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Katze: Atopische Dermatitis

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Atopie

Eine Atopie ist eine entzündliche und juckende allergische Hauterkrankung. Allergien wiederum sind Krankheiten, die durch eine überschießende Reaktion des Abwehrsystems auf so genannte Allergene entstehen. Allergene sind körperfremde Substanzen, die eingeatmet oder geschluckt werden können oder durch direkten Hautkontakt das allergische Geschehen hervorrufen.

Neben der hier behandelten Atopie ist vor allem Flohspeichelallergie eine häufige allergische Hauterkrankung bei Katzen. Diese Allergien können klinisch nicht voneinander unterschieden werden und treten auch gemeinsam auf.

Ursachen

Bei einer Atopie wird durch einen wiederholten Kontakt mit eigentlich harmlosen Substanzen (Allergene) wie Hausstaubmilben, Pilzsporen oder Pollen eine allergische Reaktion ausgelöst. Meistens dringt das Allergen über die Haut in den Körper ein. Klinische Symptome einer Allergie treten erst nach wiederholtem Kontakt mit dem gleichen Allergen auf. Beim Erstkontakt mit dem Allergen wird das Abwehrsystem sensibilisiert, d.h. es "merkt" sich den Fremdstoff als Eindringling. Beim nächsten Kontakt kann es dann sehr schnell und überschießend reagieren. Atopien werden nur selten vor dem 6. Lebensmonat beobachtet, da zunächst die Sensibilisierung erfolgen muss.

Atopie ist der beim Menschen häufig auftretenden Neurodermitis sehr ähnlich.

Leitsymptom

  • Juckreiz

Symptome

Typisch für eine Atopische Dermatitis sind stark juckende Veränderungen der Haut. Diese können sich als so genannte miliare Dermatitis über den gesamten Körper ausbreiten oder auch nur einzelne Körperbereiche betreffen. Durch den starken Juckreiz kratzen, beißen oder lecken sich die Katzen und es kommt zu Haarausfall, der häufig symmetrisch am Bauch und an den Flanken verteilt ist. Durch die spitzen Krallen entstehen auch sehr schnell blutige Wunden, die eher nach Kampfhandlungen als nach einer Allergie aussehen. Viele Katzen verstecken sich beim Kratzen und die Tierhalter sehen dann die Veränderungen an der Haut und finden viele Haarbüschel. An die vorgeschädigte Haut können sich leicht Bakterien oder Hautpilze anlagern, es entstehen so genannte Sekundärinfektionen.

Möglich ist auch die Entwicklung von Hautveränderungen, die zum so genannten Eosinophilen-Granulom-Komplex gehören.

Diagnose

Für die Diagnose Atopische Dermatitis müssen andere juckende Hauterkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu zählen insbesondere der Befall mit Ektoparasiten, Flohspeichelallergien und Futtermittelallergien. Dies kann häufig schon durch einen gründlichen Vorbericht geschehen: Ein jahreszeitliches Auftreten der Allergie spricht beispielsweise für eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Pollen. Flöhe treten in unserer gemäßigten Klimazone inzwischen ganzjährig auf und auch eine Futtermittelallergie ist jahreszeitlich unabhängig. Außerdem wird die Katze auf typische klinische Symptome und das Verteilungsmuster der Hautveränderungen untersucht. Ggf. müssen auch psychogen bedingte Haut- und Haarveränderungen ausgeschlossen werden.

Mit Hilfe einer Blutuntersuchung oder einem Intrakutantest kann die Diagnose weiter eingegrenzt werden, d.h. das oder die auslösende Allergene können identifiziert werden. Bei einem Intrakutantest werden die seitliche Brustwand der Katze geschoren und verschiedene Allergene in die Haut gespritzt. Nach 15 – 30 Minuten kann dann anhand der erfolgten Reaktion ein Ergebnis abgelesen werden. Eine ähnliche Untersuchung kann in speziellen Labors mit Blutproben durchgeführt werden. Dabei wird das Blut auf spezielle Antikörper untersucht, die sich gegen die Allergene richten. Leider sind diese Untersuchungsverfahren noch nicht 100%ig zuverlässig: Liegt ein negatives Untersuchungsergebnis vor, kann die Katze in Einzelfällen trotzdem an Atopischer Dermatitis leiden. Außerdem können auch gesunde Katzen positive Testergebnisse haben, wenn sich ihr Abwehrsystem in der Vergangenheit mit den Allergenen auseinandergesetzt hat. Diese Katzen brauchen dann nicht zwangsläufig allergisch zu sein. Daher erlaubt nur die Kombination aus klinischem Bild, Ausschlussdiagnostik und ggf. Allergietest eine Diagnose.

