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Katze: Fettlebersyndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Hepatische Lipidose, Fettspeicherkrankheit der Leber

Die Leber ist Teil des Verdauungssystems und erfüllt wichtige Aufgaben im Stoffwechsel sowie bei der Entgiftung des Körpers. Nährstoffreiches Blut aus dem Darm wird durch die Leber geleitet. Dort werden die Nährstoffe aufgenommen und umgebaut. Auch der Farbstoff aus abgebauten roten Blutkörperchen wird aus dem Blut heraus gefiltert und weiter abgebaut. Dabei entstehen die Gallenfarbstoffe, die über die Gallenblase mit der Galle in den Darm abgegeben und so ausgeschieden werden. Die Leber hilft auch bei der Fettverdauung durch die Bildung von Gallensäuren, die auch in der Gallenblase gespeichert und von dort in den Darm abgegeben werden. Fremdstoffe und Gifte werden in der Leber mit Hilfe so genannter Enzyme abgebaut. Bei Katzen fehlen einige dieser Enzyme, daher können einige Stoffe nicht verstoffwechselt werden, sondern führen zu Vergiftungserscheinungen.

Abb. FZ6QZKEV
Abb. FZ6QZKEV: Lage der Leber im Magen-Darm-Trakt.
Die Leber hat die Fähigkeit, sich sehr gut zu regenerieren. Erst wenn über 50 – 70% des Gewebes zerstört sind, treten Ausfallerscheinungen auf. Durch die Schädigung der Leber kann es u.a. zu einer unzureichenden Ausscheidung von Gallenfarbstoffen kommen. Diese Gallenfarbstoffe werden dann in Haut und Schleimhaut sowie der Sklera eingelagert und führen dadurch zum klinischen Bild einer Gelbsucht (hepatischer Ikterus). Eine Gelbsucht kann aber auch durch einen Gallengangsstau (posthepatischer Ikterus) oder einen verstärkten Abbau von roten Blutkörperchen (prähepatischer Ikterus) verursacht werden.

Ursachen

Ein Fettlebersyndrom (hepatische Lipidose) entsteht, wenn eine – meist übergewichtige Katze – aufhört zu fressen oder nur geringe Mengen Nahrung zu sich nimmt. Der Körper mobilisiert dann seine Fettspeicher. Diese mobilisierten Fette können aufgrund fehlender Enzyme der Katze – anders als beim Hund oder beim Menschen – nicht dem Organismus als Energielieferant zur Verfügung gestellt werden. Sie lagern sich in die Leberzellen ein, zerstören diese und verhindern eine normale Leberfunktion.

Man nimmt an, dass diese Besonderheit im Stoffwechsel durch das ursprüngliche Fressverhalten der Katze bestimmt ist. Die Vorfahren unserer Hauskatze waren es gewöhnt, mehrmals täglich kleine Mäuse oder Vögel zu fangen. Sie waren echte Fleischfresser, die durch die Bewegung beim Fangen und das Fressen von eiweißreichen Beutetieren niemals übergewichtig waren. Katzen brauchten daher keine Enzyme, die Körperfett in der Leber in einen Energielieferanten umwandeln.

Warum eine Katze plötzlich zu wenig Nahrung aufnimmt, kann vielfältige Gründe haben:

Leitsymptom

  • Appetitverlust
  • Futterverweigerung
  • Gewichtsabnahme

Symptome

Bei Katzen mit Fettlebersyndrom lautet der Vorbericht immer Appetitverlust und Gewichtsabnahme. Vorwiegend übergewichtige Tiere sind betroffen. Der Gewichtsverlust ist besonders an den Gliedmaßen durch starken Rückgang der Muskulatur offensichtlich. Der "Bauch" bleibt meist erhalten.

Weitere Symptome können Mattigkeit, Erbrechen, Durchfall, vermehrter Speichelfluss und Austrocknung sein. Je weiter die Leberfunktion abnimmt, desto stärker treten diese Symptome in Erscheinung. Durch die mangelnde Ausscheidung von Gallenfarbstoffen entsteht eine Gelbsucht, die durch Gelbfärbung von Schleimhaut, Haut und Auge sichtbar wird. Im Spätstadium führt eine Anreicherung der Stoffwechselendprodukte im Blut zu hochgradigen Vergiftungserscheinungen mit Beteilung des zentralen Nervensystems.

Abb. HDVJLLUV
Abb. HDVJLLUV: Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus).
Durch die eingeschränkte Leberfunktion werden die Gallenfarbstoffe nicht ausreichend ausgeschieden und lagern sich in Haut und Schleimhaut ein. Bei dieser Katze deuten die stark gelb gefärbten Konjunktiven (Augenbindehäute) auf eine Lebererkrankung hin.

Diagnose

Der Vorbericht über Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust führt – besonders bei übergewichtigen Katzen – schnell zum Verdacht eines Fettlebersyndroms.

Durch die Einlagerung der Fette in die Leber schwillt diese an. Diese Vergrößerung des Organs kann meist gut getastet werden, ist aber spätestens bei Röntgenaufnahmen oder Ultraschalluntersuchungen deutlich sichtbar.

Die gestörte Leberfunktion führt sehr schnell zu deutlichen Änderungen im Blutbild. Spezifische Organprofile (Leberwerte) können die Diagnose absichern. Eine eindeutige Diagnose ist auch durch eine Leber biopsie möglich. Dabei wird mit einer feinen Nadel Gewebe der Leber entnommen und mikroskopisch untersucht. Die Fetteinlagerungen in den Zellen sind deutlich sichtbar.

Behandlung

Katzen mit einem Fettlebersyndrom sind Intensivpatienten. Nur durch einen schnellen und umfassenden Behandlungsbeginn kann das Leben der Katze gerettet werden.

Die wichtigste Therapiemaßnahme ist eine Zwangsfütterung, die sofort eingeleitet und konsequent durchgeführt werden muss. Bei bereits bestehendem Fettlebersyndrom bleibt keine Zeit mehr, die Katze mit Lieblingsgerichten zum Essen zu bewegen. Bis zur Stabilisierung des Tieres kann es notwendig sein, Nährlösungen und Flüssigkeit durch Infusionen zu verabreichen. Anschließend kann das Futter durch eine Ernährungssonde, die durch Nase, Speiseröhre oder Bauchwand in den Magen gelegt wird, verabreicht werden. Die Futterration muss genau berechnet und mit verschiedenen Zusätzen wie Aminosäuren, Vitaminen und evtl. ungesättigten Fettsäuren angereichert werden.

Zur Vermeidung von Infektionen kann die Gabe von Antibiotika sinnvoll sein.

Prognose

Nur ein schneller und intensiver Therapiebeginn kann das Leben der Katze retten. Auch bei intensiver Therapie ist die Sterblichkeit hoch.

Vorbeugung

Jeder Appetitverlust einer – vor allem übergewichtigen – Katze sollte genau beobachtet und tierärztlich untersucht werden.

Eine übergewichtige Katze darf niemals auf eine radikale Diät gesetzt werden. Das beim Menschen übliche FDH („friss die Hälfte“) ist bei Katzen sehr gefährlich. Übergewicht muss bei Katzen sehr langsam reduziert werden.

Stand: 30.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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