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Katze: Harnwegsobstruktion

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Harnwegverlegung

Bei Katzen gibt es eine Reihe von Harnwegserkrankungen, die unter dem Begriff FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Diseases, „Untere Harnwegserkrankungen der Katze“) zusammengefasst werden. Harnwegsobstruktionen durch Harnsteine, Harngrieß oder Entzündungszellen sind eine häufige Ursache für diesen Symptomkomplex.

Folgende Erkrankungen gehören ebenfalls zu FLUTD:

Ursachen

Bis vor einiger Zeit wurde angenommen, dass Harnwegsobstruktionen immer durch Blasensteine oder Harngrieß ausgelöst werden. Neueren Untersuchungen zufolge sind Blasensteine jedoch nur in etwa 10% der Fälle für die Symptome von FLUTD verantwortlich. Viel häufiger kommt es durch so genannte " urethrale plugs“ zu Harnwegsobstruktionen. Diese Entzündungspropfe bilden sich aus Schleimhautresten, Zellen und kleinsten Blutgerinnseln. Auch Mineralien aus der Nahrung können eingelagert sein. Die genaue Ursache für die Entstehung dieser Entzündungspropfe ist derzeit unklar.

Als Harnsteine bezeichnet man Steine von unterschiedlicher Größe und Form. Es bildet sich zuerst so genannter Harngrieß, der wie feiner Sand aussieht. Diese Grießkörner können sich zusammenlagern und Harnsteine bilden.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Entstehung von Harnwegsobstruktionen um ein so genanntes multifaktorielles Geschehen, an dem mehrere Auslöser beteiligt sind. Häufige Auslöser sind:

  • Fütterung mit Trockenfutter
  • übermäßiger oder unausgewogener Gehalt von Mineralstoffen im Futter
  • übermäßige Fütterung eines Futtermittels mit eigentlich ausgewogenem Verhältnis von Mineralstoffen
  • Folge einer Harnwegsinfektion
  • Medikamente, die den pH-Wert des Urins verändern und dadurch das Ausfällen von Mineralstoffen begünstigen
  • Übergewicht
  • mangelnde Bewegung

Vorwiegend Kater sind von Harnwegsobstruktionen betroffen, da die Harnröhre beim männlichen Tier wesentlich enger ist. Kätzinnen bilden vermutlich ebenso viele Entzündungspropfe und Harnsteine, scheiden diese jedoch über ihre relativ weite Harnröhre unbemerkt aus.

Abb. FZBDC020
Abb. FZBDC020: Harn- und Geschlechtsorgane des Katers.
Die Harnröhre beginnt am Blasenausgang und mündet in der Eichel. Sie ist damit deutliche länger und enger als bei weiblichen Tieren.

Abb. FZBDDY95
Abb. FZBDDY95: Harn- und Geschlechtsorgane der weiblichen Katze.
Bei der Kätzin ist die Harnröhre nur sehr kurz. Sie wird in ihrem Verlauf kaum enger, so dass Harnsteine und Entzündungspropfe problemlos ausgeschieden werden können.

Symptome

Erkrankungen der unteren Harnwege sind gekennzeichnet durch eines oder mehrere der folgenden Symptome:

  • Es kann kein Harn abgesetzt werden (Dysurie).
  • Die Katze versucht häufig, kleine Mengen Harn abzusetzen (Pollakisurie).
  • Die Katze hat einen starken Harndrang, aber Schmerzen beim Absetzen von Urin (Strangurie).
  • Der Urinabsatz erfolgt an unerwünschten Stellen (Periurie).
  • Der Urin ist blutig (Hämaturie).
  • Manisches Lecken der Genitalregion. Die raue Zunge der Katzen kann, insbesondere am Penis, zu massiven Schäden an der Schleimhaut führen.

Obstruktionen der Harnröhre (oder auch starkes Lecken) können beim Kater zu einer so genannten Penisspitzennekrose führen. Der Harngrieß oder der Harnröhrenstein liegt dann im Bereich der Penisspitze und verhindert nicht nur den Abfluss des Urins sondern auch die Blutversorgung der Penisspitze. Dadurch stirbt das Gewebe ab. In einigen Fällen kann dann eine Penisamputation notwendig werden.

Diagnose

Katzen mit Harnwegsobstruktionen werden meist mit einem massiv gestörten Allgemeinbefinden in der tierärztlichen Praxis vorgestellt. Bei der klinischen Untersuchung der Katze fällt die pralle und oft auch schmerzhafte Harnblase beim Abtasten des Bauchraums sofort auf. Gemeinsam mit den oben beschriebenen Symptomen kann dadurch die Diagnose Harnwegsobstruktion gestellt werden.

Weiterführende Untersuchungen von Urin und Blut geben Aufschluss, ob gleichzeitig eine Harnwegsinfektion vorliegt und ob bereits Vergiftungserscheinungen entstanden sind. Harnsteine können mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenbildern sichtbar gemacht werden. Zur besseren Darstellung im Röntgen können so genannte Kontrastmittel über einen Harnkatheter in die Blase gebracht werden.

