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Katze: Feline Leukämievirus-Infektion

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: FeLV-Infektion, Feline Leukosevirusinfektion, Leukose

Eine Infektion mit dem Felinen Leukämievirus (FeLV) führt zu einer allgemeinen Immunschwäche und zur Tumorbildung. FeLV wird häufig auch als Leukose bezeichnet. Bei einer Leukose handelt es sich aber eigentlich um einen Sammelbegriff für Tumoren der weißen Blutzellen, die nicht unbedingt durch diese Virusinfektion entstanden sein müssen.

Ursachen

FeLV gehört zur gleichen Gruppe von Viren wie das humane Immunschwächevirus (HIV). Es ist aber nicht auf den Menschen übertragbar. Dieser Verwandtschaft entsprechend, ähnelt die FeLV-Infektion der Katze in ihrer Symptomatik teilweise dem erworbenen Immundefizienzsyndrom (AIDS = Acquired Immune Deficiency Syndrome) des Menschen. Das so genannte Katzen-AIDS wird allerdings durch ein anderes Virus (FIV = Felines Immundefizienz- Virus) hervorgerufen, das ebenfalls mit dem HIV verwandt ist.

Das FeL-Virus gelangt meist mit dem Speichel in die Maul- und Nasenhöhlen. Dort findet eine erste Vermehrung statt. Anschließend kommt es je nach Alter und Abwehrstatus der Katze zu folgenden Szenarien:

  • Etwa 30 – 50% der Katzen bekämpfen das Virus sofort und verhindern so eine Ausbreitung in andere Organe. Diese Katzen haben viele Antikörper und sind vermutlich lebenslang vor einer Neuinfektion geschützt. Man spricht dann von einer abortiven Infektion bzw. von Regressorkatzen.
  • Ein weiterer Teil der Katzen kann das Virus nicht sofort bekämpfen. Bei diesen Tieren gelangt das Virus in die Blutbahn. Zu diesem Zeitpunkt wird das Virus ausgeschieden und die Katze kann andere Katzen anstecken. Dann bestehen wieder verschiedene Möglichkeiten:
    • Einige Katzen können das Virus zu diesem Zeitpunkt bekämpfen und verhindern eine so Ansiedlung im Knochenmark. Diese Tiere haben dann ebenfalls Antikörper gebildet und sind lebenslang geschützt, man spricht von einer transienten Virämie. Die Viren sind bei diesen Tieren über 3 – 16 Wochen im Blut nachweisbar.
    • Einem anderen Teil dieser Katzen gelingt es nicht, das Virus aus der Blutbahn zu verdrängen und es kommt zu einem Befall des Knochenmarks. Das Virus "nistet" sich in der DNA Knochenmarkzellen ein und kann dort nicht mehr bekämpft werden. Diese Katzen sind lebenslang infiziert, man spricht von einer regressiven bzw. persistierenden Infektion. Hier gibt es wiederum zwei verschiedene Szenarien:
      • Das Abwehrsystem der Katze ist in der Lage, ausreichend Antikörper zu bilden um das Virus aus der Blutbahn zu verdrängen. Dann ist das Virus normalerweise nur im Knochenmark vorhanden und zirkuliert nicht in der Blutbahn. Die Katze scheidet deswegen auch kein Virus aus. Durch Stress oder Schwächung des Abwehrsystems kann es jedoch jederzeit wieder zu einer Aktivierung des Virus kommen: Das Virus zirkuliert dann doch wieder in der Blutbahn und die Katzen scheiden das Virus aus.
      • Das Abwehrsystem von 2 – 6% aller Katzen ist nicht in der Lage, das Virus zu bekämpfen. Diese Tiere scheiden das Virus dauerhaft aus und erkranken. Man spricht in diesem Fall von einer progressiven Infektion.
  • Etwa 10% der Katzen leiden an einer seltenen, atypischen Form einer FeLV-Infektion. Bei diesen Katzen siedelt sich das Virus nicht im Knochenmark sondern in anderen Organen wie Milchdrüse, Blase oder Auge an.

