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Katze: Fremdkörper in Maul, Magen und Darm

Allgemeines

Besonders junge und verspielte Katzen haben die Neigung, ungenießbare Teile aus Kunststoff, Gummi oder Metall, die sie zuvor als Spielzeug benutzt haben, zu fressen. Auch Fäden und Bänder, in der Weihnachtszeit auch Lametta, werden von Katzen aufgenommen. Diese unverdaulichen Teile werden glücklicherweise meistens problemlos erbrochen oder mit dem Kot ausgeschieden. Sie können jedoch auch im Maul, der Speiseröhre oder im Magen-Darm-Trakt verbleiben und zu schweren Erkrankungen führen.

Abb. HD5U1FUZ
Abb. HD5U1FUZ: Übersicht des Verdauungsapparats der Katze.
Im Prinzip kann ein Fremdkörper an jeder Stelle des Verdauungsapparats hängen bleiben und zu Schwierigkeiten führen.

Ursachen

Die Liste möglicher Fremdkörper ist nahezu unendlich: Alles was für eine Katze auch nur ansatzweise interessant ist, wird manchmal auch gefressen. Dann hängt es von der Größe und der Form des Gegenstandes ab, wo er stecken bleibt:

Längliche, gerade und spitze Gegenstände wie Grashalme oder Nadeln bleiben häufig bereits im Gaumen stecken. Dort führen sie zu Verletzungen, Entzündungen oder sogar Abszessen.

Fäden oder Lametta bleiben häufig an den Zähnen oder der rauen Zunge hängen, der Rest des Fadens wird jedoch abgeschluckt und die Muskelbewegungen von Speiseröhre, Magen und Darm transportieren diesen weiter durch den Verdauungstrakt. Wenn sich der Faden jedoch im Maul nicht löst, wird der gesamte Verdauungstrakt an diesem Faden "aufgefädelt". Je dünner der Faden, desto schneller wird das empfindliche Gewebe der Verdauungsorgane durch den Faden zerschnitten. Dadurch gelangt Darminhalt in die Bauchhöhle und es entsteht eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis). Diese kann ebenfalls entstehen wenn beispielsweise eine spitze Nadel oder Scherbe bis in den Magen-Darm-Trakt gelangt und dort das Gewebe durchstößt.

Größere oder runde Gegenstände gelangen häufig problemlos bis in den Magen oder sogar in die vorderen Darmabschnitte, verursachen dort aber massive Probleme, da sie den Weitertransport von Nahrung be- oder sogar verhindern. Es kommt zu einem Darmverschluss.

Neben den hier aufgeführten Fällen sind der Phantasie wirklich keine Grenzen gesetzt: Jeder Tierarzt kann viele Geschichten erzählen über kuriose Gegenstände im Verdauungstrakt einer Katze!

Leitsymptom

  • Würgen
  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Verstopfung
  • Schmerzen
  • Appetitlosigkeit

Symptome

Die Symptome hängen stark davon ab, wo der Fremdkörper feststeckt. Liegt der Fremdkörper im Maul, Gaumen oder im vorderen Bereich der Speiseröhre sind Speicheln, Schluckstörungen und Würgen typische Symptome. Da die Futteraufnahme oft schmerzhaft ist, verweigern die Tiere das Futter ganz oder kosten nur sehr vorsichtig. Bei Fremdkörpern im Magen und im Darm sind Erbrechen und Verstopfung häufige Symptome. Die Tiere haben Bauchschmerzen, die sich besonders beim Hochheben oder sogar schon beim Streicheln des Bauches zeigen. Führt ein Fremdkörper zu einer Verletzung der Magen- oder Darmwand oder liegt ein Darmverschluss vor, sind die Tiere apathisch und weisen Schocksymptome auf.

In einigen Fällen hat sich der Fremdkörper irgendwo im Körper "eingenistet" und führt nicht zu deutlichen, aber doch zu chronischen Symptomen: Betroffene Katzen verlieren Gewicht, erbrechen manchmal oder haben Durchfall und sind teilnahmslos.

