Tipps

Eine erhöhte Wasseraufnahme wird bei vielen Krankheiten von Katzen empfohlen – nur leider ist dies häufig relativ schwierig. Mit folgenden Tipps könnten Sie Erfolg haben:

  • Wasserqualität: Einige Katzen lieben frisches Wasser, einige bevorzugen abgestandenes Wasser und wieder andere lieben Wasser mit Kohlensäure. Auch fließendes Wasser wird manchmal bevorzugt: Ein Zimmerbrunnen oder ein tropfender Wasserhahn kann dann sehr nützlich sein!
  • Trinkgefäß: Die meisten Katzen bevorzugen flache, bis zum Rand gefüllte Gefäße, die eine große Öffnung haben. Auch werden Gefäße aus Ton oder Glas häufig bevorzugt, Plastikgefäße hingegen abgelehnt.
  • Standort: Futter- und Wasserstelle sollten getrennt voneinander stehen, da dies dem natürlichen Bedürfnis der Katze am meisten entspricht. In einem Mehrkatzenhaushalt sollten verschiedene Trinknäpfe aufgestellt werden. Es ist wichtig zu beobachten, ob auch rangniedere Katzen ungestört trinken können.
  • Geschmack: Mit Hilfe von Brühe oder dem Saft aus der Thunfischdose oder zerkleinertem Nassfutter kann der Wassergeschmack positiv beeinflusst und viele Katzen zum Trinken animiert werden.

Grundsätzlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, eine Katze zum Trinken zu bewegen. Und es lohnt sich: Alle Maßnahmen sind weniger kostspielig als mehrmalige Tierarztbesuche!

Stand: 06.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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