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Katze: Harnwegsinfektion

Allgemeines

Bei Katzen gibt es eine Reihe von Harnwegserkrankungen, die unter dem Begriff FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Diseases, "Untere Harnwegserkrankungen der Katze") zusammengefasst werden. Die unter FLUTD zusammengefassten Krankheiten weisen alle sehr ähnliche Symptome auf, werden jedoch durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht. Eine Ursache für FLUTD können bakterielle Harnwegsinfektionen sein. Besonders bei Katzen ab dem 10. Lebensjahr wird FLUTD durch Bakterien ausgelöst.

Folgende Erkrankungen gehören ebenfalls zu FLUTD:

Ursachen

Bakterielle Entzündungen der unteren Harnwege entstehen bei älteren, weiblichen Katzen häufig durch so genannte aufsteigende Infektionen. Die Bakterien gelangen über das äußere Genitale in die Harnröhre und weiter hinauf in die Harnblase. Da die Harnröhre bei weiblichen Tieren deutlich kürzer ist, erkranken sie wesentlich häufiger als männliche Tiere. Die Infektionsgefahr ist bei älteren Tieren zusätzlich erhöht, da viele ältere Katzen bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, also an einer Niereninsuffizienz leiden. Diese Niereninsuffizienz führt zu einer geringeren Menge an Harn. Die Tiere urinieren weniger und spülen dadurch aufsteigende Bakterien deutlich seltener mit dem Urin aus Blase und Harnröhre.

Neben Geschlecht und Alter begünstigen Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion und das Abwehrsystem schwächende Erkrankungen (FIV, FeLV) die Entstehung bakterieller Harnwegsinfektionen.

Abb. FZBCYWQH
Abb. FZBCYWQH: Harn- und Geschlechtsapparat der weiblichen Katze.

Abb. FZBD8C8N
Abb. FZBD8C8N: Harn- und Geschlechtsapparat des Katers.
Die Harnröhre mündet erst an der Penisspitze, der Eichel. Bis zur Blase müssen Bakterien daher einen sehr langen Weg zurücklegen.

Symptome

Erkrankungen der unteren Harnwege (FLUTD), zu denen bakterielle Harnwegsinfektionen gehören, sind gekennzeichnet durch eines oder mehrere der folgenden Symptome:

  • Es kann kein Harn abgesetzt werden (Dysurie).
  • Die Katze versucht häufig, kleine Mengen Harn abzusetzen (Pollakisurie).
  • Die Katze hat einen starken Harndrang, aber Schmerzen beim Absetzen von Urin (Strangurie).
  • Der Urinabsatz erfolgt an unerwünschten Stellen (Periurie).
  • Der Urin ist blutig (Hämaturie).
  • Manisches Lecken der Genitalregion. Die raue Zunge der Katzen kann, insbesondere am Penis, zu massiven Schäden an der Schleimhaut führen.

Diagnose

Der Vorbericht sowie die klinische Untersuchung der Katze geben schnell erste Hinweise auf eine Harnwegsinfektion. Die Blase ist klein und weich, da keine Verstopfung (Obstruktion) der Harnwege vorliegt. Durch Druck auf die Blase kann Urin gewonnen werden, der bei einer Untersuchung mit so genannten Harnsticks im Schnellverfahren auf Entzündungszellen, Bakterien und Blut getestet werden kann. Ebenfalls wird meist eine Urinkultur angelegt, um den Erreger genau zu bestimmen und ein Antibiogramm anzufertigen. Eine weitere, in der Praxis durchführbare Untersuchung ist eine mikroskopische Untersuchung des so genannten Harnsediments. Dazu werden die festen Bestandteile des Harns (Zellen, Kristalle usw.) mit Hilfe einer Zentrifuge gewonnen und mikroskopiert. Die genaue Zusammensetzung des Sediments kann Hinweise auf den Sitz der Erkrankung geben, also ob bereits die Nieren angegriffen oder nur die unteren Harnwege infiziert sind. In Zweifelsfällen können zusätzlich Blutuntersuchungen sowie Röntgen und Ultraschall eingesetzt werden.

Abb. FZD04L8G
Abb. FZD04L8G: Erste Untersuchung des Urins mit so genannten Harnsticks.

Behandlung

Bakterielle Harnwegsinfektionen werden mit Antibiotika behandelt. Solange das Ergebnis der Urinkultur nicht vorliegt, wird die Therapie mit einem so genannten Breitspektrum-Antibiotikum begonnen. Ein Wechsel des Antibiotikums kann später jedoch notwendig sein, wenn das Labor ein wirksameres Medikament ermittelt haben sollte.

Innerhalb von etwa 48 Stunden sind die Symptome meist vollständig verschwunden. Das Antibiotikum muss jedoch über 10 – 14 Tage verabreicht werden, um alle Bakterien langfristig abzutöten und ein wiederholtes Auftreten der Erkrankung zu vermeiden.

Prognose

Die Prognose bakterieller Harnwegsinfektionen ist gut, wenn die antibiotische Therapie ausreichend lange durchgeführt wird.

Tipps

Eine erhöhte Wasseraufnahme ist bei vielen Krankheiten erwünscht – nur leider ist es häufig relativ schwierig, eine Katze davon zu überzeugen. Mit folgenden Tipps könnten Sie Erfolg haben:

  • Wasserqualität: Einige Katzen lieben frisches Wasser, einige bevorzugen abgestandenes Wasser und wieder andere lieben Wasser mit Kohlensäure. Auch fließendes Wasser wird manchmal bevorzugt: Ein Zimmerbrunnen oder ein tropfender Wasserhahn kann dann sehr nützlich sein!
  • Trinkgefäß: Die meisten Katzen bevorzugen flache, bis zum Rand gefüllte Gefäße, die eine große Öffnung haben. Auch werden Gefäße aus Ton oder Glas häufig bevorzugt, Plastikgefäße hingegen abgelehnt.
  • Standort: Futter- und Wasserstelle sollten getrennt voneinander stehen, da dies dem natürlichen Bedürfnis der Katze am meisten entspricht. In einem Mehrkatzenhaushalt sollten verschiedene Trinknäpfe aufgestellt werden. Es ist wichtig zu beobachten, ob auch rangniedere Katzen ungestört trinken können.
  • Geschmack: Mit Hilfe von Brühe oder dem Saft aus der Thunfischdose oder zerkleinertem Nassfutter können der Wassergeschmack positiv beeinflusst und viele Katzen zum Trinken animiert werden.

Grundsätzlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, eine Katze zum Trinken zu bewegen. Und es lohnt sich: Alle Maßnahmen sind weniger kostspielig als mehrmalige Tierarztbesuche!

Stand: 07.02.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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