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Katze: Arthrose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Osteoarthrose, degenerative Gelenkerkrankung

Arthrosen sind nicht-infektiöse, chronische Gelenkveränderungen, die zu Schmerzen und zunehmender Bewegungseinschränkung des Gelenks führen. Bis vor einiger Zeit wusste man wenig über Arthrosen bei Katzen. Neueren Untersuchungen zufolge bestehen jedoch bei etwa einem Drittel der Katzen über 7 Jahre arthrotische Veränderungen, denen Schmerzhaftigkeit unterstellt werden kann. Bei Katzen über 12 Jahren scheinen sogar über 90% der Tiere betroffen zu sein.

Um die Vorgänge, die sich bei dieser Gelenkentzündung abspielen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen. Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:

  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern

Abb. G624LSED
Abb. G624LSED: Schematische Darstellung eines Gelenks
Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Gelenkflüssigkeit ist also extrem wichtig für das Funktionieren eines Gelenks. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Dies wird unter anderem durch Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Die Gelenkflüssigkeit wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran gebildet.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung von Arthrosen sind sehr unterschiedlich und können häufig nicht genau nachvollzogen werden. Da bei Katzen dieses Forschungsgebiet erst seit relativ kurzer Zeit Beachtung findet, werden sicherlich in den nächsten Jahren genauere Erkenntnisse folgen. Folgende Faktoren sind häufig an der Entstehung von Arthrosen beteiligt:

Im Grunde sind die Vorgänge im Gelenk, die aufgrund der genannten Ursachen ablaufen, vergleichbar: Zunächst kommt es zu einer Beeinträchtigung des Gelenkknorpels. Dieser wird entweder direkt verletzt, angegriffen oder allmählich abgenutzt. Es entstehen Defekte und Risse im Knorpel, auf die der darunterliegende Knochen mit Umbauvorgängen reagiert. Der geschädigte Knorpel wird weiter abgebaut und der Körper bildet statt dessen Knochenmaterial, das in den Gelenkspalt hineinragt. Dieses Knochenmaterial scheuert im Gelenk, weil die Oberfläche des Knochens viel rauer ist als die des Knorpels. Weiterer Knorpel wird durch die Reibung verletzt und so unterhält sich die Erkrankung in einer Art Teufelskreis selbst. Die Gelenkkapsel wird durch die dauernde Reizung dicker und derb. Die Produktion der Gelenkflüssigkeit kann dadurch beeinträchtigt sein, so dass die Synoviamenge vermindert ist. Dadurch verringert sich ihre Schmierwirkung, was zusätzlich die Reibung im Gelenk erhöht.

Symptome

Arthrosen verursachen chronische Schmerzen. Chronische Schmerzen sind bei Katzen jedoch sehr schwierig zu erkennen. Lahmheit ist bei Katzen ein sehr seltenes Symptom, das lediglich bei hochgradigen Schmerzen durch Frakturen, Arthritis oder Luxationen auftritt. Jedes Anzeichen von Schmerz und Schwäche hätte eine Wildkatze zum Opfer gemacht, dieses Verhalten ist in Hauskatzen noch tief verankert. Eine Katze wird daher immer lieber sitzen bleiben und jede Bewegung vermeiden, bevor sie hinkt.

Chronische Schmerzen bei Katzen äußern sich daher eher durch Verhaltensänderungen. Diese veränderten Verhaltensweisen werden meist nicht mit Schmerzen in Verbindung gebracht: Die Katze bewegt sich weniger, bleibt lieber im Erdgeschoss des Hauses oder meidet ihren Lieblingsplatz auf dem Schrank. Auch Unsauberkeit kann ein Anzeichen von chronischen Schmerzen durch Arthrosen sein, weil beispielsweise der Eingang zur Katzentoilette zu hoch oder zu schmal ist und das Streu zu tief. Weitere Anzeichen schmerzhafter Arthrosen können sein:

  • Vernachlässigung der Fellpflege
  • Verstopfung
  • fehlendes Strecken und Dehnen
  • lange Krallen – sie werden nicht mehr ausreichend abgelaufen und auch der Kratzbaum wird immer weniger genutzt

Viele dieser Symptome werden dann häufig dem Alter zugeschrieben und Arthrosen sind in der Tat häufig altersbedingt. Eine ältere Katze darf sicherlich etwas fauler und gemütlicher sein, sie sollte jedoch keine Schmerzen leiden!

