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Katze: Epilepsie

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Fallsucht, Anfallsleiden

Epilepsien sind wiederholt auftretende Funktionsstörungen im Großhirn, die zu so genannten epileptischen Anfällen führen. Einen einmaligen epileptischen Anfall bezeichnet man noch nicht als Epilepsie, erst wenn wiederholt Anfälle auftreten, spricht man von dem Krankheitsbild der Epilepsie.

Diese Funktionsstörungen können entweder nur in einzelnen Bereichen des Gehirns auftreten oder beide Großhirnhälften gleichzeitig betreffen. Die beide Hälften betreffenden Anfälle werden als generalisierte Anfälle bezeichnet. In einzelnen Bereichen auftretende Anfälle nennt man auch partielle oder fokale Anfälle. Ein partieller Anfall kann sich jederzeit zu einem generalisierten Anfall entwickeln.

Generalisierte Anfälle sind in den meisten Fällen selbstlimitierend, d.h. sie hören nach wenigen Minuten wieder von selber auf. Sie können aber auch in einen lebensgefährlichen Status epilepticus übergehen. Als Status epilepticus bezeichnet man einen Anfall, der länger als etwa 5 Minuten andauert. Während des Status epilepticus kommt es zu starken Schädigungen im Gehirn, von denen sich die Katzen häufig nicht wieder erholen. Es besteht dann ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort einer tierärztlichen Intensivtherapie bedarf.

Als Cluster bezeichnet man eine Folge von Anfällen innerhalb eines Tages. Im Gegensatz zum Status epilepticus wird dabei ein Anfall zunächst beendet, bevor die Katze einen neuen erleidet.

Abb. FZ7CZONJ
Abb. FZ7CZONJ: Schematische Darstellung des Zentralnervensystems.
Bei epileptischen Anfällen liegen Funktionsstörungen im Großhirn vor.

Ursachen

Epilepsien können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.

Bei primärer Epilepsie geht man davon aus, dass die Neigung zu Krampfanfällen angeboren ist. Der genaue Grund für das Auftreten der Anfälle ist jedoch unbekannt, daher nennt man sie auch idiopathische Epilepsien. Idiopathisch bedeutet soviel wie "aus unbekannter Ursache". Diese Epilepsieform ist bei der Katze eher selten.

Als sekundäre Epilepsien bezeichnet man Anfallsleiden, bei denen bestimmte Veränderung oder Erkrankung für die Anfälle verantwortlich sind. Sekundäre Epilepsien sind bei Katzen deutlich häufiger als primäre Epilepsien. Die Ursachen können sowohl angeboren als auch im Laufe des Lebens erworben sein. Sie können im Gehirn selbst, aber auch außerhalb des Gehirns liegen:

  • Ursachen im Gehirn (intrakraniell): Entzündungen des Gehirns, Unfälle, Hirntumoren, angeborener Wasserkopf oder andere Hirnerkrankungen

Symptome

Partielle oder fokale Anfälle sind bei Katzen durch Bewusstseinsstörungen und so genannte stereotype Bewegungen gekennzeichnet. Dies sind beispielsweise Zuckungen im Gesicht, Im-Kreis-Laufen oder Kaubewegungen ohne Nahrungsaufnahme. Einige Katzen fauchen auch Gegenstände an. Häufig werden diese partiellen Anfälle übersehen.

Bei generalisierten Anfällen sind die Katzen zu Beginn häufig sehr unruhig, miauen viel oder verkriechen sich. Auch vermehrter Speichelfluss kann häufig beobachtet werden. Der Anfall kündigt sich dann mit Zuckungen im Gesicht, vor allem der Ohren und der Lippen, an. Diese Muskelverkrampfungen breiten sich dann auf den gesamten Körper aus. Der eigentliche Anfall ist in den meisten Fällen durch Bewusstlosigkeit gekennzeichnet. Betroffene Katzen liegen auf der Seite, speicheln stark und führen Kaubewegungen und Laufbewegungen in der Luft durch. Die Gliedmaßen werden starr vom Körper weggestreckt. Unbewusst wird Harn oder Kot abgesetzt. Bei einigen wenigen Tieren kommt es nur zur Bewusstlosigkeit, ohne dass zusätzlich Krämpfe auftreten. Der Anfall kann einige Minuten andauern und ist dann schlagartig vorbei. Nach dem Anfall sind die Katzen sehr erschöpft.