Abb. FZDVRY3H
Abb. FZDVRY3H: Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel.
Dieser Katze wurde ein jodhaltiges Kontrastmittel gegeben, dass sich im Röntgenbild weiß darstellt. Dadurch wird ein im Harnleiter liegender Harnstein sichtbar. Der Harn staut sich bereits bis in das Nierenbecken zurück und weitet dieses. A: veränderte Niere, B: unauffälliger Nierenbefund.

Behandlung

Bei vorliegender Harnwegsobstruktion muss schnellstmöglich der Abfluss des Harns wiederhergestellt werden. Der genaue Auslöser für die Verstopfung der Harnröhre spielt zu diesem Zeitpunkt eine eher untergeordnete Rolle. Wenn die Blase vollständig gefüllt ist, entsteht ein Rückstau über die Harnleiter zu den Nieren. Die Nieren können dann keinen Harn mehr produzieren und somit auch keine Gifte mehr aus dem Blut filtern. Es entsteht eine Harnvergiftung (Urämie), die innerhalb weniger Tage tödlich ist.

Mit Hilfe eines Harnkatheters wird versucht, einen Zugang zur Blase zu schaffen. Dieser Katheter muss an der Obstruktion vorbeigeschoben werden. Wenn möglich, sollte dieser Eingriff ohne Beruhigungsmittel durchgeführt werden, um die Nieren nicht noch weiter mit der Ausscheidung eines Medikaments zu belasten. Je nach Verhalten der Katze und Lage der Obstruktion ist dies jedoch nicht immer möglich. Die Blasenwand kann zu diesem Zeitpunkt bereits erhebliche Schäden aufweisen. Das notwendige Legen des Harnkatheters ist daher mit einem gewissen Risiko verbunden, da die Harnblase unter der Manipulation reißen kann.

Wenn der Katheter in der Blase liegt, kann Harn ablaufen. Dieser kann aufgefangen werden und beispielsweise auf Entzündungszellen und Bakterien untersucht werden.

Abb. FZD0FZSP
Abb. FZD0FZSP: Harnkatheter und Harnsticks.
Bei dieser Katze wurde erfolgreich ein Harnkatheter gelegt und der Harn konnte ablaufen. Eine erste Untersuchung des Urins ist dann mit so genannten Harnsticks möglich.
Bei bestehender bakterieller Infektion muss die Katze antibiotisch versorgt werden. Nach Entlastung der Blase werden die Nieren mit Hilfe von Infusionen wieder zur Produktion von Urin angeregt. Je nach Ergebnis der Blutuntersuchung werden den Infusionen verschiedene Medikamente zugesetzt. Damit der Urin ungehindert ablaufen kann, sollte der Katheter einige Tage in der Blase verbleiben. Die Katze muss während dieser Zeit einen Halskragen tragen.

Bei Vorliegen von Blasensteinen müssen diese entfernt werden. Dies ist durch Spülungen, auflösende Diäten oder auch eine Operation möglich und hängt im Einzelfall von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins ab. Einige spezialisierte Kliniken bieten auch die Zertrümmerung der Steine mit Laser an. Die Zusammensetzung der Harnsteine muss im Labor genau untersucht werden, um dann mit Hilfe einer entsprechenden Diät eine erneute Bildung zu vermeiden.

Abb. FZGK77FR
Abb. FZGK77FR: Blasensteine.
Diese Blasensteine wurden operativ entfernt. Je nach Zusammensetzung weisen sie eine unterschiedliche Gestalt und Oberfläche auf. Besonders die rauen Steine führen sehr schnell zu Reizungen der Blasenschleimhaut und begünstigen dadurch Sekundärinfektionen.

Vorbeugung

Bei Blasensteinen, Harngrieß und auch Entzündungspropfen sollte die Wasseraufnahme der Katze erhöht werden – nur leider ist es häufig sehr schwierig einer Katze dies zu erklären. Mit folgenden Tipps könnten Sie Erfolg haben:

  • Wasserqualität: Einige Katzen lieben frisches Wasser, einige bevorzugen abgestandenes Wasser und wieder andere lieben Wasser mit Kohlensäure. Auch fließendes Wasser wird manchmal bevorzugt: Ein Zimmerbrunnen oder ein tropfender Wasserhahn kann dann sehr nützlich sein!
  • Trinkgefäß: Die meisten Katzen bevorzugen flache, bis zum Rand gefüllte Gefäße, die eine große Öffnung haben. Auch werden Gefäße aus Ton oder Glas häufig bevorzugt, Plastikgefäße hingegen abgelehnt.
  • Standort: Futter- und Wasserstelle sollten getrennt voneinander stehen, da dies dem natürlichen Bedürfnis der Katze am meisten entspricht. In einem Mehrkatzenhaushalt sollten verschiedene Trinknäpfe aufgestellt werden. Es ist wichtig zu beobachten, ob auch rangniedere Katzen ungestört trinken können.
  • Geschmack: Mit Hilfe von Brühe oder dem Saft aus der Thunfischdose oder zerkleinertem Nassfutter kann der Wassergeschmack positiv beeinflusst und viele Katzen zum Trinken animiert werden.

Grundsätzlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, eine Katze zum Trinken zu bewegen. Und es lohnt sich: Alle Maßnahmen sind weniger kostspielig als mehrmalige Tierarztbesuche!

Stand: 28.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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