petSpot
enpevetenpevita

Kaninchen: Vergiftungen

Weitere Bezeichnung: Intoxikation

Vergiftungen sind bei Kaninchen glücklicherweise selten. Verschiedene Giftstoffe, die im Umfeld der Kaninchen eingesetzt werden, können aber bei unsachgemäßer Handhabung eine Gefahrenquelle darstellen.

Die Krankheitserscheinungen bei einer Vergiftung sind wenig spezifisch, und auch nach einer Untersuchung gestorbener Tiere kann oft nur ein Verdacht geäußert werden. Beweisend ist der Nachweis eines Giftstoffes im Darminhalt oder in Organen durch eine chemisch-toxikologische Untersuchung, die allerdings in der Regel mit hohen Kosten verbunden ist.

Zeichen einer akuten Vergiftung können sein:

  • Störung des Gleichgewichts
  • Lähmungen
  • Atemnot
  • Speicheln
  • blutiger Nasenausfluss
  • Verstopfung
  • blutiger Durchfall
  • Blut im Harn
  • Aborte bei tragenden Häsinnen

Chronische Vergiftungen zeigen sich durch

  • Abmagerung
  • Hautschäden, Haarausfall
  • Bewegungsstörungen
  • Lähmungen
  • Blutarmut
  • Gelbsucht

Grundsätzlich ist es für den Tierarzt nicht einfach, die Diagnose Vergiftung zu stellen. Es bedarf hierbei eines genauen Vorberichts, und gegebenenfalls muss das Umfeld der Kaninchenhaltung genauestens betrachtet und untersucht werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Kaninchenhalter ist erforderlich, um alle möglichen Informationen zu erhalten und alle Ursachen in Betracht ziehen zu können.

Bei allen Vergiftungen gilt der bereits sehr alte Ausspruch von Paracelsus: „ Die Dosis macht das Gift“. Die Menge des aufgenommenen Giftstoffes ist entscheidend für den Verlauf der Erkrankung. Kleine Mengen aufgenommener Giftstoffe können toleriert werden oder bei wiederholter Aufnahme zu chronischen Vergiftungen führen, hohe Toxinaufnahmen führen sehr schnell zu akuten Vergiftungserscheinungen. Behandlungsmaßnahmen können beim Vorliegen eines Vergiftungsverdachtes nur erfolgreich sein, wenn sie früh genug durchgeführt werden.

Vergiftungen durch chemische Stoffe

Verschiedene Stoffe kommen in Frage, die an Kaninchen und in der Umgebung der Kaninchen angewendet werden und durch Unachtsamkeit oder unsachgemäße Anwendung Schäden hervorrufen können.

  • Arzneimittel: Antibiotika können zu Durchfall, Dysenterie, Haarausfall und Abmagerung führen.
  • Insektizide: Nach äußerlicher Anwendung zur Behandlung von Außenparasiten kann das Insektizid abgeleckt werden. Jungtiere sind besonders gefährdet. Die Tiere zeigen Benommenheit, Krämpfe, Lähmungen, Durchfall.
  • Holzschutz- und Rostschutzmittel: Nach der Behandlung der Stallungen oder Geräte mit diesen Mitteln muss das Benagen und Belecken der Materialien verhindert werden. Die Stallungen müssen einige Tage leerstehen und gut belüftet werden. Betroffene Kaninchen zeigen Abmagerung, Haar- und Hautschäden, Blutarmut, Gelbsucht.
  • Rückstände in Pflanzen (Düngemittel, Pflanzenschutzmittel):
    • Stickstoffverbindungen: Diese werden nach übermäßiger Düngung in Grünpflanzen eingelagert. Nach der Futteraufnahme kann im Körper das giftige Nitrosamin entstehen und zu Benommenheit, Atemnot, Speicheln, Durchfall und Blutungen führen. Enthält das Trinkwasser, z.B. aus einem eigenen Brunnen, zuviel Nitrat, können ähnliche Krankheitserscheinungen auftreten. Meist handelt es sich um chronische Erkrankungen mit Haarausfall und einer verminderten Fruchtbarkeit bei Häsinnen.
    • Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide): Mit diesen Stoffen behandeltes Futter darf nicht an Kaninchen verfüttert werden. Bei Grünfütterung muss darauf unbedingt geachtet werden! Die betroffenen Tiere zeigen Benommenheit, Krämpfe und Durchfall.
  • Schädlingsbekämpfungsmittel: Hierzu zählen Stoffe wie DDT, Aldrin, E605, Parathion u.a. Vergiftungen führen zu Benommenheit, Taumeln, Speicheln, Abmagerung, Blutungen, Blutarmut, Gelbsucht.
    • Rodentizide (gegen Ratten und Mäuse): Die Giftstoffe müssen so ausgebracht werden, dass sie für die Kaninchen nicht zugänglich sind. Köder dürfen nicht in der Nähe von Kaninchenfutter liegen. Die Tiere sind bei der Aufnahme solcher Stoffe benommen, zeigen Blutungen und speicheln stark.
  • Desinfektionsmittel: Rückstände von Desinfektionsmitteln werden oral aufgenommen oder die Dämpfe reizen Schleimhäute und Atemwege. Man sieht Tränenfluss, Nasenausfluss, Bindehautentzündung.

Vergiftungen durch Giftpflanzen

Giftige Pflanzen werden den Kaninchen in Unkenntnis angeboten, wenn frisches Grünfutter an Feld- und Wegrändern gesammelt wird. Auch im getrockneten Zustand können einzelne Giftpflanzen noch Schaden anrichten. In Verdachtsfällen muss das Futter mit den darin enthaltenen Pflanzen analysiert werden. Solche Untersuchungen führen botanische Institute und Pflanzenschutzämter durch.

Folgende Giftpflanzen sind bereits in geringen Mengen für Kaninchen tödlich:

  • Adlerfarn
  • Bingelkraut
  • Fingerhut
  • Gartenschierling
  • Herbstzeitlose
  • Kartoffelkraut und -keimlinge
  • Eibe
  • Oleander
  • Efeu
  • Tomatenpflanzen
  • Buchweizen
  • Eisenhut
  • Goldregen
  • Hahnenfuß
  • Klatschmohn
  • Kornrade (Samen)
  • Lupine, gelb (Samen, Stroh)
  • Schachtelhalm-Arten
  • Schöllkraut (Wurzel, Frucht)
  • Senfartige (Scharfer Senf, Weißer Senf, Ackersenf)
  • Wolfsmilch
Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
06.03.2017: Bella L.
Richtig, auch Schachtelhalm und Senf werden gerne gefressen und verursachen im Gemisch keine Probleme!!!
11.06.2014: LG
Die Giftpflanzenaufzählung stimmt so nicht!
Hahnenfuss, Efeu, Schöllkraut, Goldregen ... ect. werden von Kaninchen problemlos gefressen.

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.