Diagnose

Zur Diagnose von Arthrosen bei Katzen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Katzenhalter notwendig. Der Tierarzt kann den Halter nur für das Thema sensibilisieren, im Wesentlichen ist er dann auf Beobachtungen und Schilderungen des Besitzers angewiesen. Katzen bewegen sich – im Gegensatz zu Hunden – nicht frei in der Praxis, sondern bleiben auf dem Behandlungstisch sitzen. Zudem ist ein Tierarztbesuch für Katzen in den meisten Fällen mit hochgradiger Anspannung verbunden und sie zeigen keine Schwäche in Form von Schmerzen oder Lahmheiten.

Wenn der Verdacht auf arthrotische Veränderungen besteht, kann mit Hilfe von Röntgenbildern versucht werden, die Arthrosen in den Gelenken sichtbar zu machen. Dazu kann eine kurze Narkose notwendig sein. Es können auch versuchsweise Schmerzmittel gegeben werden, um eine so genannte diagnostische Behandlung durchzuführen. Bewegt sich die Katze unter der Medikation deutlich mehr, kann von schmerzhaften arthrotischen Veränderungen ausgegangen werden.

Abb. FZ5FX154
Abb. FZ5FX154: Arthrose im Kniegelenk.
Der Pfeil zeigt auf deutliche arthrotische Veränderungen im Kniegelenk.

Behandlung

Arthrosen sind nicht heilbar! Bereits bestehende arthrotische Veränderungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden, es kann lediglich versucht werden, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und Schmerzen zu lindern.

Folgende Maßnahmen führen meist zu einer deutlichen Verringerung der Schmerzen:

  • Medikamente: Mit Hilfe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Arzneimitteln können Schmerzen deutlich vermindert werden. Je nach Ausmaß der Erkrankung, Alter des Tieres und Schmerzempfindlichkeit wird der Tierarzt genau abwägen, welches Medikament oder welche Kombination von Medikamenten langfristig die besten Erfolge erzielt. Insbesondere müssen mögliche Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden, da die Arzneimittel meist lebenslang eingenommen werden müssen. Häufig müssen auch verschiedene Medikamente ausprobiert werden, da die Katzen unterschiedlich auf die Wirkstoffe ansprechen.
  • Gewichtsreduktion: Bei übergewichtigen Katzen muss eine Gewichtsreduktion erfolgen, um die Gelenke weniger zu belasten.

Zusätzlich können Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Muschelextrakte), Akupunktur, Chiropraktik, Physiotherapie und andere alternative Heilverfahren schmerzlindernd wirken.

Bei schweren Arthrosen kann eine chirurgische Behandlung Linderung verschaffen:

  • künstliche Versteifung des Gelenks (Arthrodese)
  • Entfernung des Gelenkkopfes (z.B. bei Hüftgelenkarthrose)
  • Einbringen eines künstlichen Gelenks (Hüft-, Knie- oder Ellenbogengelenk)

Prognose

Arthrose ist eine chronische Erkrankung, die mit den bisher verfügbaren Therapien nicht geheilt werden kann. Das Fortschreiten der Knorpel- und Gelenkveränderungen nimmt mit der Dauer der Erkrankung zu. Durch eine möglichst frühzeitige Behandlung und ggf. eine Operation kann jedoch über viele Jahre eine Beschwerdefreiheit oder eine Linderung der Schmerzen erreicht werden.

Vorbeugung

Übergewicht ist eine häufige Ursache für Arthrosen! Achten Sie daher auf das Normalgewicht Ihrer Katze und fragen Sie gegebenenfalls Ihren Tierarzt um Rat.

Tipps

Der Tierbesitzer kann die Lebensqualität der Katze meist durch kleine Veränderungen in der Umgebung weiter verbessern. Die Katzenklappe kann vergrößert werden, damit sich die Katze nicht mehr durchschlängeln muss. Futter, Wasser und Katzengras sollten leicht erreichbar platziert werden und kleine Zwischenstufen können das Erreichen von Lieblingsplätzen erleichtern. Außerdem lieben besonders ältere Katzen weiche und warme Unterlagen.

Stand: 22.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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