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Katze: Hüftgelenksluxation

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Femurkopfluxation, Luxatio femoris, Ausrenkung des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk bildet die Verbindung zwischen der Wirbelsäule (und damit des Rumpfes) und den Hinterbeinen. Es wird aus jeweils zwei Knochen gebildet: dem Hüftknochen und dem Oberschenkelknochen. Bei einem gesunden Hüftgelenk ist der Oberschenkelkopf mit Hilfe von Bändern, Gelenkkapsel, Sehnen und Muskeln fest in der Gelenkpfanne verankert.

Ursachen

Hüftgelenksluxationen entstehen bei Katzen häufig durch Autounfälle oder Stürze aus großer Höhe. Der Oberschenkelkopf rutscht dadurch aus der Hüftgelenkspfanne heraus. Dabei reißen häufig die Bänder, die das Gelenk normalerweise in der Pfanne halten. Auch die Gelenkkapsel ist durch das Trauma häufig geschädigt.

Neben der Luxation des Hüftgelenks liegen häufig noch andere Verletzungen vor, sehr oft ein Beckenbruch.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Durch eine Hüftgelenksluxation ist eine Katze hochgradig und meist sehr plötzlich lahm. Die Verletzungen am Gelenk sind für die Katze sehr schmerzhaft, sie wird versuchen das betroffene Bein so wenig wie möglich zu belasten.

Diagnose

Der Vorbericht und die Art der Lahmheit weisen meist deutlich auf eine Hüftgelenksluxation hin. Durch vorsichtiges Betasten und Bewegen der Gliedmaße können weitere Hinweise gefunden werden. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen kann eine endgültige Diagnose gestellt werden und vor allem – ein mit nahezu identischen Symptomen einhergehender – Beckenbruch ausgeschlossen werden.

Abb. G279VZY3
Abb. G279VZY3: Hüftgelenksluxation.
Der Pfeil im Röntgenbild zeigt auf den Oberschenkelkopf, der vollständig außerhalb der Gelenkpfanne liegt.

Behandlung

Die Behandlung einer Hüftgelenksluxation kann konservativ oder chirurgisch erfolgen.

Konservative Behandlung

Bei einer konservativen Behandlung wird der Oberschenkelkopf unter Narkose wieder in die Hüftgelenkspfanne rückverlagert (reponiert). Die Narkose bewirkt neben einer Schmerzfreiheit auch die Entspannung der Muskulatur, so dass die Rückverlagerung meist leicht möglich ist. Die Katze sollte anschließend einige Tage im Käfig gehalten werden, um das Gelenk zu schonen. Es können auch so genannte Schlingen angelegt werden, die zu einer Fixierung des Oberschenkelkopfes in der Gelenkpfanne beitragen. Dabei wird mit Hilfe von Verbandmaterial die Gliedmaße hochgebunden und an den Körper gedrückt. Idealerweise wird die Schlinge 10 – 14 Tage getragen (mit regelmäßigen Untersuchungen, ob sie noch richtig sitzt), viele Katzen tolerieren diese Schlingen jedoch nicht.

In etwa 50% der Fälle luxiert der Hüftgelenkskopf nach einer konservativen Behandlung erneut. Dies hängt vor allem davon ab, wie stark die Schäden an Bändern und Gelenkkapsel sind. Durch das wiederholte Herausgleiten des Oberschenkelkopfes aus der Pfanne kommt es sehr schnell zu schmerzhaften und irreparablen Arthrosen, daher ist nach einer erneuten Luxation eine chirurgische Behandlung unbedingt empfehlenswert.

Chirurgische Behandlung

Wenn eine Rückverlagerung nicht möglich ist, der Oberschenkelkopf wiederholt aus der Pfanne gleitet oder bereits schmerzhafte Arthrosen bestehen, sollte eine chirurgische Behandlung erfolgen.

  • Ziel einer chirurgischen Behandlung ist es, den Oberschenkelkopf dauerhaft in der Hüftgelenkspfanne zu fixieren. Dazu stehen eine Vielzahl von Operationsmethoden zur Verfügung. So kann beispielsweise die Gelenkkapsel gestrafft werden oder der Oberschenkelknochen wird durch Fäden mit dem Hüftknochen verbunden. Der Vorteil dieser verschiedenen chirurgischen Methoden ist immer, das die Schäden am Gelenk sichtbar sind und der Gelenkspalt gesäubert werden kann. Auch nach einer operativen Versorgung einer Hüftgelenksluxation sollte nach Möglichkeit eine Schlinge getragen werden und die Katze für einige Zeit in einem Katzenkorb an übermäßiger Bewegung gehindert werden. Die Erfolgsquote bei einem chirurgischen Vorgehen liegt bei etwa 85%.
  • Bei einer so genannten Oberschenkelkopf- und -halsresektion wird der gesamte obere Abschnitt des Oberschenkelknochens amputiert. Zuerst wird das Hinterbein dann nur durch die Muskulatur gehalten, später bildet sich mit Hilfe von Bindegewebe ein so genanntes Scheingelenk. Der schmerzhafte Kontakt zwischen Hüftgelenk und Oberschenkelknochen wird so verhindert. Katzen können nach einer Oberschenkelkopf- und Halsresektion bereits nach kurzer Zeit wieder laufen. Eine Ruhigstellung ist – außer bei gleichzeitigem Vorliegen eines Beckenbruches – nicht notwendig.

Abb. G279YNM2
Abb. G279YNM2: Chirurgische Versorgung einer Hüftgelenksluxation.
Hier wurde eine so genannte Toggle-Pin-Fixation durchgeführt, bei der das durch die Verletzung gerissene Band, das den Oberschenkelkopf normalerweise in der Hüftgelenkspfanne hält, ersetzt wird. Dazu wird sowohl der Oberschenkelkopf als auch die Hüftgelenkspfanne durchbohrt. Ein so genannter Toggle-Pin wird anschließend gemeinsam mit einem künstlichen Band vom Oberschenkel aus durch den Bohrkanal bis hinter die Hüftgelenkspfanne geschoben und unter Spannung geknotet. Dabei verkeilt sich der Toggle-Pin und hält den Oberschenkelkopf dauerhaft im Hüftgelenk.

Prognose

Je früher eine Hüftgelenksluxation erkannt und behandelt wird, desto besser ist meist die Prognose. Ein verzögerter Behandlungsbeginn führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer erneuten Luxation – und dies führt zur Entstehung von Arthrosen, die das Gelenk lebenslang in der Bewegung einschränken und sehr schmerzhaft sind.

ACHTUNG

Hüftgelenksluxationen entstehen häufig durch Autounfälle oder Stürze. In etwa 50% der Fälle liegt gleichzeitig noch eine andere Verletzung vor!

Stand: 06.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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