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Katze: Hautpilzinfektion

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Dermatophytose, Dermatomykose, Hautpilzerkrankung

Pilzerkrankungen (Mykosen) werden durch verschiedene krankmachende (pathogene) Pilzgattungen hervorgerufen. Je nach Besiedlungsort unterscheidet man zwischen Hautpilzerkrankungen (Dermatomykosen) und Organ- oder Systemmykosen. Erkrankungen durch oral aufgenommene Pilzgifte (Toxine) werden als Mykotoxikosen bezeichnet.

Ursachen

Dermatophytosen sind Hautpilzerkrankungen, die bei Haustieren hauptsächlich durch die Pilzspezies Microsporum canis und Trichophyton mentagrophytes hervorgerufen werden. Je nach Erreger spricht man auch von Microsporie bzw. Trichophytie. Diese Pilze leben besonders gern auf Haut und Haaren. Auch Krallen, die zu den so genannten Hautanhangsgebilden zählen, können betroffen sein.

Ansteckung

Die Übertragung erfolgt direkt von Tier zu Tier und auch indirekt über Gegenstände (Decken, Bürsten usw.), da sich Pilze über Sporen verbreiten, die monatelang in der Umgebung überleben können. Viele Pilzarten sind auch ansteckend für Menschen (Zoonosegefahr) und andere Haustiere, wie z.B. Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen.

Insbesondere junge, geschwächte oder langhaarige Katzen erkranken an Pilzinfektionen der Haut. Viele Tiere sind auch subklinisch infiziert, d.h. sie zeigen selbst keine Hautveränderungen, sorgen aber für die Verbreitung von Pilzsporen und dadurch für die Infektion von anderen Tieren und Menschen.

Leitsymptom

  • Haarausfall

Symptome

Zwei bis vier Wochen nach einer Infektion mit Pilzsporen treten charakteristische Veränderungen in Form von kreisrunden, haarlosen Stellen auf. Sie sind in der Mitte leicht schuppig, häufig am Rand gerötet und jucken geringfügig. Hautpilzerkrankungen heilen immer von der Mitte aus, d.h. dass mittig eventuell schon wieder kurze Haare nachwachsen und außen ein haarloser Rand vorliegt.

An die durch die Pilze bereits geschädigte Haut lagern sich häufig Bakterien an und führen zu so genannten Sekundärinfektionen, die die typischen Hautveränderungen überdecken können. Daher kann sich eigentlich hinter jeder juckenden, schuppigen oder krustösen Hautveränderung ein Pilzbefall verbergen.

Abb. FZ6S8H5Z
Abb. FZ6S8H5Z: Typisches Bild einer Hautpilzerkrankung.

Diagnose

Einige Pilzarten können mit einer speziellen Lampe (Wood-Lampe) in einem abgedunkelten Raum sichtbar gemacht werden. Dabei werden mit UV-Licht fluoreszierende Substanzen nachgewiesen, die von den Pilzen gebildet werden.

Auch eine mikroskopische Untersuchung kann zum Nachweis der Pilze führen. Haare aus veränderten Randbezirken werden dafür nach Präparierung mit einer speziellen Lauge unter dem Mikroskop untersucht.

Die sicherste Diagnose ist derzeit mit Hilfe einer Pilzkultur möglich. Dazu werden Hautschuppen und Haare, meist in einem speziellen Labor, über einige Wochen angezüchtet und anschließend mikroskopiert. Jeder Pilz kann durch diese Pilzkultur genau bestimmt und anschließend das wirksamste Medikament gegen diesen Pilz ermittelt werden.

Etwa 90% der Pilze können auch mit einer Biopsie nachgewiesen werden. Das Ergebnis liegt schneller vor, die Untersuchung ist allerdings auch teurer und nicht ganz so zuverlässig wie die langwierige Pilzkultur.

Abb. FZB1BFUE
Abb. FZB1BFUE: Pilzdiagnostik.
Sollten andere Tiere im Haushalt oder die Tierbesitzer ähnliche Hautveränderungen aufweisen, ist dies meist ein sicherer Hinweis auf eine ansteckende Pilzerkrankung. In diesem Fall muss eine sofortige Behandlung des Tieres eingeleitet werden, auch ohne dass der Pilz nachgewiesen wurde. Jeder infizierte Mensch muss umgehend hautärztlich behandelt werden.

Abb. FZB1DHMU
Abb. FZB1DHMU: Typisches klinisches Bild einer Hautpilzerkrankung bei einem Kind.

