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Katze: Asthma

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Felines Asthma-Syndrom, FAS, chronische allergische Bronchitis

Felines Asthma ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege der Katze. Ungefähr 5% aller Katzen scheinen im Laufe ihres Lebens an Asthma zu erkranken. Die Krankheit weist viele Parallelen zum allergischen Asthma beim Menschen auf.

Zum besseren Verständnis der Erkrankung wird zunächst der Aufbau der Atemwege kurz erklärt: Die sauerstoffreiche Atemluft strömt durch Nasenlöcher, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich im Brustraum in zwei Hauptbronchien auf. Im weiteren Verlauf verzweigen sich die Hauptbronchien wie die Äste eines Baumes immer weiter. Zunächst spalten sich die Hauptbronchien in die kleinen Bronchien auf und diese dann in die noch kleineren Bronchiolen. Die Bronchiolen münden in den Lungenbläschen (Alveolen), in denen der Gasaustausch stattfindet: Das sauerstoffarme Blut gibt Kohlendioxid (CO2) in die Atemluft ab und nimmt wieder Sauerstoff auf. Zwischen den Lungenbläschen befindet sich Bindegewebe, das eine Art Gerüst für die Lungenbläschen darstellt und in dem die Blutgefäße verlaufen. Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen verfügen über verschiedene Mechanismen, um mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper wieder zu beseitigen. Man nennt dies auch die Selbstreinigung oder Clearance der Atemwege:

  • Sie sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese trägt kleine, bewegliche Härchen, das so genannte Flimmerepithel, das Fremdstoffe mit einer Art synchronem Wellenschlag wieder nach draußen befördern soll.
  • Die Schleimhaut produziert flüssigen Schleim, auf dem die Fremdstoffe nach draußen „schwimmen“ sollen.
  • Die Atemwege sind von Muskulatur umgeben, die sich bei Reizung der Schleimhaut zusammenzieht. Dies löst Husten aus. Die Bronchiolen können sich so stark zusammenziehen, dass ihr Durchgang vollständig versperrt ist.

Abb. HC8WK1Z8
Abb. HC8WK1Z8: Schematische Darstellung der Atemwege.

Ursachen

Nach derzeitigem Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen ist Asthma bei der Katze – ebenso wie beim Menschen – ein allergisches Geschehen. Ein so genanntes Allergen, also eine Substanz, auf die die Katze allergisch reagiert, wird mit der Atemluft aufgenommen. Das Abwehrsystem der Katze reagiert auf dieses Allergen überempfindlich. Welche Allergene zu einem Asthmaanfall führen, bleibt meist unbekannt. Oft sind mehrere Faktoren beteiligt. Vermutet wird häufig eine allergische Reaktion auf Zigarettenrauch, staubendes Katzenstreu, Deodorants, Parfums und jede Art von Raumspray. Bei jahreszeitlichem Auftreten der Asthmaanfälle kann auch bestimmter Pollen als Allergen wirken. Im Allgemeinen steigt die Überempfindlichkeit des Abwehrsystems durch wiederholten Kontakt mit dem Allergen: Je häufiger eine Katze also mit der auslösenden Substanz in Kontakt kommt, desto heftiger wird jedes Mal die Reaktion ausfallen.

Während eines Asthmaanfalls spielt sich in den Atemwegen Folgendes ab:

  • Verkrampfung der Muskulatur der Bronchiolen mit daraus folgender Verengung der unteren Atemwege.
  • Vermehrte Bildung von Schleim, der durch die Verengung nicht abgehustet werden kann. Der Schleim bleibt dadurch in den tiefen Atemwegen liegen, trocknet ein und verklebt das Flimmerepithel. Dadurch werden die Selbstreinigungskräfte der Lunge weiter eingeschränkt.

Dies hat zur Folge, dass der Sauerstoffaustausch in den unteren Atemwegen nicht ausreichend erfolgen kann. Je nachdem, wie viele Lungenbereiche betroffen sind, kommt es zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Atemnot.

Betroffene Katzen sind meist zwischen 2 und 8 Jahren alt, weibliche Tiere sind etwa doppelt so häufig betroffen. Siamesen scheinen einigen Quellen zufolge vermehrt zu erkranken.

Leitsymptom

  • Husten
  • Atemnot

Symptome

Grundsätzlich muss bei der Symptomatik zwischen einem akuten Asthmaanfall oder einem chronischen Geschehen unterschieden werden:

Bei einem akuten Anfall steht hochgradige Atemnot im Vordergrund. Die Katze atmet schwer durch das Maul oder schnappt nach Luft, Kopf und Hals werden dabei nach vorne gestreckt. Die Zunge ist deutlich blau gefärbt.

Bei chronischem Asthma sind Husten und Keuchen die deutlichsten Symptome. Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass der Katze besonders die Ausatmung schwer fällt. Viele Tierhalter vermuten häufig, dass die Katze vergeblich versucht einen Haarballen hochzuwürgen. Typisch bei Asthma ist, dass diese Symptome anfallsartig auftreten. Zwischen den einzelnen Anfällen – und dies kann Tage oder auch Monate sein – atmet die Katze vollkommen normal.

Abb. FZ5GA87K
Abb. FZ5GA87K: Maulatmung bei Atemnot.
Als Folge eines Asthmaanfalls kann massive Atemnot entstehen. Diese äußert sich durch Maulatmung.