Nur 2 – 6% der mit FeLV infizierten Katzen erkranken also tatsächlich. Bei diesen Tieren vermehrt sich das Virus im Knochenmark mit den Knochenmarkzellen. Knochenmarkzellen entwickeln sich zu roten oder zu weißen Blutkörperchen. Rote Blutkörperchen sind wichtig für den Transport von Sauerstoff im Blut, die weißen Blutkörperchen bilden das Abwehrsystem. Sowohl rote als auch weiße Blutkörperchen werden durch das FeL-Virus in ihrer normalen Produktion gestört.

Abb. FZ76KU4O
Abb. FZ76KU4O: Schematische Darstellung Blutbestandteile.
Bei einer Erkrankung mit dem FeL-Virus werden sowohl rote als auch weiße Blutzellen geschädigt.

Ansteckung

Das Virus wird hauptsächlich über Speichel, aber auch Kot und Urin ausgeschieden. Eine Ansteckung ist bereits beim friedlichen Zusammenleben der Katzen durch gegenseitiges Beschnuppern, Lecken, Putzen und gemeinsames Benutzen einer Katzentoilette möglich – aber natürlich auch durch Bisse. Außerhalb der Katze kann das Virus allerdings nur sehr kurz überleben, es wird deswegen hauptsächlich direkt von Katze zu Katze und nicht über Gegenstände verbreitet. Katzenwelpen können sich auch bereits im Mutterleib anstecken. Die Übertragung des Virus durch Flöhe wird derzeit untersucht.

Leitsymptom

  • Immunschwäche (häufige Infektionen)
  • Blutarmut
  • Tumorbildung

Symptome

Wie bereits erwähnt, entwickeln nur sehr wenige Katzen mit einer FeLV-Infektion auch wirklich Krankheitssymptome. Der folgende Abschnitt bezieht sich also nur auf die wenigen, echten Erkrankungsfälle:

Die ersten Symptome einer FeLV-Infektion treten meist erst ein bis zwei Jahre nach der Ansteckung auf und sind sehr vielfältig in ihrem Erscheinungsbild. Klinisch können Infektionen mit FIV oder FeLV häufig nicht unterschieden werden.

Grundsätzlich unterscheidet sich der Krankheitsverlauf danach, welche Zellen im Knochenmark vom Virus befallen werden:

Sind Vorstufen roter Blutzellen betroffen, können nicht mehr genügend rote Blutkörperchen produziert werden. Dieser Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie) macht sich durch allgemeine Schwäche und Müdigkeit bemerkbar. Die Schleimhäute im Mund und am Auge erscheinen dann blass, fast weiß.

Abb. FZ5GS46W
Abb. FZ5GS46W: Anämie als Symptom einer FeLV-Infektion.
Bei einer FeLV-Infektion können im Knochenmark nicht mehr ausreichend rote Blutkörperchen gebildet werden. Die Konjunktiven (Augenbindehäute) sind dadurch sehr blass.

Werden dagegen hauptsächlich weiße Blutzellen geschädigt, fehlen Zellen für das Abwehrsystem. Es entsteht das Bild der Immunschwäche, d.h. die Katze erkrankt häufiger und schwerer an Infektionen, wie beispielsweise an Schnupfen, Abszessen, Ohren- und Zahnfleischentzündungen, und leidet oft unter starkem Floh- und Wurmbefall. Anstatt die weißen Blutzellen zu schädigen, kann das Virus diese Zellen auch zu vermehrtem Wachstum anregen. Dadurch können Tumoren in inneren Organen (Leber, Niere, Milz), der Haut oder in den Lymphknoten entstehen.

Die einmal ausgebrochene Krankheit endet immer tödlich.

Diagnose

Die Diagnose einer FeLV-Infektion erfolgt mit Hilfe eines Schnelltests, für den eine Blutprobe benötigt wird. Bei diesen Schnelltests handelt es sich um einen direkten Erregernachweis, es wird das Antigen nachgewiesen. Der Test ist also dann positiv, wenn gerade Virus im Blut zirkuliert. Wie unter Ursachen beschrieben, ist aber bei vielen Katzen das Antigen zu verschiedenen Zeitpunkten im Blut nachweisbar. Es kann aber keine Aussage darüber getroffen werden, ob die Katze erkranken wird.