Behandlung

Viele Pilzerkrankungen würden nach einigen Monaten von alleine heilen. Während dieser Zeit werden jedoch unendlich viele Sporen in der Umgebung verbreitet, die dort jahrelang überleben können und eine ständige Infektionsquelle für andere Tiere und die Tierhalter – insbesondere Kinder – darstellen. Daher sollte jede Pilzinfektion schnellstmöglich behandelt werden. Leben mehrere Tiere im Haushalt, müssen diese in den meisten Fällen mitbehandelt werden, auch ohne dass sichtbare Hautveränderungen bestehen. Dies sollte der behandelnde Tierarzt im Einzelfall entscheiden.

Die Therapie von Hautpilzinfektionen besteht grundsätzlich aus drei Bausteinen: Einer systemischen Behandlung, einer lokalen Applikation von pilztabtötenden (fungiziden) Substanzen sowie einer Umgebungsbehandlung. Bei gleichzeitigem Vorliegen von bakteriellen Sekundärinfektionen kann zusätzlich die Gabe eines Antibiotikums notwendig sein.

Systemische Behandlung: Zur systemischen Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die meist in Tablettenform verabreicht werden. Die systemische Behandlung fördert die Heilung der eigentlichen Infektion.

Lokale Behandlung: Zweimal wöchentlich sollte das gesamte Tier – und nicht nur die offensichtlich veränderten Hautbezirke – mit einer pilzabtötenden Substanz behandelt werden. Verschiedene Lösungen oder Shampoos stehen hierfür zur Verfügung. Zur Behandlung sollten Einweghandschuhe getragen werden, um eine Ansteckung zu verhindern. In den meisten Fällen sollte das Tier vorher geschoren werden. Dadurch kann das Medikament besser aufgetragen, die gesamte Haut durchfeuchtet und dadurch auch bisher nicht ganz so offensichtliche Hautveränderungen sicher behandelt werden. Außerdem sind die Pilzsporen überall im Fell verteilt und der Infektionsdruck in der Umgebung kann durch eine Schur deutlich verringert werden.

Umgebungsbehandlung: Ziel der Umgebungsbehandlung ist es, die Sporen in der Umgebung des Tieres abzutöten und dadurch die Ansteckungsgefahr für den Menschen und andere Haustiere zu verringern. Gründliches Staubsaugen verringert die Anzahl der Haare in der Umgebung, die häufig mit Pilzsporen behaftet sind. Der Staubsaugerbeutel sollten während der Behandlung regelmäßig gewechselt werden. Zusätzlich muss eine wöchentliche Desinfektion aller Flächen und Gegenstände durchgeführt werden. Als Desinfektionsmittel eignet sich beispielsweise handelsübliche Chlorbleiche. Alle Flächen müssen gründlich abgewischt, alle Gegenstände (Bürsten, Decken, Kratzbäume usw.) eingeweicht oder gewaschen werden.

Die Behandlung von Pilzerkrankungen ist langwierig: All diese Maßnahmen müssen über mindestens 6 – 8 Wochen, auf jeden Fall über das sichtbare Abheilen der Hautveränderungen hinaus, erfolgen. Bevor die Medikamente abgesetzt werden, muss der Therapieerfolg mit Hilfe einer erneuten Pilzkultur überprüft werden.

Prognose

Eine Therapie kann über Wochen und Monate notwendig sein und darf keinesfalls zu früh abgebrochen werden, um Rückfälle zu vermeiden. Eine ausreichend lange Behandlung – die auch die Umgebung und weitere Tiere des Haushalts einschließt – ist aber fast immer erfolgreich.

Vorbeugung

Verschiedene Impfstoffe sind gegen Trichophytie und Microsporie erhältlich. Diese Impfstoffe können jedoch keine Pilzinfektion verhindern. Eine Infektion scheint jedoch nur bei einem sehr hohen Infektionsdruck (also vielen Sporen in der Umgebung) auszubrechen und die folgenden Hautveränderungen sind geringer. Auch ein schnelleres Abklingen der Symptome wird beobachtet. Die Anzahl der Pilzsporen bleibt jedoch gleich – und dadurch auch die Infektionsgefahr für den Menschen.

Tipps

Wenn Kinder oder andere Familienmitglieder an einem Hautpilz erkranken, sollte die Katze unbedingt tierärztlich auf Hautpilze untersucht werden, auch wenn keine sichtbaren Hautveränderungen vorliegen. Katzen können nämlich auch nur symptomlose Träger der Infektion sein!

ACHTUNG

Pilzerkrankungen der Haut sind Zoonosen, d.h. sie können auf den Menschen übertragen werden. Vermeiden Sie engen Kontakt mit Ihrer Katze, bis diese wieder vollständig gesund ist – in diesem Fall also bis das Fell wieder überall zu wachsen beginnt und eine erneute Pilzkultur ein negatives Ergebnis erbracht hat.

Stand: 05.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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