Abb. HD61H8QY
Abb. HD61H8QY: Deutliches Symptom eines Fremdkörpers:
Dieser Bindfaden wurde durch den gesamten Magen-Darm-Trakt transportiert.

Diagnose

Zur Diagnosestellung erfolgt zunächst eine gründliche klinische Untersuchung der Katze. Mit etwas Glück kann dann der Fremdkörper bereits sichtbar werden:

Abb. HD61OGZV
Abb. HD61OGZV: Nadel im Maul.
Diese Nadel hat sich seitlich in der Wange festgesetzt und konnte bei einer gründlichen Untersuchung der Maulhöhle schnell gefunden werden.

Viele Fremdkörper in Magen und Darm können jedoch nur durch eine Röntgenuntersuchung gefunden werden. Ein vorher eingegebenes Kontrastmittel zeigt den genauen Verlauf der Darmschlingen. Liegt ein vollständiger Darmverschluss vor, kann sich das Kontrastmittel nicht weiter ausbreiten. Auch ein unvollständiger Darmverschluss oder frei liegende Fremdkörper sind so häufig gut darstellbar. Auch Ultraschall bietet eine gute Möglichkeit, Fremdkörper sichtbar zu machen.

Eine endoskopische Untersuchung kann sinnvoll sein, um tief im Rachen, in der Speiseröhre oder im Magen liegende Fremdkörper aufzuspüren, da einige Fremdkörper sich im Röntgenbild nicht gut darstellen.

Abb. HD628EJK
Abb. HD628EJK: Grashalm im Rachen, endoskopische Untersuchung.
Dieser Grashalm ist durch die Nase in den Rachen gelangt und hat sich im rachenseitigen Nasenausgang (Choane) verhakt.
Abb. HD629CY4
Abb. HD629CY4: Endoskopisch entfernter Grashalm.
Erst nach Entfernung ist die Länge des Grashalms sichtbar.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich immer nach dem Ort, an dem der Fremdkörper aufgefunden wird.

Bei Fremdkörpern im Maul reicht mit etwas Glück eine leichte Betäubung der Katze sowie eine gute Pinzette. Liegt der Fremdkörper im Rachen oder in der Speiseröhre, ist eine Entfernung mit dem Endoskop häufig gut möglich. Für diesen Eingriff ist eine Narkose notwendig. Fremdkörper im Magen und Darm müssen immer chirurgisch entfernt werden. Teilweise ist es notwendig, nicht nur den Fremdkörper sondern auch einen durch den Fremdkörper geschädigten Darmabschnitt zu entfernen.

Neben diesen Maßnahmen zur Entfernung des Fremdkörpers ist sehr häufig die Gabe von verschiedenen Medikamenten notwendig: Antibiotika wirken gegen bereits bestehende Entzündungen und werden grundsätzlich nach chirurgischen Eingriffen verabreicht. Schmerzmittel nehmen den Katzen den Schmerz und helfen dadurch häufig dabei, dass die Tiere wieder fressen. Auch Antiemetika (Medikamente, die das Erbrechen stoppen) und Infusionen werden häufig eingesetzt. In einigen Fällen müssen die Katzen vorübergehend künstlich ernährt werden.

Prognose

Viele Fremdkörper können erfolgreich entfernt werden. Je früher ein Fremdkörper entdeckt wird, desto weniger Schäden hat er meist in seiner Umgebung verursacht. Wenn bereits umliegende Gewebe verletzt oder gar Nahrungsbrei in die Bauchhöhle gelangt ist, verschlechtert sich die Prognose sehr schnell.

Vorbeugung

Animieren Sie Ihre Katze nicht zum Spielen mit kleinen Gegenständen und lassen Sie Fäden, Wollknäuel u.ä. nicht unbeaufsichtigt herumliegen. Und verzichten Sie zur Weihnachtszeit auf Lametta!

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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