Bei einer klinisch gesunden Katze sagt ein positives Testergebnis nur aus, dass sie sich gerade mit dem Virus auseinandersetzt und dass sie vielleicht in der Lage ist, das Virus vollständig zu bekämpfen. In diesem Fall muss der Test nach frühestens vier Wochen wiederholt werden. Bei einer kranken Katze, also einer Katze, die nicht nur infiziert ist, sondern bereits Symptome aufweist, beweist ein positives Testergebnis das Vorliegen einer progressiven FeLV-Infektion.

Unklare Ergebnisse der Schnelltests kommen relativ häufig vor und müssen durch aufwändigere Methoden in speziellen Labors überprüft werden. Dazu kann beispielsweise eine Tupferprobe von Speichel eingeschickt werden oder eine Punktion des Knochenmarks kann die Diagnose absichern.

Abb. GSVIHP81
Abb. GSVIHP81: Mit diesem Schnelltest können FIV und FeLV gleichzeitig getestet werden. Diese Katze ist nur mit FIV infiziert, nicht mit FeLV.

Behandlung

Infizierte Katzen (damit sind Katzen gemeint, bei denen wiederholt das Antigen nachgewiesen werden kann und die es demnach nicht mit Hilfe von Antikörpern unschädlich machen können), die noch keine klinischen Symptome zeigen, sollten keinen Freigang mehr haben und von gesunden, ungeimpften Katzen getrennt werden, da sie eine ständige Infektionsquelle darstellen. Außerdem ist ihr Abwehrsystem bereits geschwächt und sie müssen vor jeder Art von Infektion geschützt werden – auch aus diesem Grund sollte sie nicht mehr nach draußen kommen. Die wichtigste Maßnahme bei einer FeLV-infizierten Katze muss immer sein, die Katze vor Sekundärinfektionen zu schützen!

Eine bereits erkrankte Katze kann nur symptomatisch behandelt werden, es ist bisher nicht möglich, das Virus dauerhaft aus dem Körper zu eliminieren. Das bedeutet, dass die durch die Abwehrschwäche auftretenden Folgeinfektionen bekämpft werden können, beispielsweise mit Antibiotika. Tumoren können teilweise mit Chemotherapeutika im Wachstum gebremst werden. Verschiedene Therapieansätze mit so genannten Immunmodulatoren, Paraimmunitätsinducern oder antiviralen Medikamenten konnten bisher keine eindeutig belegbaren Verbesserungen erzielen.

Prognose

Durch eine symptomatische Behandlung können viele der infizierten Katzen einige Jahre gut überleben. Bei schwer erkrankten Katzen kann eine Einschläferung in Erwägung gezogen werden.

Vorbeugung

Katzen können gegen eine FeLV-Infektion geimpft werden. Diese Impfung bietet einen guten, aber nicht 100%igen Schutz. Nur gefährdete Katzen sollten geimpft werden, da sehr wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen der FeLV-Impfung und dem Felinen Fiborsarkom besteht. Die Impfung empfiehlt sich für Katzen mit Freigang und solche, die über Ausstellungen oder Katzenpensionen viel mit anderen Katzen in Kontakt kommen. Die Impfung reiner Wohnungskatzen ist überflüssig, da das Virus in der Außenwelt nur sehr kurz überleben kann und durch direkten Kontakt übertragen werden muss. Einige Tierärzte empfehlen vor der Impfung einen FeLV-Schnelltest, da die Impfung einer infizierten Katze überflüssig ist. Grundsätzlich sollte vor jeder Impfung durch ein ausführliches Gespräch mit dem Tierarzt geklärt werden, ob eine Impfung sinnvoll ist.

Eine Grundimmunisierung erfolgt – unabhängig vom Alter der Katze – zweimal im Abstand von 3 bis 4 Wochen. Wiederholungsimpfungen sind notwendig, je nach Hersteller erfolgen diese alle ein bis drei Jahre.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Impfungen.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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