Diagnose

Leider gibt es keinen Test, der die Diagnose Asthma eindeutig stellen kann. Es kann nur mit Hilfe verschiedener Untersuchungen versucht werden, andere Erkrankungen auszuschließen, also eine so genannte Ausschlussdiagnostik durchzuführen. Dazu ist auch der Vorbericht des Tierhalters sehr wichtig. Wenn die Katze beispielsweise am Mittelmeer war, könnten die Asthma artigen Symptome durch Herzwürmer ausgelöst werden.

Folgende Untersuchungsverfahren kommen zum Ausschluss anderer Erkrankungen häufig zum Einsatz:

  • Blutuntersuchungen: Unterschiedliche Erkrankungen führen zu unterschiedlichen Verschiebungen im Blutbild, die beispielsweise Hinweise auf bakterielle oder virale Entzündungen oder Parasiten geben können.
  • Kotuntersuchungen: Lungenspulwürmer verursachen eine ähnliche Symptomatik wie Felines Asthma. Bei Freigängern kann deshalb eine Kotuntersuchung auf Lungenspulwürmer sinnvoll sein. Die Eier werden allerdings nicht kontinuierlich mit dem Kot ausgeschieden. Es kann deswegen notwendig sein, die Kotuntersuchungen wiederholt durchzuführen oder die Katze prophylaktisch zu entwurmen.
  • Röntgenuntersuchungen : Bei einigen Katzen führt Asthma zu typischen Veränderungen im Röntgenbild, bei etwa 25% der Tiere ist das Röntgenbild vollkommen unauffällig. Tumorerkrankungen u.a. können jedoch so ausgeschlossen werden.
  • Lungenspülungen: Bei einer Lungenspülung (BAL, bronchoalveoläre Lavage) wird etwas sterile Flüssigkeit in die Lunge der Katze – die für diese Untersuchung eine Narkose benötigt – eingeleitet. Dies geschieht entweder "blind" oder unter Sichtkontrolle im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung. Die Spülflüssigkeit wird abgesaugt und beispielsweise auf Entzündungszellen, Bakterien und Parasiten (z.B. Lungenwürmer) untersucht.

Wenn mit Hilfe dieser Untersuchungen keine andere Ursache für das Leiden der Katze gefunden wird, ist die Diagnose Felines Asthma gerechtfertigt. Die in der Humanmedizin üblichen Lungenfunktionsmessungen zur Diagnose von Asthma finden routinemäßig in der Katzenmedizin noch keine Anwendung.

Behandlung

Die Behandlung von Felinem Asthma unterscheidet sich grundsätzlich bei einem akuten oder chronischen Anfall:

Katzen in einem akuten Asthmaanfall sind Notfallpatienten, die sofort tierärztlich behandelt werden müssen. Sie benötigen u.a. Sauerstoff und Kortison. Die Medikamente werden injiziert und wirken dadurch systemisch.

Bei chronischem Asthma richtet sich die Behandlung nach der Schwere und der Häufigkeit der Anfälle. Es stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die entweder nur bei Bedarf – also wenn Atemnot vorliegt – oder als Dauertherapie eingesetzt werden können. Diese Medikamente werden idealerweise mit Hilfe von Inhalatoren gegeben, da so überwiegend eine lokale Wirkung erzielt wird und die Nebenwirkungen gering sind. Es gibt spezielle Inhalatoren, die mit einiger Übung gut bei Katzen eingesetzt werden können. Nur in Ausnahmefällen muss die Behandlung durch Tabletten oder Injektionen erfolgen. Folgende Medikamente finden häufige Anwendung:

  • Kortison: Als Folge eines Asthmaanfalls entstehen häufig Entzündungen, die zur Zerstörung von Lungengewebe führen. Kortison wirkt stark entzündungshemmend und hilft dadurch den Verlust von Lungengewebe zu vermeiden.
  • Bronchodilatatoren: Diese Medikamente können die Verkrampfungen der Muskulatur in den Bronchien lösen und diese dadurch weit stellen.
  • Schleimlöser: Der von der Schleimhaut produzierte Schleim trocknet ein und verklebt das Flimmerepithel. Mit Hilfe von Schleimlösern wird dieser wieder flüssig und kann durch die weit gestellten Bronchien abgehustet werden.

Eine Vermeidung der Allergene wäre natürlich die beste Behandlung für die Katze, leider werden diese jedoch nur in den seltensten Fällen eindeutig identifiziert. Die in der Humanmedizin üblichen Allergietests liefern bei Katzen sehr selten aussagekräftige Ergebnisse und werden routinemäßig nicht eingesetzt.

Prognose

Asthma ist nicht heilbar, durch die Behandlung wird lediglich versucht, die Schwere und Häufigkeit der Asthmaanfälle zu verringern und den fortschreitenden Verlust von Lungengewebe zu verhindern. Bei leichtem Asthma gelingt dies in der Regel gut, Katzen mit schwerem Asthma haben eine schlechtere Prognose. Die Behandlung muss lebenslang erfolgen, nur bei wenigen Tieren vergrößert sich der Abstand der Anfälle durch die Therapie dauerhaft.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Asthma ist die Vermeidung von Allergenen, die häufig an der Entstehung von Asthma beteiligt sind. Dazu gehören insbesondere Zigarettenrauch, staubendes Katzenstreu und jede Art von Spray – insbesondere Raumsprays. Vor allem die Vermeidung von Zigarettenrauch tut nicht nur Ihrer Katze gut....

Stand: 23.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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