Allergietests können durch eine Vielzahl von Medikamenten beeinflusst werden. Vor einer Durchführung sollten daher alle Medikamente – auch solche, die bereits vor einigen Wochen eingenommen wurden – mit einem Tierarzt besprochen werden.

Behandlung

Allergien sind leider nicht heilbar, können aber meist durch eine Behandlung so kontrolliert werden, dass die Lebensqualität der Katze erhalten bleibt. Grundsätzlich stehen vier verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung:

  1. Vermeidung der Allergie-auslösenden Substanz: Nur in seltenen Fällen kann der genaue Auslöser für die allergische Reaktion gefunden werden – und noch seltener dann auch vermieden werden. Bei einer Allergie auf bestimmte Pollen kann höchstens versucht werden, die Katze für die Zeit des Pollenfluges im Haus zu halten.
  2. Hyposensibilisierung/Desensibilisierung: Bei einer so genannten Desensibilisierung wird die allergische Katze regelmäßig mit dem Allergen konfrontiert, um eine Gewöhnung zu erzielen. Dazu wird eine auf den Ergebnissen des Intrakutantests basierende Injektionslösung hergestellt. Diese Lösung wird der Katze regelmäßig unter die Haut gespritzt. Die Abstände der Injektionen werden immer weiter vergrößert, die Therapie erfolgt jedoch lebenslang.
  3. Medikamentöse Therapie: Zur medikamentösen Therapie kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz:
    • Antihistaminika wirken antiallergisch, entzündungshemmend und verringern den Juckreiz. Die häufigste Nebenwirkung dieser Medikamenten-Gruppe ist Schläfrigkeit.
    • Kortison kann lokal oder systemisch verabreicht werden. Insbesondere die systemische Behandlung ist von starken Nebenwirkungen begleitet und sollte nur vorübergehend und bei sehr starkem Juckreiz erfolgen.
    • Immunsuppressiva und Immunmodulatoren dämpfen das körpereigene Abwehrsystem, das bei einer Allergie überempfindlich reagiert. Die Anwendung bei Katzen ist noch relativ neu, daher sind eventuell noch nicht alle Nebenwirkungen bekannt.
  4. Unterstützung der Hautfunktion: Die Fütterung essentieller Fettsäuren kann die allergischen Symptome vieler Tiere deutlich lindern. Außerdem kann durch die Gabe essentieller Fettsäuren häufig die Dosis anderer Medikamente verringert werden.

Leider gibt es kein allgemeingültiges Therapieschema, da jede Katze sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Allergene und die möglichen Behandlungsmaßnahmen reagiert. In den meisten Fällen müssen verschiedene Behandlungen ausprobiert werden, bis ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden kann.

Prognose

Die Prognose einer Allergie richtet sich nach dem auslösenden Allergen, der Haltungsform der Katze und der Ansprache auf die Behandlungsmöglichkeiten. Bei den meisten Katzen kann mit einiger Geduld die Allergie so kontrolliert werden, dass eine hohe Lebensqualität erhalten bleibt.

Vorbeugung

Allergiegefährdete Tiere besitzen meist eine Überempfindlichkeit auf verschiedene Ursachen, beispielsweise einen Futterinhaltsstoff und Graspollen. Diese Allergiefaktoren summieren sich, bis eine bestimmte Juckreizschwelle erreicht ist und Symptome auftreten. Die Juckreizschwelle ist bei jeder Katze unterschiedlich hoch. Durch vorbeugende Maßnahmen kann versucht werden, die Juckreizschwelle nicht zu überschreiten. Dazu gehört beispielsweise eine regelmäßige Behandlung gegen Parasiten.

Abb. FZ74FZU9
Abb. FZ74FZU9: Das Prinzip der Juckreizschwelle.

Stand: 23.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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