Diagnose

Die Diagnose von Epilepsien ist nur durch eine so genannte Ausschlussdiagnostik möglich. Alle Erkrankungen, die ebenfalls zu Anfällen führen können, beispielsweise Unterzuckerung, Vergiftungen, Niereninsuffizienz oder Hirnhautentzündungen, müssen ausgeschlossen werden. Auch die Krankengeschichte der Katze und ihrer Verwandten ist bei epileptischen Anfällen von großer Bedeutung. Mit Hilfe von verschiedenen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen und weiteren radiologischen Untersuchungsverfahren, wie Computertomographie (CT) und vor allem der Magnetresonanztomographie (MRT), kann die Erkrankungsursache näher eingegrenzt werden.

Eine Videoaufnahme des Anfalls kann dem Tierarzt wertvolle Hinweise geben!

Behandlung

Die Behandlung einer Epilepsie richtet sich nach der Ursache:

Bei einer sekundären Epilepsie ist es unter Umständen möglich, die Grunderkrankung erfolgreich zu behandeln, so dass die Anfälle aufhören.

Idiopathische Epilepsien sind nicht heilbar. Mit einer Behandlung können jedoch die Stärke und die Häufigkeit der epileptischen Anfälle gesenkt werden. Da jeder Anfall das Gehirn dauerhaft schädigt, sollten alle Katzen, die häufig oder besonders schwere Anfälle erleiden, lebenslang behandelt werden.

Verschiedene Medikamente aus der Humanmedizin, die unterschiedlich kombiniert werden können, stehen zur Behandlung von Epilepsien zur Verfügung. Man nennt diese Antiepileptika. Ursprünglich wurden diese Medikamente als Beruhigungs- und Betäubungsmittel entwickelt. Häufigste Nebenwirkungen einer Epilepsie-Therapie sind daher immer auch Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit. Bei jeder Therapie von Epilepsien gilt es deshalb, ein Gleichgewicht zwischen Anfallsfreiheit und Teilnahmslosigkeit zu schaffen. Glücklicherweise verlieren sich diese Nebenwirkungen mit der Zeit, nach etwa 2 – 8 Wochen haben sich die meisten Katzen daran gewöhnt.

Die oral eingegebenen Medikamente werden im Körper verstoffwechselt und ins Blut abgegeben. Die genaue Konzentration im Blut ist dann entscheidend für die Wirkung. Da der Stoffwechsel jeder Katze verschieden arbeitet und daher bei jedem Tier die gleiche Dosis zu einer unterschiedlichen Wirkstoffkonzentration im Blut führt, müssen regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt werden, bis die Katze richtig eingestellt ist. Für diesen Vorgang ist einige Geduld notwendig.

Auch nach erfolgreicher Einstellung der Katze sollte durch regelmäßige Blutuntersuchungen im Abstand von maximal 6 Monaten die Wirkstoffkonzentration überprüft werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Leberwerte zu überprüfen, da die Leber eine große Rolle im Stoffwechsel der Antiepileptika spielt und Schaden nehmen kann.

Bei einer Anfallsfreiheit von über 6 Monaten kann unter tierärztlicher Aufsicht versucht werden, die Dosis wieder zu verringern.

Prognose

Primäre Epilepsien sind nicht heilbar, können jedoch mit Hilfe von Medikamenten häufig gut kontrolliert werden. Bei einigen Katzen zeigen die Arzneimittel jedoch kaum Wirkung oder die Katzen verweigern die regelmäßige Einnahme der Tabletten. Eine Einschläferung kann dann in Erwägung gezogen werden.

Tipps

Während des Anfalls ist es für Sie als Besitzer wichtig, möglichst Ruhe zu bewahren. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Tier und räumen Sie Verletzungsmöglichkeiten aus dem Weg.

Ihre Katze ist nicht bei Bewusstsein und hat keine Kontrolle über ihren Körper. Daher sollten Sie nicht versuchen, Medikamente ins Maul zu geben oder Erbrochenes zu entfernen. Durch unkontrolliertes Beißen könnte Ihre Katze Ihnen sonst schwerwiegende Verletzungen zufügen. Um Erbrochenes zu entfernen und die Atmung sicherzustellen, können Sie Ihre Katze an den Hinterbeinen hochheben.

ACHTUNG

Eine Epilepsie-Behandlung kann nur erfolgreich sein, wenn die Medikamente konsequent zum richtigen Zeitpunkt in der errechneten Dosierung gegeben werden. Niemals darf die Dosis ohne Rücksprache mit dem Tierarzt verändert werden. Jede Änderung der Dosierung oder gar des Medikaments kann zu so genannten Entzugsanfällen führen oder einen Status epilepticus auslösen!

Stand: 29.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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